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<>< Predigt zum 21. Sonntag nach Trinitatis, Marbella und Fuengirola

(Friedhelm Peters)

21. Sonntag nach Trinitatis

Thema: Einheit im Leib Christi

Denn wie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obwohl sie viele sind, doch ein Leib sind: so auch Christus. Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt. Denn auch der Leib ist nicht ein Glied, sondern viele. Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit. Ihr aber seid der Leib Christi und jeder von euch ein Glied.

1. Kor 12,12-14.26-27

Liebe Gemeinde!

1. Aua! Sagen wir, wenn uns etwas in den Fuß sticht oder wir uns die Hand verletzen und merken: Das tut weh.
Es gibt keinen gesunden Menschen, der Schmerz schön findet. Und doch ist es ein Wunder, wie der Körper sich damit schützt und wie er warnt. Gäbe es keinen Schmerz, wäre ein Frühwarnsystem unseres Überlebens ausgefallen. Wir liefen mit kaputten Knochen und schrecklichen Entzündungen herum - wir merkten es nicht.
Doch das merkwürdigste ist, dass der Fuß weh tut und der Mund schreit. Natürlich kann das Bein nicht quietschen, aber warum meldet sich der Mund? Der Schaden ist am Fuß ist, das Gehirn nimmt es wahr und der Mund schreit Aua. Das ist ein Wunder. So eins ist unser Leib.
2. Paulus gebraucht dies als ein Bild für unser Zusammenleben in der Gemeinde. Leidet eine oder einer, so leiden alle. Freut sich eine oder einer, so sind alle mit froh. Wie schön. So wünschen wir es uns.
Doch leider ist das oft nicht unsere Erfahrung. Die Tränen, die ich weine - wer sieht mich schon und wer tröstet mich? Die Sorgen, die ich mir mache - wer hört schon zu? Wo ist die Empathie der Glaubensgeschwister?
Zudem könnte man fragen: Paulus, stimmt das denn? Ist das ein zutreffendes Bild der Einheit der Gemeinde? Stimmt nicht vielmehr, dass jeder doch einmalig ist und darin einzigartig? Kann denn überhaupt der Glaube eines anderen mit meinem eigenen so eins sein, dass das Bild vom Körper passt? Sind wir nicht eher wie ein Zoo, wo jeder seinen Käfig hat mit eigenen Terrain? Gemeinsame Versorgung soll schon sein. Doch wehe einer kommt in meine Nähe, der nicht zu meiner Art und Sitte passt.
3. Das ist ein gutes Argument. Doch Paulus wäre wohl nicht wiederlegt. Auch er wusste wohl: Jede Zelle unseres Körpers ist einmalig. Keine gleicht der anderen wie auch kein Glaube einem anderen gleicht. Doch darin liegt das Wunder: Aus so viel Unterschieden wird ein Leib. Verletzungen im Fuß treffen auf andere Zellen als im Gehirn, doch diese reagieren. Und wieder andere Zellen melden sich und schreien Aua. Die Einheit ist nicht Gleichheit. Sie ist lebendiges Netz. Wie kann das aber entstehen?
4. Es gibt ein interessantes Experiment von Herzzellen. Man hat gestorbene Zellen eines Herzens in einem Versuch in einer Nährlösung zu einander gebracht und geguckt, was dann passiert. Das merkwürdigste geschah: Die Zellen fingen wieder an zu schlagen. Sie schienen ihr inneres Bild wieder zu entdecken: Wir sind ein Herz. Sie fanden über ihrem Bild ihr Leben.
5. Das passt zu dem, was Paulus meint. Verbundenheit lebt nur von einem inneren gemeinsamen Bild. Für Christen ist das klar. Das Bild ist Jesus, der Auferstandene. ER lebt in jedem wie ER sagt, ist bei uns alle Tage. Wir werden so verwandelt in Sein Bild. Wir sind Sein Brief. ER nennt uns Seine Braut. In vielen Bildern spricht die Bibel immer wieder aus: Der Glaube eines jeden ist einmalig. Doch gibt es nur den einen Herrn. Die Meinungen von IHM sind unzählig. Der Geist von IHM ist einer. Und jeder sieht von Gott im Glauben Unterschiedliches. Doch bleibt in allem Gott nur einer.
6. Worauf wir blicken, das prägt unser Herz.
Blickt der Fuß nur auf sich selbst, dann wird der Mund nie schreien, wenn es weh tut. Doch zählt sich der Fuß zum Leib, dann kann Kopf und auch Mund sich melden.
Blicken wir mit unserem Glauben doch auf IHN, den Auferstandenen. Dann wissen wir: ER trägt uns wie auch jeden anderen. In IHM sind wir verbunden, nicht in uns. In IHM sind wir ein Leib, nicht durch uns. In IHM sind wir auch lebendig als Sein Leib, durch uns sind nur Teile.
7. ER selbst hat Seine Gegenwart versprochen. Der Pulsschlag Seines Lebens ist in uns. Wir spüren IHN durch Seinen besonderen Frieden, mit dem ER uns erfüllt, wenn wir uns IHM hingeben. Auf diesem Wege wachsen wir im Glauben.
Amen.


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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)