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zur Einführung von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Friedhelm Peters)

Gottesdienst zur Einführung am 6. Dezember 2003,
Samstag vor dem 2. Sonntag im Advent 2003

Vom Helm des Heils

8 Bleibt niemand etwas schuldig; nur die Liebe schuldet ihr einander immer. Wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt. 9 Denn die Gebote: Du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren!, und alle anderen Gebote sind in dem einen Satz zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. 10 Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Also ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes. 11 Bedenkt die gegenwärtige Zeit: Die Stunde ist gekommen, aufzustehen vom Schlaf. Denn jetzt ist das Heil uns näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. 12 Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe. Darum lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts. 13 Lasst uns ehrenhaft leben wie am Tag, ohne maßloses Essen und Trinken, ohne Unzucht und Ausschweifung, ohne Streit und Eifersucht. 14 Legt (als neues Gewand) den Herrn Jesus Christus an, und sorgt nicht so für euren Leib, dass die Begierden erwachen.

Römer 13, 8-14


Liebe Gemeinde, liebe Gästes dieses Gottesdienstes

Es wird berichtet, es habe in England einmal einen merkwürdigen Prozess gegeben. Der Besitzer einer Schnapsfabrik hat einen Pastor verklagt. Und das kam so. Der Pastor schimpfte regelmäßig von der Kanzel gegen die Herstellung und den Missbrauch des Alkohols. Dann kam ein Gewitter. Und bei dem Unwetter schlug tatsächlich der Blitz ein. Die Fabrik brannte ab. Nun klagte der Besitzer auf Schadensersatz.
Ich weiß nicht, ob er Recht bekommen hat. Ich weiß noch nicht einmal, ob diese Geschichte stimmt. Aber anscheinend steht doch ein Glaube im Hintergrund, der für viele zählt: Ein Fluch trifft. Und ein unverdienter Fluch trifft nicht. So heißt es in Sprüche 26 Vers 2: "Wie der Spatz wegflattert und die Schwalbe davonfliegt, so ist ein unverdienter Fluch; er trifft nicht."
Der Schnapsfabrikbesitzer scheint geglaubt zu haben, der Fluch sei berechtigt und habe deshalb gewirkt. Nur einverstanden war er nicht. So hat er den Pastor verklagt.

Es wäre schön, wenn hiermit alles gesagt wäre und ich Amen sagen könnte. Wir sind keine Schnapsfabrik, andere schon eher. Wohl gibt es genug böse Menschen, über die wir ähnlich wie der Pastor schimpfen könnten, sogar in unseren eigenen Reihen. Wenn dann zur Lösung aller Probleme die Blitze Gottes zuckten wäre ja alles in Ordnung.
Leider scheint es nicht so zu sein, weder heute noch in unserem Text.

1. Der Verfasser des Römberbriefes verfügt anscheinend auch nicht über Blitz und Donner als göttliches Strafgericht zur Lösung von Problemen. Wir müssen sogar annehmen, dass er seine Worte ohnmächtig aus einem Gefängnis schreibt. Auch die Waffen, die er uns in unserem Textabschnitt empfiehlt, machen Christen nicht zu Blitze Schleuderern. Und die großen Worte über die Liebe zur Lösung der Schwierigkeiten, haben sie sich mit Macht durchgesetzt und sind sie zur Richtschnur der Kirchen Jesu Christi geworden? Sie sind es nicht. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Wir Christen sind nicht besser dran als der Schnapsfabrikbesitzer. Und die Kirchen scheinen eher selbst aus Gottes Gnade vor dem Blitzschlag bewahrt geblieben zu sein, der sie als Gottes Zorn treffen könnte.
Doch wenn das so ist: Wozu will uns der Text dann fähig machen?

2. Der Horizont des Glaubens.
Einmal wird es anders sein, sagt die Bibel. Dann nämlich, wenn der Herr selbst wiederkommt. Wir werden Seine Herrlichkeit erfahren ohne Not und Anfechtung. ER wird sein Werk vollenden. "Das Heil ist jetzt näher. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag (des Herrn) ist nahe" (Vers 11.12). Und ER braucht dazu keine Donner und Blitze. Ich freue mich auf diesen Tag und ich teile diese Freude hier mit einigen.

3. Doch dieser Tag ist jetzt nicht.
Tatsächlich ist jetzt noch die Zeit, wo Christen und der Kirche geflucht wird. Und nichts fehlt heute an dem, was Paulus schon damals skizzierte: Fressen, Saufen, Unzucht, Ausschweifung, Hader, Eifersucht. Man braucht nicht an die Costa del Sol zu reisen, um das alles zu finden. Aber das Paradies der sündenfreie Zone ist Marbella auch nicht. Verhalten, was das Herz finster macht für Täter und Opfer, gibt es auch hier. Werke der Finsternis nennt Paulus das. Mächte der Finsternis können dadurch Fuß fassen.
Jeder von uns kann dazu etwas erzählen. Das Herz kann finster sein im schönen Licht der Sonne Andalusiens. Und diese Finsternis ist auch Realität.

4. Doch jetzt kommt die Aussage des Textes:
Auch wenn unsere Welt von Mächten der Finsternis tagtäglich bestimmt wird, sie sind besiegt. Jesus ist Sieger. Sie sind IHM nicht gleichwertig, sondern untertan. Sie haben nicht den gleichen Rang wie ER. ER ist erhoben über alle Mächte und Gewalten. Durch seinen Tod am Kreuz war ER stärker als die Macht des Hasses. Und durch Seine Auferstehung hat ER selbst die Macht des Todes besiegt. Unser Text meint nun, wir haben an diesem Sieg Jesu Anteil. Deswegen sagt Paulus: Legt ab die Werke der Finsternis! (12) Lasst uns ehrhaft leben (13). Du musst nicht auf den Blitz warten. Das Licht ist hinter Dir. Du selbst kannst anders.
Und um klarzustellen, warum er das tut, sagt er noch dazu: ... wie am Tag (unseres Herrn) wenn ER wiederkommt. Wie dann, so schon jetzt. ER lebt von Jesu neuer Welt, die kommt.

5. Und das geht?, möchten wir fragen.
Es mag sein, dass Paulus beim Schreiben dieser Zeilen im Gefängnis Soldaten sah, die ihn bewachten. Und da wurde deren Aufzug zum Bild für den Kampf der Glaubens. Die furchterregende Aufmachung des Wachsoldaten wurde zum Beispiel für die lichte Ausrüstung gegen die unsichtbaren Mächte.
"Lasst uns anlegen Waffen des Lichtes" (12)! Was ist das?
An anderer Stelle (Epheser 6, 10-20) beschreibt er dies ausführlich. Er nennt dort den Gürtel der Wahrheit, den Panzer der Gerechtigkeit, die Stiefel der Bereitschaft, für den Frieden zu kämpfen, den Schilde des Glaubens, den Helm des Heils und das Schwert des Geistes. Mächtige Waffen. Drei sind auf den Leib gekleidet, drei sind Wehrgeräte, davon nur eines zum Angriff. Waffen des Lichtes, Waffen der kommenden Welt.

6. Waffen des Lichtes tragen als Christ? Ich werde mit meinem Namen daran erinnert.
Mein Vorname macht in Spanien Probleme: Friedhelm. Das kann fast keiner aussprechen. Er heißt: Helm des Friedens, Helm des Heils.
Das lerne ich immer noch, was das heißt. Mein Kopf ist geschützt. Er ist in Heil und Frieden gehüllt. Jesu Frieden bedeckt meine Gedanken. Erkenntnis unter Seinem Heil.
Eine Waffe des Lichtes. Die steht zur Verfügung.

7. Trage ich sie? Lebe ich mit ihr?
Bei der Predigt ist das relativ einfach, davon zu erzählen. Doch jeden Tag damit leben? Wie häufig treffen uns Dinge auf dem falschen Bein. Und dann fehlte der Helm des Heils.
Wie bin ich gekleidet? Und wie geht es Ihnen?

Jesus hat mit den Waffen des Lichtes gelebt. ER geht mit. ER bietet an: Komm, zieh sie immer wieder an. Lebe auch damit.

8. Zum Schluss: Da gibt es ein kleines Märchen, das wir "Des Kaisers neue Kleider nennen". Einer geht her und nutzt die Eitelkeit und Verblendung der Leute, indem er für viel Geld Kleider verkauft, die gar keine sind. Das Festkleid ist in Wahrheit Nacktheit. Ein kleiner Junge entlarvt schließlich die Menschen. Sieh mal, ruft er, der hat ja gar nichts an!
Sieh mal, die haben ja gar nichts an! Wird das der entlarvende Ruf über die Christen und die christlichen Kirchen sein? Oder wird es heißen: Die tragen ja Waffen des Lichtes.
Legt sie an!, sagt unser Wort. Dazu soll unsere gemeinsame Arbeit hier an der Costa del Sol helfen.

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)