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zum 2. Sonntag nach Trinitatis von
Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 20. Juni 2004, 2. Sonntag nach Trinitatis


Heimat bei Gott

17 Er kam und verkündete den Frieden: euch, den Fernen, und uns, den Nahen. 18 Durch ihn haben wir beide in dem einen Geist Zugang zum Vater. 19 Ihr seid also jetzt nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes.
20 Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Schlussstein ist Christus Jesus selbst. 21 Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn. 22 Durch ihn werdet auch ihr im Geist zu einer Wohnung Gottes erbaut.

Epheser 2, 17-22

Liebe Gemeinde!

1.1 Wir haben das hier an der Costa del Sol häufig erlebt. Ach Herr und Frau Soundso. Wie schön, sie wieder zu sehen. - Ja klar. Wir waren acht Monate in Deutschland, und jetzt sind wir wieder drei Monate hier.
Zwei oder sogar drei Wohnungen. Wo ist das zu Hause? Nur hier, nein. Nur dort, nein. Oder an beiden Stellen? Es ist schwer zu sagen. Manche sind genau dort zu Hause, wo sie gerade nicht sind, wie sie bekennen müssen. Nur leicht ist das auch nicht.

1.2 Ein richtiger Resident hat in diesem Punkt einiges mit einem Kirchenbesucher gemein.
Der Gottesdienstbesuch steht an. Ich gehe in die Kirche. Ja, Herr, ich bin jetzt wieder hier. Anderthalb Stunden. Ich war jetzt sechs Tage in der Woche unterwegs. Und davor waren es noch drei Wochen, wo ich nur geschuftet habe bei allen Terminen zwischen Arzt und Veranstaltungen und Garten und ich weiß schon nicht mehr. Jetzt bin ich wieder hier. Und nachher geht es wieder weiter. Ich bin jetzt wieder bei Dir zu Hause.

1.3 Bin ich das? Nachbarn begrüßen, Lieder singen, Gebete hören, Lesung, Predigt, Abendmahl, das ganze Programm. Und dann das Nächste. Wenn ich nicht mehr mitkomme oder schlecht höre, woran denke ich? Natürlich an das zu Hause? An welches? An das bei Gott oder an das in meinem Garten oder auf der Terrasse oder das in Deutschland? Wo bin ich zu Hause? Bin ich bei Gott zu Hause? Merke ich das in der Kirche?


2.1 Es gibt heute viele Menschen, die wissen gar nicht, wovon ich gerade rede. In Ermangelung anderer Erfahrung tragen sie die Vorstellung in sich, so könne man nicht reden. Bei Gott hat man keine Heimat. Es sei eine simple und einfache Form des Glaubens, so etwas anzunehmen. Ein anspruchsvollerer Geist sucht und ist unterwegs. Er hat nicht, er wird. Glaube sei Suche, der Weg sei das Ziel.

2.2 Es ist zweifellos so, dass Suchen und Entwickeln Merkmale dafür sind, dass unser Geist lebt und nicht tot ist. Und es ist weiter zweifellos möglich, Suchen und Unterwegssein zum zentralen Inhalt des Glaubens zu machen. Wenn es gelingt, bleibt man interessiert und meist auch interessant.

2.3 Doch für den Herrn ist es nicht so schön. ER hat ja das Suchen und Forschen in unseren Geist nicht deshalb gelegt, damit wir das zum Glauben erheben, sondern damit wir Ihn auch entdecken. Und wenn das gut geht, wird das Suchen sogar um so schöner, je mehr wir von Ihm gefunden haben. Denn wer sich am Ende ins Suchen verliebt wird kein angenehmer Zeitgenosse, sondern oft nervig und anstrengend.

2.4 Was meinen Sie wie angenehm das zu Hause ist, wenn das Höchste in Ihrer Wohnung darin besteht, dass sie alles suchen dürfen. Nichts macht Sie zufrieden außer Suchen?
Ich kann es auch einfacher sagen: Ich verwechsele doch auch nicht den Löffel mit der Suppe, die Gabel mit dem Brötchen. Der Löffel ist doch nicht mein Essen, sondern nur das Mittel, die Suppe zu löffeln. Ein suchender Geist sucht doch nach dem Zuhause, nicht nach dem nächsten Suchen.

2.5 Führt mein Suchen zum Herrn? Ist mein Forschen nach Ihm schon erfüllt von der Gewissheit: Ich bin bei Dir zu Hause, Herr. Ich bin angekommen. Ich habe Deine Gegenwart in meinem Geist heilsam für mich entdeckt. Ich suche Deine nächste Erfahrung für mich. Mein Geist ist wach in Dir.


3.1 Jetzt sind wir bei einem Punkt in unserem Text angekommen. Denn auch hier geht es darum, bei Gott zu Hause zu sein. (19) Ihr seid also jetzt nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes.

3.2 Geht das, fragten schon damals die Leute. Und wenn es geht, für wen? Hat Gott dafür ein paar Auserwählte erkoren, denen Heimat bei Gott zuteil wird. Der Rest bleibt draußen, fremd.

3.3 Das ist eine echte Frage, ob das geht, Hausgenosse Gottes zu sein. Und wie so oft, sind echte Fragen korrumpierbar. Es ist die Tragik frommer Menschen, solche Fragen für sich auszunutzen und das echt Göttliche darin zu zerstören.
Erschütternd ist zu sehen, wie viele den Finger heben, um sich zu selbsterwählten Türhütern Gottes zu erklären. Dann heißt es: wir bestimmen, wer Heimat bei Gott haben darf. So sagen sie. In keiner Kirche fehlt dieser Irrweg, so zu denken. Auf Erden - hier - wird das himmlische Erbe - dort -, die Heimat bei Gott, verkauft. Du gehörst dazu, du nicht. Und obendrein befindet man natürlich selbst darüber, wer es bekommt und wer nicht.
Von diesen Heimatverkäufern Gottes haben sich viele allein aus Ehrlichkeit abgewandt, ganz abgesehen vom Inhalt. Dann schon lieber beim Suchen bleiben, sagen sie. Wer kann das nicht verstehen.

3.4 Schon damals zur Zeit der ersten Christen spiegelt sich im Epheserbrief das Problem wieder. Damals waren es natürlich Christen mit der Tradition des jüdischen Gesetzes, die sich als Auserwählte aufgrund der Geschichte des Volkes Gottes wähnten. Waren sie nicht die Ersten bei Gott?


4.1 Wie gut, dass der Epheserbrief in klaren Worten damit aufräumt. Zugang zum Vater, Heimat bei Gott, haben wir nur in dem einen Geist: Du, Jesus, hast mich am Kreuz mit Gott versöhnt. Du. Auch mich.
Nicht das Gesetz des Mose ist mein Heimatrecht bei Gott und auch nicht, dieses Gesetz gerade nicht zu kennen. Nicht meine Herkunft als Jude noch meine Abstammung als Heide machen es.

4.2 Es gibt nur einen Türhüter. Das ist Jesus. Als ER für die Sünde aller starb und sagte: Es ist vollbracht. Da hat ER auch mich zugelassen. Ich nehme es von Ihm, allein von Ihm. ER ist der Weg zur Heimat bei Gott.

4.3 Ob ich fern oder nah bin, es spielt keine Rolle. Ob ich anspruchsvoll bin oder schlicht, es spielt keine Rolle. Nur ob Seine Versöhnung mit Gott für mich zählt, das zählt.
Heimat finde ich bei Gott, wo ich es durch Jesus suche und für mich nehme.


5.1 Der Epheserbrief führt dies in einer provokanten Überlegung aus.
Die große Idee vom Pax Romana, dem damaligen römischen Weltreich, bot ja allen Religionen zunächst große Toleranz und Freiheit an. Im Hintergrund wetteiferte man jedoch um den rechten geistigen Weg zum Friedensreich. Lag der in einer großen Offenheit, stets suchend zu bleiben, sich hier und dort das Beste und Nützlichste in Verzicht oder durch Ausschweifung zu gönnen? Oder lag der Weg in der konsequenten Verfolgung der alten klaren Werte herkömmlichen Glaubens?

5.2 ER ist unser Friede, sagt der Epheserbrief in Anklang an die Pax Romana. Nie anders werden die Unterschiede zwischen Juden und Griechen, zwischen Gesetzesmenschen und Liberalen, versöhnt, wenn nicht der Geist Jesu beide prägt. Toleranz lässt sich lernen. Frieden schenkt nur ER.
ER, Jesus, hat in Seiner Person die Feindschaft getötet. Wie? Keiner bestimmt über den Weg zur Heimat bei Gott. Alle bekommen ihn in Jesus geschenkt. Vor Gott ist jeder Kind. ER ist unser Friede. Keiner ist darin dem anderen voraus.


6.1 Diese Heimat bei Gott zu suchen und zu finden bietet der Epheserbrief an.
So bei Gott zu Hause zu sein, dass die verbleibenden Unterschiede zwischen uns in den Kleidern stecken bleiben, aber nicht mehr in den Herzen trennen.
So Friede in Jesus zu haben, dass der Unfriede in uns und um uns nicht mehr aus dem Frieden reißt.
So Mitbürger bei den Heiligen zu sein, dass die unterschiedlichen Nationen unsere Identität nicht mehr zerreißen. Die Engel gehen mit, auch mit den anderen.
So Hausgenosse Gottes zu sein, dass die verschiedenen Häuser Übergangswohnungen sind, in denen wir stets zu Hause sind, wie der Herr es schenkt.
So in der Kirche sein, dass ich versöhnt mit meinem Herrn glücklich bin über die Heimat bei Ihm.

6.2 Sind wir so bei Gott zu Hause? Sind wir so hier in der Kirche? ER lädt uns dazu ein.


Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)