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zum 13. Sonntag nach Trinitatis von
Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 5. September 2004, 13. Sonntag nach Trinitatis


Was noch dazu kommt

Die Vollendung des Glaubens in der Liebe
7 Ihr Lieben, wir wollen einander lieben; denn die Liebe ist aus Gott, und jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt Gott. 8 Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe. 9 Die Liebe Gottes wurde unter uns dadurch offenbart, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben. 10 Nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat. 11 Ihr Lieben, wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben. 12 Niemand hat Gott je geschaut; wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollendet.

1. Johannes 4, 7 - 12

Liebe Gemeinde!

1.1 Ein bekannter Kinder- und Jugendpsychiater veröffentlichte ein Buch mit einem bemerkenswerten Titel. Es hieß: Liebe allein genügt nicht. Damit sprach er gleich in der Überschrift eine Erfahrung an, die viele Eltern mit ihren Kindern machen. Unbestreitbar ist die Liebe die wohl notwendigste Voraussetzung für eine gelungene Beziehung und Erziehung. Doch merkwürdig. Auch bei Eltern, die ihre Kinder lieben, misslingt oft das Miteinander. Die Kinder missraten und die Eltern verzweifeln. Warum nur? So fragen sich manche. Ich liebe sie doch. Und doch kommt nichts über. Ich stehe wie vor einer Wand. Ich habe nicht nur mein Bestes gegeben, sondern werde noch obendrein mit Verachtung und Ablehnung bestraft. Was mache ich nur falsch?

1.2 Was diese Eltern bewegt ist nicht nur Thema zwischen Eltern und Kindern. Es berührt jede Partnerbeziehung zwischen Mann und Frau, aber auch jede Nachbarschaft und Freundschaft. Sicherlich mangelt es oft an unserer Liebe zueinander. Und das macht dann Probleme. Doch oft besteht die Tragik darin, dass wir uns um Liebe bemühen und es trotzdem nicht klappt. Liebe allein genügt nicht. Was kommt denn noch dazu?

1.3 Es ist hoch interessant, dieser Frage nach zu gehen. Von den vielen Gesichtspunkten, die zählen, spricht die Bibel in unserem heutigen Predigttext auch einen an. Es ist einer, der uns helfen kann und Mut macht. Und zudem ist es einer, der in vielen Ausarbeitungen gar nicht mehr gesehen wird, weil man ihn nicht kennt.

1.4 Wenn das gilt: Liebe allein genügt nicht. Dann fragen wir: Und was fehlt noch? Darum soll es in der Predigt gehen: Es kommt noch etwas hinzu.


2.1 Um die Bedeutung der Aussagen des Johannesbriefes über die Liebe zu erfassen ist es nötig, trotz guter Übersetzungen im griechischen Urtext nach zu schauen. Die griechische Sprache stellt mindestens drei Worte zur Verfügung, die mit Liebe übersetzt werden. Das uns bekannte Wort: Sex gehört zur Liebe, die den Kern unterhalb der Gürtellinie hat und körperliche Liebe bezeichnet. Das zweite Wort, philein, meint alle herzlichen Beziehungen der Freundschaft und Partnerschaft. Sympathie aber auch feste Bindung einer langjährigen Partnerschaft ist mit diesem Wort lieben gemeint. Das dritte Wort für Liebe kommt zwischen Menschen normalerweise nicht vor. Es ist für Gott reserviert. Seine Liebe ist anders als die von Menschen. Deswegen ist Gottes Liebe mit einem eigenen Wort beschrieben. Die Bibel spricht von Agape. Gott liebt diese Welt. Das ist Agape. In unseren Übersetzungen steht für alles drei nur das eine Wort Liebe.

2.2 Jetzt können Sie wahrscheinlich schnell herausbekommen, was für ein Wort in unserem Text für lieben steht.
(7) Ihr Lieben, wir wollen einander lieben ... . (11) Ihr Lieben, wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben.
Es geht unschwer zu erkennen um Fragen, wie wir als Christen miteinander auskommen können.
Es gibt keine Gemeinschaft, die nicht die Frage kennt: Wie findest Du mich? Wie finde ich Dich? Und dann geht es los. Ein ständiges Hin und Her an Anerkennung und oft auch Gerangel. Erkennst Du mich an? Muss ich Dich anerkennen? Je dichter die Gemeinschaft, um so drückender die Frage: Wie kommen wir miteinander aus?
Auch Christen sind von dieser Frage nicht ausgenommen. Damals nicht zur Zeit des Apostels Johannes. Und ich glaube, die Christen an der Costa del Sol auch nicht. (Einzige Ausnahme vielleicht: Die Besucher des Gottesdienstes in Almunecar.)
Liebet einander! Wenn das die Aufforderung des Bibeltextes für Christen ist, dann ist also die Beziehungsebene miteinander gemeint, Sympathie und Anerkennung, Nettigkeit und Zuwendung. Im Griechischen: Philein.

2.3 Wir hätte genug Arbeit damit, diese Botschaft zu verdauen und um zu setzten. Wir müssten uns bestimmt moralisch noch ein wenig mehr in Zaum nehmen. Und wenn wir das täten, was wäre dann? Wir kämen doch irgendwann zu einem Punkt, wo es uns so geht, wie den unglücklichen Eltern, von denen wir sprachen. Wir müssten feststellen: Liebe allein reicht auch nicht. Mein Nachbar bleibt immer noch böse. Und was noch viel schlimmer ist: Jetzt geht mir die Liebe aus. Ich habe keine Kraft mehr, freundlich zu sein. Ich bin am Ende. Ich kann mich nicht zur Sympathie zwingen. Das macht mein Herz nicht mit. Mit dem griechischen Wort gesprochen: Philein ist auf die Nase gefallen und hat sich blutig gestoßen. Sind wir nicht nahezu alle so geworden, wenn wir ein paar Jahre Lebenserfahrung mitbringen?

3.1 Jetzt sind wir da, wo uns der Text hinbringen will. Zunächst die Beobachtung: In unserem Abschnitt steht kein einziges Mal das Wort philein. Auch nicht in den soeben zitierten Versen. Stets steht dort: Agape. Auch dort, wo es um unser Miteinander geht. Und das ist merkwürdig. So hatte noch nie jemand gesprochen. Ein Miteinander von Menschen in göttlicher Liebe als agapein? Wie soll das gehen? Was ist damit gemeint? Worin besteht diese Liebe?

3.2 Agape ist nicht unsere Sympathie. Es ist die Sympathie Gottes mit uns. Agape ist nicht in unserem Herzen gewachsen, sondern lebt im Herzen Gottes. Der Kern dieser Liebe ist: (9) Die Liebe Gottes wurde unter uns dadurch offenbart, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben.
Gott hat mit Jesus, Seinem Tod für uns und Seiner Auferweckung, Seine Liebe offenbart. ER hat die Sünde und Tod ausgehalten und überwunden. ER hat die Kosten für diese Liebe mit Seinem Leben bezahlt. ER hat mit Seiner Auferstehung demonstriert, dass diese Liebe Gottes die größte Macht ist in dieser Schöpfung. Und ER hat diese Liebe nicht nur selbst gelebt, sondern ausgegossen in die Herzen Seiner Kinder. Wie wir unter der Dusche unseren Körper reinigen und erfrischen, so erfrischt uns der Herr mit Seinem Segen wie unter einer Dusch aus Seiner Liebe: Ich bin wieder rein gewaschen von allem Schmutz meiner gescheiterten Bemühungen. Ich bin wieder erfrischt und klar, mitten in der Liebe Gottes. Ich bin von IHM geliebt. Ich bin Teil Seiner Agape.

3.3 Sich so in der Mitte der Sympathie und Erlösung Gottes zu sehen ist erste Aufgabe der Christen im Alltag. (11) Ihr Lieben, ... Gott hat uns so geliebt ... .
Es ist gut, diese Worte - Gott hat mich so geliebt! - so lange zu sprechen, bis Sie sie im Herzen bejahen können. Wenn es angekommen ist, können Sie entweder lachen oder weinen.
Und noch etwas: Es bleibt eine tägliche Übung.

3.4 Wenn diese Liebe Gottes in uns lebt, dann wissen wir die Antwort auf unsere Frage: Liebe allein genügt nicht. Und was fehlt? Die Antwort ist: die Agape. Manche Dinge des Lebens regeln sich nur mit der Liebe Gottes: mit Seiner Vergebung, Seinem Neuanfang, mit Seiner Hoffnung angesichts des Todes, mit Seiner Dimension des Mutes, mit Seiner Hoffnung für uns und andere, mit dem, was aus Seinem Herzen fließt. Ohne IHN sind wir am Ende. Mit IHM können wir es noch einmal machen.

3.5 Das sollen wir uns einander schenken, sagt unser Text. Übersetzt steht dann da:
(11) Ihr Lieben, wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben.
Sie verstehen, das ist mehr als Sympathie. Ist Sympathie da, ist das schön. Ist sie nicht da, ist die Liebe Gottes noch nicht zu Ende. Wo ist Jesu Hoffnung und Möglichkeit für diesen Menschen? Das ist die Frage der Liebe Gottes. Sie lebt in unseren Herzen, wenn wir selbst unsere Hoffnung und Möglichkeiten von IHM bekommen haben.


4.1 Und mit dieser Dimension des Glaubens können wir getrost über unseren Schatten springen, der uns alle begleitet.

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)