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zum 2. Sonntag nach Trinitatis,
Costa del Sol

(Friedhelm Peters)

2. So nach Trinitatis, 29. Juni 2003

Thema: Für Insider - Mitten drin draußen.

Das Gleichnis vom Festmahl:
15 Als einer der Gäste das hörte, sagte er zu Jesus: Selig, wer im Reich Gottes am Mahl teilnehmen darf. 16 Jesus sagte zu ihm: Ein Mann veranstaltete ein großes Festmahl und lud viele dazu ein. 17 Als das Fest beginnen sollte, schickte er seinen Diener und ließ den Gästen, die er eingeladen hatte, sagen: Kommt, es steht alles bereit! 18 Aber einer nach dem andern ließ sich entschuldigen. Der erste ließ ihm sagen: Ich habe einen Acker gekauft und muss jetzt gehen und ihn besichtigen. Bitte, entschuldige mich! 19 Ein anderer sagte: Ich habe fünf Ochsengespanne gekauft und bin auf dem Weg, sie mir genauer anzusehen. Bitte, entschuldige mich! 20 Wieder ein anderer sagte: Ich habe geheiratet und kann deshalb nicht kommen. 21 Der Diener kehrte zurück und berichtete alles seinem Herrn. Da wurde der Herr zornig und sagte zu seinem Diener: Geh schnell auf die Straßen und Gassen der Stadt und hol die Armen und die Krüppel, die Blinden und die Lahmen herbei. 22 Bald darauf meldete der Diener: Herr, dein Auftrag ist ausgeführt; aber es ist immer noch Platz. 23 Da sagte der Herr zu dem Diener: Dann geh auf die Landstraßen und vor die Stadt hinaus und nötige die Leute zu kommen, damit mein Haus voll wird. 24 Das aber sage ich euch: Keiner von denen, die eingeladen waren, wird an meinem Mahl teilnehmen.

Lukas 14,15-24


... Geh schnell auf die Straßen und Gassen der Stadt und hol die Armen und die Krüppel, die Blinden und die Lahmen herbei. (21)

Liebe Gemeinde,


1.1 Wie kennen wir dieses Gefühl. Als regelmäßige Gottesdienstbesucher sind wir Stammgäste im Sonntagsgottesdienst. Im Unterschied zu anderen lassen wir keinen Sonntag aus, egal wer predigt. Hitze oder eine kurze Nacht hindert uns nicht zu kommen. Sind wir nicht gut zurecht stehen wir trotzdem auf und gehen hin. Und wir lassen es uns noch nicht einmal mehr anmerken, dass es uns auch nicht immer leicht fällt zu kommen. Wir haben durchgehalten, wenn andere aufgaben.
Wissen Sie, wie man empfindet, wenn andere sagen, sie hätten aber Geschäftsfreunde zu Gast und könnten nicht kommen? - Bringen Sie sie doch mit, ich habe das auch getan als ich einmal Gäste hatte! Und wissen Sie, wie man denkt, wenn andere sagen, sie hätten gerade ein Grundstück gekauft? - Habe ich auch! Und ich habe dem Notar gesagt: Am Sonntag braucht er gar nicht mit mir rechnen. Da bin ich in der Kirche.
Aber so etwas zu sagen würde ja nur übel genommen. Deswegen hält man besser den Mund, wenn sich einer nach fünf Mal Fehlen wieder blicken lässt, obwohl er doch nur Ausreden hat, die bei mir nicht zählen. Wer kennt nicht solche Empfindung.

1.2 Und dabei haben wir die Erzählung Jesu von den absagenden Menschen für unser Empfinden als Schützenhilfe. Waren das nicht auch alles faule Ausreden, die damals vorgebracht wurden. Schöne Gesellschaft, die Jesus da beschreibt. Und wie sie den Gastgeber hängen lassen, so lassen viele Menschen Gott hängen. Das ist es doch worum es in der Erzählung geht. Endlich spricht Jesus mal ein deutliches Wort gegen die Ignoranten und nimmt Partei für die Treuen. So könnten wir beim Hören dieses Textes denken.

1.3 Doch spätestens hier müssten wir stutzig werden. Denn in unserem Gleichnistext werden die Türen für die an den Hecken und Zäunen geöffnet, derb gesagt, die Lumpen. Sind wir also die Lumpen? Ist das das Kompliment, das uns gefällt? Schön wäre das gerade nicht. Zudem: Genau betrachtet wird eigentlich in unserem Gleichnis gar nichts über die gesagt, die kommen, sondern nur über die, die es nicht tun. Das erwünschte Lob bleibt also aus, zumindest hier. Und was uns vollends stutzig machen muss ist die Tatsache, wem Jesus dieses Gleichnis erzählt: Den Menschen, die sagen, wie schön es ist dabei zu sein, den Anwesenden.
Wenn diese Deutung für uns also so doch nicht greift, was ist gemeint, wenn Jesus von der Einladung spricht, bei der es offensichtlich möglich ist, sich auszuladen?
Gucken wir noch einmal hin und kontrollieren dabei unser Vorverständnis.

2.0 Jesus erzählt seine Geschichten vor den Ohren jüdischer Menschen. Die hatten, was sie brauchten: Gottesdienstraum, Versammlung, Kultus, Sicherheit. Sie wussten sich von Gott eingeladen und meinten klar an Seinem Tisch zu sitzen. Sie waren schließlich Abrahams Kinder.

2.1 Von Jesus dachten sie so nicht. Der nahm sich viel zu viel heraus. Nicht immer war er so wie es für fromme Menschen schicklich ist. Nicht immer ging er so zum Gottesdienst, wie es sich gehörte. Er war anders, redete anders, handelte anders. Ob der wohl überhaupt zum Gottesvolk gehörte? Wie mag da mancher laut oder leise gezweifelt haben, ob der dazu gehört.

2.2 Und jetzt macht ER schon wieder Seinen Mund auf mit einer wahrhaft deutlichen Geschichte. Deutlich ist doch die Wahrheit: Bist Du nicht selbst der Mann, der überall was anzumerken hast, lieber Jesus? Schließt Du Dich denn nicht selber aus durch alle möglichen Sachen? Gehörst Du überhaupt zum Festmahl am Tisch in unserem Haus? So mag sich mancher in großer Selbstsicherheit gefragt haben.

2.3 Und was macht Jesus? ER dreht den Spieß um. Unzweifelhaft, ER meint nicht sich, ER meint die Hörenden, die Kerngemeinde mitten im jüdischen Festhaus. Sie würden der Einladung gar nicht folgen, sie, die an allem teilhaben, mitten im Tempel leben. Wie kann das sein? Wie kann ich mitten drin abwesend sein? Wie soll ich das verstehen?

3.0 Jesus macht eine klare Unterscheidung, die für unseren Glauben von großer Bedeutung ist. ER unterscheidet zwischen Tempel und Gottes Nähe, zwischen Religionsgemeinschaft und Reich Gottes, zwischen Kirche und Glaube. Das eine ist noch lange nicht das andere. Es kann gut sein, dass ich mitten im Tempel lebe, aber von Gott weit weg bin. Es kann sein, dass ich am Tisch der Kirche sitze, aber ich sitze noch lange nicht am Tisch im Reiche Gottes. Es kann sein, dass ich am Fest unserer Kirche teilnehme, aber nicht am Fest Gottes.

3.1 Außenstehende merken das gar nicht. Sie könnten das gar nicht dechiffrieren. Jesus aber tut das, ER sieht hindurch. ER sieht nicht, was vor Augen ist, ER sieht das Herz an.

3.2 Bin ich bei meiner Teilnahme am Gemeindeprogramm auch Teil des Programms Gottes mit mir? ER möchte, dass wir durchdringen von unseren Festen zum Fest Gottes, von unserer Veranstaltung zur Veranstaltung Gottes mit uns, von unseren Vorstellungen über Teilnahme zu den Vorstellungen Gottes und Seiner Teilnahme an uns.
Der Gastgeber ist der himmlische Vater, nicht wir, Sein Bodenpersonal. Durchdringen von uns zu IHM. Es ist möglich drinnen draußen zu sein, meint Jesus. Gerade wir, die Treuen, sind da besonders gefährdet.

3.3 Sie müssen wütend gewesen sein, die Frommen damals. Und ich kann das verstehen. Denn Jesus lässt die Masken einfach nicht gelten, die es uns so einfach machen. Gehören wir dazu? Wir tun es eben nicht dadurch, dass wir zu unserem Kreis gehören. Wir tun es nur, wenn wir im Herzen zum Herrn selbst gehören. Das alleine zählt. Ist Sein Fest auch in Mir?

3.4 Und darin ist nun keiner reich. Im Gegenteil: Was wir haben schließt uns eher aus. Alles gute Fromme kann bedauerlicher Weise sogar Gott im Wege stehen.

3.5 Ich bete doch! Das kann mich abhalten, jetzt zu beten, so frisch und herzlich wie ein Gestrandeter es tut. Ich gebe doch! Das kann mich bremsen, jetzt und hier zu sehen, was Gott will, was ich jetzt geben soll. Ich glaube doch! Das kann mich dicht machen gegen die Anstöße, die Gott mir geben will, um noch mehr und noch weiter jetzt zu wachsen. Ich gehöre doch dazu! Das kann mich hindern, die Nähe Gottes neu und frisch zu merken, die ER mir schenken will. Es waren gute Dinge, die die Geladenen als Hinderung zu nennen wussten. Es war nichts schlecht. Nur: Es stand IHM im Weg, der Teilnahme am Reich.

4.0 Jetzt haben wir klar, was unser Herr hier meint. Es ist bei allem Schweren doch auch nett: ER möchte nicht, dass wir im Vorfeld hängen bleiben. ER möchte nicht, dass wir nur kirchlich sind. ER möchte uns als Teilhaber des Reichs. Durchdringen zu IHM.
Dass wir in dieser Position alle nur Arme sind, das sagt ER schon in Seinen Seligpreisungen. Selig sind die geistlich arm sind, denn das Himmelreich ist ihnen.
Doch ist das schlimm? Warum nicht arm werden vor IHM, wenn sich dadurch die Tür zum Reichtum Seines Reiches öffnet.
Wir sind geladen. ER will uns mitten drin in Seinem Reich.

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)