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zu Quasimodogeniti,
Costa del Sol

(Friedhelm Peters)

Quasimodogeniti, 27. April 2003

Thema: Thomas.

19 Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen:Friede sei mit euch!

20 Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen.
21 Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
22 Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den heiligen Geist!
23 Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.

24 Thomas aber, der Zwilling genannt wird, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.
25 Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich's nicht glauben.
26 Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen versammelt, und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch!
27 Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!
28 Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott!
29 Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!

Johannes 20,19-29

Liebe Gemeinde!

warum muss man eigentlich dem Thomas den Namen "ungläubig" geben. So ist er uns bekannt, so heißt er durch alle Jahrhunderte hindurch und ist sprichwörtlich geworden. Doch wovon sprechen wir dabei? Was hat er getan oder besser versäumt, was ihm diesen Namen einbrachte?
Es tut gut, sich daraufhin die Quellen in der Bibel selbst anzuschauen. Viel zu schnell bezeichnen wir uns selbst oder andere als ungläubig - oder auch als gläubig. Doch wir sehen nicht, was die Bibel meint. Und sie ist Richtschnur unseres Urteils, an ihrem Wort sollen wir uns messen. Also schauen wir hin.
Mit drei Gesichtspunkten möchte ich dies tun: Ein Wort - ein Herz - ein Glaube.

1. Ein Wort.
1.1 Ein Wort ist schnell gesagt, zurückgenommen schwer. Können Sie sich vorstellen zu reden wie der Thomas? Ich ja.
1.2 Stellen Sie sich vor, sie hätten einen Gottesdienst verpasst. Es kam etwas dazwischen, Sie waren nicht da. Beim nächsten Treffen sagen Ihnen die anderen: Da hast Du was verpasst. Wärest Du mal da gewesen. - Wieso? - Und dann: Jesus war da. Wir haben IHN gesehen und gesprochen. ER war persönlich anwesend.
1.3 Ist es nicht verständlich, dass Thomas ein wenig stutzt, sich ausgeschlossen fühlt - das merkt man immer sofort - und dann irritiert sagt: Also, wenn ich nicht meine Hände in Seine Wundmahle lege, will ich das nicht glauben.
Nicht dabei gewesen zu sein ist oft der Anlass manchen Schabernacks.Es zeugt von gesundem Menschenverstand, den Leim zu merken, auf den man gelockt werden soll, um nicht dumm dazustehen, wenn es hinterher heißt: April, April.
Ich kann das wohl verstehen, und Sie vielleicht auch, das Thomas so reagiert hat. Er wird möglicherweise gedacht haben: Damit spaßt man nicht. Es war doch schließlich unser Leben, dass ER lebte.Und jetzt ist ER tot. Geht man so mit einem Menschen um? Wo bleibt da euer Anstand. Und Thomas hatte Recht mit seinen Bedenken.
1.4 Ich finde es korrekt, wenn jemand sauber nachfragt. Wie häufig ist das in der Kirche unterblieben, ja viel schlimmer untersagt. Was wichtig ist zu wissen sagt man nicht. Korrekte Nachfrage war in Glaubensdingen nicht erlaubt. Wie soll da Glaubwürdigkeit entstehen?
Ich habe nie gut gefunden, den Verstand an der Garderobe der Kirche,falls es so eine gibt, abzugeben. Wer keine Fragen hat soll keine aufgezwungen bekommen. Doch wer solche hat, der soll sie stellen dürfen. Wer seinen Verstand beim Glauben ausschließt zahlt einen hohen Preis. Er glaubt auch nicht mit seinem Verstand. Dabei ist der auch eine gute Gabe Gottes, die wir IHM weihen sollen. Im Doppelgebot der Liebe sagt Jesus: Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit deinem ganzen Gemüt - Denkkraft ist gemeint. Der Verstand ist neben dem Willen, der Phantasie und der Gestaltungskraft eine der vier Säulen der Seele. Warum soll ich nicht auch mit ihr Gott gehören.
Aufrichtiges Denken Gott zu schenken und sich darin zu IHM bekehren ist ein wichtiger Glaubensschritt. Denn jede unserer Seelenkräfte verbündet sich so schnell mit eigenem Stolz und Dünkel. Ich bin aber ... , ich bin aber ... . Da kann der Herr nicht mit.
Herr nutze doch mein Denken auch für Dich. Herr ich bin bereit auf deinen Spuren zu forschen. Herr, in deinem Namen reißen wir die Mauern falschen Denkens ein, die sich wie Burgen gegen Dich erheben.

Kennen Sie solche Gebete. Die führen unserer Denkfähigkeit weiter.

1.5 Mit dem Denken glauben. Da steckte nicht der Unglaube des Thomas, im Gegenteil. Da war er Vorbild.

2. Ein Herz.
Mit dem Herzen war Thomas ganz woanders. Was wollen die von mir? Was werfen sie mir vor? Er war auf Ablehnung.
2.1 Bei Thomas war das ja möglicherweise nicht unbegründet. Und doch hat es ihn von Jesus ausgeschlossen. Er konnte in seinem Herzen so nicht offen sein für eine Begegnung mit IHM.
2.2 Das teilt er mit vielen Menschen.
Viele sind geschockt von einer Kirche, die sie ablehnen, von Christen, die sie ärgern, von Problemen den Vertretern des Glaubens.Und in der berechtigten Ablehnung wappnen sie sich: Was kann der mir? Wie kann das nur?
Das Herz lässt sich von dieser Empörung leicht entzünden, weil es ja so berechtigt ist. Doch damit ist es auch besetzt. Es bleibt kein Raum für eine neue Erfahrung mit Jesus.
2.3 Für den Widersacher ist das ein leichter Trick. Kann Er uns Jesus nicht klein machen, macht er anderes in unserem Herzen groß. Schwupp, sind wir blockiert. Der Hals ist voll, es geht dann nichts mehr durch.
2.4 So ging es Thomas. Noch einmal. Er konnte nichts dafür. Er war vielleicht im Recht. Und doch: Sein Herz war dicht für IHN, den Herrn.
2.5 In diesem Zustand leben viele Menschen. Das ist eine Form von Patt. Man muss den Menschen Recht geben. Und doch geht es so nicht weiter. Wer hier nicht aussteigt, der bleibt ewig stehen.
Und am Ende nennt die Bibel dieses Herzens Patt Unglauben. Mit all unserem Recht kommen wir doch nicht zum Ziel.
2.6 Es braucht eine große Demut, in seinem Herzen immer wieder die Bereitschaft neuer Offenheit zu riskieren. Es gäbe Grund genug, sie für immer aufzugeben. Doch damit ziehen wir unsere eigene Beerdigung nur um ein paar Jahre vor, zumindest die im Herzen. Von alleine kommt nichts Neues. Tun wir nichts werden wir irgendwann ungläubige Thomasse. Man braucht darauf in der Regel nicht lange warten.
2.7 Doch Gott sei Dank geht unsere Geschichte noch weiter.

3. Ein Glaube
Wäre Jesus nicht lebendig und würde gerade unsere blockierten Herzen kennen würden wir wohl alle in unseren berechtigten Sackgassen enden.
Doch nun lebt ER. Und, unglaublich! ER kennt Thomas. ER kommt persönlich noch einmal für ihn. Für ihn, den Herzensblockierten. Ja, gerade für ihn.
3.1 Wie gut das tut. Die Güte des Herrn ist immer da, immer.
Lassen Sie uns das nie vergessen. Egal wo die Blockade sitzt, im Denken, im Herzen, wo immer: ER kommt noch einmal. ER kommt gerade dafür noch einmal.
3.2 Und wie ER sich Thomas annimmt. Kein Argwohn, kein Vorwurf, einfach nur Verstehen. Du warst nicht da, du konntest nicht miterleben, du darfst es jetzt. Und du wolltest für deinen Verstand eine Verstehenshilfe, einmal die Wunden tasten. Bitte, tue es. Hier bin ICH, fasse zu. Du darfst.
3.3 Spüren Sie wie gut das tut.
Die eigene Bekehrung braucht in der Regel solche Stunden der Güte. Ich weiß nicht, ob sie sie mit anderen Christen geteilt haben oder direkt mit dem Herrn, das tut nichts zur Sache. Doch unser Herz braucht sie. Sonst löst es sich nicht.
Herr, deine Güte weicht meine Bitterkeit auf wie die Sonne das Eis. Sie halten ihren Schmerz in die Wärme der Gnade, bis es gut tut und fertig ist. Dann lieben sie dort Jesus, wo vorher Nichts oder Härte war.
3.4 Thomas hat das mit Jesus direkt erlebt. Er brauchte übrigens anschließend gar keine weitere Denkhilfe mit Wundenfühlen mehr.
Es lässt sich daran sehen, dass er in Wahrheit gar kein Denkproblem im Glauben hatte, sondern ein Herzensproblem. Und das hat Jesus gelöst. Das ist oft so.
Er hat sich darauf eingelassen. Und dann sagt Thomas: Mein Herr und Mein Gott.

Da war sein Glaube da. So ist er entstanden. So hat er ihn gefunden, indem er Jesus gefunden hat, oder besser, Jesus ihn.

Und dieser Weg des Thomas macht uns bis heute Mut.

Amen.



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Zuletzt geändert am 17.04.2009 von: (fp)