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zum 15. Sonntag nach Trinitatis,
Costa del Sol

(Friedhelm Peters)

15. So nach Trinitatis, 28. September 2003

Jesus: Sorget nicht! -
Gegen die Lebenssorgen

25 Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? 26 Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie? 27 Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt? 28 Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. 29 Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. 30 Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen? 31 Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? 32 Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. 33 Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. 34 Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.

Matthäus 6, 25-34


Liebe Gemeinde,

1. wer Sorgen hat braucht zwei Dinge: Einmal Trost und zum anderen einen anderen Standpunkt. Um diesen zweiten Punkt soll es heute in unserer Predigt gehen.

2. Sorglos hat bei uns im Sprachgebrauch mindestens zwei verschiedene Bedeutungen:

2.1 Es meint: unbedacht, harmlos, untüchtig, nicht clever. Oder schärfer: fällt anderen auf die Tasche, bringt es zu nichts.
Die Bibel sagt zu solchen Menschen: Ps 92,7: ein Narr begreift es nicht. Oder Spr 10, 21: Die Toren werden an ihrer Torheit sterben.
2.2 Dem gegenüber steht das Sorgen als erste Aufgabe des Menschen im Garten Eden. Es beginnt mit der Furcht Gottes als aller Weisheit Anfang und entfaltet sich im Schaffen mit Körper, Seele und Geist. Der Fluch der Spünde hat lediglich den Schweiß und die Dornen dazu gebracht. Aber: Wohl dem, der im Segen Frucht schafft, für etwas sorgt.
Merimnáo heißt das im neuen Testament. Und es ist ein Kennzeichen der Christen in der Gemeinde: ... dass die Glieder füreinander Sorge tragen, so 1. Kor 12, 25, im großen Bild vom Leib Christi, das Paulus zeichnet.

3. Jesus meint in der Bergpredigt nicht diesen Sinn von Sorge, wenn ER lehrt: Sorget nicht!
ER meint den Missgriff unseres Herzens, dessen Folge wir als Qual und Last erleben, der uns nicht los lässt und im Schlaf verfolgt, der uns krank macht und manchmal das Leben kostet. Denn bei manchem Menschen lässt sich beobachten, dass die Sorge um das Leben sie oder ihn nicht mehr leben lässt.

4. Wie sollen wir das verstehen? Zunächst ein Beispiel, das Jesus ähnlich gebraucht.

Ich habe einen Zitronenbaum vor meinem Wohnzimmer. Ich kann mir Sorgen machen, ob da wohl Frucht entsteht. Und doch ist es so: Die wächst von ganz alleine. Ich kann wohl Einfluss nehmen auf Pflege, Insektenbefall, Düngung und vieles andere. Doch die Frucht wächst selbst.
4.1 Unser Leben ist nicht Gegenstand der Sorge, es ist wie bei jeder Frucht. Es ist uns gegeben. Wir sterben oder leben so und so nicht nach unserem Denken. Lebenssorge ist der Griff nach der Frucht im Paradies. Lebenssorge ist im Kern Sünde.
4.2 Als Eltern wissen wir das - und können es doch so schwer leben. Diese Kinder. Sie werden ganz alleine groß. Ihr Wachsen ist uns aus der Hand genommen. Es ist töricht, sich darum zu sorgen. Wir sollen stattdessen lieber für sie sorgen.
4.3 Manche Eltern sorgen sich um ihre Kinder. Und dann sind sie plötzlich schon groß. Doch versorgt haben sie sie wenig mit dem, was sie brachten und wofür wir da sind: mit Streicheln, Zeit haben, Zuhören und Mut machen. Wenn es uns so geht haben wir manche Fürsorge unterlassen, obwohl wir uns und den Lebensweg der Kinder mit Sorgen belastet haben.
4.4 Falsche Lebenssorge trägt sich schwer, kommt nicht wirklich an und schafft manche bedrückende Stimmung.

5. Warum ist uns die Lebenssorge im Kern aus der Hand genommen? Die Bibel gibt dazu einen klaren Hinweis. In Gottes Hand, sagt sie, liegt das Gesetz von Saat und Ernte. Wachsen ist Segen. Es kommt aus Gottes Hand. Tun - Ergehen - Zusammenhang nennen das die Theologen. Wir pflügen und wir streuen ... doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand. Gott bleibt eingebunden und bleibt letzter Maßstab. ER bleibt Richter, nicht wir.
5.1 Wer diese Ordnung respektiert wird den tiefen Frieden Gottes in Form wohltuender Gelassenheit erfahren.
5.2 Doch diese Ordnung Gottes ist nicht unangefochten. Der Widersacher stört sie durch den Sorgengeist. Von Anfang an: Sollte Gott gesagt haben? Müsstest du nicht ... .
Sorgen kommen von alleine. Schon daran könnten wir merken, dass sie nicht von Gott sind. Alles Böse läuft leicht. Es ist der breite Weg wie Jesus sagt.

6. Wie sollen wir frei werden, Lebenssorgen lassen? (33) Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes ... sagt Jesus. Unser Herz soll nicht der Sünder der Lebenssorge überlassen, sondern dem Segen des Reiches Gottes.

6. 1 Die Taufe ist dafür Zeichen. In ihr wird ausgedrückt: Mein Leben gehört einem anderen Geist, nicht dem der Sorge um mein Leben. Ich bin bereits ein geliebtes Kind Gottes. Ich verständige mich darüber mit meinem Schöpfer. Das ist der Inhalt des Taufvertrages.

6.2 Und wenn mir das abhanden kommt, ich mich an meinem Schöpfer versündige - wer hier ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein - dann kehre ich schnell um. Sünden gehören in die Beichte unter Jesu Kreuz. Sorgen auch. Sorgenübergabe an Jesus, so nennt das die Seelsorge.

6.3. Woran liegt es, dass wir Lebenssorgen so schwer losbekommen? Sie sind wie ein Gummiband an unserem Herzen festgemacht. Entfernen wir uns ein wenig vom Problem, schnellt es mit Macht in uns zurück. Es sind eben Sünden. Und Sünden gehen nicht mit gutem Willen weg, sondern nur durch Gottes Vergebung. Spricht ER mich frei, dann bin ich frei.

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)