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zum vorletzten Sonntag im Kirchenjahr,
Costa del Sol

(Friedhelm Peters)

Vorletzter Sonntag im Kirchenjahr, 16. November 2003

Vom Jüngsten Gericht

31 Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen. 32 Und alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. 33 Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken. 34 Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist. 35 Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; 36 ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen. 37 Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben? 38 Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben? 39 Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? 40 Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. 41 Dann wird er sich auch an die auf der linken Seite wenden und zu ihnen sagen: Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist! 42 Denn ich war hungrig, und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben; 43 ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis, und ihr habt mich nicht besucht. 44 Dann werden auch sie antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder obdachlos oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen und haben dir nicht geholfen? 45 Darauf wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan. 46 Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben.

Matthäus 25, 31-46


Liebe Gemeinde,

1. Haben Sie einmal darüber nachgedacht, was Sie antworten, wenn Sie am Jüngsten Tag vor IHM stehen?

1. 1 Keine Sorge, es geht hier nicht um Angst und Bange machen, auch nicht um eine Erpressung mit religiösen Mitteln, wie Sie viele fromme Menschen erlitten haben. Meine Frage könnte viele Ängste wachrufen und die Reaktion provozieren: Nicht schon wieder. Die lebenstüchtige Lösung solcher gequälten Menschen besteht in der Regel darin, das ganze Thema vom Jüngsten Gericht auf Eis zu legen, wenn nicht überhaupt den ganzen Glauben über Bord zu werfen.
1.2 Trotzdem ist ein Probelauf nicht schlecht, gerade um alle Angst zu nehmen. Schließlich üben wir ja auch manchen anderen Auftritt. Ohne Probe geht kein Musiker auf die Bühne. Ohne Vorbereitung wäre keiner durch sein Staatsexamen gekommen. Nicht mal den Führerschein schafft man heute ohne Unterricht. Und ins Jüngste Gericht wollen wir so hineinspazieren?
1.3 Jesus erzählt seine Geschichte, damit wir proben können. Es ist ja nicht schon jetzt so. Es könnte vielmehr so aussehen. Jeder hat die Möglichkeit zum Probelauf, der noch nicht zählt. Ist das so schlecht?
Vielleicht machen Sie ja mit, jetzt oder später für sich selbst.

2. Das Mittelalter hat seine Ethik auf das Jenseits ausgerichtet. Was muss jetzt geschehen, damit wir am Jüngsten Tag vor IHM bestehen? Und unser Text war die Grundlage für die 7 Taten der Barmherzigkeit:
(1) Durst löschen, (2) Hunger stillen, (3) Fremde aufnehmen, (4) Obdachlose beherbergen, (5) Nackte kleiden, (6) Kranke pflegen und (7) Gefangene besuchen. Die großen Erneuerungsbewegungen aller Orden führten die Menschen zu diesen Taten der Barmherzigkeit. Die fünf Wunden Jesu - Hände, Füße und Seite - galt es zu verbinden und zu heilen. Wodurch? Durch die Taten der Barmherzigkeit. Neben der Unheilsgeschichte des Christentums gibt es auch diese Geschichte der Barmherzigkeit.

3. Haben wir sie erfüllt? Haben die Christen sie damals erfüllt? Habe ich sie erfüllt?
Jeder halbwegs rechtschaffene und ehrliche Mensch bekommt hier ein Problem. Natürlich habe ich schon bei anderen Durst gelöscht und Hunger gestillt. Natürlich habe ich Fremde aufgenommen. Ich habe sogar schon Obdachlose bei mir beherbergt. Fast Nackte waren auch schon vor meiner Tür. Und Gefangene habe ich auch besucht.
Doch habe ich das genug getan?
Vielleicht mache ich noch eine Runde im Gewissen und sage der kritischen Rückfrage vom Probelauf für das Jüngste Gericht: Und weißt Du, wenn es auch nicht genug war. Ich konnte nicht mehr. Ich bin im Unterschied zu Dir nur Mensch.
Und da, wo ich noch mehr gekonnt hätte, musst Du wissen: Wir haben da heute ein Wort für Menschen, die immer helfen. Die haben ein Helfersyndrom. Und das ist ganz schrecklich. Die lieben ihre Hilfe und nicht sich. Du aber hast gesagt, wir sollten den anderen lieben wie uns selbst.

4. Richtig Ruhe macht das nicht. Es bleibt irgendwie offen: Reicht es oder reicht es nicht, was ich tue?

5. Wir könnten einen zweiten Anlauf machen. Wir wissen heute, dass es auf die Haltung ankommt. Und da werden wir fündig.
5.1 Die einen werden empfangen: Kommt her!
Ihr Leben lang hatten sie genau das gelebt: Kommt her. Sie haben wahrscheinlich auch mal ihre Tür zugemacht und nicht immer Besuch gehabt. Aber in ihrer Haltung hat sich das immer durchgezogen: Kommt her! Vielleicht waren es nur die Kranken, die sie so aufgenommen hatten, oder die Hungrigen, für die sie sich bei der Welternährungskonferenz eingesetzt hatten. Kommt her! haben sie gelebt. Und das war ihr Lohn beim Jüngsten Gericht. Ihr Haltung war Ihr Urteil. Was sie lebten erlebten sie.
5.2 Die anderen hörten: Geht weg!
Und ihr Leben war von dieser Haltung geprägt: Geht weg! Wann haben wir gesehen? Wann haben wir gehört? Wann bist Du uns begegnet? Weg, weg, weg!
Und das erfuhren sie am Ende selbst: Weg von Mir, ihr Verfluchten. Was sie waren das waren sie dann auch. Es wurde nur nach außen deutlich, was nach innen war.
So gesehen ist das Jüngste Gericht eigentlich gar kein Urteil, sondern nur eine Offenbarung von dem, was jeder so wie so schon ist. Das Innere kommt nach außen. Die Konsequenz tritt in Kraft.

6. Zwischenfrage: Macht das fröhlicher? Wie stehe ich da mit meiner Haltung? Bin ich genug das, was ich dann gerne sein möchte?
Und wenn es Ihnen so geht wie mir, dann muss ich ehrlich gestehen, dass mir die Auslegung gefällt, ich aber um nichts in der Welt klarer sehe wie es ausgeht. Denn in meinem Herz ist beides: Kommt her! Und: Geht weg! Sind wir nicht alle ambivalente Menschen? Nur wenn ich mich noch nicht gut kenne, könnte mir der Trugschluss gelingen zu sagen: Ich bin nur zugewandt.

7. Dann sehe ich etwas Aufregendes. Das Jüngste Gericht ist nach den Worten Jesu nicht nur eine Offenbarung radikalster Selbsterfahrung - das ist es sicherlich auch. Es ist vor allem eine Offenbarung von Gotteserfahrung. Und hier scheint mir der Schlüssel zu liegen.
7.1 Durstige tränken. Der Herr sagt: ICH war durstig. Hungernde speisen. Der Herr sagt: ICH war hungrig. Fremde aufnehmen. Der Herr sagt: ICH war fremd. Und ER geht alle durch. Überall ist ER gewesen. ER hat sich in allem versteckt. Und ich weiß das gar nicht.
7.2 Wenn ich es recht mache müsste ich also in allen Alltagsdingen IHM dienen. Ich besuche Kranke. - Herr ich diene darin Dir. - Diese Haltung geht durch bis in die Ewigkeit. - Ihr Gesegneten, ihr habt Mich besucht.
IHN in allen Dingen vor mir sehen würde beim Jüngsten Gericht bedeuten: IHN auch in alle Ewigkeit vor mir sehen und bei IHM sein.

8. Das will ich tun. Dich, Herr, in allen Dingen suchen. Ich bin dazu bereit.
Doch reicht das? Bin ich nicht auch darin ein schwacher Mensch mit vielen Fehlern? Bleibt mir damit am Ende doch nur die Angst vor dem, was Jesus hier vom Jüngsten Gericht sagt?

8.1 Ich möchte mit einer kleinen Erzählung schließen, die hier Antwort gibt. Ein Pastor war gestorben und kam vor die Himmelstür um einzutreten. Er klingelte. Und tatsächlich: Petrus machte auf. Damit hätte er nach allem Studium der Theologie nicht gerechnet, dass der Küsterdienst so wörtlich zu verstehen wäre. Er sagte also höflich: Ich will hier rein.
Doch Petrus sagte: Und was ist mit den Punkten? - Welche Punkte, fragte der Pastor. - Nun, jeder, der hier reinwill, muss 5000 Punkte haben. Weißt du das denn nicht? - Mein Gott, dachte der Pastor. Davon habe ich nie etwas gehört, geschweige denn gesagt. - Nun, sagte Petrus, fangen wir doch einfach mal an.
Der Pastor überlegte: Also wenn es um Punkten geht, dann beginne ich bei meinem Beruf. Ich bin ordiniert. - Ein halber Punkt! - Wie bitte?
Das war nicht die richtige Richtung, dachte der Pastor. Es muss die Ethik zählen, nicht das Amt. Ich habe viele alte Menschen besucht, sogar meine alte Mutter, die im Pflegeheim jeden Tag besucht werden wollte. - Gut. Einen Punkt. Ach, du meine Güte. Das geht ja gar nicht. Dann muss der Glaube zählen. Weißt Du, Petrus. Ich habe immer fest geglaubt. Was ich getan habe, wurde durch meinen Glauben getragen. - 5 Punkte. -
Und wie viel brauche ich? - 5000 Punkte. -
Da sagte der Pastor: Ach, Herr Jesus, wenn Du mir nicht aufmachst, dann habe ich hier gar keine Chance. - 5000 Punkte, sagte Petrus. Das zählt.

8.2 Ich denke, dass ist die Antwort für die Gewissheit im Jüngsten Gericht. Die Werke der Barmherzigkeit gelten auch für mich selbst. Der Herr tut sie an mir. Und weil ER damit in mir ist, kann ich gewiss sein: Es reicht selbst dort, wo ich es möchte und doch versage.

9. Und so gesehen macht es keine Angst, es macht gewiss. Im Spiegel meines Lebens sehe ich den Herrn. Um Seinetwillen darf ich zu den Gesegneten mich rechnen. Und wo möchte ER, dass ich IHM heute mit Werken der Gerechtigkeit auch diene?

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)