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zum 14. Sonntag nach Trinitatis von
Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 12. September 2004, 14. Sonntag nach Trinitatis


Knrr. Was ist mit der Störung?

14 Denn alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne Gottes. 15 Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater! 16 So bezeugt der Geist selber unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. 17 Sind wir aber Kinder, dann auch Erben; wir sind Erben Gottes und sind Miterben Christi, wenn wir mit ihm leiden, um mit ihm auch verherrlicht zu werden.

Römer 8, 14-17

Liebe Gemeinde!

1.1 Sobald es regnet habe ich bei mir im Telefon ein Problem. Jedes mal wenn ich den Hörer abhebe macht es Knrr. Gott sei Dank sind meine Ohren nicht mehr so gut, dass es mir weh tut: Knrr. Und das Telefonat lässt sich in der Regel auch noch führen, auch wenn manches schwer zu verstehen ist. Doch der Datentransfer für das Internet bricht oft zusammen. Knrr macht ein Problem, wenn viel durch soll. Dann blockiert die Leitung.
Ich kenne mittlerweile schon den Mast, den der Techniker hochklettern muss, um dort die Verbindung der Telefonleitungen wieder zu entrosten. Dann geht es wieder einige Zeit ohne Knrr.

1.2 Im Leben mit Gott geht es ja auch um eine gelungene Verbindung zu IHM. Und hätte Paulus die Telefonica gekannt, dann hätte er sicherlich auch sie als Vergleich gewählt. Auch wenn der Vergleich profan erscheint, bei Jugendlichen ist er sofort verständlich. Machen wir es uns eben klar.

1.2.1 Keiner kann die elektronischen Wellen sehen oder hören, die uns umgeben. Und doch ist es jedem vertraut, mit dem Telefon oder Handy zu sprechen. Genauso kann keiner Gott sehen oder ihn direkt hören. Doch der Glaube in uns ist wie ein Telefon oder Handy, was die Verbindung hörbar macht. Mit seinem Glauben hat jeder ein Empfangsgerät in sich. Die eigene Stimme wird zu Gott übertragen und Seine Stimme zu uns. Fehlt der Glaube stehe ich da wie ohne Telefonapparat. Ich weiß, dass es eine Verbindung geben könnte. Ich habe aber kein Gerät um anzurufen.

1.2.2 Und die Telefonleitung oder die Funknetze gibt es im Glauben natürlich auch. Für einen lebendigen Kontakt benötige ich nicht eine möglichst laute Stimme. Die würde nichts helfen, weder bei Gott noch beim Telefonieren. Ich benötige eine klare Aussprache meines Geistes, das ist die Stimme meines Herzens. Denn die Verbindung zu Gott ist ein Netz des Geistes.


2.1 Mein Geist ist meine unsichtbare Mitte. Durch ihn entstehen in meinem Körper die Gefühle, das Denken, das Wollen und das Handeln. Mein Geist ist mir stets verborgen, doch wäre er anders als er ist, dann wäre ich auch anders. Und wäre er weg, wäre mein Körper tot. Nichts an mir ist ohne ihn. Und was mein Geist will oder meint oder bedarf, das drück oft meine innere Stimme aus. Es ist sehr nützlich, seinen Geist zu erforschen und auf ihn zu lauschen.

2.2 Über ihn, über die innere Stimme, läuft die Verbindung im Gebet zu Gott. Denn Gott ist Geist. Und wer ihn anbetet, muss IHN im Geist und in der Wahrheit anbeten. Was das mit der Wahrheit meint, das bekommen wir später. Wenn diese Verbindung von Geist zu Geist läuft, dann spüren wir eine befriedigende Beziehung zu IHM in uns.

2.3 Äußere Formen mögen mir dabei Unterstützung geben.
- Vorformulierte Gebete können eine Hilfe sein. Ich höre sie, ich spreche sie innerlich mit, ich kann sie vielleicht sogar auswendig.
- Oder: Mein Herz wird stets abgelenkt vom normalen Alltag. In der Kirche finde ich einen geschützten Raum der Andacht. Ich werde innerlich berührt und spüre wieder, dass es mein Inneres gibt.
- Weiter: Die Gemeinschaft der Glaubenden im Gottesdienst tut mir gut. Ich merke, es gibt noch andere, die glauben auch. Das unterstützt mich. Ich bin nicht allein.
Doch entscheidend bleibt, ob bei dem allen mein Geist von Gottes Geist berührt wird und mit IHM in Kontakt kommt. Erst dann werden alle gelernten Worte, die Liturgien und Formen des Glaubens lebendig. Was nutzt das beste Telefon ohne Anschluss oder Karte. Der Geist ist das Netz.
Bis dahin können Jugendliche in der Regel gut verstehen, was Telefonieren und Beten gemein haben.

2.4 Doch jetzt kommt noch die Sache mit dem Knrr vom Anfang. Das kommt nämlich auch beim Beten und im Kontakt zu Gott vor. Ich spüre sehr wohl meine Andacht. Ich weiß sehr wohl um die Stimme meines Herzens. Ich bin in meinem Glauben sehr wohl bereit, zu IHM zu reden und auf IHN zu hören. Doch wenn ich dann die Verbindung von Herz zu Herz suche, dann macht es Knrr. Es kommt noch etwas rüber. Aber es ist nicht richtig verständlich und schon lange nicht klar. Und der große Datenaustausch findet gar nicht statt. Wer kennt das nicht beim Beten? Störgeräusche: Knrr.

3.1 Wie gut, dass Paulus so ein Praktiker war. In seinem Brief an die Römer, die er ja vor seinem viel späteren Besuch noch gar nicht kannte, nimmt er schon diese Frage auf. Verbindung mit Gott: Ja. Aber was ist mit der Störung? Und in unserem Wort gibt er dafür einen wertvollen Hinweis.

3.2 Im Bild gesprochen: Er meint, es kommt auf das richtige Telefonnetz an.
Seine Worte: (15) Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater!

3.3 Paulus meint, es gibt eine Sklaven- oder Dienstverbindung und eine Kindschaftsverbindung zum Herrn. Die einen müssen ihr Leben lang und eine Ewigkeit lang fragen: Habe ich es recht gemacht? War die Arbeit so in Ordnung? Stimmt meine Leistung? Was fehlt können Sie mit meinem Guthaben verrechnen? Bekomme ich trotzdem eine Lohnerhöhung? Welche Aufgabe liegt jetzt an, durch die ich in Kontakt bleibe? Und am Ende gehe ich doch wieder weg und bleibe bei mir zu Hause.
Und die Kindschaftsverbindung sagt jetzt und in alle Ewigkeit: Hallo, hier bin ich. Ich bin hier zu Hause. Ich kriege hier gar nichts. Ich habe schon alles. Mir gehört das und später erbe ich es einmal. Fehlt etwas? Ich packe mit an, denn es ist doch meines. In Kontakt bin ich mit und ohne Aufgabe. Denn der, der hier bestimmt, ist doch mein Vater, Abba: Mein Vater.
Von welcher Art ist unser Geist, um von und mit Gott zu sprechen?

3.4 Überheblich! So würde mit Recht manche Stimme in uns sprechen, wenn jemand diese letzten Worte des Paulus hört. Kann jemand aufrichtig und ernsthaft in so einer Kindschaftsverbindung zu Gott stehen?

3.5 Ja, sagt Paulus. Ja. Es ist sogar das eigentliche Geheimnis des lebendigen Glaubens, in dieser Kindschaftsverbindung zu stehen. Das ist die oben schon kurz erwähnte Wahrheit des christlichen Glaubens. Von mir aus wäre ich stets Sklave Gottes. Doch ohne mein Verdienst hat der einzige Sohn Gottes, Jesus Christus, seine Verbindung zu Gott mit mir geteilt. Ich darf Seinen Geist in meinem Geist haben. Und der sagt mir: Auch Du bist Gottes Kind. - Nein, sagt mein Geist. Das kann nicht sein. So weit bin ich nicht. Und vielleicht werde ich nie so weit kommen. - Das stimmt, sagt ER. Doch wenn Du annimmst, was Jesus für Dich tat, dann schenkt ER Dir diese Stellung. Nimm es.
(16) So bezeugt der Geist selber unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.

3.6 Diese Wahrheit des christlichen Glaubens ist nicht überheblich, sondern eine Verbindung, deren Kosten ein anderer für mich bezahlt hat.
Es ist ein gutes Netz. In IHM ist kein Knrr.
Ich kann stets damit beginnen, dass ich bei Gott bin. Ich kann ein mögliches Funkloch überstehen. ER kommt bestimmt zu mir zurück und findet die Verbindung wieder. Ich bin doch Sein.


4.1 Das ist eine neue Stellung unseres Glaubens, die wir haben, wenn wir das in unseren Glauben für uns annehmen.
(14) Alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne Gottes. So sagt Paulus.
Es ist nötig, sich im Herzen immer wieder darauf einzustellen. Auch ein Handy muss beim Ortswechsel stets das Netz neu suchen. So auch wir. Vom Geist Gottes leiten lassen, sagt Paulus. Nur Sein Geist sagt uns dieses wunderbare Geheimnis: Du darfst Abba sagen, mein Vater. Und das zu Gott.

4.2 Lassen Sie uns das rechte Netz wählen.
Es lohnt sich.


Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)