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zum 3. Sonntag nach Epiphanias von
Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 25. Januar 2004, 3. Sonntag nach Epiphanias

Das Evangelium als Gottes Kraft

(14) Ich bin ein Schuldner der Griechen und der Nichtgriechen, der Weisen und der Nichtweisen; (15) darum, soviel an mir liegt, bin ich willens, auch euch in Rom das Evangelium zu predigen. (16) Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen. (17) Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht (Habakuk 2,4): Der Gerechte wird aus Glauben leben.

Römer 1, 14-17


Liebe Gemeinde!

1.1 Was ist eigentlich die Kraft Gottes?

1.2 Mit diesem Thema steigt Paulus in den Römerbrief ein. Ich schäme mich nicht, sagt er. Man muss sagen: Er schämt sich wirklich nicht. Um sich für einen möglichen zukünftigen Besuch vorzustellen schreibt er diese Zeilen. Und er wählt dies Thema zum Kennenlernen, zur Vorstellung.
Rom war damals das Zentrum der Macht. Hier regierte der Kaiser, der Senat. Die Fäden von Politik und Wirtschaft liefen dort zusammen. Hinter gewaltigen Mauern regierten die Mächtigen, in prunkvollen Gebäuden lebten die Reichen. Und wie gegen diesen großen Goliath tritt der kleine Paulus auf und spricht zum großen Rom gleich zu Beginn von der Kraft Gottes.

1.3 Was lässt ihn so mutig sein? Was macht ihn so gewiss? Was lässt ihn zu jemanden werden, der auch vor einer Weltmacht sagt: Ich schäme mich des Evangeliums nicht?

1.4 Diese Frage ist bis heute interessant.

2.1 Es gibt viele Dinge in der Kirche von großer Kraft. Machtmenschen studieren das mit großem Interesse. Gegner der Kirche bekämpfen das bis zur Verfolgung. Es ist die Kraft der Religiosität. Was macht es, dass Menschen auf die Knie gehen, seien sie stark oder schwach? Was lässt Menschen voller Hingabe sein, seien sie studiert oder weniger gebildet? Was macht Menschen so willig wie im Glauben, seien sie arm oder reich? In der Religiosität brechen alle diese Kräfte auf. In der Kirche sind sie manchmal zu erkennen.
Jede Partei wünscht sich so etwas. Jeder Herrscher wäre froh, wenn er damit sein Programm durchtränken könnte. Jeder Feldherr möchte eine solche Kraft für sich einspannen. Der Philosoph Feuerbach hatte einst gemeint, diese Kraft entzaubern zu können. Er nannte sie eine schlichte Projektion irdischer Dinge an den Himmel. Er hatte Recht in seiner Beobachtung, dass Religiosität auch eine Projektionskraft ist. Doch er unterschätzte und übersah, dass es noch viel mehr ist als nur dies. Die Religiosität als Kraft der Hingabe lebt in jeder Zelle. Sie ist neben dem Empfangen als Hingabe die zweite Säule unseres Lebens.

2.2 Ist das die Kraft Gottes, von der Paulus spricht?
Oft haben die Kirchen sich so verhalten und es auch so dargestellt. Und oft haben die Mächtigen der Welt auf diese Kraft in den Kirchen geschielt als die Kirchen noch stark waren. Doch ist sie das?

2.3 Der neue Lutherfilm macht neben vielen großartigen Aufnahmen und Stimmungen eines Mönches etwas sehr klar. Da kam der junge Luther nach Rom und sah wie Tausende die Büßertreppe auf den Knien hochrutschten in völliger Hingabe. Diese Menschen dachten wie man es ihnen sagte: Mit dieser Hingabe und diesem Opfer werden Strafen der Ewigkeit gesühnt. Was Luther vorher wusste sah er hier: Religiosität ist missbrauchbar. Hingabe lässt sich mit allen möglichen Inhalten verderben, selbst und gerade mit religiösen.
Das kann nicht die Kraft Gottes sein, das ist Verrat an IHM, so wusste er aufgrund der Schrift. Religiöse Hingabe trägt nicht per se das Siegel göttlicher Wahrheit. Kraft und Macht sind wohl zu sehen, doch ist sie deshalb schon Kraft Gottes? Sicher nicht.
Für Luther war diese Unterscheidung ein Schlüssel für die Reformation, die er anstieß.

2.4 Dies gilt es bei allen religiösen Phänomenen festzuhalten. In vielem Religiösen sind sehr tiefe Dinge festgehalten und bewahrt. Das gilt es mit Respekt zu sehen. Doch das sagt noch nichts darüber aus, für wen sie geschieht und wer sie trägt. Sie verbindet sich vielleicht auch mit der Gotteskraft. Sie schmückt sich vielleicht mit ihr, nennt ihren Namen. Doch ist religiöse Kraft deshalb schon Gottes Kraft? Sicher nicht.
Was aber ist Kraft Gottes?

3.1 Was Luther in der Auslegung unserer Stelle bei seinen Römerbrief Studien entdeckte gilt bis heute. Dynamis steht für das Wort Kraft im Urtext. Doch welche Dynamis? Nicht eine Sprengkraft unserer Taten, nicht eine Sprengkraft unserer Seele, unserer Kunst, nicht eine Sprengkraft unseres Geistes und seiner Hingabekraft. Es ist die Dynamis Theou, die Kraft von Gott.

3.2 Wie aber kommt sie in uns? Und wodurch?
Der Glaube ist das Fenster, sagt Paulus. Die Hingabekraft von uns ist nicht der Inhalt, sie ist nur Fenster. Durch sie hindurch kommt Gottes Kraft als wahres Licht in uns hinein. Gottes Glaube - durch unseren Glauben - in uns hinein. Das ist die Bewegung: Aus Glauben zu Glauben. Aus IHM zu uns.

3.3 Und was ist diese Gottes Kraft? Worin besteht sie? Was ist ihre Stärke, die Sprengkraft wie es heißt?
Vor Gott gerecht sein. Das wird offenbar und gilt, sagt Paulus.
Ich vor IHM - kein Fehler, nicht ein Nichts, nicht "Was soll ich denn da?", kein Staubkorn.
Vielmehr - Sein Kind, ich zähle, ich gehöre vor Sein Angesicht, ich bin Teil Seiner Schöpfung. Ich habe meinen Platz gefunden, den ich jetzt und in Ewigkeit einnehmen werde.
Ich bin vor IHM gerecht. Meine Sünde ist abgewaschen. Ich darf zu IHM voll Vertrauen leben und mich und andere lieben. Denn ich gehöre zu meinem Gott. ER ist unser Vater.
Gottes Gerechtigkeit macht um mich keinen Bogen. Ich bin Teil davon. Ich, obwohl ich das von mir aus gar nicht bin. Doch durch die Stellvertretung Jesu gehöre ich dazu. Ich bin Sein.
Das ist die Sprengkraft. Das ist Gottes Kraft, die durchgeht bis zu mir und Ihnen. Das ist ein Gottesglaube, der in meinen Glauben eingeht und Kraft entfaltet. Das ist eine Quelle des Lebens.

3.4 Kennen Sie die Gotteskraft? Wie oft ist sie verschüttet und verkannt. Denn oftmals kleidet sie sich äußerlich ganz schwach. Doch innerlich ist sie wie ein Juwel, stark und ein tiefer Spiegel Seiner großen Kraft.

4.1 Wir sehen jetzt was Paulus so stark einsteigen ließ. Ins starke Rom mit Gottes Kraft. Das war kein Machkampf gegen irgendwen. Vielmehr: Von groß bis klein, vom Kaiser bis zum Sklaven, sollte die gute Nachricht jeder hören. Auch in Dir kann die Gotteskraft Gestalt gewinnen. Seine Vision wurde wahr. Etwa 150 Jahre später kniete der Kaiser vor dem Kreuz.

4.2 Nehmen wir dieses Evangelium mit in unsere Welt: Es gibt eine Dynamis Theou, eine Gotteskraft - für uns.

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)