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zum 1. Sonntag im Advent,
Costa del Sol

(Friedhelm Peters)

1. Sonntag im Advent, 30. November 2003

Vom Vertrauen beim Beten

9 Darum sage ich euch: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. 10 Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. 11 Oder ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn eine Schlange gibt, wenn er um einen Fisch bittet, 12 oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet? 13 Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.

Lukas 11, 9-13


Liebe Gemeinde,

1.1 Ich habe eine Klingel bei mir am Haus angebracht, damit ich hören kann, wenn einer zu mir kommen will. Das ist ein schönes Ding mit wunderbarem weichen Knopf und Funkkontakt zu einem Läutwerk. Das steht bei mir im Zimmer und macht Ding Don, wenn einer schellt. Und jetzt kommt das besondere: Nach drei Wochen denke ich, wer ruft denn da? Da steht jemand vor der Tür und sagt, die Schelle geht nicht. Ein nagelneues Ding. Ich gucke. Sie sieht immer noch gut aus und funktioniert nicht? Und dann merke ich den Grund: Die Feuchtigkeit vom Meer hat den elektrischen Kontakt zerstört. Nichts kommt an, obwohl sie so schön aussieht.

1.2 Manchmal denke ich, dass es Menschen so mit dem Gebet und Gott geht. Das Gebet ist eine so wunderschöne Schelle. Und zu besonderen Anlässen benutzen wir es auch. Doch dann schließt sich die Erfahrung an: Nichts scheint anzukommen. Ich bete und bete. Und am anderen Ende ist Schweigen. Ist mein Kontakt vielleicht auch wie die Schelle korrodiert?

1.3 Jesus scheint um diese Not von uns Menschen zu wissen. ER spricht deswegen klare Worte. ICH sage euch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Das klingt anders. Kein gestörter Kontakt. Das Klingeln geht durch. Gebete wirken.

1.4 Und Jesus nennt auch noch den Grund. ER vergleicht das Beten mit der Beziehung zwischen Eltern und Kindern. Hören nicht die Väter, wenn die Kinder bitten? Reagiert nicht die Mutter, wenn die Kinder etwas wollen. Natürlich tun das Eltern. Und so ist Gott. Wenn schon die Eltern hören, dann erst recht der Vater im Himmel.

2.1 An dieser Stelle könnten manche widersprechen. Jesus, jetzt reicht es. Weißt Du denn nicht wie viele Väter ihren Kindern überhaupt nicht zuhören. Und nicht nur das: wie viele lassen sie allein und hauen ab. Wie viele verlassene Kinder gibt es auf der Welt. Ihr Klingelzeichen hat niemand gehört.
Und weißt Du nicht, wie viele Mütter alles mögliche tun, angeblich sogar für ihre Kinder. Doch sie haben nie geschaut, was diese wirklich brauchen. Wie viele Klingelzeichen kommen bei den Müttern gar nicht an. Wie viele Kinder haben längst aufgehört zu senden.
Verlassende Eltern und verlassene Kinder. Wer von uns kennt das nicht?
Und wenn das so mit Gott ist wie mit den Eltern, hört ER uns auch so wenig wie Eltern?

2.2 Tatsächlich ist dies eine durchgängige Erfahrung. Wir übertragen in der Regel unser Vaterbild auf Gott und was uns unsere Mutter bedeutete oft auf die Kirche. Und da können wir uns ausmalen, was für gute, aber oft auch erschütternde Zuschreibungen vorgenommen werden. Wer keinen Vater hatte, der tut sich oft schwer, Gott selbstverständlich zu vertrauen. Er hört in seinem Herzen innerlich die Stimme: Dem willst du glauben. Der ist doch nicht da. Und wer eine harte Mutter hatte, der überlegt, ob er sich auf eine Glaubensbeziehung einlässt. Du bringst es zu nichts, warte nur ab, jeder merkt das - so tönt es in ihm. Viele gehen dann einfach ihren Weg. Sie scheuen die innere Auseinandersetzung, die harten Stimmen in sich anzunehmen und sich von ihnen zu trennen. Sie lösen sich nie ernsthaft von den Defiziten der Eltern, versuchen zu vergessen. Doch der Preis dieses Vergessens ist hoch. Lasse ich mich ernsthaft auf das Gebet des Glaubens ein und auf Gott, spüre ich plötzlich wieder, was ich bei meinen Eltern erfuhr. Ich erlebe Gott so wie ich meine Eltern erfuhr. Sie stehen beim Glauben im Weg.

3.1 Jesus ist das nicht fremd. ER kennt schwache, versagende und verlassende Eltern. Würde er sonst Beispiele nennen wie hier in unserem Text: Ein Skorpion statt eines Eies geben, eine Schlange statt eines Fisches. Das wäre der Tod. Auch wenn das keiner von Euch tut, bitter genug - es scheint solche Eltern zu geben, die nicht verdienen, Eltern zu heißen. Jesus weiß darum. Und nüchtern stellt ER fest: Ihr, die ihr böse seid.

3.2 Doch viel wichtiger noch ist was dann kommt. ER meint: die Erfahrung mit Gott sei nicht vergleichbar mit der von unseren Eltern. Ungleich größer ist die Zuwendung Gottes als das, was selbst schwache Eltern ihren Kindern noch an Gutem geben. Ungleich mehr zählt Seine Liebe als das, was wir selbst bei unvollkommenen Eltern an Liebe empfingen. Gott ist größer und vor allem anders.

3.3 Wie schön. Gab es meinen Vater nicht oder habe ich unter ihm gelitten: Gott gibt es, unter IHM brauche ich nicht leiden. ER ist für mich da. War meine Mutter keine Mutter für mich: Gott ist für mich, mit IHM kann ich immer rechnen. ER gibt mir Vertrauen. Die Vater- und Mutterbilder könne wir lassen. In der Hinwendung zu Gott können wir neue Bilder von Vater und Mutter gewinnen. ER ist das Urbild von allem.

3.4 Deswegen lädt Jesus zu diesem reinen Vertrauen ein. Wende dich doch an Deinen wahren Vater. ER ist auch wie eine liebende Mutter. Bitte IHN, es wird dir gegeben. Du weißt nicht wie, du weißt nicht wann, doch du kannst vertrauen.
Suche IHN, du wirst IHN finden. ER ist für dich da. Wann und wie und wodurch, du weißt es nicht. Das Leben wird es zeigen. Bleibe im Vertrauen.
Klopfe an. Die Schelle läutet. Dir wird aufgetan. Du kennst noch nicht die Tür. Vielleicht musst du lange gehen. Doch vertraue, die Tür ist offen.
Da steckt ein erlöstes Vater- und Mutterbild Gottes hinter.

4.1 Und jetzt sind wir bei der Taufe. Sie ist ja nach dem Glauben der Christen das Zeichen der Wiedergeburt.

4.2 Bei der Geburt kriegen wir mit, was unsere Väter und Mütter uns gaben und antaten. Bei der Wiedergeburt durch die Taufe bekommen wir mit, was Gott uns im Namen Jesu gibt und antut. Und was ist das?

4.3 Nie mehr will ICH von dir weichen, spricht der Herr. Immer wirst du auf ewig Mein Kind sein. Immer kannst du in Meinem Vertrauen bleiben. Immer. Immer. Dafür bist du reingewaschen und das Alte ist tot. Trage Meinen Geist in deinem Herzen, du Mein Kind.

4.4 Das ist die Botschaft der Taufe. Eine wunderbare Quelle des Lebens für uns alle.

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)