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zum Sonntag Oculi von
Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 14. März 2004, Oculi

Kinder des Lichts

1 Ahmt Gott nach als seine geliebten Kinder, 2 und liebt einander, weil auch Christus uns geliebt und sich für uns hingegeben hat als Gabe und als Opfer, das Gott gefällt. 3 Von Unzucht aber und Schamlosigkeit jeder Art oder von Habgier soll bei euch, wie es sich für Heilige gehört, nicht einmal die Rede sein. 4 Auch Sittenlosigkeit und albernes oder zweideutiges Geschwätz schickt sich nicht für euch, sondern Dankbarkeit. 5 Denn das sollt ihr wissen: Kein unzüchtiger, schamloser oder habgieriger Mensch - das heißt kein Götzendiener - erhält ein Erbteil im Reich Christi und Gottes. 6 Niemand täusche euch mit leeren Worten: All das zieht auf die Ungehorsamen den Zorn Gottes herab. 7 Habt darum nichts mit ihnen gemein! 8 Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr durch den Herrn Licht geworden. Lebt als Kinder des Lichts!

Epheser 5, 1-8a


... Lebt als Kinder des Lichts! ... (8)

Liebe Gemeinde!

0.1 Wer die Terroranschläge der letzten Tage mit verfolgt hat ist wahrscheinlich auch betroffen und entsetzt. Diese unschuldigen Opfer! Was konnten sie dafür? Nichts. Gab es einen Grund, warum es sie traf? Keinen. Hätte es nicht auch jeden anderen treffen können? Jeden.
Deswegen kommt an, was wohl auch beabsichtigt ist: Es trifft alle. Alle sollen leiden, auch wenn es nur einige trifft.

0.2 Wir als Unverletzte sind noch einmal davon gekommen. In das Entsetzen mischt sich die Dankbarkeit über die eigene Bewahrung und Unversehrtheit. Doch groß kann das Empfinden nicht werden aus Scham vor den Opfern und der Unsicherheit, es könnte morgen ja auch uns treffen.

0.3 Wir beten heute für die Opfer und Ihre Familien, für die Erschreckten und Entsetzten. Und wir wollen auch für die Täter bitten. Der Herr möge ihnen ein Umdenken schenken und das Böse vereiteln.

0.4 Doch wir wollen auch heute als Christen fragen, was solche Ereignisse für unseren Glauben bedeuten und wie wir sie von ihm aus sehen können.

1.0 Wir haben dazu einen Text an die Christen von Ephesus, einer damaligen Weltstadt des römischen Reiches. Ihnen wurden diese Zeilen zuerst geschrieben: Nutzt die Zeit, denn diese Tage sind böse (16). Darum seid nicht unverständig, sondern begreift, was der Wille des Herr ist (17). Erstaunlich, könnte man denken. Wo sind die 2000 Jahre Unterschied zu diesen Worten. Es klingt wie aus dem Herzen gesprochen.

1.1 Dabei ist Ephesus damals mindestens so schön gewesen wie heute die Weltstadt Madrid. Weltkultur ließ sich dort besichtigen und erleben. Der Tempel der Liebesgöttin Artemis, lateinisch Diana, gehörte zu den sieben Weltwundern des Altertums. Die Zauberbücher von Ephesus waren in der ganzen damaligen Welt bekannt.

1.2 Was war böse? Was nennt die Bibel angesichts dieser Wunder finster?
Es gab das römische Recht. Doch für wen galt es? Wir wissen aus den Zeitdokumenten von den brutalen Feldzügen der Römer und dem Unrecht mancher Herrscher. Die Aufstände gegen dieses Unrecht waren oft nicht weniger grausam. Wer sich durchsetzte mordete. Die Herrschenden kreuzigten die Sklaven. Die Gequälten töteten ihre Unterdrücker, wenn sie es vermochten. Das Symbol der Pax Romana, dem römischen Frieden, war das Messer.
Diese Tage sind böse, sagt der Epheserbrief (16).
Keine Kosmetik über den Boden, auf dem wir leben. Wer nicht versteht und den Willen Gottes begreift, berauscht sich am Wein - und das macht zügellos (18). So der knappe praktische Hinweis.

1.3 Und darum geht es nach dem Epheserbrief, das sollen wir verstehen und begreifen.
Ahmt Gott nach (1). Lebt als Kinder des Lichtes (8). Das ist die Alternative, das ist der andere Boden, das ist der Grund, auf dem nicht Zerstörung oder Haltlosigkeit wachsen. Es ist der Boden Christi.

2.0 Nun kann man mit Recht fragen, wie wir Gott nachahmen sollen. Seine Taten können nie unsere sein. Wer dies sagt hat natürlich Recht.
Doch der Epheserbrief ist nicht unrealistisch in seinen Hinweisen. Schließlich hatte er mit geschäftstüchtigen, weltmännischen Menschen zu tun.
Ahmt Gott nach als seine geliebten Kinder - spielt darauf an, dass Kinder beim Heranwachsen nichts lieber tun als ihre Eltern zu kopieren. So haben meine Kinder mindestens 100 mal etwas beerdigt und 1000 mal ihre Puppen getauft. Alles mit großer Ernsthaftigkeit.

2.1 Wenn wir von Gott als Seine geliebten Kinder angenommen sind und wir das auch angenommen haben, dann tragen wir Sein helles Licht in uns, einen Teil Seines Geistes. Dieser Teil unseres Herzens ahmt Gott nach.
Wir schaffen das Gute und ehren darin Gott.
Wir vergeben und stiften Frieden und ehren darin Gott, den Friedensstifter.
Wir geben Halt und weisen auf den Herrn als Halt hin, weil ER für uns Halt ist.
Wir respektieren und machen Mut, weil ER Licht ist und nicht Finsternis.
Und wir werden keine Zyniker, wehren der Verzweiflung in uns, geben der Rache keinen Raum - was wir alles könnten. Aber der Herr und Sein Licht zählt mehr als alles Finstere. Und wenn es uns doch überrennt, dann kehren wir um, denn wir sind Kinder des Lichtes.

2.2 Nicht überwinden lassen vom Bösen, das ist die Devise. Es könnte an jeder Stelle geschehen. Denn Böses umgibt uns überall. Warum nicht? Ihr seid Kinder des Lichtes.

3.0 Wer meint, in Ephesus sei die Welt noch in Ordnung gewesen und da hätte sich dies leichter leben lassen, der irrt. Unser Text spricht genug an, was sich an Abgründen auftat. Besonders zwei Dinge durchziehen unsere Worte: Immer mehr haben wollen - ein Herz voller Habgier. Immer mehr ausschweifen wollen - ein Herz voller Sucht nach Sex und Zerstreuung und Esoterik. Groß ist die Diana von Ephesus! Unter diesem Slogan der Liebesgöttin blühten Geschäfte mit Gold, Tempelprostitution und Alkohol, sowie Jenseitsübungen als Lebensstil.

3.1 Finsternis (8) - sagt dazu der Epheserbrief. Auf diesem Boden steht nicht. Habt nichts mit dem gemein (7). Und wenn das einmal so war: Jetzt seid ihr durch den Herrn Licht geworden. Lebt als Kinder des Lichtes! (8).

3.2 Der Epheserbrief lässt keinen Zweifel aufkommen, welchen Lebensstil er für den kräftigsten hält. Er sieht unser Leben und die Geschichte unsere Welt als eine Zeitspanne in der Epoche des Reiches Gottes. Gottes Licht aber wird Habgier und Götzendienst am Ende aufdecken und vernichten. In der unsichtbaren Welt ist dies schon jetzt klar. Ebenso auch für die, die Gottes Licht hier in sich tragen.
Deswegen: Darum seid nicht unverständig, sondern begreift, was der Wille des Herrn ist (17).

4.0 Wir haben keine Lösung für die Fragen, die uns heute bedrücken. Wohl aber haben wir eine Heimat, die nicht durch Bomben zu verunsichern und zu zerstören ist. Von der her wollen wir tun, was hilft und nützt und gut ist. Als Kinder des Lichtes.

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)