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zum 15. Sonntag nach Trinitatis von
Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 19. September 2004, 15. Sonntag nach Trinitatis


Dem Demütigen gibt ER Gnade

5c Denn Gott tritt den Stolzen entgegen, den Demütigen aber schenkt er seine Gnade. 6 Beugt euch also in Demut unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöht, wenn die Zeit gekommen ist. 7 Werft alle eure Sorge auf ihn, denn er kümmert sich um euch. 8 Seid nüchtern und wachsam! Euer Widersacher, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann. 9 Leistet ihm Widerstand in der Kraft des Glaubens! Wisst, dass eure Brüder in der ganzen Welt die gleichen Leiden ertragen müssen! 10 Der Gott aller Gnade aber, der euch in (der Gemeinschaft mit) Christus zu seiner ewigen Herrlichkeit berufen hat, wird euch, die ihr kurze Zeit leiden müsst, wiederaufrichten, stärken, kräftigen und auf festen Grund stellen. 11 Sein ist die Macht in Ewigkeit. Amen.

1. Petrus 5, 5c-11

Liebe Gemeinde!

1.1 In einem kleinen Gesprächskreis über diesen Text in der vergangenen Woche vertrat ein Teilnehmer die besonders auch unter Jugendlichen weit verbreitete Position: Der Glaube ist nur etwas für Looser. Auf Hochdeutsch heißt das: Starke setzten sich durch. Schwache glauben.
Und jetzt können Sie einmal raten, zu wem wohl jeder gehören will. Natürlich nicht zu den Loosern, den Verlierern.

1.2 Die Worte aus unserem Text, alles Worte von Verlierern: Gott tritt dem Stolzen entgegen. Gefragt ist Demut. Es heißt: Beugt euch! ER kümmert sich um eure Sorgen, nicht ihr. Wisst, dass auch andere Leiden ertragen, die ihr leiden müsst. Gott gehört die Macht, nicht uns. Ist das nicht eine Litanei von Verlierern?

1.3 Dagegen steht die Erfolgsliste dessen, was man - trotz zugegebener Fehler - alles auf die Beine gestellt hat. Das prägt die Geschichten, die erzählt werden. Ich habe das ... und ich habe das ... und ich habe noch das und das ... . Beeindruckend, wirklich oder wenigstens ein bisschen. Schon von außen ist zu erkennen: Das Selbstbewusstsein lässt grüßen, das tatsächliche oder zumindest das vorgegeben.

1.4 Und wer möchte nicht mit stabilem Selbstbewusstsein da stehen. Selbstbewusstsein habe man nicht, wenn man glaubt, so die Meinung. Da müsse man doch nur nachbeten, was andere vorgeben.


2.1 Eine solche Position lässt sich nicht unwidersprochen vertreten, auch wenn sie von vielen geteilt wird. Doch sie hält sich hartnäckig: Religion ist etwas für Verlierer. Diese Einstellung ist auch nicht durch Argumente zu überwinden. Denn wenn darauf hingewiesen wird, es seien doch sicher auch große Leute des Glaubens bekannt, die mit unglaublichem Selbstbewusstsein im Leben gestanden hätten, dann fällt die Antwort häufig gleich aus. Und vielleicht kennen sie sie. Man hört: Unstrittig gebe es solche Menschen. Doch die seien gerade solche, die andere in die dumme Abhängigkeit treiben würden. Sie benutzten den Glauben, um andere zu Verlierern zu stempeln.

2.2 Zugegeben gibt es nichts, was nicht zum Missbrauch werden kann. Das gilt auch für den Glauben. Und es stimmt auch. Wie viele Menschen haben schon bewusst oder unbewusst den Glauben missbraucht, um andere zu unterdrücken. Leider ist die Kirchengeschichte auch dafür eine Beispielsammlung, eine wirkliche Leidensgeschichte. Doch den Kern der Wahrheit finden wir nicht, wenn wir nur auf die schauen, die es nicht recht machen. Wir müssen uns schon an die Quelle selbst halten, um Klarheit und Auskunft zu bekommen. Und dafür ist ein Blick in den Text selbst wichtig.
Möchte Gott Verlierer oder Gewinner als Seine Kinder? So wollen wir fragen. Und die Antwort fällt interessant aus.

3.1 Zunächst die klare Botschaft: Stolz besteht nicht vor Gott. Stolze Menschen stehen nicht vor Gottes Angesicht. Sie mögen vor sich selbst stehen. Doch vor Gott? Treten sie vor IHN werden sie weggerückt wie von Kräften, die sie nicht beherrschen. Der Stolz drückt sie von Gott weg, in die Gottesferne. Je größer der Stolz um so weiter der Abstand von IHM. Dem Demütigen schenkt Gott Gnade. Die Demut bleibt Gott nahe. Der Stolze steht nicht vor Gott.

3.2 Doch jetzt zu unserer Frage, ob Glaube nur etwas für Looser ist. Ist Stolz denn das gleiche wie Selbstbewusstsein? Ist Stolz Reichtum und Demut Mangel an diesem? Wenn Stolz Selbstbewusstsein wäre, dann wäre unsere Eingangsfrage beantwortet. Wenn Gott dem Stolzen widersteht, dann ist Glaube nur etwas für Looser, Leute ohne Selbstvertrauen.
Doch dem ist nicht so.

3.3 Ich erkläre es immer wieder. Demut lässt sich gut am Lesepult verdeutlichen. Das Lesepult ist demütig, so würde man von der ursprünglichen Wortbedeutung her sagen: Hypenäphrosynä, Demut - das heißt Drunterbleiben. So stark sein, dass ich nicht nur mich, sondern auch noch anderes tragen kann. So fest sein, dass ich noch zusätzlich etwas halten kann.
Demut ist die zweite Stärke. Die erste Stärke siegt durch Besiegen. Danach kann ich stolz sein.
Die zweite Stärke siegt durch Tragen des Schwachen. Das kann ich nur, wenn ich demütig bin.

3.4 Wo steckt mehr Selbstbewusstsein? Beim Stolz oder in der Demut? Die Antwort ist nicht schwer zu finden. Ein Demütiger hat mehr Selbstbewusstsein. Er ist sich in der Regel viel mehr Dinge bewusst als ein Stolzer.

3.5 Es ist interessant: Stolze Menschen geben vor, nichts zu brauchen. Doch im Grunde brauchen sie sehr viel. Andere merken das, die mit ihnen zu tun haben. Sie brauchen den Sieg, ihren Sieg. Und oft sollen die anderen das auch noch sehen, gleichsam als Sicherheit. Stolze brauchen Bewunderer. Fehlt das, brechen sie zusammen.
Es darf keine Niederlage deutlich werden. Und wird sie doch sichtbar, dann bin ich wenigstens der größte Versager. Auch darin bin ich groß. Bloß kein Looser sein! Davor bewahre mich mein Stolz.

3.6 Das aber ist bei glaubenden Menschen anders.
Mein Selbstbewusstsein hat mir Gott geschenkt. Ich habe es nicht aus meinen Siegen gewonnen, sondern aus Gottes Sieg. Ich bin nicht wer, weil ich wer bin, sondern weil ich von Gott geliebt bin. Ich zähle nicht deshalb, weil mein inneres Konto mehr Erfolg als Misserfolg auflistet und ich deswegen doch ein Sieger bin. Ich zähle, weil Gott gesiegt hat über die Sünde und den Tod. Jesus hat das am Kreuz und in der Auferstehung für mich klar gemacht. ER ist Sieger. Mein Selbstbewusstsein ist Teilhabe an Seinem Sieg. Ich habe einen anderen Stolz in mir. Er lässt sich eher als eine Würde bezeichnen, die ich habe. Salopp gesagt: Ich bin stolz auf Jesus. Durch IHN zähle ich.

3.7 In sich stolze Menschen sind selbstbewusst, weil sie ihre persönlichen Siege auflisten. In Gott stolze oder würdige Menschen sind selbstbewusst, weil sie zu Einem gehören, der mich mit Gewinn und Verlust trägt und erträgt. Mit und ohne Sieg bin ich wer vor IHM.
Wessen Selbstbewusstsein umschließt mehr?
Ein Selbstbewusstsein aus Gnaden ist nicht zu brechen. Es hat seine Quelle in Gott.


4.1 Nun sind wir normalerweise so konstruiert, dass wir gegen derart vernünftige Dinge vielleicht einsichtig sind, doch unser Herz trotzdem nicht folgt. Von Natur aus ziehen wir stets die kleine Lösung vor und rechnen sie hoch. Mein Stolz auf mich ist mir doch das Wichtigste. Und Stolz auf Gott? Da würde ich ja abhängig von IHM. Nein danke. Dann lieber weniger, aber das auf eigene Rechnung.

4.2 Der Stolz auf uns selbst - auch vor Gott - ist die härteste Bastion gegen einen demütigen Glauben. Allein von IHM zu nehmen, das hassen wir wie der Teufel das Weihwasser. Und haben wir uns doch einmal darauf eingelassen, dann sind wir am nächsten Tag noch lange nicht weiter. Nur nicht abhängig sein von Gott! ist wieder so stark in uns da wie zuvor.
Luther nennt das den alten Adam in uns. Und haben wir den an einem Tag ertränkt, dann ist er am nächsten wieder da: Der Kerl kann nämlich schwimmen.

4.3 Das ist wohl der Grund, warum so viele Menschen fürchten, der Glaube mache sie zu Verlierern, zu Loosern. Der Vorteil des Glaubenden, gerade keine Verlierer sein zu müssen, selbst da wo wir Verlierer sind, wird nicht ergriffen. Warum?

4.4 Es wäre nötig, den tiefsten Stolz meines Lebens vor Gott zu opfern. Herr, Du bist die Quelle meines Lebens, nicht ich. Herr, Du erkennst mich an, das ist meine Rettung, auf dich ich baue. Das macht mich stark für mich und andere. Herr, Du allein. Ich beuge mich vor Dir. Das lässt mich aufrecht stehen wo immer ich bin. Doch das habe ich von Dir, nicht von mir.
Glaube ich so, werde ich dadurch nicht zum Verlierer, außer in einem einzigen Punkt: Ich würde meinen Stolz verlieren. Gott möchte keine Verlierer als Seine Kinder, doch ER möchte Menschen, die ihren Stolz vor Gott verloren haben. Und ob das so schlimm ist?



Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)