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<>< Predigt zum Sonntag Judika, Costa del Sol

(Friedhelm Peters)

Sonntag Judika, 6. April 2003

Thema: Von der rechten Art zu Herrschen im Reich Gottes: Demut

Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein (43).

Markus, 10, 35 - 45

Liebe Gemeinde!

Wer was bestimmt ist eine wichtige Frage bei uns allen. Stellen Sie sich vor: Ihr Nachbarin kommt zu Ihnen, sie klingelt, geht in die Küche, macht den Eisschrank auf, nimmt die Milch und geht wieder. Sie sagt kein Wort und tut als könne Sie über Ihren Eisschrank bestimmen. Weil sie kein ungezogener Mensch ist, kann sie nur krank sein, denken Sie. Wäre sie gesund, könnten Sie nur die Polizei anrufen. Wer weiß, was sie beim nächsten Mal mitnimmt.

Warum empfinden wir so?
Wir wissen, wer wo was zu bestimmen hat. Und die kleinen Kämpfe des Lebens gehen genau um diesen Punkt. Bestimme ich oder sie oder er? B.: Sie gehen auf den Markt. Da wird Ihnen eine angedötschte Apfelsine eingepackt. Und Sie merken das: Die nehme ich nicht. Bitte eine andere. Da sind sie glücklich, den kleinen Kampf gewonnen zu haben. Es ist schließlich mein Geld, was ich da ausgebe. Und sie überlegen noch, ob sie zu diesem Verkäufer überhaupt noch einmal hingehen.

So ist unser Leben.
In der Familie geht der meiste Krach um diesen Punkt, in der Ehe und auch im Berufsleben.
Bestimmen gehört zu uns. Was wir lernen müssen ist, wo das fair play aufhört und wir auf Kosten anderer schaden und verletzen. Verantwortlich bestimmen kriegt mit, was es den anderen kostet, der folgen soll. Da liegt heute, vielleicht aber schon zu allen Zeiten, das größte Problem.
Looser - Typen nennt die junge Generation Menschen, die das nie können, die sich nie durchsetzen, ihren kleinen Vorteil nicht ergreifen und nur ihre Wunden lecken. Meckerliesen heißen die Verlierer im Klatsch der Älteren.

Was ist also schlimm in dem Bibeltext, den wir heute betrachten? Zwei Jünger ergreifen ihre Chance.
Sie haben von Jesus gelernt. IHM geht es um das Reich Gottes, die Welt, die Gott seid Anbeginn der Schöpfung verheißen hat, wo ER regiert, wo Seine Gebote gehalten werden, wo jeder auf Seine Stimme hört.
Sie Glauben, dass diese neue Welt mit dem Kommen Jesu anbricht. Die Herrschaft Gottes ist da. Kehrt um und ändert euer Leben, sagte Jesus (Mk 1, 15). Ja, das glauben sie.
Und dann kehren sie um. Sie tun diese Buße. Schluss mit dem ganzen kleingläubigen Duckmäusertum. Schluss mit dem kleinen Schritten. Schluss mit den kleinen Lösungen. Jetzt ist der große Durchbruch dran. Bestimmen im Namen Gottes. Beim Anbruch Seiner Herrschaft sind wir vorne. Keine faulen Apfelsinen mehr in dieser Welt.
Jesus, wir machen mit. Mit Dir beginnt die neue Welt. Du sitzt in der Mitte. Du bestimmst. Und wir unterstützen Dich. Einer von uns sitzt Dir zur Linken und einer zur Rechten. Wir helfen Dir und packen es an.
Ein jeder Chef wäre froh über solche Mitarbeitenden. Die packen an. Und sie achten auch ihre Grenze. Sie haben nicht gesagt: Jesus, mach mal Deinen Platz frei und lass uns da sitzen.
Und dass sie dabei den anderen Jüngern den Kelch vor der Nase weg gegrapscht haben, das ist doch der kleine Kampf im Leben, der überall gespielt wird. Ist es schlimm, die Nase vorn zu haben?

Wir lernen hier sehr viel vom Wesen der Herrschaft Gottes auf dieser Welt. Ich glaube, deshalb steht dieser Text auch in der Bibel nach der Leidensankündigung Jesu.
Alle Texte sagen uns ja, wer Jesus ist. Wer ist ER? Wer ist ER? Das ist immer die entscheidende Schlüsselfrage.
Wenn Sie nicht wissen, was ein Bibeltext bedeutet, fragen Sie: Was sagt er über Jesus? Immer sollen wir IHN kennen lernen, um dann in Sein Bild verwandelt zu werden. Haben wir IHN in uns, dann kann ER uns mitnehmen und in Sein Reich führen, das hier unsichtbar beginnt und bis in die Ewigkeit reicht. Das ist ja der Sinn und Inhalt unseres Glaubens.
Was lernen wir von IHM bei diesem kleinen Machtgerangel der Jünger? Demut.
Der W e g zum Ziel der Herrschaft Gottes braucht auch die Umkehr und Buße unseres Lebens. Es reicht nicht zu sagen: Ich bekehre mich, ich stimme den Zielen Jesu zu, jetzt ziehe ich sie durch. Jesus möchte Seinen Jüngern zeigen, auch der Weg ist Ausdruck Seiner Herrschaft. Und wie? Wie macht es Jesus?
ER fragt: Darf ICH mit Meiner Liebe in dein Leben kommen? Darf ICH dein Friede sein? Darf ICH dich mit dem Strom Meiner Gegenwart überfluten? - Und ich kannst ja oder nein sagen. Ich bestimme selbst das Maß. ER beugt sich darunter.
Darf ICH auch an deine Fehler? Darf ICH dir Meine Brille geben, damit du sie siehst in Meinem Licht? Darf ICH das? - Das ist ein langer Weg. Jesu Nähe deckt auf und führt in die Umkehr des eigenen Lebens. Doch ich bestimme selbst, ob ich mitgehe oder nicht. ER ist der Chef und bleibt doch der Diener.
Darf ICH an deine Vergebung sein? Darf ICH dir zusprechen, dass du Mir mehr gehörst als dein schweres Ich, dein Gewissen, dein Schatten, deine Armut? Darf ICH das? - Ein tiefer Eingriff in mein Herz. Wer einmal Vergebung erfahren hat, der ist ein anderer Mensch geworden, der hat sich sehr weit losgelassen, ist schon ein Stück im Leben gestorben. Das macht sehr lebendig. ER fragt das, ich bestimme. ER zwingt nicht. ER bleibt selbst als Vergebender der Knecht. Was für eine Herrschaft. Sie hat die Macht über unser Herz und nutzt mich nicht aus.
An Jesus kann ich sehen:
Gottes Herrschaft kommt in dieser Welt von unten. Christen nennen diese mächtige Kraft der Liebe, die uns widerfahren ist und die wir anderen - wenn es gut geht - anbieten: Demut.
Wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein, der bietet - wie ICH Mein Leben als Lösegeld anbiete - sein Leben an, seinen Glauben, seine Liebe, seine Zeit, sein Geld - vor allem - sein Herz, seinen Mund, seine Hände. Diese kraftvolle Demut ist an Jesus zu sehen. Zu dieser Demut umzukehren zeigt Jesus Seinen Jüngern auf.

Ist das etwas für unser Leben und unser Alltagsgerangel?
Nachdem Jesus Seinen Jüngern alles beigebracht hatte, lehrte ER sie am Ende die Demut. Es scheint gerade für die gut informierten Christen wie uns eine wichtige Botschaft zu sein.
Und ich denke, es ist auch klar, warum. Die Weise, w i e wir jemanden ansprechen oder helfen, ist das nicht oft der Schlüssel zu seinem Herzen? Jesus möchte, dass wir dabei ein Spiegel Seiner Herzens sind.

Amen.



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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)