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zum Letzten Sonntag nach Epiphanias von
Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 1. Februar 2004, Letzter Sonntag nach Epiphanias

Schatz in irdenen Gefäßen

6 Denn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten!, er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi. 7 Diesen Schatz tragen wir in irdenen (zerbrechlichen) Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt. 8 Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; 9 wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet. 10 Wohin wir auch kommen, immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird.

2. Korinther 4, 6-10


Liebe Gemeinde!

0.1 eine große Errungenschaft unserer Zeit ist, dass wir alle Verpackungskünstler geworden sind. Das Neue ist das Alte, aber neu verpackt.

0.2 Ich erinnere mich noch als Kind im Tante Emma Laden eingekauft zu haben. Da steckte der Hering noch im Fass und die Zimtstangen in der Gewürzschublade. Und es gab die großen braunen Tüten, in die alles verpackt wurde. Und der Quark wurde in Fettpapier gewickelt.

0.3 Heute sind die Sachen 6 Mal verpackt, die wir kaufen. Und dann steht ein Container am Ausgang, in dem wir die Verpackung gleich entsorgen können. Und wenn das noch nicht reicht gibt es eine Sondertheke nach der Kasse, wo man sich alles noch in Geschenkpapier einwickeln lassen kann, mit Schleifchen.
Und wer heute sein Geschenk beim Besuch einfach so unverpackt abgibt, der ist entweder ein Alternativer oder nicht ganz auf der Höhe der Zeit.

0.4 Es lohnt sich darauf zu schauen, wie eigentlich der Glaube an Gott verpackt ist. Wir sprachen am letzten Sonntag von der göttlichen Kraft. Worin ist sie auf Erden gehüllt? Was ist ihr Gewand? Steckt sie in Tüten eines Tante Emma Ladens oder hat sie modernes Outfit und Design?

0.5 Wer am Abschlussgottesdienst der Gebetswoche für die Einheit der Christen in Malaga dabei war, der konnte den Aufmarsch der Geistlichen vieler Konfessionen sehen. Im Zentrum der Bischof. Er saß im goldenen Bischofsstuhl unter einem riesigen Marienbild unter gewaltiger Kathedralkuppel. Der Altarraum war durch massive Gitter von den Glaubenden getrennt. Mittschnitte vom Fernsehen liefen. Licht und Musik der Orgel und des Orchesters mit Chor stimmten.

0.6 Wir haben unseren Schatz in mächtigen Gefäßen. So kann man sagen. Und wem das nicht passt: Wir haben unseren Schatz in modernen Gefäßen. Auch das passt vielen nicht. Wir haben unseren Schatz in biblischen Gefäßen. Doch auch da sind viele abgestoßen. Wir haben unseren Schatz in menschlichen Gefäßen.
Worin haben wir ihn denn? Wie ist es bei Ihnen? Was sagen Sie zuerst?

1.0 Unser Bibeltext erläutert diese Frage. Und Paulus hat dazu eine klare Meinung.

1.1 Zunächst beginnt er wieder bei der Kraft Gottes. Hier nennt er sie Erleuchtung. Das Licht Gottes geht in uns auf. Und er wird nicht müde zu wiederholen wie das geht. Es kommt nicht aus uns. Wir gucken es uns ab, indem wir auf Jesus schauen. IHN sehen und was wir sehen widerspiegeln, das macht Erleuchtung. Herr, ich habe viel auf Dich geschaut - das ist der Weg der Erleuchteten. Interessant, dass Paulus darin die Erkenntnis einschließt. Wer viel sieht erkennt viel.

2.2 Und dann, wie ist das verpackt? Jetzt greift Paulus auf seinen letzten Einkauf zurück. Da ist er vielleicht über den Markt gelaufen und hat die Tongefäße gesehen, in die Lichter gestellt wurden. So hängte man sie an die Wand oder stellte sie auf den Tisch. Wir haben diesen Schatz in irdenen Gefäßen. Einmal runtergestoßen, kaputt. Es ist ja nur Ton. Das Licht ist ewig, die Form ist vergänglich.

2.3 Stimmt das denn, Paulus? Ist das denn Gottes Absicht? Wie wollte es denn Gott? Wie hat ER selbst es denn gemacht?
Im Paradies hing dieser Schatz für jeden offen da, wie eine Frucht am Baum, nur durch das Gebot geschützt. Doch nach dem Sündenfall, auf dieser Erde, wie war es da?
Es war versteckt im Erdreich: ... im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen.
Es war verborgen unter Schmerzen: ... unter Schmerzen sollst du Leben gebären.
Es war bei Abraham in irdene Worte der Verheißung gepackt: Du sollst ein großes Volk werden und in dir sollen gesegnet sein alle Geschlechter der Erde.
Es war verborgen im Wüstensand: Ein Zelt, die Stiftshütte.
Es war eingegraben in Stein: Die zehn Gebote, die Mose empfing.
Es war verpackt in die Bundeslade, eine Kiste aus Akazienholz, was so verdreht ist, dass man es nicht schnitzen kann.
Es war verborgen in Geschichten und Gesetzen eines Volkes, das sich dadurch als erwählt erlebte.
Es war verborgen in einem Baby, das unter ärmlichen Verhältnissen im Stall geboren wurde.
Es war im Kreuz versteckt, dass Jesus erlitt, als ER in Gottesverlassenheit dann starb.
Es war in einer Höhle, einem leeren Grab, wo man den Auferstandenen vergeblich suchte. ER ist nicht hier.
Wir könnten weiter zählen und erzählen. Immer war der Schatz in irdenen Gefäßen. Es wird über uns nach der Schöpfungsgeschichte gesagt: Von Erde sind wir genommen, zu Erde sollen wir wieder werden, denn daraus machte uns der Herr. In dieses Leben aus dem Staub hat ER Sein helles Licht gegeben. Auch dem Bedeutungslosesten gilt dies Geschenk. Wie gut: Ich bin nicht ausgeschlossen.
Die irdenen Gefäße sind wahrhaftig Gottes Absicht. Sie sollen erleuchtet sein. ER ist kein Verpackungskünstler. Bescheidenheit ist Trumpf.

3.0 Warum das aber, möchte ich doch Paulus fragen.
Er nennt zwei Dinge.

3.1 Dem Demütigen wird es gelingen. Der Stolze findet Gottes Kraft nicht. Kein Mensch kann groß tun. Es bleibt wirklich nur Gott groß, wenn Seine Kraft sich so versteckt unter irdische Unvollkommenheit.
Wenn du sie dort entdeckt hast, bist du anders geworden. Du bist nicht mehr beeindruckt von goldenen Bildern oder Sesseln, von Macht und Größe und Herrschaft und Kuppeln, von Verpackung und Verzierung, von Prunk und Halleluja. Das ist zerbrechlich wie groß es sich auch gibt. IHM gebührt die Ehre, nicht uns.

3.2 Und das andere: Du wirst nicht mehr zerbrochen, wenn vieles zerbricht. Du wirst nicht mehr zerschlagen, wenn das Leben einen Schlag führt. Du wirst nicht mehr erstickt, wenn es eng um dich wird. Das Irdene hat keinen direkten Zugriff auf die Erleuchtung.
Wenn Paulus das aufzählt meint er: Die Erleuchtung Jesu in uns kommt nicht aus unserem bescheidenen Leben, aber sie bleibt auch trotz unseres oft so bescheidenen Daseins.

3.3 Wie gut das tut. Es hält uns auf dem Boden unserer Normalität und lässt uns doch nicht ohne die wunderbare Gewissheit, dass der Herr dabei seine Wunder tut.

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)