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zum Heiligabend von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 24. Dezember 2003,
Heiligabend 2003

Köstlichkeiten, die nicht dick machen

1 Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. 2 Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. 3 Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt. 4 Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, 5 damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. 6 Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. 7 Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. 8 Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. 9 Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. 10 Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; 11 denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. 12 Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. 13 Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: 14 Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens. 15 Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. 16 Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. 17 Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. 18 Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten. 19 Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. 20 Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

Lukas 2, 1-20


Liebe Gemeinde!

1. Weihnachten erleben und feiern viele mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

1.1 Endlich kann man sich und anderen etwas Gutes gönnen. Wie das aussehen kann?
Die Einkaufszentren lassen uns nicht im Regen stehen. Da türmen sich Berge von Pralinenschachteln und Dosen mit Gebäck. Es muss ja nicht gleich die größte sein, aber ein bisschen gehört doch dazu.
Die Fischtheke bietet vielleicht Sonderangebote. Es sind ja immerhin 5 Tage: Heiligabend, 1. Feiertag, 2. Feiertag, Samstag zur Erholung und dann wieder Sonntag. Ein Tag Fleisch, ein Tag Geflügel. Pastete und Salate für Zwischendurch. Und dann kann immer noch etwas Unvorhergesehenes kommen. Wir wollen ja nicht ohne dastehen.
Der Einkaufswagen füllte sich. An der Kasse schmilzt das Geld. Wir freuen uns mit der Wirtschaft über die Umsätze, die doch endlich steigen sollen, auch hier in Spanien. Wir schwitzen bis wir alles fertig haben und genießen können.
Soweit das lachende Auge.

1.2 Nach Weihnachten kommt oft das weinende Auge. O Gott, was haben wir zugenommen. Diese Süßigkeiten. Warum habe ich nur so viel zugelangt. Nichts passt mehr richtig, vor allem hier am Bauch. Die nächsten fünf Tage gehe ich nicht auf die Wage. Ich würde ja blind, wenn ich sähe, was sie zeigt. Reine Vorsichts- und Schutzmaßnahme, es nicht zu tun. Ich würde unglücklich. Aber eigentlich bin ich es schon.

2. Natürlich läuft es bei Ihnen so nicht, oder aller höchstens nur ein bisschen. Doch auch das bisschen spiegelt wieder:
Anschaffen - Wegräumen. Warum eigentlich?
Einkaufen - Genießen - wieder abnehmen. Warum eigentlich das Ganze?
Geld ausgeben - Geschenke austauschen. Was hat das gebracht?

3. Wir stoßen mit dieser Beobachtung nicht nur auf unsere eigenen geheimen Bedenken, sondern auf den Kern von Weihnachten. Den wollen wir entdecken und für uns nehmen.
Ich nenne ihn nach unserer Einleitung: Köstlichkeiten, die nicht dick machen.

4. Die erste Köstlichkeit: Groß und Klein werden vertauscht.

4.1 Da sind sie, die Großen dieser Welt: Kaiser Augustus in Rom. Der hatte, was er wollte. Der hat zum Frühstück nicht Magarine gegessen, sondern Lachs und Butter. Und sich hat er zum Gott erklärt, anbeten sollten die Menschen ihn, den Großen.
Und dann ist da die kleine unscheinbare Familie von Maria und Josef und Jesus. Da war nichts mit Butter und Lachs. Sie hatten ja noch nicht einmal einen Tisch für ihre Sachen. In einem Stall sind sie untergekommen. Genau da sollte der Heiland der Welt geboren werden nach den Verheißungen der Bibel.
Und ohne dass er es wusste musste der große Kaiser Augustus seine Befehle zur Steuer geben, die dazu führten, dass alle Welt sich in Bewegung setzte, Maria und Josef nach Bethlehem kamen und der Heiland dort in Bethlehem geboren wurde. Der große Augustus wäre in der Weltgeschichte längst untergegangen, wäre er nicht zum Befehlsempfänger Gottes geworden, der bei der Geburt des Heilands helfen musste, damit Maria und Josef nach Bethlehem kamen.

4.2 Gott vertauscht groß und klein. Die Großen macht er gering, die Kleinen groß. Die Weihnachtsgeschichte ist voll solcher Köstlichkeiten. Es sind die Pralinen der Heilsgeschichte, die kleinen Köstlichkeiten.
Übersehen wir nicht diese kleinen Köstlichkeiten. Gott hat das Geringe gesehen und die Großen dafür gebraucht. Der große Augustus musste dem kleinen Jesus zur Verfügung stehen.

4.3 Könnte mir das helfen zu glauben, dass Gott meinen kleinen Glauben gesehen hat? Dass ER das große Weihnachtsfest und die große weltweite Kirche dazu benutzt, um mir zu helfen. Wo ich nichts anderes bin als eine kleine Krippe, da hat ER nicht weggeguckt. Da komme ICH hin, sagt ER. Da will ICH zur Welt kommen allen großen Gesten und allem Gehabe zum Trotz, dem ich so oft erliege.

4.4 Könnte mir das helfen, statt auf das Geschenkpapier in die Augen meiner Lieben zu schauen und darin den kleinen Punkt der Liebe zu entdecken, den es immer noch gibt. Könnte ich beginnen, die kleine Geste, vielleicht hilflos, vielleicht nicht galant, zu würdigen, die den guten Willen ausdrückt: Ich meine doch dich.
Könnten wir die Köstlichkeit entdecken, die Umarmung ernst zu nehmen. Und danach erst das, was uns die Umarmung auch schwer macht.

4.5 Diesen kleinen Köstlichkeiten eine Chance geben, das ist Weihnachten. Gott hat es vorgemacht. Das Kleine macht ER groß. Auch bei mir: ER macht mich groß vor IHM. ER sieht mich, würdigt mich, lässt mich Seine Liebe spüren. Ich zähle vor IHM.

5. Die zweite Köstlichkeit: Mein und Dein werden vertauscht.

5.1 Das ist wieder so etwas Fremdes. Es ist lecker für das Herz.
Euch ist heute der Heiland geboren, sagen die Engel den Hirten. Sie sagen nicht: Es ist heute der Heiland geboren. An diesem Pronomen hängt das Heil: Euch. Wenn Gott etwas getan hat, dann tut ER es für uns. ER tauscht. Sein Heil gegen das Unheil in uns.

5.2 Wie gut, dass wir das schon Weihnachten sehen können. Später wird der erwachsene Jesus das deutlich formulieren: Kommet her zu Mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. ICH will euch erquicken. ER sagt: Du bist Gottes Kind wie ICH Gottes Sohn bin. ICH nehme deine Abgründe auf Mich, deshalb bin ICH zu dir gekommen.
Gott vertauscht Mein und Dein. Sein Heil für mich. Mich nimmt ER auf. Das ist ein Geschenk, Mein wird Dein. Es vom Herrn dieser Welt anzunehmen rückt alle anderen Geschenke in ein neues Licht.

5.3 Könnte uns das helfen, Karten und Geschenke noch einmal neu zu betrachten und darin zu entdecken, was uns Gutes gegeben wird? Könnte es uns ermutigen, unseren eigenen Geschenken noch einen guten Wunsch im Herzen nachzusenden, etwas von mir?

5.4 Freude ist die Kunst, dem Guten den Vorrang zu geben. Gott hat uns das vorgemacht. Eine Köstlichkeit, die nicht dick macht, aber froh.

6. In diesem Sinn wollen wir die Köstlichkeiten dieser Welt nehmen, große und kleine, alle Geschenke genießen, die wir empfangen und geben. Sie sind Zeichen dieser Köstlichkeiten, die der Herr uns schenkt.

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)