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zum 1. Sonntag nach Trinitatis von
Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 13. Juni 2004, 1. Sonntag nach Trinitatis


Gott ist Liebe

16b Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm. 17 Darin ist unter uns die Liebe vollendet, dass wir am Tag des Gerichts Zuversicht haben. Denn wie er, so sind auch wir in dieser Welt. 18 Furcht gibt es in der Liebe nicht, sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht. Denn die Furcht rechnet mit Strafe, und wer sich fürchtet, dessen Liebe ist nicht vollendet. 19 Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. 20 Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott!, aber seinen Bruder hasst, ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht. 21 Und dieses Gebot haben wir von ihm: Wer Gott liebt, soll auch seinen Bruder lieben.

1. Johannes 4, 16b-21

Liebe Gemeinde!

1.1 Die Johannesbriefe wurden wohl von dem als letzten noch lebenden Apostel Johannes im hohen Alter geschrieben. Wir haben keine Lebensläufe der Menschen aus dieser Zeit, sondern wissen nur aus Legenden. Doch wenn darin die Stimmung festgehalten wurde, die diesen Mann umgab, dann muss seine Gegenwart sehr anrührend gewesen sein. Seine Knochen waren wohl von Arthritis lahm gelegt, so dass er selbst nicht mehr laufen konnte. Von jungen Christen wurde er auf einem Stuhl in die Versammlung getragen und in der Mitte abgesetzt. Erzähle uns, Johannes, hieß es. Wie war es mit Jesus? Was wissen wir über Gott? Erzähle. Meine Kinder, sagt er immer. Meine Kinder. So spricht ein alter Mann. Von ihm klingt es gut.

1.2 Und was sagt ein Mann, der ein Leben in der Gegenwart Gottes gelebt hat? Vielleicht ähnlich gebrechlich wie der Papst heute öffnet er seinen Mund. Was ist seine Botschaft?

1.3 Hier möchte ich am liebsten eine kleine Pause machen. Ich würde Sie gerne fragen, was Sie wohl sagen würden. Nun, nicht jeder von uns ist so alt und gebrechlich wie Johannes. Doch ein paar Jahre haben wir alle hinter uns. Und was wäre unsere Botschaft auf die Frage: Erzähl uns vom Glauben. Und sie haben nur die Kraft für ein paar kurze Sätze. Wüssten Sie, was Sie sagen?

1.4 Johannes hatte nur noch ein Thema. Nach langen Jahrzehnten war alles Unwichtige weg. Für das einzig Wichtige öffnet er noch einmal seinen Mund.
Liebe - sagt er. Gott ist Liebe. Und dann:
Liebe - Wir wollen lieben. Und wie?
- ER hat uns zuerst geliebt. Und noch:
- Furcht ist nicht in der Liebe. Und:
- Wer Gott liebt, soll auch seinen Bruder lieben.
Keine Geschichten mehr. Geschichten fordern die Kraft des Erzählens. Die hat er nicht mehr. Die Geschichten stehen in seinen Gesichtsfalten. Es bleibt nur noch ein Leuchten: Liebe. Die bleibt.


2.1 Wir hatten bei der Ausbildung als Pastoren im Seminar einen Studienbegleiter. Der machte sich abends in der Semnarkneipe einen Spaß daraus, auf dem Klavier eine kleine Melodie zu spielen. Ein altes frommes Lied, das in frommen Kreisen gesungen wurde. Und wenn jemand überrascht den Kopf hob, dann war er ertappt und wurde auf seine Vergangenheit hin ausgefragt. Kennen Sie das Lied?
Gott ist die Liebe, lässt mich erlösen, Gott ist die Liebe, ER liebt auch mich.
Drum sag ich's noch einmal, Gott ist die Liebe. Gott ist die Liebe, ER liebt auch mich.
Das war der Glaubens-Extrakt von Johannes. Keine theologische Enzyklopädie. Das war sein Herzschlag: Gott ist Liebe.

2.2 Lassen Sie uns dieses Geheimnis seines langen Lebens für uns betrachten.

3.1 Gott ist Liebe.
Die edelsten Dinge heben wir gerne im Gottesbild auf.
Die Katholiken haben von daher keine Mühe, den Tabernakel mit der Gegenwart Gottes von Brot und Wein in Gold und Silber zu dekorieren. Heute wird hier die Fronleichnamsprozession gefeiert.
Und die Reformierten oder Freikirchler, die davon in der Regel völlig abgestoßen sind, packen Gottes Gegenwart in das Edelste ein, was für ihr Leben zählt: die nüchterne Entscheidung für den Herrn. Deshalb: kein Bild, kein Schmuck.
Doch wenn es gut geht, dann möchten sie beide Gott lieben, obwohl ihre Lebensformen sie trennen. Beide möchten das Beste geben.
Die Liebe ist das Beste, sagt Johannes. Geh mit Gott in Liebe um.

3.2 Das würde für heute schon reichen. Wo steckt unsere Liebe zu Gott? Wo ist sie geblieben? Wir packen Ihn in so vieles: Reichtum, Rechthaben, ewiges Suchen, innere Vorwürfe, Gewohnheit, religiöse Erhebung, klare Bekenntnisse. Alles Dinge, die manchmal wichtig sind. Doch das höchste ist die Liebe. Kenne ich noch die Liebe zu Gott? Kenne ich sie überhaupt?


3.3 Manchmal ist die Liebe abhanden gekommen. Dann ist die Frage: Wo kommt sie wieder her? Das gilt ja auch sonst im Leben, zwischen uns Menschen und bei Aufgaben. Wo kommt die Liebe her?
Viele Menschen möchten vielleicht sogar Gott lieben und fragen sich das ernsthaft: Wie geht das denn?
Es beginnt immer mit der Neugierde. Ohne Neugierde wächst nichts Neues. Was macht der andere denn jetzt? Gibt es noch etwas anderes als das, was ich schon immer weiß?
Als ob Johannes die Not der Jahre kennt, in der Liebe abstumpft. Ohne Übergang sagt er die Antwort für Herzen, die wagen, neugierig auf Gott zu sein: ER hat uns zuerst geliebt.

3.4 Ach, Gott, ist das ein Jammer! - ICH kenne deinen Kummer. Meine Liebe ist für dich da.
Was weiß ich schon von Gott! - ICH weiß. Doch weißt du, dass ICH dich kenne.
Mein Weg zeigt nichts von Gottes Liebe! - Bist du da so sicher. Meine Liebe geht immer mit, auch bei dir.
Ich weiß nicht, wie ich Gott lieben soll! - Lass dich auf Meine Liebe ein, dann wächst auch deine zu Mir.


4.1 Langes Schweigen. Ist Johannes eingeschlafen. Kann er nicht mehr. Plötzlich hebt er den Kopf. Keine Einleitung. Keine Überleitung. Dann kommt es wieder: Furcht ist nicht in der Liebe.

4.2 Als ob er in seinem eigenen Herzen gelesen hätte. Zunächst die eine Richtung: Was lässt die Liebe zu Gott wachsen? Viel von Gottes Liebe aufnehmen. Das ist die Nahrung für Liebe.
Und dann die andere Richtung. Was sind die Liebestöter für Gott? Die Abgründe der Furcht in uns. Wie in der Sexualität: Schöne Dinge schlecht einpacken. Das macht die Furcht.
Wie viele Bereiche in uns begegnen Gott mit Furcht, nicht Ehrfurcht. Mit dem Empfinden, es schlecht bei IHM zu haben. Das tötet Liebe.

4.3 Die vollkommene Liebe - das ist Gottes Liebe - treibt die Furcht aus, sagt Johannes.

4.4 Schau es dir noch einmal an, wo du in Furcht vor Gott lebst. Was Gott an dir sieht, ändert nicht Seinen Blick. Was immer es ist. ER sieht dich in Liebe an. Verlasse dich darauf. Dann kann die Furcht weichen. Furcht ist nicht in der Liebe.
Von Adam und Eva tragen wir die Furcht vor Gott in uns. Sie stört die Einheit mit Gott. In der Liebe Gottes wie Jesus sie zeigt, stirbt diese Furcht.
Bete nicht aus Furcht. Gib nicht aus Furcht. Glaube nicht aus Furcht. Singe nicht aus Furcht. Komme nicht aus Furcht zur Kirche. Lass Gottes Liebe an deine Gottesfurcht. Dann wird es gut. Dann lebst du mit IHM.


5.1 Noch ein Letztes teilt Johannes mit. Er weiß, welche Gräben die Furcht in uns reißt. In unser Herz: Wir leben ein zweites Selbst. In den Glauben: Wir leben nicht mit Gott. In unsere Beziehungen. Wir trennen uns von anderen bis zum Hass.

5.2 Wer Gott liebt, soll auch seinen Bruder lieben. Wieder hat Johannes Jahre und Jahrzehnte übersprungen. Alle die Geschichten, wo Menschen sich hassen, auch Christen. Er hatte in ihre Herzen geblickt und auch in seines. Hass zu anderen ist Leben ohne Liebe von Gott. Die Furcht hat gesiegt. Hass ist keine Frucht der Liebe.

5.3 Du sollst es nicht, den anderen hassen. Mehr sagt Johannes nicht. Denn er weiß, du kannst es. Du sollst es nicht, was du kannst. Du hast die Wahl zum anderen Leben. Wer Gott liebt, soll seinen Bruder lieben. Das ist die Richtung.


6.0 Dann schweigt Johannes. Nichts mehr. Man trägt ihn weg. Es bleiben nicht viele Worte, aber ein Eindruck erfüllt den Raum. Der Johannesbrief ist das Zeugnis eines Christen, der nicht mehr viel sagt, aber Eindruck hinterlässt. Gott ist Liebe.


Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)