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<>< Predigt zum Palmsonntag, Costa del Sol

(Friedhelm Peters)

Palmsonntag, 13. April 2003

Thema: Vom Esel im Reich Gottes.

Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel (13).

Joh 12, 12 - 19

Liebe Gemeinde!

schön wenn es was zu jubeln gibt. Da sind wir alle gerne dabei - oder mit dagegen. Es tut einfach gut, wenn alle etwas machen. Jubeln ist so etwas. Mitmachen ist leichter als machen. Wir alle wissen, dass das gut ist, aber nicht reicht, auch nicht im Glauben.

Nun hatten die Leute damals auch noch einen guten Anlass. Jesus zieht in Jerusalem ein. Was das bedeutet! Der Mann hatte die Teufel ausgetrieben, Sünde dazu, auch noch Krankheit, schlechtes Wetter und überhaupt. Sogar über das Wasser war er gegangen. Und jetzt Jerusalem, das Herz der Herrschaft Gottes hier auf Erden. Wenn ER es einnimmt, was sollen dann noch die Besatzer! Wenn ER dort hin kommt, was haben dann noch die alten Zöpfe für eine Chance! Jesus - Hosianna.

Selbst wenn wir nicht viel von dieser jahrhundertelangen Unterdrückungsgeschichte des jüdischen Volkes wissen, können wir ahnen, von welcher Hoffnung die Luft geschwängert war. Jetzt kommt die Zeit. Unsere Kleider dürfen der Teppich für den König sein, der siegen wird. Wir sind dabei. Hoffentlich geht ER auch über meine Jacke. Schon immer war Begeisterung kreativ.

Warum hat Jesus das eigentlich zugelassen? ER wusste doch, dass es so nicht kommt. Im Gegenteil. Aus Seinen Leidensankündigungen wird deutlich, dass ER verraten und getötet wird. Das Hosianna würde bald das Kreuzige. Bei der Brotvermehrung hatte ER die Königswünsche der Menschen abgelehnt (Joh 6, 15). Warum entzieht ER sich hier nicht?

Der Glaube ist unsichtbar, seine Wirkungen sind zu sehen. Und so ist es auch mit vielen Zeichen, die Jesus wählte. Im Kern sind sie verborgen, ihre Wirkung ist später zu sehen. Unsere Geschichte ist voll davon. Auf welche verborgene Zeichen müssen wir hier achten?

Fangen wir mit dem Esel an.
Es gibt ein jüdisches Sprichwort: Wer im Traum einen Esel sieht, der schaut aus nach Erlösung.
Erinnern wir uns: Bileams Esel rettet Israel vor der Fluch (Num 22).
Verlaufene Eselinnen von Sauls Vater Kisch führen zur Königssalbung Sauls (1. Sam 9 und 10).
Der Esel taucht als Wegbegleiter zu Weihnachten auf.
Wo ein Esel ist ist Gott nicht fern. Warum?
Der Esel ist kein Trotz- , sondern ein Lasttier. Der Friede kommt nicht durch Stolz, Friede wird getragen. Nehmt auf euch Mein Joch.
An welcher Stelle ist mein Dienst? Das ist die Esels - Frage.
Und wenn ich Jesus folge, dann frage ich: An welcher Stelle ist Sein Dienst in mir?

Jesus sagt, bevor er auf den Esel steigt - ein merkwürdiges Symbol für die kommende Herrschaft - (Mt 21, 2): Bindet sie los! Löst sie. Das ist eine wichtige Aufforderung.
Wie oft sind wir bei guten Eselsdiensten ungelöst. Wenn wir auch schon erlöst sind, hängen wir doch noch an der Leine. Wir ungelösten Lastträger!
Welche Bindungen muss ich von Jesus lösen lassen? Kenne ich dies Thema? Wie soll ich sonst den Friedenskönig tragen?
Das sind rechte Diakone, gelöste Esel.

Jesus reitet auf dem Füllen einer Eselin. Auf Bildern ist das oft als kleines Tier neben dem Muttertier dargestellt. Merkwürdig dieser Aufzug.
Es ist der 10. Nisan entsprechend dem 2. April, der Tag der Aussonderung des Passahlammes in Israel (Ex 12, 3). Das war ein reines Tier, kein alter Bock. Nicht zufällig fällt der Einzug Jesu auf diesen Tag des reinen Tieres.
Auch ER wird ausgesondert als Passahlamm. Auch ER wird geschlachtet als reines Tier für den Auszug aus der Gefangenschaft der Sünde. Darauf deutet dieses kleine Eselsfüllen.
ER schenkt Seine Reinheit für uns. Und was schenken wir IHM?
ER gibt Sein Erstes für uns. Geben wir unser Erstes auch für IHN?
Der Herr sucht das Füllen in uns, das Schöne, Reine, Erste. So entstehen wahre Königskinder Gottes, wenn ER sie sammelt und zusammenführt.

Das ist der Einzug in Jerusalem.
Die Menschen dachten an ihre Ideen. Doch quer dazu geht Jesus einen Weg, der Herzen verändert.
ER sucht die, die bereit sind Lasten zu tragen, Seine Lasten.
ER sucht die, die sich lösen lassen.
ER sucht die, die ihr Erstes geben.
Wo ein Esel ist, da ist Gott nicht weit.

Noch etwas zum Schluss. Merkwürdig ist, dass dieser Text als einer der wenigen Worte der Bibel zweimal im Jahr ein Evangelium ist. Das hat die alte Kirche nicht zufällig so ausgesucht. Doch warum?
Der Einzug Jesu ist vor Ostern Lesung und noch einmal am ersten Advent. Und hier liegt der Schlüssel, der uns eine schöne Tür öffnet.
Jesus zieht ein. Doch wie? Nicht wie die Menschen dachten, mit der Übernahme der äußeren Macht. Dieser Traum platze schnell.
Das erste Mal zog Jesus ein, um Menschen in ihrem Herzen zu öffnen für die Geheimnisse der Erlösung: ICH trage dich, dann kannst du tragen. ICH löse dich, dann kannst du auch Erlösung leben. ICH gebe Mein Bestes, dann kannst du es auch geben.
Das war das erste Mal.
Doch zu Advent denken wir an Jesu zweites Kommen. ER kommt dann in Herrlichkeit als der Herrscher, der auch die äußere Macht übernimmt im Himmel und auf Erden. Auf diesen Einzug in die Welt wartet Seine Kirche. Sie auch? Wer nicht mit dem Kommen Jesu rechnet geht im letzten belanglos über diese Erde, auch durch die Kirche, sagte einmal einer. Und ich verstehe das.
Jesus kommt wieder in Herrlichkeit. Dann zeigt sich, was in einem Esel steckte.
Gehen wir den Weg Jesu mit.

Amen.



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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)