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zum drittletzten Sonntag im Kirchenjahr,
Costa del Sol

(Friedhelm Peters)

Drittletzter Sonntag im Kirchenjahr, 9. November 2003

Vom Kommen des Reiches Gottes

20 Als Jesus von den Pharisäern gefragt wurde, wann das Reich Gottes komme, antwortete er: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an äußeren Zeichen erkennen könnte. 21 Man kann auch nicht sagen: Seht, hier ist es!, oder: Dort ist es! Denn: Das Reich Gottes ist (schon) mitten unter euch. 22 Er sagte zu den Jüngern: Es wird eine Zeit kommen, in der ihr euch danach sehnt, auch nur einen von den Tagen des Menschensohnes zu erleben; aber ihr werdet ihn nicht erleben. 23 Und wenn man zu euch sagt: Dort ist er! Hier ist er!, so geht nicht hin, und lauft nicht hinterher! 24 Denn wie der Blitz von einem Ende des Himmels bis zum andern leuchtet, so wird der Menschensohn an seinem Tag erscheinen. 25 Vorher aber muss er vieles erleiden und von dieser Generation verworfen werden. 26 Und wie es zur Zeit des Noah war, so wird es auch in den Tagen des Menschensohnes sein. 27 Die Menschen aßen und tranken und heirateten bis zu dem Tag, an dem Noah in die Arche ging; dann kam die Flut und vernichtete alle. 28 Und es wird ebenso sein, wie es zur Zeit des Lot war: Sie aßen und tranken, kauften und verkauften, pflanzten und bauten. 29 Aber an dem Tag, als Lot Sodom verließ, regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel, und alle kamen um. 30 Ebenso wird es an dem Tag sein, an dem sich der Menschensohn offenbart.

Lukas 17, 20 - 30


Liebe Gemeinde,

viele Fragen nach Gott entstehen bei Fragen an uns Menschen. Das war schon immer so.

1.1 Ein Beispiel: Als der aus dem Glaubensbekenntnis bekannte Pontius Pilatus wieder einmal seine Macht gegenüber dem besetzten Volk Israel demonstrieren wollte erfand er eine grausame List. Bei einem der üblichen Festspiele, kündigte er den Kampf zwischen berühmten Gladiatoren und Raubtieren an. Man war begeistert und stürmte in das Stadion. Als die Veranstaltung begann ließ Pilatus die Ausgänge besetzen und schließen. Dann wurden die Käfige der Raubtiere geöffnet. Doch sie wurden nicht in die Arena, sondern auf die Tribünen gelenkt. Dort fielen sie über die Zuschauer her. Es war ein furchtbares Blutbad. Wer nicht von den Tieren zerrissen wurde starb unter den flüchtenden Menschen. Wer nicht von den Menschen zertreten wurde starb unter dem Schwert der Soldaten am Ausgang.
Wie kann man so etwas inszenieren? Und weit schlimmer? Warum müssen wir dieser Frage heute immer noch stellen. Warum hat sich noch nichts geändert?

1.2 Religiöse Menschen fragen hier nach Gott. Wo bist Du, Herr? Warum greifst Du nicht ein? Was muss denn noch geschehen bis Du handelst? Wann kommt Dein Reich?
Und diese Frage zieht sich durch bis heute. Auch wenn es nicht mehr Gottes Reich ist, worauf man wartet. Heute heißt es freie Welt. Und nicht sehr lange her da mussten viele Menschen die sozialistische Gesellschaft als Zukunftsziel erhoffen und erarbeiten. Es scheint als ob jede Zeit Vorgaben darüber macht, was kommen muss, damit Leid, Not und Ungerechtigkeit überwunden werden. Der Mensch scheint dies zu brauchen.

1.3 So fragte man auch damals, was nötig ist, damit die Welt doch besser wird.
Muss es ganz schlimm werden, damit Gott eingreift?
Wenn die Schöpfung verdorben und der Mensch missachtet wird - kommt dann Sein Reich?
Wenn der Bund gebrochen wird und die Liebe stirbt - kommt dann Sein Reich? Wenn die Gottlosigkeit Überhand nimmt und uns alle guten Geister verlassen haben - kommt dann Sein Reich?
Wer ein waches Herz hat und wem die Hoffnung noch nicht gestorben ist, der sucht nach Antwort.

1.4 Das taten die Pharisäer damals ganz gewiss. Und sie glaubten: Gott liebt den Bund mit den Menschen. Also: Wird der gehalten wird ER kommen. Das Reich Gottes bricht an, wenn an einem Tag alle Gebote des Gesetzes von einem kleinen Rest des Gottesvolkes gehalten werden. 612 Gebote x 1 Tag x einer Handvoll Entschiedener. Dann kommt Sein Tag. Dann räumt ER Römer weg und straft Gesetzesbrecher. Dann richtet ER Sein Volk auch wieder auf. Dann ist das Schreien des Blutes der vielen Unschuldigen dieser Erde von Gott erhört. Das glaubten sie.
Deswegen waren sie Pharisäer, solche, die es ernst meinten. Und bis heute versuchen Gruppen frommer Juden, das Gesetzes perfekt zu erfüllen, damit Sein Reich kommt. Mit Respekt sehen wir das.

1.5 Auch Jesus wurde mit der Frage konfrontiert. Was muss ich tun, damit die Herrschaft Gottes kommt? Die Welt verlangt nach einer Antwort. Was hindert Gott, hier einzugreifen? Was sagst Du, Jesus?
Ist das nicht eine spannende Frage? Es ist die Frage nach der Vision, die Jesus hat? Was ist Seine Vision für die Erde und den Himmel?

2. Mal wieder bleibt Jesus keine Überraschung schuldig. ER gibt drei klare Antworten.

2.1 Die erste.

2.1.1 Die Vision liegt nicht in der Zukunft, sondern im Herzen. Die Gegenwart Gottes, Seine Veränderung der Welt liegt nicht vor Euch, sondern in Euch, sagt ER. Die Verwandlung der Erde ist nicht ein Thema, für das ihr arbeitet. Sie hat in Euch begonnen. Ihr könnt von daher arbeiten. Die Zukunft hat begonnen. Das Reich Gottes ist mitten unter Euch. Sie kennen das Wort: Heute ist der erste Tag von dem Rest meines Lebens.
Wie kann Jesus so etwas sagen? Was meint ER damit?
2.1.2 ER war es, der die Liebe Gottes vom Himmel auf die Erde geholt hat. Und in Seiner Person ist sie in Menschen gekommen, die IHN als Herrn in ihr Leben aufnahmen. ER hat in Seiner Person die Bedingungen für das Anbrechen der Gottesherrschaft erfüllt. Im Namen Jesus leben heißt in Gottes Herrschaft leben. Schon jetzt sind die Zeichen des Reiches Gottes da.
2.1.3 Dir ist vergeben - die Schuld hat nicht mehr das letzte Wort.
Du bist erlöst - die Gottesferne ist nicht mehr der letzte Abgrund, sondern nur noch ein Tal, durch das ER führt.
Du hast Gewissheit - dein Name ist angeschrieben im Himmel: ICH habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist Mein.
Du kannst der Liebe eine Chance geben - ICH werde dich immer lieben.
Du brauchst nicht sterben - Siehe ICH lebe, und ihr sollt auch leben.
Das alles sind Einladungen des Reiches Gottes, das nicht erst kommt, sondern gekommen ist. Es ist mitten unter euch, sagt Jesus.
2.1.4 Kein Arbeiten für eine Vision, sondern Leben aus der Vision.
Damit stellt Jesus eine unglaubliche Botschaft vor. ER gibt die Himmelsgüter einer Welt zurück, die sehnsüchtig und oft verzweifelt um sie kämpft. Hier: Gottes Liebe ist da. Lebe aus ihr. Du darfst.

2.2 Schwärmertum! Frommer Betrug an der Wirklichkeit! So lässt sich sofort vernehmen, so sagt es vielleicht auch unser Herz. So einfach geht das doch nicht. Und was ist mit dem Blut der vielen Unschuldigen, das Pilatus vergoss? Was sagt Jesus dazu? Das zweite.

2.2.1 Es wird eine Zeit kommen, in der ihr euch danach sehnt, auch nur einen von den Tagen des Menschensohnes zu erleben; aber ihr werdet ihn nicht erleben.
So ist das. Das Reich Gottes ist verborgen wie der Menschensohn. In euch heißt noch nicht gleich um euch. Die Kampflinie geht durch euer Herz.
2.2.2 Ihr weint - doch ihr werdet getröstet.
Ihr leidet - doch euch wird geholfen.
Ihr habt Probleme - ICH helfe euch durch.
Ihr verzagt - ICH richte euch wieder auf.
Denn den Schatz kann euch bei allem keiner nehmen. Das Reich Gottes ist in euch. Haltet das fest.
2.2.3 Keine Verdrehung der Wirklichkeit. Vielmehr ein Schrei: Herr, erbarme Dich. Komme bald.
Wir leben in der Zeit, wo oft der Menschensohn und Seine Herrschaft sich nicht erleben lässt. Die Seele und der Körper spüren nichts. Nur unser Herz bleibt an dem Faden hängen, den ER uns gibt. ICH bin in euch.

2.3 Wie lange soll das dauern? Ist das denn attraktiv? Zahlt sich die Hoffnung aus?
Auch darauf antwortet Jesus. Das dritte.

2.3.1 Man wird nicht damit rechnen, sagt ER. Man wird leben und leben lassen wie zu Noahs Zeiten und wie in Sodom und Gomorrha. Es wird keine Sintflut geben und auch kein Feuer vom Himmel. Doch so plötzlich wie der Blitz in der Nacht alles erhellt, so plötzlich wird der Menschensohn erscheinen in Seiner Herrlichkeit.
Was dann im Herzen lebt wird auch die Wirklichkeit der Seele und des Körpers prägen. Was dann im Glauben da ist, wird dann auch alle Zellen unsere Körpers und Gehirns durchdringen. Der Heilige Geist wird dann in allen Dingen wirken, nicht nur im Herz. Die Wiederkunft des Herrn macht aus dem Leid ein Lied, das die Erlösten singen.
2.3.2 Von dort wird ER kommen ... . So beten es die Christen durch die Jahrhunderte. Die Wiederkunft des Herrn beendet das Warten. Das Leider der gesamten Schöpfung wartet auf diesen Tag, so unterstreicht es Paulus.
2.3.3 Als Christ ist es fast gar nicht möglich, den Weg des Glaubens zu beschreiten ohne auf IHN zu warten. Wie soll ich denn die Nöte aushalten, ohne auf IHN zu hoffen? Wie soll ich denn das Unrecht verkraften, ohne auf IHN zu trauen, dass ER bald kommt? Wie soll ich allen Mangel tragen, ohne auf IHN zu sehen.
Dein Reich komme! ist Jesu erste Bitte, die ER uns lehrt. Ich kann das gut verstehen. Ich brauche das.

3. So lehrt uns Jesus wach auf IHN zu sehen.
Dass ER gekommen ist und in uns ist, das macht uns froh.
Dass ER noch nicht in allen Dingen um uns ist, das macht uns Leid.
Dass ER noch kommen wird, das gibt uns Hoffnung.

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)