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zum Sonntag Laetare von
Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 28. März 2004, Judica

Melchisedek

7 Als er auf Erden lebte, hat er mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte, und er ist erhört und aus seiner Angst befreit worden. 8 Obwohl er der Sohn war, hat er durch Leiden den Gehorsam gelernt; 9 zur Vollendung gelangt, ist er für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden 10 und wurde von Gott angeredet als «Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks ».

Hebräer 5, 7-10


(Er) wurde von Gott angeredet als «Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks ». (10)

Liebe Gemeinde!

1.1 Heute haben wir wieder ein recht geheimnisvolles Kapitel in unserem Predigttext. Wir nähern uns dem Text mit einer Frage, die auch die Menschen damals bewegte.
Unsere Welt steckt voller Gewalt. Was für einen Sinn macht es, Frieden zu suchen? Wir sind umgeben von persönlichem und fremden Leid? Was bedeuten da Heil und Evangelium?

1.2 Diese Frage ist sehr alt. Auch angesichts des Lebensweges Jesu haben sich die Jünger gefragt: Gekreuzigt, gestorben und begraben. Was ist da vom Frieden übriggeblieben, den Jesus verkündigte? Wo sehen wir in Jesu Passion Heil und frohe Botschaft, für die ER lebte?

1.3 Vordergründig geht da nichts auf, weder bei uns noch bei Jesus. Doch dem Glaubenden erschließen sich Bilder des Heils. Und wer sie sieht und ergreift, dem geht es wie bei einer Ausstellung. Ein kleiner Bildausschnitt kann uns packen. Unser Herz lacht. Und wir sehen anders in unsere Welt hinein. So ist das auch mit lebendigem Glauben. Wir sehen etwas von Jesus. Und danach stehen wir anders in unserem Leben da.

1.4 Ein solches Bild des Heils wird uns in unsrem heutigen Text vorgestellt. Jesus - Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks. Wir müssen tief graben, um dieses Geheimnis zu lüften.

2.1 Der Name Melchisedek führt uns in die Zeit der Geschichte Abrahams. Böse Tage erlebte er. Sein Neffe Lot wurde mitsamt den Einwohnern von Sodom in einem blutigen Überfall aus der Stadt verschleppt. In einer mutigen Aktion folgt Abraham mit einigen seiner Treuen den Mördern, stellt sie und entreißt die Gefangenen dem sicheren Tod. Mit irdischer Beute und dem Ruhm des Siegers kehrt Abraham zurück. Da tritt ihm, dem Sieger über die feindlichen Könige, im Königstal eine fremde Gestalt entgegen: Melchisedek, der König von Salem (Genesis 14, 18). Er war Priester des Höchsten Gottes.

2.2 Und jetzt kehren sich die Dinge um. Der siegende Abraham wird plötzlich zum Empfänger. Er, der Reichtümer erbeutete, wird selbst beschenkt. Es heißt: Melchisedek brachte Brot und Wein. Er segnete Abraham und sagte: Gesegnet sei Abraham vom Höchsten Gott.

2.3 Und dann verschwindet dieser Melchisedek wieder.
Für Abraham muss das umwerfend gewesen sein. Sein großer Erfolg muss durch eine noch größere Segenserfahrung blass geworden sein. Von den dankbaren Menschen, denen er mit seinem Einsatz geholfen hatte, will er gar nichts mehr, lediglich die Erstattung der Unkosten für den Einsatz seiner Leute. Hier fällt das berühmte Sprichwort: Du sollst nicht sagen, du hättest Abraham reich gemacht. Das war nicht mehr nötig. Abraham war reich geworden durch Melchisedek. Was hatte ihm Melchisedek gegeben?

2.4 Brot, Wein und Segen waren die äußerlichen Zeichen der Gabe Melchisedeks. Wir ahnen natürlich als clevere Kirchenmenschen, in welche Richtung das geht. Zu eindeutig sind die Gaben Melchisedeks identisch mit dem Abendmahl. Brot, Wein und Segen, das sind auch die äußeren Zeichen des Sakraments.

2.5 Doch bevor wir Schlüsse ziehen wollen wir noch einen weiteren Text betrachten, der uns das Geheimnis Melchisedeks aufschlüsselt, auf das sich der Hebräerbrief bezieht.
Im berühmten Psalm 110 spricht David viele Geheimnisse des Himmels aus. Es ist als sei er dorthin enthoben worden. Und dann sagt er unter anderem: Der Herr hat geschworen, und nie wird es Ihn reuen: Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks. Wer gemeint ist bleibt offen.

2.6 Da ist er wieder. Doch jetzt geht es nicht mehr nur um ihn, jetzt geht es um eine Ordnung von ihm. Was ist die Ordnung Melchisedeks?
Nun, es gibt die Aronitische Priesterordnung in Israel. Das waren die in der Nachfolge von Aron, dem Bruder Moses, eingesetzten Priester. Von Menschen eingesetzte Menschen. Doch das war Melchisedek offensichtlich nicht. Er war ein Priester des Höchsten Gottes. Ein von Gott eingesetzter Mensch.

2.7 Der Hebräerbrief lässt nun keinen Zweifel daran, dass der von David prophetisch in Psalm 110 gesehene Priester nach der Ordnung Melchisedeks, dieser nicht von Menschen, sondern von Gott Berufene, niemand anderes ist als Jesus.

2.8 Denn Jesus ist nicht von Menschen, sondern von Gott berufen. ER kommt mit himmlischen Gaben von Brot, Wein und Segen. Und wir wissen heute sogar ihre Bedeutung. Es ist Sein Opfer, das ER auf Erden für unsere Verlorenheit erbracht hat. Er wurde unser Opferlamm, am Stamm des Kreuzes geschlachtet. Und ER ist mit diesem Opfer - wie der Hohepriester im Allerheiligsten - jetzt noch ständig vor Seinem himmlischen Vater. Dort bittet ER für uns. Psalm 110: Du bist Priester auf ewig. Bitte Vater, heute noch einmal Deine Gnade über sie alle! Um dieses Opfers willen.
Tut dies zu Meinem Gedächtnis. Nehmt dafür Brot und Wein. Und der Segen des Himmels wird auf euch kommen. In euren Siegen - oder auch Niederlagen - wird euch das reich machen. Nehmt meinen Segen für Euch! So teilte Melchisedek, der Priester des Höchsten Gottes, die Gaben aus. So teilt sie Jesus aus. Ein Bild des Heils: Jesus - Melchisedek. Wen wundert es da noch, dass Melchisedek wörtlich übersetzt König der Gerechtigkeit heißt. Hier siegt wirklich Gottes Art, es wieder richtig zu machen.

2.9 Wenn jemand in dem Durcheinander unserer Welt etwas Heiliges von Gott bringt als ein von Gott Berufener, dann verblasst davor alles andere. Sogar menschliche Siege - so bei Abraham. Melchisedek beschenkte Abraham, nicht umgekehrt, obwohl er nichts anderes brachte als Brot, Wein und Segen. Was von Gott kommt macht reich, nicht was wir vor Gott bringen in unserem Lebenskampf, den wir bestehen müssen. Als Abraham die Gaben Melchisedeks bekam war er wirklich reich. Das war so klar, dass er Melchisedek sogar den 10ten von sich abgab. Bis zum heutigen Tag geben viele Christen vor diesem Hintergrund den 10ten ihres Einkommens für Gott. ER gibt uns zuerst und macht uns damit reich.

3.0 Wir suchten zu Beginn nach einem Schlüssel des Glaubens für die Deutung der Passion und vielen Unheils. Hier finden wir einen.
Gott hat die unfassbare Passion Seines Sohnes Jesus zu einer wunderbaren Erlösung gemacht. Heute sehen wir den Sinn Seines Leidens für uns.
Wie kam das? Das Leiden und Unheil war in Gottes Hand. Jesus war von Gott eingesetzt. ER war nach der Ordnung Melchisedeks. ER war von oben, von Gott berufen. Das Heil und die frohe Botschaft fließen aus dieser Quelle. Wer das in den Zeichen von Brot und Wein nimmt begreift das Sakrament und wird gesegnet.

3.1 Was bei Jesus gut war kann bei uns nicht schlecht sein. Die Ordnung Melchisedeks, die Berufung des Höchsten Gottes zu suchen, was hindert uns daran in unserem Leben? Wagen wir doch ebenfalls diese Blicke des Heils in unserem oft so unheilvollen Leben. Was kommt bei mir von Gott? Was möchte ER, das von Ihm kommen soll bei mir? Was von der Art des Melchisedek ist bei uns und in unserer Kirche, das transportiert die Kraft des Höchsten. Mit diesem Blick entlässt uns der Text in die kommenden Tage.
ER möge uns verwandeln.

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)