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zum Karfreitag von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 18. April, Karfreitag

Pieta - Bildbetrachtung "Die Kreuzabnahme" von Morcher

(Bild folgt)

16 Da lieferte er ihnen Jesus aus, damit er gekreuzigt würde. Sie übernahmen Jesus. 17 Er trug sein Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelhöhe, die auf hebräisch Golgota heißt. 18 Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte Jesus. 19 Pilatus ließ auch ein Schild anfertigen und oben am Kreuz befestigen; die Inschrift lautete: Jesus von Nazaret, der König der Juden. 20 Dieses Schild lasen viele Juden, weil der Platz, wo Jesus gekreuzigt wurde, nahe bei der Stadt lag. Die Inschrift war hebräisch, lateinisch und griechisch abgefaßt. 21 Die Hohenpriester der Juden sagten zu Pilatus: Schreib nicht: Der König der Juden, sondern daß er gesagt hat: Ich bin der König der Juden. 22 Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben. 23 Nachdem die Soldaten Jesus ans Kreuz geschlagen hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen. Sie nahmen auch sein Untergewand, das von oben her ganz durchgewebt und ohne Naht war. 24 Sie sagten zueinander: Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte sich das Schriftwort erfüllen: Sie verteilten meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand. Dies führten die Soldaten aus. 25 Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. 26 Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! 27 Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. 28 Danach, als Jesus wußte, daß nun alles vollbracht war, sagte er, damit sich die Schrift erfüllte: Mich dürstet. 29 Ein Gefäß mit Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm mit Essig auf einen Ysopzweig und hielten ihn an seinen Mund. 30 Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und gab seinen Geist auf.

Johannes 19, 16-30


Jesus ... sprach: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und gab seinen Geist auf (30).

Liebe Gemeinde!

1. Wie macht man das eigentlich, die Kreuzigung Jesu aushalten?
- Sie steht im Mittelpunkt dieses Feiertages und dazu im Mittelpunkt der gesamten christlichen Glaubensgeschichte. Wohl nichts ist auf der Welt so oft dargestellt worden wie das Kreuz Jesu. Immer wieder das Kreuz.
- Es muss etwas dabei geben, was dieses Geschehen heraushebt aus allem anderen. Es muss etwas da sein, was auch diesen Maler hier inspiriert hat. Kein Landschaftsbild des kleinen Hügels von Golgatha, keine Osteridylle eines Gartens mit einem Felsengrab. Was bewegt das Kreuz?

2. Betrachten wir diese Kreuzabnahme, so fällt als erstes die Gesamtstimmung auf:
Ich erinnere mich nicht, je eine so entsetzte Maria gesehen zu haben. Die Augen liegen nicht nur in großen Höhlen, sie blicken fast starr am Geschehen vorbei. Während die Arme hilflos halten, wo nichts mehr zu halten ist, schaffen die Augen es nicht mehr zu schauen, sie starren vorbei. Zu furchtbar ist die Wirklichkeit.

3. Und dieser Schrecken prägt das ganze Bild. Fast wie Flammen leuchten die Farben. Doch auch die Linienführung am Körper Jesu trägt diese drastischen Züge. Nichts ist hier glatt. Selbst das Leichentuch ist wie ein wehender Schleier intensiv, nicht zart. Sein fahles weiß zieht sich um den Körper Jesu und windet sich um den Leib von Maria. Die Farbe setzt sich in dem Tuch ihrer Kopfbedeckung fort. Drastisch auch die Wundmahle Jesu. Sie klaffen offen schwarz und rot. Der Maler spart nicht an Dramatik.
Der Schrecken prägt das Bild. Kreuzigung ist Schrecken. Was Jesus widerfuhr war Hölle.

4. Doch gibt es darüber noch einen weiteren Hinweis.
- Die Höllenflammen sind ja wirklich festgehalten auf unserem Bild. Sie brennen oben, rechts oben im Bild am Kreuzesbalken. Dort lodern sie.
Merkwürdig, wo doch die Hölle unten brennt. Hier brennt sie oben.
- Das ist die Botschaft von Jesu Kreuz:
ICH habe die Hölle aufgedeckt und ausgehalten.
Welche? Die der Sünde, der Verfehlungen und Schuld, der menschlichen Abgründe. ICH habe sie hochgeholt und getragen. ICH trug sie für dich.
Für dich, damit du davon nicht mehr verbrannt wirst. ICH opferte Mich. Was du hier hin bringst bist du los. ICH trug es auch für dich.

5. Warum oben und nicht unten?
ER hat das mit dem Himmel und der Ewigkeit ausgemacht. Vor dem Himmel zählt jetzt keine Schuld mehr, die Jesus am Kreuz trug. Das ist unsere Vergebung. Das ist unsere Erlösung. Das ist unser Freispruch. Das ist unsere Freude.
So wurde Jesu Kreuz zum Siegeszeichen. Das Höllenfeuer lag auf IHM. Wir sind frei. Das ist die erste Botschaft dieses schrecklichen Ereignisses.

Bleibet hier und wachet mit mir! Wachet und betet, wachet und betet!
(Lied: EG 700)

6. Noch eine zweite Linie fällt bei dieser Pieta auf, der letzten Phase des Kreuzigungsgeschehens, das in unserem Evangelium geschildert wird.
- Verfolgen wir die Linien. Jesus und Maria scheinen ein zweites Kreuz zu bilden. Wie von oben herabgerutscht wirkt Maria wie der vertikale Kreuzbalken, der den toten Jesus als horizontalen Balken hilflos trägt. Das Kreuz ist vom Himmel auf die Erde gekommen. Der Tod Jesu bohrt sich wie ein Schwert durch das Herz von Maria: Auch durch deine Seele wird ein Schwert dringen. Maria erfährt das hier.
- Sie wird darin zum Urbild aller Menschen, die Jesus kennen und lieben, zum Urbild der Kirche Jesu Christi. Sie hält den toten Jesus.

7. Warum ist Maria so entsetzt?
- Jesus, Du lebtest doch die Liebe. Warum musstest Du leiden und sterben?
- Jesus, Du lehrtest uns doch beten. Warum ist der Himmel zu und hat Dich nicht gehört?
- Jesus, Du bist doch unser Heiland. Warum bist du tot?
- Jesus, Du unsere Hoffnung. Wo bist Du?

8. Kennen Sie das Entsetzen der Maria? Wissen Sie um diese Not, für Jesus zu leben und nur den toten Leichnam Seiner Kirche in der Hand zu haben? Wissen Sie um das Schwert im Herzen, Jesu Hoffnung in sich zu tragen und das Gegenteil zu erleben? Wissen Sie um die Qual des toten Jesus in Seiner Kirche. Alles wir dort gemacht und getan und sogar geglaubt. Aber oft fehlt gerade das erste: ER lebt. Nein, ER wird behandelt als sei ER tot. Wie viel von unserem Leben trägt das Siegel des toten Herrn.
Maria trägt den toten Herrn - mit Schrecken - doch sie hält IHN.

Bleibet hier und wachet mit mir! Wachet und betet, wachet und betet!
(Lied: EG 700)

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)