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zum Sonntag Invocavit von
Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 29. Februar 2004, Invocavit

Jesus der Hohepriester

14 Da wir nun einen erhabenen Hohenpriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, lasst uns an dem Bekenntnis festhalten. 15 Wir haben ja nicht einen Hohenpriester, der nicht mitfühlen könnte mit unserer Schwäche, sondern einen, der in allem wie wir in Versuchung geführt worden ist, aber nicht gesündigt hat. 16 Lasst uns also voll Zuversicht hingehen zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen und Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit.

Hebräer 4, 14 - 16


Liebe Gemeinde!

0.1 Jesus trägt viele Ehrennamen. ER ist der Christus, der Gottessohn, der Menschensohn, der Messias. Weiter kennen wir IHN als Licht der Welt, als Brot des Lebens, als den Weg, die Wahrheit und das Leben, die Frucht des Lebensbaumes vom Paradies. Ein Ehrenname begegnet uns in unserem heutigen Text, den mancher von Jesus gar nicht kennt, wenn aber doch, dann fällt es schwer damit etwas zu verbinden. Jesus der Hohepriester.

0.2 Der Hebräerbrief, aus dem unser Wort stammt, ist ein Katechismus für Fortgeschrittene, so könnte man sagen. Er erklärt die Geheimnisse des Glaubens und der Person Jesu anhand der Geheimnisse des jüdischen Gottesdienstes und Tempelkultes. Der Alte Bund steht Pate für den Neuen, das Alte Testament erklärt das Neue. Was in Israel durch irdische Regeln im Kult praktiziert wurde ist Blaupause der Dinge, die mit Jesus im Neuen Bund Gottes im Geist Realität geworden sind. Ein faszinierender Entwurf.
Geschrieben wurde er in der Zeit als man das erste Feuer der Nachfolge Jesu durch Gewöhnung verlor und sich entscheiden musste: Folge ich der nächsten interessanten Unterhaltung und Erbauung oder grabe ich weiter und mache Ernst. Für Christen bleibt das stets eine Frage.

0.3 Das große Thema dieses Hebräerbriefes ist nun genau unser Anliegen: Jesus der Hohepriester. Worum es dabei geht sei entscheidend für das Wachsen im Glauben, für einen Glauben, der nicht nur Babynahrung zu sich nimmt.

0.4 Fragen wir also nach der Bedeutung von Jesus als dem Hohenpriester.

1.0 Neben vielen Priestern gab es in Israel einen, der der Hohepriester genannt wurde. Sein Vorbild war der Bruder Moses: Aaron. Der Hohepriester hatte zwei Aufgaben.

1.1 Einmal im Jahr, am großen Versöhnungstag, geht er stellvertretend für das ganze Volk Gottes ins Allerheiligste, den dritten, innersten Bereich der Stiftshütte und später des Tempels (Levitikus 16). Dort bittet er um Vergebung für die Sünde des ganzen Volkes. Den einen Sündenbock hat er zuvor im Vorhof, dem ersten, äußeren Bereich, dargebracht, den anderen in die Wüste geschickt. Mit der Antwort Gottes tritt er dann hervor. Vor dem gesamte versammelten Volk verkündet er den Segen des Herrn.
Stellvertretende Bitte um Versöhnung und Spende des Segen im und aus dem Allerheiligsten gehörten zu seinen Aufgaben. Nur er konnte das vollbringen. Niemand anderes durfte in das Allerheiligste treten.

1.2 Der Hohepriester war leicht an seiner Kleidung zu erkennen: Sein Gewand (in Exodus 28 und 39 genau beschrieben) bestand aus einem Obergewand, an dem Granatäpfel (Fruchtbarkeit) und goldene Glöckchen (Kirchenglocken, Evangelisation) hingen. Neben dem Schulterkleid trug er das Brustschild, eine Schmuckplatte mit zwölf Edelsteinen, die jeder einen Stamm des Volkes Gottes repräsentierten. In der Kopfbedeckung war eine goldene Stirnplatte mit der Inschrift eingelassen: Heilig dem Herrn.

1.3 Das alles war schon prächtig anzusehen. Doch am großen Versöhnungstag war es anders. Da trug er nur einen einfachen weißen Leinenumhang. Er war nichts anderes als jeder andere im Volk von seiner äußeren Erscheinung. Als solcher trat er vor das Angesicht des Herrn.

2.0 Mit diesem Hohenpriester wird nun Jesus verglichen.
Wir wissen, dass er auch als Priester bezeichnet wird. Denn er opferte Sein Leben als ein Lösegeld für viele. Als solchen bezeichnet Johannes der Täufer Ihn als Lamm Gottes, welches hinwegträgt die Sünder der Welt. Sein Tod am Kreuz gilt seitdem als priesterlicher Dienst, bei dem ER als Priester nicht irgendein Opfer aussucht, sondern sich selbst opfert, Lamm Gottes wird. ER als Priester ist auch selbst das Opfer. Das ist Seine stellvertretende Erlösung für uns.

2.1 Doch worin ist ER Hoherpriester? Was ist damit gemeint?
Hier verlassen wir das Wissen um unsere Erlösung durch Jesu stellvertretenden Tod am Kreuz. Wir werden mitgenommen von dem Auferstandenen bei Seiner Himmelfahrt, dahin wo ER jetzt ist. Wo ist ER jetzt? Zur Rechten des Vaters, vor Seinem Angesicht, in der Ewigkeit, im Allerheiligsten. Das ist nicht hier auf Erden. Hier ist es immer nur eine blasse Kopie von dem Ort, wo Gottes Ehre wohnt. Vor Gott steht Jesus, als der erste auferstandene Mensch in der Ewigkeit. Ich gehe hin, um euch die Stätte zu bereiten (Johannes 14, 3).

2.2 Was tut ER da? Zwei Dinge.
ER bittet für uns. Vater, vergib ihnen. Sieh nicht auf ihre Sünden. Sieh auf das Opfer meines Lebens, das Ich für sie gebracht habe.
Und dabei hält ER vor Seinen himmlischen Vater die Hingabe Seines Lebens am Kreuz stellvertretend für uns. Das ist Seine Arbeit. Der große Versöhnungstag im Himmel jeden Tag. Für Sie, für mich. Wie gut, dass ER das tut. Wo wären wir sonst.
Der Seher Johannes sah Jesus dort in dieser Funktion als das Lamm (Offenbarung 5, 6).

2.3 Seine andere Aufgabe ist, den Segen zu spenden für Seine ganze Kirche, für Sie, für mich. Warum ist der Segen eigentlich frisch und aktuell und jeden Morgen neu? Weil Jesus ihn jeden Tag gibt und spendet. Seine Güte hört niemals auf. Auch jetzt ist ER da und segnet uns. Und Er hat zuvor gesagt: Ich will den Vater bitten, und ER wird euch einen anderen Tröster senden (Johannes 14, 16). Die Erfüllung mit dem Heiligen Geist ist das jeweils aktuelle Geschenk vom Thron Gottes aus.

2.4 Das Werk Jesu im Himmel jetzt ist Sein hoherpriesterlicher Dienst. Sein Wirken dauert an im wahren Allerheiligsten.
... sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters. Von dort wird ER kommen zu richten, die lebendigen und die Toten. So heißt es im Glaubensbekenntnis. Als unser Hoherpriester ist ER im Himmel nicht arbeitslos. Gott sei Dank tritt ER für uns ein und segnet uns. Als Sündenbock ist er zuvor auf Erden - im Vorhof - geopfert worden.

3.0 Wenn Ihnen diese Worte zu hoch und abgehoben vorkommen, dann möchte ich noch auf eine hilfreiche Kleinigkeit hinweisen. Sie erinnern sich. Der Hohepriester trat nicht im Festgewand bei seiner wichtigen Aufgabe ins Allerheiligste, sondern im weißen schlichten Leinengewand, normal. Dieses Zeichen nimmt unser Text auf. Es heißt dort: Wir haben ja nicht einen Hohenpriester, der nicht mitfühlen könnte mit unserer Schwäche, sondern einen, der in allem wie wir in Versuchung geführt worden ist (15).
Als normaler Mensch steht Gottes Sohn vor Gott. Mitfühlend - ER weiß, was ich empfinde. Versucht wie wir - ER kennt, was mich bedrängt.
Was Jesus da tut ist nicht fernab. ER bringt mein Leben jetzt vor Gott. ER gibt mir heute, was ich als Segen brauche. ER ist jetzt für mich da. Das ist Sein Hohepriesterdienst.

3.1 In Vorbildern des Alten Testamentes ist dieser hohepriesterliche Dienst des Erlösers auf mehrfache Weise angedeutet. Melchisedek, der König von Salem, der Priester Gottes, wird mit ihm verglichen (Genesis 14, 18-20). In den Psalmen heißt es: Du bist ein Priester in Ewigkeit nach der Weise Melchisedeks (Psalm 110, 4). Christen haben dies stets auf das Wirken Jesu jetzt im Himmel bezogen. Aus diesem Grund werden die Worte in Johannes 17 auch als hohepriesterliches Gebet bezeichnet.

3.2 Der Ehrenname Jesu als Hoherpriester schließt alles ein, was Sein Wirken ausmacht: Sein Werk auf Erden, dass Er vollbracht hat, und Sein Werk im Himmel, das Er jetzt vollbringt. Für uns.

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)