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zum Sonntag Misericordias Domini von
Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 25. April 2004, Misericordias Domini

Heimgekehrt

3. Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns in seinem großen Erbarmen neu geboren, damit wir durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten eine lebendige Hoffnung haben 4 und das unzerstörbare, makellose und unvergängliche Erbe empfangen, das im Himmel für euch aufbewahrt ist. 5 Gottes Macht behütet euch durch den Glauben, damit ihr das Heil erlangt, das am Ende der Zeit offenbart werden soll. 6 Deshalb seid ihr voll Freude, obwohl ihr jetzt vielleicht kurze Zeit unter mancherlei Prüfungen leiden müsst. 7 Dadurch soll sich euer Glaube bewähren, und es wird sich zeigen, dass er wertvoller ist als Gold, das im Feuer geprüft wurde und doch vergänglich ist. So wird (eurem Glauben) Lob, Herrlichkeit und Ehre zuteil bei der Offenbarung Jesu Christi. 8 Ihn habt ihr nicht gesehen, und dennoch liebt ihr ihn; ihr seht ihn auch jetzt nicht; aber ihr glaubt an ihn und jubelt in unsagbarer, von himmlischer Herrlichkeit verklärter Freude, 9 da ihr das Ziel des Glaubens erreichen werdet: euer Heil.

1. Petrus 2, 21b-25


Ihr seid heimgekehrt zum Hirten und Bischof eurer Seelen (25)

Liebe Gemeinde!

1. Wissen Sie, was Unruhe ist? Ich glaube, jeder kennt das.
Da sitzen Sie ganz gemütlich auf der Terrasse. Was hast Du denn, sagt der Partner? Ach, ich weiß nicht. Aber ich glaube, ich muss noch einmal ... . Und dann ist es bei jedem anders. Die Frauen wischen noch einmal die obere Küchenschublade aus oder gehen in das Blumenbeet, um zu sehen, ob nicht doch alles zu trocken ist. Und die Männer sehen nach, ob das Fußballspiel nicht doch eine halbe Stunde früher übertragen wird oder gehen an den Computer. Warum eigentlich? Es sind nicht die Brotkrümel oder Feuchtigkeitswerte, auch nicht die Übertragungszeiten oder die Formatierung eines Textes. Es ist die Unruhe.
Unruhe lässt nachts nicht schlafen und morgens nicht zufrieden aufstehen. Unruhe lässt lästige Anrufe entstehen, ob denn auch alles in Ordnung sei. Unruhe lässt Einkäufe geschehen, die gar nicht nötig wären. Unruhe lässt hin- und herjetten, obwohl gar keiner weiß, warum das jetzt wirklich nötig ist.
Wer es hinkriegt ein Volk richtig unruhig zu machen, der hat schon fast die Wahlen gewonnen. Unruhe hebt das Geschäft.
Doch unsere Seele macht es krank. Denn es fehlt immer die Zeit zum Verweilen, zum echten Prüfen, zum wirklichen Genießen, die Zeit, zu sich selbst zu kommen. Und man hat oft den Eindruck, die solches versprechen halten uns am geschicktesten davon ab. Unsere Zeit stellt die verrücktesten Forderungen: Bringe Höchstleistung, aber schlage keine Wurzeln der Ruhe. Wie sehen Bäume aus, die so gezüchtet sind. Sie liegen platt auf dem Boden. Vielleicht sind deshalb heute viele so platt.

2. Nun sagt unser Text etwas sehr Interessantes und für uns Tröstliches. Ihr seid heimgekehrt. Es meint nicht die davon abgeleitete wunderschöne Erfahrung, irgendwo ein Zuhause zu haben und voller Freude dahin zu kommen. Es meint die Quelle aller dieser davon abgeleiteten Erfahrung: Deine Seele hat ihr Zuhause gefunden. Du bist in dir selbst heimgekehrt. Eine Perspektive für unruhige Geister. Der Kirchenvater Augustin hat das im 5. Jahrhundert in seinem wirklich bewegten Leben in den Worten ausgedrückt: Unsere Seele ist unruhig bis sie Frieden findet in DIR.
Ich möchte diese Erfahrung mit Ihnen heute betrachten. Überschreiben wir deshalb unser Wort mit dem Thema: Perspektive für unruhige Geister.

3. Haben Sie sich einmal gefragt, warum Unruhe sich mit normalen Mitteln nicht beruhigen lässt?
Stellen Sie sich vor, Sie sind eingeladen und haben einen Bärenhunger. Und dann sitzen Sie zusammen und man reicht Ihnen ein paar Chips. Sie essen immer schon drei, was fast unhöflich ist, und denken: Wann kommt denn endlich das Essen. Und dann wird Ihnen gesagt, Ach, wir sind so wie so alle zu dick. Wir dachten heute mal, es bei Kleinigkeiten zu belassen. Und Ihr Hunger meldet sich und sagt: Nein.
Das ist Unruhe. Sie werden nicht satt.
Wir werden nicht satt von den Urlauben, Essen, Reisen, Besitz, Unterhaltungen, Zerstreuungen, Büchern, Begegnungen, Wohnungen, Einrichtungen, Fernsehsendungen.
Unsere Seele braucht zum Sattwerden eine für sie füllende Nahrung, keine Chips.

4. Was sättigt die Seele?
Freude gehört dazu - aber auch Trauer über Leid.
Liebe und Treue gehört dazu - aber auch Aushalten von Verlust und Trennung.
Friede gehören dazu - und die Fähigkeit Streit zu tragen und zu ertragen.
Und Dankbarkeit - angesichts von vielem was fehlen mag.

Wer deckt uns mit diesen Gaben den Tisch? Wer ernährt uns mit diesen Wohltaten? Wer schenkt uns diese Güter? Denn wir wissen, dass wir das alles mit unserer Leistung zwar vorbereiten und vielleicht auch pflegen, aber nicht kaufen können.

5. Jetzt sind wir beim Thema.
Der erste Petrusbrief, der mit der Wiedergeburt begann - letzten Sonntag sprachen wir davon - spricht diese Lebensgüter an. Und immer ist es Einer, der sie gibt: ER, Jesus der Herr. ER lebt und gibt diese so notwendigen Gaben des Lebens, Seines Lebens an uns weiter.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde, sagt dazu Psalm 23 wie eine Prophetie von Jesus. Unruhe, nicht satt werden, ist die im eigenen Leben verankerte tiefe Feindschaft mit mir selbst. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen. Ich nehme das Gute an. Der Tisch ist gedeckt. Ich werde satt. Ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar. Heimgekehrt in mir selbst.
Ihr seid heimgekehrt, sagt der Petrusbrief.

6. Es bleibt noch zu klären, zu wem wir denn gefunden haben. Wer macht uns satt, wenn wir uns selbst nicht mehr davonlaufen.
Heimgekehrt, wohl in euch. Aber: nicht zu euch. Wozu? Zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

7. Unsere Seele wird so schwer zufrieden, weil - ja warum eigentlich? Ich denke, ein Grund ist, weil sie so groß ist. Wir sind keine kleinen Kaliber.
Es ist die unglaublich große Sehnsucht in uns nach Liebe und nach immer mehr davon. Und es ist der unglaublich große Abgrund in uns, in den wir stürzen können. Keine Bosheit wurde bisher auf Erden ausgelassen. Höhen und Tiefen in uns sind nicht begrenzt.
Und weil das so ist hält uns so richtig eigentlich nur einer aus: Unser Schöpfer. Ohne Frieden mit Ihm wird das nichts mit unserer Unruhe. Wir entdecken nämlich immer noch etwas, was uns alles raubt. Erst wenn ER uns unsere Seele satt gemacht hat, können wir in tiefer und hoher Zufriedenheit leben.

8. Und Jesus bringt uns dahin.
ER wird hier bezeichnet als Hirte und Bischof. Das ist interessant, warum diese beiden Bezeichnungen hier gewählt werden. Ich möchte es einmal so erklären.
Für das Loch unter uns, jeden Abgrund, jeden Sturz, jeden Mangel, als letztes den Tod, ist der Hirte Jesus da. Komm, Ich trage dich. Ich halte dich. Richte dich wieder auf. Im Tod führe Ich dich durch. ICH bin unter dir. ER ist der Boden. ER hat sich angesichts der Abgründe als Weg des Lebens vorgestellt. Jesus unter mir.
Und für alles über mir ist ER der Bischof. Endlich ein guter Chef. Einer, der mir sagt, was von oben ist. Zu Ihm blicke ich auf. Zu keinem anderen mehr. ER ist genug. Ich stehe unter Seiner Autorität. ER bestimmt. Ich weiß wo ich hin gehöre. ER über mir.
Jesus, Hirte und Bischof, unten und oben. Das hält die Seele. Das stillt das Verlangen und schließt in Liebe die Abgründe ab. Meine Seele hat ihr Zuhause gefunden, in Ihm.


9. Wenn jetzt alle vor lauter fehlender Unruhe eingeschlafen sind, dann ist das zwar ein gutes Kompliment aber nicht beabsichtigt. Denn Heimgekehrte bleiben voller heilsamer Unruhe. Ein Wechsel hat stattgefunden. Stand vorher in der Mitte der Mangel und der Friede als gewünschtes Ziel, so ist ER nun als Mitte des Lebens Friede. Alle Unruhe des Lebens und aller Mangel macht das nicht zunichte. Perspektive für unruhige Geister. Der Geist in uns hat Frieden gefunden, Seinen Hirten und Bischof.

10. Mich hat dieser Vers aus dem Alten Testament angesprochen, der dies wunderschön in den Alltag umsetzt. Was machen Sie als erstes bei Wachwerden?
Ich will satt werden wenn ich erwache an Deinem Bild (Psalm 17, 5).
Damit lässt sich leben.

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)