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zu Trinitatis von
Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 6. Juni 2004, Trinitatis

32 Gott hat alle in den Ungehorsam eingeschlossen, um sich aller zu erbarmen. 33 O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind seine Entscheidungen, wie unerforschlich seine Wege! 34 Denn wer hat die Gedanken des Herrn erkannt? Oder wer ist sein Ratgeber gewesen? 35 Wer hat ihm etwas gegeben, so dass Gott ihm etwas zurückgeben müsste? 36 Denn aus ihm und durch ihn und auf ihn hin ist die ganze Schöpfung. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.

Römer 11, 32-36


Liebe Gemeinde!

1. Was heute mit Gott bezeichnet wird ist sehr unterschiedlich.

1.1 Gott als liebender Vater! So hatte es Jesus gelehrt: Abba, sagte Er, lieber Vater. Aber in dem Maße, wie der Glaube an Gott als liebenden Vater dünner wurde oder ganz verschwand, drängten andere Bedürfnisse nach vorne. Denn auf Halt und Erfüllung will kein suchendes Herz verzichten. Weil Gott als Vater nicht mehr ein inniges Echo im Herzen hervorrief suchte man nach anderen Stimmen.

1.2 Wie groß ist Gott!, sagt der sternenbesetzte Abendhimmel.
Einmal hier an der Küste diese Pracht erleben lässt einen nie mehr vergessen, welche gewaltige Größe des Universums uns umgibt. Ein waches Herz ist davon berührt. Dort suche ich Gott, sagen viele Menschen. Dort finde ich ihn. Das erfüllt mein Herz. Gott im Himmel wird zu Gott am Himmel.

1.3 Wieder andere fügen Gott in einen ganz anderen Bereich ihres Lebens ein. Gott als heilsamer Welten-Lenker.
Wie viele Bereiche meines Lebens und unserer Welt bleiben einfach offen, unerklärlich, dunkel. Warum geschieht mir das? Warum habe ich dort Glück? Gutes und Schlechtes im Kleinen und im Großen, gibt es dafür einen Plan? Wenn Gott nicht wäre, würde ich verrückt. Ihm traue ich als großem Weltenmanager zu, dass Er die Fäden in der Hand behält. Er hält die ganze Welt in Seiner Hand. Zwar schäme ich mich manchmal, weil es mir vielleicht so gut geht und anderen nicht. Doch warum tue ich es? Weil es Ihn gibt und ich doch irgendwie an eine gerechte Verteilung aller Dinge glauben möchte, auch wenn ich es nicht merke.
So schrieb mir jetzt ein Konfirmationsgast folgende Zeilen, die diesen Geist atmen:
Ich akzeptiere liebevoll alles Gute in meinem Leben. Alle meine Bedürfnisse werden jetzt und immer vollkommen erfüllt.

1.4 Wieder andere suchen Gott nicht mehr am Strand, beim Angeln, unter Sternen oder im Schicksal. Sie finden ihn in Kräften der unsichtbaren Welt.
Die unsichtbare Welt ist nicht leer. Sie wird gefüllt von unzähligen Mächten und Gewalten. Erdenkräfte, Engelgegenwart oder Energien übersteigen mein natürliches Empfinden. Es öffnet sich eine neue Welt. Und dieses Öffnen selbst schon tut mir gut, gibt es doch meinem oft so engen Herzen den Kuss der Weite, der Größe, der Sehnsucht, die nicht vergeblich war. Dort habe ich meine Begegnung mit Gott. Das Eintauchen in die Kraft des Jenseits ist meine Gotteserfahrung, die mir hilft.
Kein Weg dahin scheint zu absonderlich, kein Mittel zu teuer, denn das suchende Herz erfährt endlich, endlich Antwort. Das muss Gott sein.

1.5 Unser Alltag ist multi-kulturell geworden, und unsere Glaubensvorstellungen von Gott multi-religiös. In dieser Hinsicht nähern wir uns den Anfängen unseres christlichen Glaubens. Der Weg begann klein in religiöser Vielfalt im Römischen Reich, weitete sich lokal aus zu einer dominierenden einheitlichen christlichen Prägung Europas und führt uns heute zurück in eine multi-religiöse Prägung unterschiedlichster Art, wo jeder unter Gott alles mögliche versteht.

Wo stehen wir Christen mit unserem Gottesbild?


1.6 Der Kampf um die Wahrheit des Gottesbildes hat viel Blut gekostet. Und wir Christen sind daran nicht unbeteiligt. Wir sollten heute darüber Klarheit haben, dass es dazu nur einen Kommentar geben kann: Herr, erbarme Dich!
Nie ist es im Sinne Jesu gewesen, Sein Wort ICH bin der Weg und die Wahrheit und das Leben mit einer Blutspur zu verfolgen. Der Terrorismus unserer Zeit trägt als eine Überschrift die Worte: Für die Wahrheit. Es ist eine Lüge. Wir Christen glauben an das Ende aller blutigen Opfer seit Jesus Christus.
Wer nicht Gott mit seinem Herzen findet, findet ihn schon lange nicht mit Druck. Druck führt im günstigsten Fall zur Gewohnheit, doch nie zur Überzeugung.

Von welchem Gottesbild sind Christen überzeugt?

2.1 Trinitatis hält dies im Jahreskreis der Feste fest: Wer ist denn Gott? Und gibt darauf die Antwort mit der Trinität, der Dreieinigkeit. Gott begegnet uns als der Schöpfer unserer Welt. Gott begegnet uns als der Vater Jesu Christi. Gott begegnet uns als die Kraft des Heiligen Geistes. Eins, zwei, drei Erscheinungsweisen Gottes. Ein breiteres, tieferes, weiter reichendes Spektrum der Gegenwart Gottes lässt sich wohl in keiner Religion und in keinem Glauben finden.

2.2 Missverständnis und Unkenntnis gehen mit diesem Kernpunkt des Gottesbildes einher.
Es ist bekannt, dass unsere mohammedanischen Freunde bei der Dreieinigkeit lange Ohren bekommen. Sie argwöhnen, Christen glauben nicht an einen, sondern an drei Götter. Wer hier nicht Klarheit hat verliert den Boden. Nicht drei, sondern ein, sagt des Nicänische Glaubensbekenntnis. Und wie viel Erscheinungsweisen: Drei und nicht eine. Mindestens drei, so möchte ich ergänzen.

2.3 In unserer Welt wird alles in Länge, Breite, Höhe angegeben. Wenn diese Angaben stimmen, weiß man wo, was, wie steht.

2.4 Paulus greift am Ende seiner Ausführungen über den Weg Gottes mit Seinem Volk Israel auf diese schlichte Darstellung von Gottes Wirken, Seinen Erscheinungsweisen zurück.
- Der lange Weg der Geschichte Gottes mit Seinem Volk, sogar mit Seiner ganzen Schöpfung. Wie wunderbar sind Seine Werke. Und das erkennet meine Seele wohl. So sagt der Psalmist.
- Die tiefe Erkenntnis, dass durch die Erlösung in Jesus Christus alles noch einmal in einem anderen Licht erscheint. Selbst der Ungehorsam des Volkes Israel macht Sinn, um den Nicht-Israeliten einen Platz in Gottes Reich zu schaffen. Zweitausend Jahre Kirche nach viertausend Jahren Heilsgeschichte Israel steht in Seinem Plan.
- Das hohe Erbarmen, mit dem Gott Ungehorsam umschließt, nichts erstattet haben will, sondern gibt ohne Ende, die Schöpfung zu Seinem Ziel führt und uns Menschen mit dem Heiligen Geist erfüllt, dass wir Seinem Bild entsprechen.

2.5 So handelt ER, der uns als Schöpfer, Sohn und Geist begegnet.
Als Gott, der mitgeht und begleitet. Als Gott, der erlöst und aufrichtet und vergibt. Als Gott, der erfüllt.
Keine Dimension der Geschichte und des Lebens bleibt draußen vor. Nichts an Gott ist zu klein, so dass wir fürchten müssten, ER könne nicht helfen.
Nichts an Gott ist zu groß, so dass wir fürchten müssten, wir kämen nicht heran. Nichts an Gott ist zu oberflächlich, als dass wir fürchten müssten, wir kämen zu kurz und unser Herz bliebe leer.
Es ist wahrlich ein Gott zum Anfassen und zum Abtauchen und zum Aufrichten und zum Anbeten.

3.1 Ein Bild von Gott wächst nicht mit den Gedanken - darin liegt vielleicht der größte Irrtum aufklärerischen Glaubens in den Kirchen. Aufklärung bringt Klarheit über ein Bild, wenn es gut geht. Doch das Gottesbild selbst wächst mit der Anbetung, nicht mit der Aufklärung. Wie viel Anbetung kennt mein Gebet? Habe ich in meinem Herzen: IHM sei Ehre in Ewigkeit!

3.2 Paulus weiß darum. Deshalb beendet er seine Ausführungen über die Frage nach dem Schicksal Israels nicht mit einer Konklusion, sondern mit einer Anbetung: O, welche Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!
Man kann es auch schlicht sagen: Wann haben Sie zum letzten Mal vor Gott Oh! gesagt? Probieren Sie es doch wieder mal, jetzt, gleich, morgen. Ihr Bild von Gott wird in Ihnen wachsen.
Und dann wird es Ihnen vielleicht auch wieder neu zur Freude, wo ER ein guter Vater ist, wo Sie Jesu Erlösung für sich in Anspruch nehmen, wo der Heilige Geist Ihnen Licht gibt. Oh!


Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)