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zum Sonntag Septuagesimä von
Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)
(veröffentlicht in "Kirche + Sport" in der EKD)

Gottesdienst am 8. Februar 2004, Septuagesimä

Der Glaubenswettkampf

24 Wisst ihr nicht, dass die Läufer im Stadion zwar alle laufen, aber dass nur einer den Siegespreis gewinnt? Lauft so, dass ihr ihn gewinnt. 25 Jeder Wettkämpfer lebt aber völlig enthaltsam; jene tun dies, um einen vergänglichen, wir aber, um einen unvergänglichen Siegeskranz zu gewinnen. 26 Darum laufe ich nicht wie einer, der ziellos läuft, und kämpfe mit der Faust nicht wie einer, der in die Luft schlägt; 27 vielmehr züchtige und unterwerfe ich meinen Leib, damit ich nicht anderen predige und selbst verworfen werde.

1. Korinther 9, 24-27


Liebe Gemeinde!

1.0 Um des Glaubens willen verzichten ist das vordergründige Thema unseres Textes.
Im Unterschied zu jedermann in der Bevölkerung begannen die Verantwortlichen in der Kirche zu Septuagesimae, 70 Tage vor Ostern, ihr Fasten als Vorbereitung auf das Sterben und Auferstehen Jesu. Das Volk folgte erst am Aschermittwoch nach.
Rechnen wir uns heute mal zu den Verantwortlichen. Wie spricht Paulus vom Verzicht?

1.1 Er wählt das Beispiel des Sportes. Das lag in Korinth auf der Hand. Denn unweit von der Stadt fanden zwar nicht die Olympischen Spiele, wohl aber die nicht viel weniger berühmten Isthmischen Spiele statt. Ganz Griechenland nahm daran Anteil. Alle vier Jahre wurden die Wettkämpfe ausgetragen, zu denen man sich in Gymnasien Jahr für Jahr vorbereitete. Fünf Disziplinen wurden trainiert: Springen, (Kurzstrecken) Laufen, Diskuswerfen, Leibesringen und Faustkampf. Die Sieger bekamen keine Werbeverträge, wohl aber das damalige Äquivalent: Ruhm und Ansehen. Im Triumpfzug wurden sie in ihre Heimat geleitet, wo man sie und sich feierte. Der Kranz aus Fichtenreisern und Eppichblättern galt als Sieges-Trophäe. Für ihn tat man alles.

1.2 Monate trainierte man auf seinen Wettkampf hin. Und dieses Training war wie eine Schulzeit. Körperbeherrschung war nur der erste Schritt zu Geistesbeherrschung in Mathematik und Philosophie, die sich für die Erfolgreichen anschloss. (Man wusste damals in der Pädagogik noch ein wenig besser, wie wichtig Rhythmus, Disziplin und Ausdauer für das Lernen ist.)

1.3 Auf diese Erfahrung greift Paulus zurück. Jedem in Korinth war klar, was Pauls meinte, wenn er vom Wettlauf oder einem Faustkampf sprach. Ein jeder kannte die 10 Monats Diät der Wettkämpfer - keinen Alkohol, leichtverdauliche Speise, gutes Fleisch, keinen Geschlechtsverkehr - und ihr tägliches Training.
Doch was ist was? Womit vergleicht Paulus den Glauben?

2.0 Zunächst einmal ist klar, dass Paulus die Erlösung nicht mit einem Wettkampf vergleicht. Das Heil der Christen ist keine Siegestrophäe für die bestrainierten Frömmsten. Darin unterscheidet sich das Heil in Jesus grundsätzlich vom Gewinn im Sport und einem Leistungsabschluss im Beruf. Das Heil in Jesus bekommt jeder geschenkt. Um es zu bekommen, habe ich nicht einen Schritt gelaufen, nicht eine Leistung erbracht. Diese Trophäe habe ich vor dem Wettkampf oder ich habe sie nie.

2.1 Es ist wichtig, dass wir hier nie undeutlich werden. Unsrem Ego ist es viel sympathischer, wenn wir für unsere Erlösung auch etwas tun könnten. Nur Hingabe und Schenken lassen ist viel schwerer. Es lebt sich viel leichter mit dem Bewusstsein: Ich bin für den Herrn gelaufen, dann habe ich schließlich bei Gott auch etwas verdient. Do ut des - ich gebe, damit Du gibst.
Alles Falsch, sagt Paulus. Keiner hat vor Gott etwas, worüber er sich rühmen könnte. Wir sind erlöst in Jesus und sonst überhaupt nicht.

2.2 Wer hier nicht klar ist, hat keine unbekümmerte Gewissheit. Er kann nicht mit reinem Herzen sagen: ich bin erlöst. Es bleibt entweder ein schlechtes Gewissen oder ein stolzes Gewissen. Und viele haben ein schlechtes Gewissen vor Gott.
Dann stimmt der Anfang nicht. Das Heil ist kein Wettkampf. Ich muss mich zu diesem Anfang entscheiden und bekehren. Ohne meine Umkehr gelingt er nicht.
Was aber meint Paulus mit dem Wettkampf?

3.0 An dieser Stelle sitzt das moralische Erbe kirchlicher Tradition. Finde den Glauben umsonst, aber bewahre ihn mit Fleiß und Verzicht! Lass es dir was kosten, dass du dabei bist! Das klingt gut und ist auch nicht falsch. Keiner kann seinen Glauben leben, wenn er ihn nicht jeden Tag bewährt und bewahrt. Und das geht nicht ohne Einsatz.

3.1 Doch das Bild von Paulus stimmt nicht. Stellen Sie sich mal vor, die Sportler kriegten beim Wettlauf ihre Medaille vor dem Start, und zwar alle.
Es würde keiner laufen. Und wenn doch, das wäre ein Spaziergang! Wofür sich anstrengen? Ich habe doch, was ich will.
Viele Christen scheinen so zu leben. Einmal mit dem Glauben durch die Welt schlendern. Das Heil habe ich ja schon.

3.2 So versteht es Paulus nicht. Was meint er mit dem Wettkampf? Was mit dem Siegeskranz? Was kann ein erlöster Christ denn noch gewinnen?
Wir müssen dafür wissen, wohin die Reise geht im Glauben, was vor uns liegt.
Für Paulus ist es klar. Er möchte dabei sein, wenn Jesus wiederkommt. Er möchte dafür zur Verfügung stehen, wenn der Herr Sein Reich offenbar macht und Seine Leute einsetzen will. Er möchte dann nicht als leere Hülse, nicht als schmutziges Gefäß, nicht als lahme Emma, nicht als unbewegliches Glaubensbaby, nicht als jemand dastehen, der keine Frucht brachte. Der Schatz des Heils soll nicht vergraben, sondern durchtrainiert sein. So kann der Herr in der nächsten Runde sagen: du bist über wenigem getreu gewesen, Ich will dich über vieles setzen.
Der Weg des Glaubens ist mit dem Glauben nicht beendet. Er hat begonnen. Es wird trainiert.

3.3 Zwei Dinge betont Paulus bei dieser Botschaft für Christen.
(24) Laufe so, dass du den Preis gewinnst. Die Gemeinschaft der Christen im Vater Unser wird hier zur Heiligung des einzelnen. Sieh du zu, dass du gewinnst.
Pack deine Sünde an und aus und gib sie dem Herrn, damit sie verschwindet und vergeben wird.
Lass deinen Charakter umgestaltet werden mit dem Herrn und lass die Splitter in den Augen der anderen ihre Sache sein.
Geh deinen Weg des Gehorsams mit dem Herrn. Mach deine geistliche Diät. Was ER dir abverlangt, das lasse. Was ER dir gibt, das nimm. Trainiere die Umgestaltung von dir mit IHM.

3.4 Der zweite Hinweis des Paulus.
Verzicht ist nur sinnvoll wenn ich weiß warum. Das Ziel macht stark. Gewinne den Siegeskranz, sagt Paulus.
Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, welchen Sinn Ihr Leben für das Reich Gottes macht? Wofür gebraucht gerade Sie der Herr für jetzt und in Seiner zukünftigen Welt? Was mag ER Ihnen wohl dafür eine Begabung und was für ein Schicksal gegeben haben? Was ist Ihr Dienst vor diesem Hintergrund? Haben Sie eine Ahnung, wofür Sie wohl da sind?
Nicht, dass es einen Menschen gäbe, der dies genau wüsste. Keiner hat auf Erden den Plan Gottes in der Tasche. Keiner hat seinen Siegeskranz hier in der Hand.
Doch: Strecke ich mich aus nach ihm? Spreche ich mit dem Herrn über ihn? Suche ich den Sinn meines Lebens vor IHM? Oder bin ich wie jemand, der beim Faustkampf wahllos in der Luft rumfuchtelt, weil er sein Ziel gar nicht kennt oder sucht. So möchte Paulus nicht leben.

3.5 Vor diesem Hintergrund macht Fasten Sinn. Dann ist es etwas ganz anderes als ein Diätprogramm. Es muss noch nicht einmal mehr mit Speiseverzicht gelebt werden, das kann sein, ist aber nicht der Kern. Es meint das Zurückstellen meiner Klugheit über mich und das Einlassen auf ein Trainingsprogramm, das man in den alten Worten so beschrieb: für einen ewigen Kranz das arme Leben ganz.

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)