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zum 13. Sonntag nach Trinitatis,
Costa del Sol

(Friedhelm Peters)

13. So nach Trinitatis, 14. September 2003

Thema: "Das Sakrament" der Liebe -
Der barmherzige Samariter.

25 Da stand ein Gesetzeslehrer auf, und um Jesus auf die Probe zu stellen, fragte er ihn: Meister, was muß ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? 26 Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz? Was liest du dort? 27 Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst. 28 Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach, und du wirst leben. 29 Der Gesetzeslehrer wollte seine Frage rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? Vincent van Gogh (1853-1890), De goede Samaritaan
30 Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halbtot liegen. 31 Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging weiter. 32 Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn und ging weiter. 33 Dann kam ein Mann aus Samarien, der auf der Reise war. Als er ihn sah, hatte er Mitleid, 34 ging zu ihm hin, goß Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn. 35 Am andern Morgen holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme. 36 Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde? 37 Der Gesetzeslehrer antwortete: Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle genauso!

Lukas 10, 25-37


Liebe Gemeinde,

1.1 Diese Geschichte hat Bewegung und Farbe. So verwundert es nicht, dass sie unzählige Male gemalt worden ist. Und es ist auch kein Wunder, dass sie Vincent van Gogh als Expressionist von Form und Farbe aufs Papier brachte. In diesem Jahr feierte die Welt seinen 150. Geburtstag. Ich habe deshalb für die Auslegung des Textes heute nach dem geschaut, was er entdeckte.

1.2 Er wurde im Pfarrhaus groß und wird dabei diese Geschichte unzählige Male gehört haben. Er selbst wollte als Sämann des Evangeliums leben. Der Streit mit seinem Heimatpfarrer ließ ihn von dem Anliegen, Pfarrer zu werden, Abstand nehmen. Sein berühmtes Bild vom Sämann hält seinen Lebenstraum fest. Und mit diesem Bild vom barmherzigen Samariter kurz vor seinem Tod gemalt fasst er seinen Glauben zusammen.

2. Schauen wir hin.

2.1 Zuerst die Bewegung. Es ist auf diesem Bild sehr schön zu sehen wie Farben keine Fläche, sondern Bewegung auslösen. Ein Strom wird gleichsam durch sie angedeutet. Dies gilt im kleinen - Sehen Sie die fließende Kraft der Beine des Samariters, den Druck, die Tragkraft! - wie im Großen.
Schauen Sie einmal nach dem Fluss dieser Bewegung. Im Großen teilt sich unser Bild genau mit der Diagonalen in unten und oben. Der erste Strom geht von links oben nach rechts unten. Der zweite Strom stemmt sich gegen den ersten. Er drückt von oben nach unten oberhalb der genannten Diagonalen. Wild stürmen die Linien herab.
Beide Gestalten sind in diese Bewegung eingebunden.
Wie herab geworfen wirkt der unter die Räuber gefallene. Unter dem Druck wirkt er fast wie ein Ertrinkender. Und mächtig dagegen stemmt sich die Gestalt des Samariters. Es ist als trüge er allen Druck mit seinem Körper. Sogar das Pferd scheint er mit seinem rechten Bein zu stützen.
Und an den Köpfen der beiden kommen die Bewegungen zusammen. Der eine fallend, der andere mit seinem liegenden Haupt wie ein Plato: Auf mir hast Du Halt. Ich halte meinen Kopf hin für dich.

2.2 Damit haben wir ein erstes begriffen:

Die Bewegung von links oben nach rechts unten ist die Herzenslinie. Auf ihr läuft ein Drama ab. Ein Kampf zwischen Leben und Tod, Böse und Gut.
Erstaunlich ist, dass die Fronten dafür merkwürdig vertauscht erscheinen. Die Kraft der Farben spricht das deutlich aus. Die kalte Lieblosigkeit, weiß wie Eis, ist oben. Das warme Leben des sonnigen Gelb ist unten, nicht oben. Himmel und Erde scheinen vertauscht. Die Liebe Gottes ist unten, der kalte Schrecken dagegen oben. Wie geht das?

2.3 Wir wissen dass es für diese Umkehrung nur einen Schlüssel gibt. Nur bei Einem war die Liebe Gottes ganz unten angekommen. Nur bei Einem war blühte die Schöpfung, war der Strom der Liebe Gottes auch hier unten stark und klar. Nur einer hat vermocht, sich so gegen den Druck des Todes zu stellen. Wir sehen: Der Samariter ist eine Christusdarstellung. Denn nur ER war so wie er. ER trägt das ganze Leid in seiner Hand. ER hält sich selbst gegen das Unrecht hin. ER stützt, ER trägt. ER lässt nicht los. Wie gut dass ER die Linie hält. Ohne IHN würde das kalte Elend mitsamt dem Überfallenen nach unten rutschen und das letzte Leben mit Kälte überdecken. So steht Christus in der Mitte.

2.4 Wir finden diese Beobachtung noch sehr deutlich an einem besonderen Punkt des Bildes wieder. Dort wo sich die Köpfe fast berühren finden wir auf dem Haupt des Samariters die rote Bedeckung. Es ist wie ein Vorgriff auf den Gekreuzigten mit Seiner Dornenkrone: Blutig, umgeben mit dem weiß des Heiligen und Reinen. So ist ER.

2.5 Doch bleiben wir noch einen Augenblick an dieser besonderen Stelle. Auch der Kopf des Überfallenen ist typisch. Denn auch er wirkt wie eine Christusdarstellung. Die dunkle Krönung, das fahle Gesicht vom Tod gezeichnet. Könnte es sein, dass hier der Kampf vom neuen Leben gegen das alte in diesen beiden Gesichtern festgehalten wird, die beide auf Christus weisen? Einmal ER, der trägt. Und dann auch ER, der für uns den Überfall des Todes übernommen hat. Zweimal ER an unserer Stelle, für uns. Beide umhüllt mit dem blauen Gewand des Himmels.

2.6 So hat der Künstler in Bewegung und Farbe für uns ein Bild von Jesus gemalt.
Durch Jesus kam die Liebe Gottes auf die Erde. Sie erreicht uns im Tal, das sonst nur dunkel wäre.
Durch Jesu ist der Überfall durch den Tod aufgehalten. ER trägt und stützt und hält und rettet. Wir können uns auch in Seine Arme fallen lassen. ER ist für uns da. So die Botschaft im Bild des Überfallenen und des Samariters.

3. Noch eine kleine Beobachtung am Rand.

3.1 Wir sehen die Vertreter offizieller Religion auf dem Weg, der sich links im Bild schlängelt. Auch die Herzensseite. Doch am Rand, wirkungslos und in den Farben grau und mit der Bewegung des kalten Stromes von der oberen Bildhälfte. Sie gehen am Zentrum vorbei.
3.2 Sie gehen zum Tempel, zum Opfer. Das hindert sie hier stehen zu bleiben und einzugreifen und Werkzeug der Gottesliebe zu sein. Sie sind es nicht. Was für eine Botschaft. Eine Kirche, die am Leben Gottes vorbeigeht, und damit auf dem Weg ist. Sie hat Christus hinter sich gelassen.
Der Herr kann sich noch nicht einmal mehr über sie erbarmen, denn sie lassen sich nicht in Seine Arme fallen.

3.3 Das Köfferchen links unten fiel mir als letztes auf. Nachdem bei einem Einbruch in unser Pfarrhaus ein solches Köfferchen mit dem Abendmahlsgerät gestohlen worden war, musste ich genau daran denken. Bestimmt ist es der Koffer des Samariters, geöffnet um die Wunden mit Wein zu reinigen. Könnte es sein, dass uns das Bild sagt: Wo der Herr als Heiland auftritt, da ist der Sakramentenschrank geöffnet. Jedes Sakrament offenbart Unsichtbares. Und hier: Das Sakrament der Liebe, das alles durchzieht. Hier ist es offen.

4. In diesem Geist, mit dieser Bewegung, mit dieser Farbe, können wir in die neue Woche gehen.

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)