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zum 1. Sonntag nach Weihnachten von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 28. Dezember 2003,
1. Sonntag nach Weihnachten

Vollkommene Freude

Vorrede: Das Wort des Lebens: 1 Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens. 2 Denn das Leben wurde offenbart; wir haben gesehen und bezeugen und verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns offenbart wurde. 3 Was wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir auch euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt. Wir aber haben Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. 4 Wir schreiben dies, damit unsere Freude vollkommen ist.

1. Johannes 1, 1-4


Liebe Gemeinde!

1.1 der christliche Glaube musste sich immer schon mit den Zeitströmungen auseinandersetzen und sich darin bewähren. Der Kern des Glaubens ist fest und klar: Jesus der Auferstandene. Die Wahrheit ist also eine Person.
Doch die Denkgestalt ist nie fertig. Wie muss ich diese Begegnung mit dem Auferstandenen beschreiben? Welches Menschenbild habe ich und wie wirkt sich die Begegnung mit Jesus darauf aus? Wie beschreibe ich die Wahrheit des Glaubens mit meinen Worten, in meiner Denkart, in meiner Form von Religiosität? Und genauso wichtig: Welche Worte und Denkmuster finde ich, um es anderen in ihre Vorstellung zu übersetzen, wer und was der Auferstandene ist?

1.2 Der Teil der Theologie, der sich mit dieser Frage beschäftigt, heißt Dogmatik. Viele kluge und intelligente Leute haben zu allen Zeiten der Kirchengeschichte dicke Bücher über die Dogmatik von Johannes oder von Paulus oder von anderen Schriftstellern des Alten und Neuen Testamentes geschrieben. Als große Personen sind sie in die Kirchengeschichte eingegangen: Augustinus, Thomas von Aquin, Luther, Karl Barth - Tausende. Doch ist die Denkgestalt des Glaubens damit fertig? - Nein. Ein neues Lebensverständnis braucht wieder eine neue Sprache und sagt die Gegenwart des Auferstandenen neu.

1.3 Ich habe nach dem Theologiestudium in der Gemeinde wo immer es möglich war mich an die Küchentische der Menschen gesetzt. Warum? Dort wurde erzählt. Ich habe keine Bücher gelesen, sondern versucht in Herzen zu lesen: Wie erzählen sie vom Glauben? Was ist die Alltagsdogmatik der Menschen? Wer ist für sie Jesus, der Auferstandene? In jedem Herzen lebt eine Dogmatik von Jesus, dem Herrn. Wie sieht sie aus?
Darüber gibt es keine Bücher. Das muss ich mit dem Herzen lesen und erkennen.

1.4 Jeder von uns hat den Glauben auf irgendeine Weise in sein eigenes Leben übersetzt. Erst damit wird er einmalig und persönlich - oder er bleibt eben fremd und leer. Mit dieser Übersetzung aber sind wir unser Leben lang nicht fertig.
Jesus ist ja auferstanden und lebt. Deshalb lebt auch mein Glaube und verändert sich. Ich entdecke neue Seiten an IHM, und ER verändert meinen Glauben, wenn ich IHM folge und nicht nur mir und meinen Ideen von IHM. Lebendige Nachfolge des Herrn endet erst vor dem Thron Gottes in der Ewigkeit. Bis dahin passiert ständig Neues und ist der Glaube nicht fertig. Wohl ist das Heil für mich fertig, nicht aber seine Gestalt in meinem Leben.

1.5 Für Christen mit lebendigem Glauben ergibt sich daraus die Sehnsucht nach der wirklichen Begegnung mit dem Herrn an jedem Tag als Quelle des Lebens. Herr, mach mich sensibel, Deine Bestätigung und Deine Kritik an meinem Weg mitzukriegen. Ich suche nach der richtigen Unterscheidung zwischen dem, was gelten muss und dem, was anders sein soll. Und wenn ich irre, wird Deine Hand mich leiten. Erhalte mir dies Vertrauen. Baue den Stolz ab und lass die Demut in mir wachsen, damit ich verfügbar für Dich werde und dann auch bleibe.

1.6 Dies sind Gebete, die die Form unseres Glaubens nicht fest werden lässt, uns anpassungsfähig macht an die Umstände, in denen wir stecken. Wenn wir die ersten Inhalte des Glaubens als Grundschule des Glaubens betrachten, so wären diese Themen der Verwandlung die Sekundarstufe 1; Lernen zu lernen.

2.0 Unser Text behandelt ein solches Kapitel des Glaubens für Christen der zweiten oder dritten Generation am Ausgang des 1. Jahrhunderts.

2.1 Was ist das größte Problem für Christen, die lange dabei sind? Fehlendes Wissen? - Nein. Fehlende Weisheit? - Manchmal schon, aber es gibt auch viele weise Ratschläge. Fehlende Freude ist oft der größte Mangel. Freude fällt immer auf, bei alten Hasen und bei neuen Interessierten. Es gibt gute Gründe für diesen Mangel an Freude.

2.2 Unser Text greift diesen Punkt als ersten auf. Dafür wird der Johannesbrief geschrieben: Damit unsere Freude vollkommen wird.
Vollkommene Freude. Der erste Reiz des Glaubens ist weg, auch der erste Reiz der Gemeinde und Kirche, auch unsere eigenen ersten Reize. Was bleibt da noch als Freude? Und dann soll es vollkommene Freude geben. Wie?

3.1 Jetzt tauchen wir ein in die Denkgestalt des ersten Jahrhunderts. Der Auferstandene wurde als Wort des Lebens verstanden, als Logos. Heil zu denken war nicht schwer. Die griechische Vorstellung hatte dafür die Denkgestalt des Logos. Hier nur soviel. Das war der Sphärenklang der Ewigkeit, abgebildet in den Planetenbahnen und der siebensaitigen Leier. Logos als Harmonie der Ewigkeit, Übereinstimmung mit dem Kosmos, Eintauchen ins Jenseits - dafür musste man seinen Körper hinter sich lassen, durch Askese oder Hemmungslosigkeit, egal. Hauptsache diesen Geist erwischen. So zu denken und zu leben war üblich.

3.2 Der Johannesbrief nimmt das auf: Was wir gehört - Logos kann man hören - , gesehen - Logos kann man sehen - , was wir geschaut haben - Logos muss man mit dem Herzen erschauen - , und dann: was unsere Hände angefasst haben. Das ging nicht beim Logos. Den konnte man nicht anfassen. Aber das ging bei Jesus. Der war zum Anfassen.

4.1 Träume nicht vom Logos, vom Heil, sagt damit der Johannesbrief. Es mag die Denkgestalt deines Glaubens sein. Geh zu dem Herrn, den du anfassen kannst. Dort ist die Quelle. ER ist mehr als deine Idee vom Logos. Nicht der Logos lebt, sondern der Herr.

4.2 Nicht dein Glaube ist lebendig, sondern der Herr und dann auch dein Glaube. Suche IHN. Wiederhole nicht deine Form des Glaubens, sondern die Begegnung mit dem Herrn. Das war schon die Botschaft für die ersten Christen, die damals alte Hasen geworden waren.

4.3 Vollkommene Freude entsteht so. Das leuchtet auch sofort ein. Es ist ja nicht die Freude, dass ich dies kann oder jenes weiß. Vollkommen ist ER. Es ist ein Stück Einblick in Sein Herz, Seinen Schmerz, Seine Freude, die uns so erreicht.

4.4 Auf diesem Weg wollen wir das vergangene Jahr 2003 verlassen mit allem, was es war und gebracht hat. Am Ende dieses Jahres eine gute Korrektur: Auf dem Weg der vollkommenen Freude.

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)