Deutschsprachiges Evangelisches Pfarramt an der Costa del Sol - online
Startseite

Grußwort

Gottesdienste

Predigten

Predigtplan

Gottesdienste
passiert...notiert...
und Fotos
Veranstaltungen
Wissenswertes
Kontakt und Anreise

 <>< Predigt
zum Sonntag Reminiscere von
Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 7. März 2004, Reminiscere

Ausgegossene Liebe

1 Gerecht gemacht aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn. 2 Durch ihn haben wir auch den Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen, und rühmen uns unserer Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes. 3 Mehr noch, wir rühmen uns ebenso unserer Bedrängnis; denn wir wissen: Bedrängnis bewirkt Geduld, 4 Geduld aber Bewährung, Bewährung Hoffnung. 5 Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. 6 Christus ist schon zu der Zeit, da wir noch schwach und gottlos waren, für uns gestorben. 7 Dabei wird nur schwerlich jemand für einen Gerechten sterben; vielleicht wird er jedoch für einen guten Menschen sein Leben wagen. 8 Gott aber hat seine Liebe zu uns darin erwiesen, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. 9 Nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht gemacht sind, werden wir durch ihn erst recht vor dem Gericht Gottes gerettet werden. 10 Da wir mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, als wir noch (Gottes) Feinde waren, werden wir erst recht, nachdem wir versöhnt sind, gerettet werden durch sein Leben. 11 Mehr noch, wir rühmen uns Gottes durch Jesus Christus, unseren Herrn, durch den wir jetzt schon die Versöhnung empfangen haben.

Römer 5, 1-11


...die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen ... (5)

Liebe Gemeinde!

0.1 Kennen Sie das auch? Da sitzen Sie schön am Tisch beim Essen. Und plötzlich rutscht Ihnen die Flasche aus der Hand. Es ist das Ölgefäß. Platsch, der Fleck ist unvermeidbar. Doch ein Unglück kommt selten allein. Sie wollen den Tisch retten, die Flasche fällt zu Boden. Und auf dem Teppich ist ein Ölfleck.
Den haben Sie nie mehr herausbekommen wie oft sie es auch versucht haben. Den Teppich wegschmeißen wollen Sie auch nicht. Vielleicht haben Sie auch solche Flecken, die Sie schon Jahre begleiten.

0.2 Wenn das so ist wissen Sie, was Paulus mit ekcheo meint, mit ausgießen. Es gab einen Augenblick, wo eine Ausgießung stattgefunden hat. Die Wirkung ist seitdem geblieben. Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen, sagt Paulus. Dabei gebraucht er dieses Wort. Der Fleck sitzt. Die Liebe Gottes bleibt.

0.3 Bei allem, was Paulus beschreibt, fängt er immer wieder dort an. Nur, es war ja kein Versehen Gottes, dass zu dieser Ausgießung geführt hat. Wohl ist Gott etwas aus der Hand gefallen, doch ER hat es selbst gewollt.
Was ist diese Ausgießung der Liebe Gottes als Quelle aller weiteren Glaubensschritte?
Wir wollen uns das in Erinnerung rufen, um es erneut in unserem Glauben zu bestätigen.

1.0 Heute lesen wir in fast jeder Ausgabe gängiger Magazine von Schönheitsbehandlungen oder Heilverfahren, in denen Öl oder eine andere Essenz über Kopf oder Körperteil ausgegossen wird. In der damaligen Zeit hatte eine Ausgießung für die meisten Hörer einen festen Sitz im Leben an ganz anderer Stelle. So heißt es Leviticus 4,7:
Darauf soll der Priester etwas vom Blut auf die Hörner des Rauchopferaltars tun, der vor dem Herrn im Offenbarungszelt steht, und dann soll er das ganze Blut des Stiers am Sockel des Brandopferaltars ausgießen, der sich am Eingang des Offenbarungszeltes befindet.
Ausgießung war ein Opfer. Wer ausgoss opferte. Er gab etwas von sich, um Frieden, Vergebung oder Heilung zu erhalten. Der Ort der Ausgießung war oder wurde zum Altar.

1.1 Auf dieses Bild greift Paulus zurück wenn er von der Ausgießung der Liebe Gottes spricht.
Weißt Du, sagt er, das Opfer ist für Dich bereits ausgegossen. Es hat schon stattgefunden. Du brauchst es nicht noch einmal zu geben. Für Dein Anliegen vor Gott brauchst Du nicht mehr ein Leben lang kämpfen.
Sieh, Jesus, das Lamm Gottes, ist geopfert. Gott hat seinen Sohn dafür gegeben. ER vergoss Sein Blut. ER starb am Kreuz. Sein Leben wurde ausgegossen. In Seinem Sterbepsalm 22 finden wir die Wort: Mein Gott, Mein Gott, warum hast Du Mich verlassen (2). Und ebenso steht dort das Wort: Ich bin ausgegossen wie Wasser, gelöst haben sich alle meine Glieder. Mein Herz ist in meinem Leib wie Wachs zerflossen (15). Durch Sein Opfer gilt:
der Weg ins Offenbarungszelt, vor den Thron Gottes, in Gottes Gegenwart, ist frei.
Wir haben Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn (1), sagt Paulus.

1.2 In fast jeder Lebensbiografie gibt es eine geheime Opferecke. Das Herz spricht: weil es mir so gut geht, weil ich etwas zu sühnen habe, weil ich selber Opfer wurde, weil ich mir nicht vergeben kann, weil ich, weil ich, weil ich ... . Wir antworten mit einer geheimen Opferstrategie, bei der wir zahlen. Zu viel Ja sagen, zu wenig Ja sagen. Zu viel Ablehnung, zu wenig Ablehnung. Wir zahlen zu oder ab.
Haben Sie sich schon einmal klargemacht: alles das steht dem Frieden mit Gott im Weg.
Und da gibt es diese wunderbare Ausgießung. Der Herr der Schöpfung opfert sich selbst damit die vielen falschen Lebensopfer nicht mehr sein müssen.
Nehmen wir sein Opfer doch für uns. So wollte ER es. Dann können wir bestätigen, was Paulus sagt:
Nachdem wir jetzt durch Sein Blut gerecht gemacht sind, werden wir durch Ihn erst recht vor dem Gericht Gottes gerettet werden (9).

1.3 Manche fragen: darf ich das? Ist es nicht gemein, wenn ich das Opfer Jesu für mich in Anspruch nehme? Wenn wir andere für uns etwas ausbaden lassen, dann ist das gemein. Doch Jesu hat es uns angeboten. Die Ausgießung Seines Lebens ist freiwillig, gewollt, bewusst. Es ist die Ausgießung, das Opfer der Liebe. ER tat es für uns. Wir erwidern Seine Liebe, wenn wir zugreifen.

1.4 Die Liebe Gottes ist ausgegossen, sagt Paulus. Das ist die Quelle aller guten Dinge des Glaubens. Wäre das nicht, wären wir keine erlösten Menschen. Doch mit dieser Vorgabe Gottes sind wir es. Gott kommt uns damit wirklich zuvor. Jeden Tag, erst Sein Opfer. Dann alles andere hinterher.

2.0 Paulus gibt dem Ganzen noch eine erstaunliche Wende. Das Wort findet ja noch seine Fortsetzung. Die Liebe Gottes ist ausgegossen - das verstehen wir jetzt. Und dann heißt es: ... in unsere Herzen. Und wir erinnern uns an den Sitz im Leben dieses Bildes. Ausgegossen wurde am Altar. Ausgegossen in unsere Herzen heißt: Mein Herz ist Sein Altar.

2.1 Der Altar ist ein für Gott geweihter Ort. Dort gelten Seine Regeln, keine anderen. Der Altar soll ja nicht entweiht werden. Es ist der Ort, wo Gottes Ehre wohnt. Dort hört ER meine Bitten, dort empfange ich Seinen Segen. Dafür ist der Altar reserviert.

2.2 Mein Herz darf ein Altar sein, ein Ort, wo Gottes Ehre wohnt.

2.3 Wer dies begreift beginnt die größte Wallfahrt seines Lebens. Sie wissen, es ist nicht mehr nötig, zu heiligen Orten aufzubrechen - man kann dies tun, es schadet nicht - wenn dieser Ort in Ihnen ist. Doch wir wissen auch: der Weg zum Herzen kann der längste sein, den wir auf Erden gehen. Denn wie viele Abbiegungen halten uns vom Altar Gottes in uns fern. An wie vielen Stellen suchen wir Ihn gar nicht, entweihen Ihn, bauen unsere eigenen Altäre, opfern kräftig unsere Opfer weiter.
Dabei will der Herr nach der Ausgießung Seiner Liebe in uns Sein zu Hause haben.

2.4 Haben Sie schon dem Herrn Ihr Herz zum Altar geweiht?
In der Taufe ist dieses sakramental vollzogen und wirklich. Im Bewusstsein wird es klar und deutlich, wenn ich es für mich festhalte: Mein Leben, Herr, soll Dir gehören. Mein ganzes Herz ist Dein. Lass mein Herz Dein Altar sein.

3.0 Gottes Liebe ist ausgegossen in unsere Herzen. Hier beginnt der Weg des Glaubens. Es sind Gottes Liebeflecken in unserem Leben.

Amen.





Zur Startseite      Zum Anfang dieser Seite

Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)