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zu Trinitatis,
Costa del Sol

(Friedhelm Peters)

Trinitatis, 15. Juni 2003

Thema: Die Wiedergeburt.

1 Es war ein Pharisäer namens Nikodemus, ein führender Mann unter den Juden. 2 Der suchte Jesus bei Nacht auf und sagte zu ihm: Rabbi, wir wissen, du bist ein Lehrer, der von Gott gekommen ist; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, wenn nicht Gott mit ihm ist. 3 Jesus antwortete ihm: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen. 4 Nikodemus entgegnete ihm: Wie kann ein Mensch, der schon alt ist, geboren werden? Er kann doch nicht in den Schoß seiner Mutter zurückkehren und ein zweites Mal geboren werden. 5 Jesus antwortete: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen. 6 Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; was aber aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. 7 Wundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von neuem geboren werden. 8 Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist. 9 Nikodemus erwiderte ihm: Wie kann das geschehen? 10 Jesus antwortete: Du bist der Lehrer Israels und verstehst das nicht? 11 Amen, amen, ich sage dir: Was wir wissen, davon reden wir, und was wir gesehen haben, das bezeugen wir, und doch nehmt ihr unser Zeugnis nicht an. 12 Wenn ich zu euch über irdische Dinge gesprochen habe und ihr nicht glaubt, wie werdet ihr glauben, wenn ich zu euch über himmlische Dinge spreche? 13 Und niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn. 14 Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, 15 damit jeder, der (an ihn) glaubt, in ihm das ewige Leben hat.

Johannes 3, 1-15


Predigttext: Johannes 3, 5
Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.

Liebe Gemeinde,


1. 1 wenn jemand sagt: Am 1. Januar habe ich ein neues Leben begonnen! dann ahnen wir, was damit gemeint ist. Silvester hat er versprochen mit dem Rauchen aufzuhören. Und am nächsten Morgen ist er aufgewacht und hat wie gewohnt zur Schachtel gegriffen. Und dann hat er sich gesagt: Nächstes Jahr ist auch noch mal ein Jahr mit einem 1. Januar. Also habe ich nicht gelogen. Und so löst sich dann das neue Leben in Rauch auf.

1.2 Wer hat so eine Geschichte noch nicht gehört oder erlebt. Mit neuem Leben sind wir immer ein bisschen vorsichtig. So schnell wird nichts neu, auch wenn es als neu verkauft wird.

1. 3 Wie viele müssen in einer neuen Partnerschaft erleben, dass sich manches Alte nicht erneuert, sondern in anderer Gestalt neu auflegt.
Wie viele erleben in einer neuen Umgebung, dass die Fragen doch die alten sind, auch wenn sich die Umstände ändern.

1. 4 Wie misstrauisch sind wir deshalb auch gegenüber allem religiösen Reden von einem neuen Leben. Bekehrungen sind oft mit große Worte beschrieben worden, doch was kam am Ende heraus. Was es wirklich neues Leben, neue Familie, neuer Glaube? Wir sind skeptisch gegen radikales Bekennertum, auch wenn wir seine Überzeugungskraft vielleicht sogar ein wenig beneiden.

2.1 So verständlich unser Denken auch ist, wir können es uns nicht so leicht machen, vom Rauchverzicht bis zum Bekehrungsbekenntnis alles grundsätzlich abzulehnen. Jesus selbst lässt dies nicht zu. In einem Gespräch mit dem Theologen Nikodemus spricht ER davon, neu geboren zu werden. ER nennt das Wiedergeburt. Und dabei scheint es nicht ein Ausrutscher in einer Theologendiskussion zu sein. Vielmehr hält Jesus die Wiedergeburt sogar für die Eintrittsbedingung in das Reich Gottes:
(5) Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.
Wir kommen also alle nicht darum herum, unabhängig vom theologischen Couleur, uns zu fragen, ob wir wiedergeboren sind. Denn beim Reich Gottes wollen wir ja nicht draußen vor bleiben. Wie können wir mit dieser Frage im Sinne Jesu seriös umgehen?

2.2 Wir befinden uns mit unserer Frage nach der Wiedergeburt in guter Gesellschaft. Es war schließlich Nikodemus, dem wir das Gespräch mit Jesus verdanken. Er war ein anerkannter Lehrer in Israel. Also fragen wir mit ihm: Wie kann jemand von neuem geboren werden?

2.3 Zunächst: Ohne Geburt ist keiner hier auf Erden. Sie ist nicht ein Hobby, sie ist notwendig, um hier zu sein. Sicher ist im Leben neben der Geburt sonst nur der Tod, der dieses Leben wieder nimmt, und eine Tür in eine jene andere Welt ist, wie Christen glauben. Wenn Jesus also von einer Wiedergeburt spricht, dann meint ER so etwas fundamental Sicheres: Ohne sie bist du nicht im Leben des Reiches Gottes, mit ihr bist du drin. Es ist eben noch nie jemand nur zur Hälfte in die Welt geboren worden. Man kann genauso wenig nur zur Hälfte wiedergeboren sein.

2.4 Wenn wir sagen: Wir sind aber keine guten Christen!, dann meinen wir in der Regel, dass wir Fehler machen. Mit der Wiedergeburt hat das zunächst noch nichts zu tun.
Hier liegt übrigens ein weit verbreitetes Missverständnis. Es ist gut, dies noch einmal anzusprechen. Wenn jemand davon redet, wiedergeboren zu sein, dann argwöhnen wir, es meint, er sei ein guter Mensch. Und vielleicht meint er das sogar. Doch das ist etwas anderes. Schließlich habe ich mit meinen Worten: Ich bin geboren!, auch noch nicht gesagt, wie ich jetzt lebe.

2.5 Was geschieht bei der Wiedergeburt? Diese Frage stellt Nikodemus als erstes. Und er klärt die Frage gleich dazu, wo sie stattfindet? Geschieht Wiedergeburt in der Schwangerschaft oder parallel zur leiblichen Geburt? Für viele Menschen ist das eine unbewusste Annahme, dass sie mit der Geburt z.B. katholisch sind und zum Reich Gottes gehören wie man Deutscher oder Spanier ist.
Wir wissen, dass Jesus das ablehnt. Wiedergeburt geschieht nicht im Bauch der Mutter. Und sie ist nicht die Verschmelzung von Eizelle und Samen.
Jesus sagt: ... wiedergeboren aus Wasser und Geist. Was meint das?

2.6 Der Geist Gottes schwebte über den Wassern, heißt es zu Beginn der biblischen Schöpfungsgeschichte. Wasser und Geist waren die Bedingungen der Schöpfung unserer Erde. Wenn Jesus die beiden Dinge ganz vom Anfang nennt, dann meint ER: Wiedergeburt ist die zweite Schöpfung, die wir jetzt schon hier in dieser ersten Schöpfung kriegen können. Noch einmal gibt es eine Schöpfung, einen zweiten Entwurf, einen ohne Sünde und Tod, einen neuen Himmel und eine neue Erde, wie die Bibel auch sagt.
Und diese zweite Schöpfung ist auch wieder leiblich, material, eine Geschichte, anfassbar, nicht nur Geist, nicht nur sience fiction, Utopie, eine Idee. Sie ist genau so konkret wie die vorfindliche Schöpfung, in der wir jetzt hier Gott sei Dank schwitzen, weil die Sonne scheint. Sie bringt einen neuen Leib hervor - Jesus hat ihn als Auferstandener getragen. Sie bringt eine neue Seele hervor - Jesus hat sie als erster der neuen Schöpfung in sich: Friede sei mit euch. Sie lässt dem Geist Raum und sperrt IHN nicht in einen Käfig oder ein frommes Zimmer. Die Bäume des Lebens tragen Frucht zwölf Mal im Jahr.
Diese neue Welt meint Jesus wird mit der Wiedergeburt betreten.

2.7 Wasser und Geist: Wir sehen, dass die Kirchen diese Wahrheit im Sakrament der Taufe durchscheinen lassen möchte. In der Taufe kommt das Zeichen des Wasser über einen Menschen und spricht der Geist Gottes durch ein Wort.
Wer so die Taufe sieht, der weiß: Bin ich getauft dann bin ich wiedergeboren. Ich bin Teil der neuen Welt Gottes.

2.8 Und wie ich zum Zeitpunkt der Geburt noch kein Bewusstsein für mich und mein Leben habe, so habe ich in der Regel zum Zeitpunkt meiner Wiedergeburt noch kein Bewusstsein für diese Wirklichkeit. Gott sei Dank gibt es Menschen, die mich tragen und für mich sorgen. Vor allem trägt mich der himmlische Vater. Alleine wäre niemand groß geworden. Das ist im Glauben auch nicht anders.

2.9 Die Wachstumsschritte im Glauben, die mir bewusst machen, was ich bin, das sind Bekehrungsschritte. Wenn ich begreife und annehme, dass ich zur neuen Welt Gottes jetzt schon um Jesu willen gehören darf, dann habe ich mich bekehrt. Und wenn ich begreife, wie das mein Verhalten verwandeln kann, dann habe ich mich wieder bekehrt. Und wenn ich erkenne, dass ich dabei täglich Fehler mache - ein sogenannter schlechter Christ bin - dann habe ich mich damit wieder bekehrt, wenn ich umkehre. Wiedergeboren wird man einmal, bekehren tut man sich solange man auf Erden lebt.

3.0 Es ist interessant zu sehen, wie Johannes dieses Gespräch zwischen Jesus und Nikodemus weiter führt. Es werden noch diese und jene Themen berührt. Und dann läuft dieses Gespräch aus, ohne dass noch auf die Person des Nikodemus Bezug genommen würde, ob er nun wiedergeboren ist oder nicht. Er wird hier nicht mehr erwähnt.

3.1 Natürlich: Es ist klar, dass die Zeichen des neuen Lebens, die Taufe im Namen Jesu des Gekreuzigten und Auferstandenen, zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht existiert. Das mag erklären, warum Nikodemus hier nicht mehr auftaucht. Doch bei Johannes könnte das auch noch etwas anderes sein.

3.2 Der Geist weht wo ER will, sagt Jesus. Es kann sein, dass für Nikodemus noch nicht der Zeitpunkt der Bekehrung zu seiner Wiedergeburt gekommen ist. Erst später wird der Geist auch bei ihm wehen. Deswegen verschwindet er ganz einfach hinter dem Thema. Es könnte sein, dass Johannes meint: Jetzt noch nicht. Vielleicht später. Jeder hat seinen Zeitpunk der Annahme seiner ihm angebotenen Kindschaft der neuen Welt. Gott und ich weiß, wann ich gemeint bin. Dann werde ich berührt von Seinem Geist. Dann ist mein Ja dran. Bis dahin bleibe ich verborgen. Was kann ein Baby schon davon verstehen, dass es geboren ist. Der Zeitpunkt kommt, wo ich begreife: Ich bin da.

3.3 Bin ich wiedergeboren?
Wenn diese Frage sie gar nicht berührt, vergessen Sie getrost, dass sie gestellt wurde. Doch wenn Sie sie berührt, dann fragen Sie sich, ob Sie schon so gewachsen sind, darauf mit Ihrem Ja zu antworten.

Amen.



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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)