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zum Sonntag Qusimodogeniti von
Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 18. April 2004, Quasimodogeniti

Wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung

3. Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns in seinem großen Erbarmen neu geboren, damit wir durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten eine lebendige Hoffnung haben 4 und das unzerstörbare, makellose und unvergängliche Erbe empfangen, das im Himmel für euch aufbewahrt ist. 5 Gottes Macht behütet euch durch den Glauben, damit ihr das Heil erlangt, das am Ende der Zeit offenbart werden soll. 6 Deshalb seid ihr voll Freude, obwohl ihr jetzt vielleicht kurze Zeit unter mancherlei Prüfungen leiden müsst. 7 Dadurch soll sich euer Glaube bewähren, und es wird sich zeigen, dass er wertvoller ist als Gold, das im Feuer geprüft wurde und doch vergänglich ist. So wird (eurem Glauben) Lob, Herrlichkeit und Ehre zuteil bei der Offenbarung Jesu Christi. 8 Ihn habt ihr nicht gesehen, und dennoch liebt ihr ihn; ihr seht ihn auch jetzt nicht; aber ihr glaubt an ihn und jubelt in unsagbarer, von himmlischer Herrlichkeit verklärter Freude, 9 da ihr das Ziel des Glaubens erreichen werdet: euer Heil.

1. Petrus 1, 3-9


Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesu Christ, der uns nach Seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. (nach Luther (3))

Liebe Gemeinde!

1. Dieses Wort habe ich oft gesprochen. Es ist Teil der Beerdigungsliturgie der Kirche. Mehr als tausendmal habe ich einen Menschen beerdigt und dabei dieses Wort am offenen Grab gesagt. Unvergesslich und markant leben diese Augenblicke in mir.
Die, über denen ich unser Wort sprach, haben es mit ihren natürlichen Ohren nicht mehr gehört. Sie waren gerade mitsamt des Sarges in die Erde gesenkt worden. Ich stehe als Pastor am offenen Grab.
Viele Augen schauen in einem solchen Augenblick. Es sind Erwartungen, Gefühle, Mächte, die sich auf mich richten. Und in dem allen spüre ich drei unterschiedliche Dinge, die mich gleichsam angucken.

2. Die Augen der Lebenden: Werden wir den Abschied schaffen? Können wir uns trennen? Wer füllt die Lücke? Warum? Ich gucke ihnen in die Augen und sage: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus. Unser Wort. - Können sie es hören? Verstehen sie, dass es kein frommer Themenwechsel ist und keine Ohrfeige für ihre Trauer? Sehen sie, dass Lob auch unter Tränen funktioniert? Protest gegen den Tod: Gelobt sei Gott.
Ich bin einsam bei diesen Worten. Der Tod macht immer einsam. Ich bin nicht allein. Der Herr ist da. Ich sage diese Worte für uns Menschen im Schatten des Todes.

3. Dann sind da die Augen des Gestorbenen. Sie sind geschlossen. Doch der Tod schaut. Tod ist nicht Trauer. Die bestimmt uns, wenn wir leben und dem Tod begegnen. Der Tod ist ein Loch. Bei uns in Deutschland sinnbildlich das Grab als ein Loch in der Erde. Als Echo auf den Tod entsteht in unseren Herzen auch ein Loch. Die Augen des Todes sind nur ein Loch, mächtig und bestimmend. Vorsicht, dass du da nicht hereinrutscht.
Gelobt sei Gott, sage ich zum Tod. Gott bekommst du nicht. Und das wiedergeborene Leben in einem Menschen bekommst du auch nicht. Sein Wort bestimmt auch dich. Der Tod wird in die Schranken gewiesen. Seine Macht ist nicht endlos. Gelobt sei Gott. Tod sei still.
Und ich denke bei diesem Wort an die wundersame Reise, die wir alle einmal antreten, wenn wir hier abtreten. Das ist die erste Wegbestimmung für den Weg durchs Totenreich: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung. Ich spreche diese Worte für die jenseitige Welt, zum Toten. Geh damit, los! Damit kommst du durch.
Und ich bete noch, dass jetzt hoffentlich klar ist, was es bedeutet: wiedergeboren zur lebendigen Hoffnung. Denn jetzt ist der Konfirmandenunterricht wirklich zu Ende. Im Sarg wird nichts mehr erklärt. Im Jenseits passiert, was ich im Diesseits glaube.

4. Und dann sind da noch andere Augen, die mich anschauen. Augen der Ewigkeit, die Augen Gottes. Zu Ihnen schaue ich in Freude, wenn ich sage: Gelobt sei Gott! Merkst du, sagt ER: ICH bin da. ICH habe durch die Wiedergeburt auch für euch einen Platz im Angesicht des Todes geschaffen. ICH ziehe euch hindurch zu mir in Mein herrliches Licht. Das Blut Meines Sohnes hat euch neues Leben geschenkt. Nein, das fühlst du jetzt nicht. Doch du wirst es einmal schmecken und sehen und erfahren. Vertraue Mir. Sprich sanft. ICH mache es. Der Tod kann nicht siegen.
Und in meinem Herzen versuche ich nichts anderes als ein Spiegel zu sein. Über die ganze Versammlung soll dieser unsichtbare Lichtschein wie ein Strahl leuchten. Nichts selber tun, nur den Segen weiterleiten.
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesu Christi. Das sage ich mit fester Stimme. Doch das Herz ist bei dieser Zeile durch Höhen und Tiefen gegangen. Es hat in die Höhlen der leeren Augen des Todes geschaut und das Licht des Auges Gottes erahnt. Und es sieht die Tränen oder den Schock in den Augen der Trauernden. Was für Dimensionen schließt dieses Wort ein. Und wie offen ist unsere Welt durch dieses Wort gerade auch dort wo sie zu Ende scheint. In einer Hinsicht bin ich schon richtig neugierig auf diesen Augenblick.

Jetzt habe ich Sie ein wenig Anteil nehmen lassen an einer Erfahrung mit diesem Wort. Doch ich will nicht versäumen, wenigstens die Erklärung nachzuholen, die auch dazu gehört. Es soll doch deutlich sein, was es heißt, wenn über einmal über uns dieses Wort gesprochen wird.


5. Das Lob Gottes lebt in jeder Blüte und in jedem Sonnenstrahl, im Wind und im Wasser. Wer es in sich trägt, der sieht es dort. Doch hier wird Gott nicht aufgrund Seiner Schöpfung gelobt, sondern wegen seiner neuen Schöpfung, wegen dem, was Ostern geschah. Ostern ist Jesus wiedergeboren. ER der erste Quasimodogeniti, das erste neu geborene Gotteskind. ER, dessen Geist immer schon dem Vater gehörte, empfing einen Auferstehungsleib als Erstling der neuen Schöpfung. Und in diesem Leib zählt nicht mehr Leid. Der Tod hat keinen Zugriff mehr. Deswegen halten alle Auferstehungsberichte an dem leeren Grab Jesu fest. Es soll deutlich werden: Es ist wirklich nicht nur ein Geist, der durchgekommen ist. Es ist eine neue Schöpfung auch des Leibes. Auferstehung des Leibes, wie es früher im Glaubensbekenntnis hieß, richtig ganzheitlich wie wir heute sagen.

6. Und wie Jesus vor Seinem Kreuz die Herrschaft Gottes mit allen teilte, so tat ER es auch nach Seinem Sieg über den Tod. Neues Leben teilte ER an Seine Jünger aus. Nehmt hin! ER blies sie an. Wiedergeburt ist für jeden möglich. Zuvor hatte ER schon Nikodemus erklärt, wie Wiedergeburt geschieht. Wir hatten uns das vor einigen Monaten angeschaut (Trinitatis). Wiedergeboren aus Wasser und Geist, heißt es dort.
Wasser: Das ist die Taufe, die das Opfer und den Tod Jesu annimmt. Herr, Du wäscht mich rein. Geist: Das ist die Zusage, jetzt bist du Gottes Kind. Herr, Du nimmst mich an.
Wer das für sich akzeptiert, der ist wiedergeboren, ein wiedergeborener Christ.
Wir haben noch keinen Auferstehungsleib. Den hatte Jesus vor Seinem Tod auch nicht. Aber in unserem Geist ist ein Teil Seines Geistes mit diesem neuen Leben. Und wir leben dann in der Hoffnung auf Erfüllung und Vollendung dieses neuen Lebens.
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesu Christ, der uns wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.

7. Jeder, der selbst hat Kinder bekommen können, oder es in der Familie bei Enkelkindern miterlebt, weiß um die Freude und das Glück, das eine Geburt umgibt.
Diese Freude kann uns als Christen ständig begleiten. Wir sind "wie die neugeborenen Kinder" Gottes, so hält der Name unseres Sonntags fest. Und dies könnte sogar auf unserer letzten Reise gelten. Was für eine Perspektive.

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)