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zu Jubilate,
Costa del Sol

(Friedhelm Peters)

Jubilate, 11. Mai 2003

Thema: Schrumpel-Christen.

Jesus sagt: 1 Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater der Weingärtner. 2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. 3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. 4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. 5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. 6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie müssen brennen. 7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. 8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

Johannes 15,1-8

Liebe Gemeinde,

als wir zu einer Einladung auf der Ökofarm von Frau Hilger in den Bergen waren, konnten wir ihre Weinstöcke bewundern, die dort über Felsen den Hang hoch wachsen. Prächtig rankten sich die Pflanzen anders als in Deutschland flach am Boden über die Felsen hoch. Es soll einen wunderbaren Wein geben, so sagte man uns. Ich kann mir das vorstellen.

Johannes hat in seinem Evangelium kein Abendmahl Jesu mit den Jüngern beschrieben. Vielleicht wollte er das, was die anderen Evangelisten berichteten nicht wiederholen. Aber das Thema der Gemeinschaft seiner Jünger mit Jesus hat er doch festgehalten, nicht mit dem Sakrament von Brot und Wein, aber mit dem Bild vom Weinstock. Das Leben Jesu und das seiner Kinder wird mit diesem Bild beschrieben.

Gern schaue ich es mir mit Ihnen an, um zu sehen, was Jesus damit festgehalten hat: ICH bin der Weinstock, ihr seid die Reben.


1. Zuerst fällt mir auf, dass Jesus bei der Beschreibung eine bestimmte Reihenfolge wählt: ICH bin - ihr seid. Es fängt bei IHM an, dann kommen wir. ER versteht sich als Stamm, wir sind die verzweigenden Reben.
Darin liegt eine erste wichtige Grundfeststellung. Nicht wir machen den Glauben an Jesus. ER macht ihn in uns.
Für viele Christen ist das gar nicht so. Sie sind der Meinung, einmal mit IHM angefangen, wären sie jetzt am Zuge. Ich muss den Glauben an Jesus in mir machen. Und das schafft! Am Sonntag auftanken. Montag, puh, das geht gerade noch. Doch Dienstag ist schon die Batterie alle. Wie bloß einen lebendigen Glauben bewahren? Jede Erquickung tut gut, wo immer jemand etwas Glaubensfrische bringt, prima. Das ist noch die beste Variante.
Oft freilich ist auch das Gewissen einfach so schlecht geworden und die Glaubens-Schuldgefühle sind so angewachsen, dass nur eine geheime Scham bleibt. Ich bekomme es doch nicht hin, bleibt als trauriger Rest.
Ist das nicht häufig unser Bild? Es ist das genaue Gegenteil von dem, was Jesus sagt. Nicht wir sind der Weinstock, der die Reben des Glaubens halten und tragen muss. ER ist der Weinstock.
In der Taufe ist das ein für allemal festgehalten. Ich empfange Sein neues Leben. ER wohnt in mir. Ich gebe IHM Wohnung, ER hält mich und trägt mich.
In jedem Gebet darf ich beginnen: Herr, ich bin an Dir. Herr, Du trägst mich.

Fließt eigentlich der Saft von Jesus in Ihr Leben?
Hängen Sie so an IHM, dass ER Verbindung zu Ihnen hat?
Spüren Sie jeden Tag SEINE Güte?
Wie soll denn Glaubensleben wachsen ohne diese Erfahrung?
Wenn Ihnen diese Erfahrung fehlt, seit vielen Jahren fehlt, was tun Sie, damit Sie wieder den inneren Strom der Güte vom Weinstock spüren?
Herr, ich will Dich. Kennen Sie dieses Gebet?

Die Taufe jeden Tag so in geistlichen Lebensstrom umsetzen ist eine Grundvoraussetzung für lebendigen Glauben. Die katholische Kirche hält mit der täglichen Eucharistie dieses Geheimnis für die Gemeinde fest. Die richtige Reihenfolge: Erst ER, dann ich.


2. Das zweite, was mir an diesem Bild vom Weinstock auffällt ist die Beständigkeit, am Weinstock auch zu bleiben.
Es gibt viele Christen, die gehen einen Weg des Glaubens seit vielen Jahren. Sie kennen fast alles - doch die Freude ist weg. Ihnen ist das selbst schon aufgefallen. Doch sie wissen keinen Ansatz für den Mangel. Was tun?
Am Weinstock können wir das ebenfalls sehen. Was passiert, wenn Trauben am Stock hängen, sie hängen und hängen, die Sonne scheint. Und irgendwann kommt kein Saft mehr durch. Man ist noch am Weinstock, doch nicht mehr innerlich mit ihm verbunden. Die Beständigkeit fehlt, mit der der Saft bis in die Trauben strömt. Und dann passiert es. Was wird aus den Trauben? Sie schrumpfen und schrumpfen, werden kleiner und mickriger. Am Ende sind es nur noch - verschrumpelte Trauben.
So scheint es mir bei vielen Christen auch zu sein. Äußerlich verbunden, noch am Stamm, doch innerlich fließt nicht genügend Glaubensleben. Und am Ende sind wir dann - Schrumpel-Christen. Wunderbar süß, doch keine Trauben mit dem Saft des Glaubens. So geht es uns, wenn wir im Glauben vertrocknen.

Der Herr hat dieses wohl vorausgesehen. ER hat in Seiner Güte uns nicht für "Trockenobst" bestimmt. ER hat gemeint, wir sollten Früchte sein, die frisch und sehr lebendig sind. Und dafür gibt ER uns Sein Wort, in IHM zu bleiben, am Weinstock innerlich auch dran zu sein.

Es gibt dafür nicht eine äußere Regel. Sie ganz alleine wissen, wann der Strom verebbt. Und Sie alleine merken, wann er wieder fließt. An der Stelle braucht es ihr inneres Gespür, die Umkehr und das Bitten.
Ob Sie es heute noch einmal mit der Frische aufnehmen, die den gelungen Kontakt zwischen Weinstock und Rebe auszeichnet?

Dazu helfe uns Jesus.

Amen.



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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)