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zum 1. Sonntag nach Trinitatis,
Costa del Sol

(Friedhelm Peters)

1. So nach Trinitatis, 22. Juni 2003

Thema: In Abrahams Schoß.

Das Beispiel vom reichen Mann und vom armen Lazarus:
19 Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag herrlich und in Freuden lebte. 20 Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war. 21 Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Statt dessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren. 22 Als nun der Arme starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben. 23 In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem Abraham, und Lazarus in seinem Schoß. 24 Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir, und schick Lazarus zu mir; er soll wenigstens die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge kühlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer. 25 Abraham erwiderte: Mein Kind, denk daran, dass du schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Jetzt wird er dafür getröstet, du aber musst leiden. 26 Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund, so dass niemand von hier zu euch oder von dort zu uns kommen kann, selbst wenn er wollte. 27 Da sagte der Reiche: Dann bitte ich dich, Vater, schick ihn in das Haus meines Vaters! 28 Denn ich habe noch fünf Brüder. Er soll sie warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen. 29 Abraham aber sagte: Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören. 30 Er erwiderte: Nein, Vater Abraham, nur wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie umkehren. 31 Darauf sagte Abraham: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.

Lukas 16, 19-31



... sah von weitem Abraham
und Lazarus in seinem Schoß. (23)

Liebe Gemeinde,


1.1 "Es ist noch keiner zurückgekommen", heißt es im Volksmund zu der Frage, was eigentlich nach dem Tod ist. Und merkwürdig: Im Schulunterricht der vergangenen Wochen war dies für die Jugendlichen fast die größte Überraschung, dass die Auferstehung Jesu zu Ostern bedeutet: Es ist einer zurückgekommen. Und: Es gibt ein ewiges Leben. Diese Botschaft war für viele neu.

1.2 Wir wissen nicht viel von dem ersten Menschen Jesus, der mit dem Auferstehungsleib ausgestattet vom Jenseits wiedergekommen ist. Die Bibel ist merkwürdig sparsam in ihren Informationen über die jenseitige Welt. Es gibt dafür einen guten Grund. Sicherlich haben alle ihre allzu große Neugierde hinsichtlich des Jenseits mit einem hohen Preis bezahlt, wenn sie die uns gesetzte Grenze überschritten. Die Angst griff fast durchweg nach ihnen, so dass ihr Leben in normalen Bahnen fast nicht mehr möglich war. Wer zu viel weiß vermag kaum noch zu leben.

1.3 In unserer Geschichte erzählt Jesus eine kleine Begebenheit, bei der nebenbei eine Menge über die jenseitige Welt deutlich wird. Mit spitzen Ohren lässt sich hier eine Menge an Informationen entdecken, die schon interessant sind. Es gibt also eine Wirklichkeit nach dem Tod, oder wie immer man den Zustand nennen mag. Es gibt ein Wiedererkennen und es gibt eine sinnliche Erfahrung von Entfernung, Hitze, Durst, jedoch auch Wohlempfinden. Es gibt die Heiligen der Geschichte Gottes auch im Reich Gottes. Und und und.

Es ist erstaunlich, dass wir Christen so wenig vom Schoß Abrahams wissen, wenn wir ans Sterben denken. Wäre diese Kenntnis Gewissheit unseres Herzens, vielleicht könnten wir mit der Sterbebegleitung anderer, aber auch mit unserem eigenen Ende getrösteter umgehen. Ich spüre oft an dieser Stelle mehr Bedürftigkeit und Mangel als Gewissheit und Freude, wenn ich vor einem Sarg stehe. Persönlich muss ich für mich heute sagen, dass ich das Sterben fürchte, doch freue ich mich auf den Augenblick, in Jesu Nähe neu zu sein.

So interessant das ist, ich glaube nicht, dass hier das Hauptanliegen Jesu war, wenn er von allem spricht, was nach uns kommt.

1.4 Der erste Teil unserer Erzählung scheint bekannt unter den Menschen damals. Man wusste: Wer arm ist wird belohnt, wer reich ist, der muss büßen. So dachte man sich das Jenseits.

Wir wissen: Für Feuerbach war das der Ansatz, Verströstungen des Glaubens auf das Jenseits zu verdammen. Die Religionskritik hat hier bei diesem Nebenpunkt begonnen. Und manches lebt von dem Gedankengut noch heute. Man schämt sich seines Reichtums. Kann es mir einfach gut gehen? Werde ich im Gegenzug vielleicht doch einst bestraft? Um das ganz wegzuschieben protzen manche und sie tragen mächtig auf.

1.5 Jesus macht das nicht mit. Das mag zunächst die größte Überraschung damals für die Menschen gewesen sein. ER sagt nicht: Arme kommen in den Himmel, Reiche müssen darben. ER sagt nicht, dass jemand wegen seiner Armut in den Himmel kommt, noch wegen seines Reichtums in die Hölle. Er nennt den Grund nicht, warum der Arme zu Abraham kommt. Beim Reichen ist es nicht der Reichtum, sondern die Habgier und Achtlosigkeit, die Jesus feststellt. Doch auch von ihm wird nicht gesagt, dass er genau deswegen in der Hölle landet, obwohl das sein kann.

1.6 Das letzte Gericht liegt nicht in unserer Hand. Es kommt, doch nicht durch uns. Der Arme richtet nicht den Reichen, der Reiche nicht den Armen.

Richtet nicht vor der Zeit. Wir tuen gut, auf diesen Hinweis aus der Bibel dann zu achten, wenn wir das Urteil über andere fällen. Denn: Ein jeder kommt mit seinem Namen vor den Herrn.

Auffällig: Vom einen wird gesagt, er hieße Lazarus, auch dort im Jenseits. Der andere hatte keinen Namen. Ob das ein Hinweis ist? Jesus preist die selig, deren Namen im Himmel angeschrieben sind.

Ich trage Jesu Namen seit der Taufe. Weiß ich darum, was zählt, warum mein Name dort bei Abraham bekannt ist?

2.0 Was aber wollte Jesus mit der Erzählung sagen? Ganz anders als erwartet legt Jesus Seinen Finger auf das Diesseits. Nur hier kann es entschieden werden, was dort zählt. Nur hier wird Durst gelöscht, nur hier der Hunger. Nur hier wird Wohlempfinden aufgebaut, nur hier entscheidet sich die Nähe dort zu Abraham und dessen Schoß. Nur hier.

Und als der Reiche daran rüttelt - er war gewohnt, dass alles geht - kriegt er die Antwort: Nein. Im Jenseits sind die Gräben festgeschrieben, die hier gerissen sind. Dort geht nichts mehr.

2.1 Und selbst die aufbrechende Güte dieses Reichen, doch seinen Brüdern noch zu helfen, prallt ab. Sie haben Mose und die Propheten. Wird denen nicht geglaubt, so hilft auch nicht die Botschaft aus dem Jenseits.

2.2 Das ist es. Was hier ist zählt. Und nicht die Stimme aus dem Jenseits ändert unser Herz, auch nicht die Angst, was dort wohl auf mich wartet. Vielmehr fragt Jesus, ob wir mit unserem Namen glauben und leben, was wir sind. Sind wir hier Glaubensmenschen wie dem Abraham von Herzen nah, dann einst auch dort. Und sind wir was den Glauben anbetrifft ganz ohne Namen und Charakter, dann eben auch einst dort. Gericht beginnt im Hier und Jetzt, nicht erst im Einst.

2.3 Wir sehen wie der Herr uns wach macht. ER sagt, der Wecker hat bereist geklingelt. Die Ewigkeit, das Jenseits ist schon jetzt. Was später anders ist: Du kannst dann nichts mehr ändern. Jetzt kannst Du es.

2.4 Ist das nicht nett, dass Jesus uns dies sagt. ER gibt uns einfach eine Chance zur Buße. Und wer das kennt, der weiß, ER gibt noch mehr. ER sagt nicht nur warum es zählt, hier nicht als Richter aufzutreten, sondern sich selbst unter das Richten Gottes tief zu beugen. ER zahlt auch, was dabei herauskommt. Und wen gibt es, der nicht davor mit Recht erschrecken würde. Die Hölle in uns jetzt bezahlt der Herr. Bedingung ist die Buße.

2.5 So lehrt ER uns, dass wir uns so tief beugen, stets unter jeden Armen uns zu bücken. Nie macht der Fehler eines anderen uns überlegen. Auch dort sind wir vielleicht die Helfer, nie die Richter. Wer so tief steht, der ruht in Abrahams Schoß.

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)