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zum 18. Sonntag nach Trinitatis von
Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 10. Oktober 2004, 18. Sonntag nach Trinitatis


Streithähne und das Reich Gottes

17 denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, es ist Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist. 18 Und wer Christus so dient, wird von Gott anerkannt und ist bei den Menschen geachtet. 19 Lasst uns also nach dem streben, was zum Frieden und zum Aufbau (der Gemeinde) beiträgt.

Römer 14, 17-19

Liebe Gemeinde!

1.1 Es ist eine große Freude, selbständigen Menschen zu begegnen.
Man hat nicht den Eindruck, nur als Stütze für die Bedürftigkeit des anderen zu dienen. Was man sagt oder tut wird nicht nur zur Bestätigung oder zum Widerspruch verwendet.
In ihrer Nähe ist es wie bei einem großen, gesunden Baum. Selbständige Bäume brauchen keine Pflöcke, sie halten sich selbst. Und nicht nur das. Wo nötig dienen sie anderen als Halt. Und in der Regel setzten sie soviel Wasser um, dass die ständige Verdunstung angenehmen Schatten spendet. In ihrem Schatten zu sitzen erfrischt.
Das ist etwas völlig anderes als Menschen zu begegnen, in deren Nähe man ständig den Eindruck hat, wenn sie jetzt nicht gestützt werden fallen sie um. Jeder hält sich nur am anderen fest.

1.2 Vor nicht langer Zeit hatten wir uns in der Predigt klar gemacht, dass Christen sehr wohl solche selbständigen Persönlichkeiten sein können. Im Unterschied zu mancher volkstümlichen Unterstellungen, Christen seien nur Looser. Sie geben mit ihrem Glauben ihre Selbständigkeit an einen Priester oder eine Kirche ab. Dadurch würden sie eben Schäfchen. Wie hatten gesehen: Ein demütiger Mensch hat sehr wohl Selbstbewusstsein und Selbständigkeit, oft sogar viel mehr als manche anderen. Denn er hat nicht nur die Stärke des Siegens in sich, er hat auch noch die Stärke des Aushaltens.

1.3 An der Costa del Sol gibt es viele Menschen mit großer Selbständigkeit. Das macht das Leben hier interessant und vielfältig. Jeder ist wie ein eigener, großer Baum. Man hat gezeigt, dass man alleine stehen kann. Man hat seine Zweige ausgebreitet. Viel Frische kommt dadurch auf. Und Langeweile, was ist das!


2.1 Neben dem, was daran schön ist, ist interessant zu sehen, welche Schwierigkeiten auftauchen. Was machen selbständige Menschen auf einem Haufen? Ist einer König, dann hat er es schon schwer. Aber was ist, wenn alle Könige sind! Ist einer Papst, dann ist es nicht leicht. Aber stellen Sie sich vor, alle sind Päpste!

2.2 Sie kennen diesen Witz. In der Reformationszeit gibt es eine Konferenz in der Hölle. Alle Teufel hocken zusammen und sind entsetzt. Bisher war alles so einfach. Man brauchte nur einen verführen, den Papst. Dann waren alle verführt. Denn jeder folgte ihm.
Und jetzt gab es diesen Mönch namens Luther, der ausscherte. Wie sollte man denn die Massen verführen, wenn keiner mehr gehorchte!
Keiner wusste eine Lösung. Alle Pläne, alle wieder auf eine Linie zu bringen, schienen gestört.
Da meldete sich ein kleines Teufelchen, dem man nie das Wort gegeben hätte, wären nicht alle so deprimiert gewesen. Man stellte ihn auf den Tisch, damit er überhaupt zu hören war. Und dann gab er seine Einschätzung.
Wenn alle nicht mehr einem folgen, dann ist die Lösung doch ganz einfach, um alle zu verführen. Wir machen nicht mehr einem zum Papst, wir machen jeden zum Papst. Und so geschah es.

3.1 Die größte Gefahr der Selbständigen ist der Streit. Diese Gefahr wird schon in unserem Bibelwort genannt. Man mag darüber lächeln. Aber es gibt ja nichts, woran sich nicht ein Streit entzünden kann. Und bei Selbständigen noch viel eher. In unserem Bibelwort ging es um die Frage der Diät - nicht der Diäten - , die die Menschen in Rage brachten. Gemüse oder Fleisch, das war die Frage. Und das kam so.

3.2 Wer sich in Rom einen ordentlichen Braten leisten wollte brauchte dafür schon eine Menge Geld. Und das hatten nicht alle Gemeindeglieder. Denn es gab das breite Spektrum der sozialen Schichten im Kreis der Christen damals auch.
Wollte aber jemand trotzdem nicht nur Gemüse auf dem Teller haben, dann gab es einen Ausweg. Das Opferfleisch vom Tempeldienst wurde - ähnlich den getöteten Tieren im Stierkampf hier - auf dem Markt angeboten, und das zu Sonderpreisen. Es war besonders gut, denn fehlerhafte Tiere wurden zum Opfer nicht zugelassen. Zudem war es billig.
Doch durfte man Fleisch verzehren, dass schon auf heidnischen Altären lag? Setzte das Tischgebet: Komm Herr Jesus, sei DU unser Gast ... die Beschwörungsformel des Priesters außer Kraft, die über diesem Stück gesprochen war? Brisant war diese Frage besonders für jüdische Christen, die gerade als Christen den Opferdienst im Tempel durch das Opfer Jesu abgelöst wussten. Und jetzt schon wieder Opferfleisch. Und das als Mittagessen!

3.3 Nein! Ja. - Nein!! Ja! - Nein!!! Ja!! - Kennen Sie solche Themen?
In den Wohnzimmern vieler Familien hieß es in meiner Kindheit immer: Über Politik und Religion reden wir nicht. Doch Selbständige?
Das geht nur so! - Nein. Das geht aber so!
Mein Glaube sagt mir aber etwas ganz anderes! - Aber dann sollten Sie mal hören, was mein Glaube sagt!
Wer selbständig ist kann bis zum Streit seine eigene Position verteidigen und oft noch darüber hinaus. Und was noch viel schlimmer ist. Er streitet oft auch gerne. Das Recht des anderen zu sehen liegt bei selbständigen Menschen nicht automatisch vor deren Füßen. Und Frieden schaffen auch nicht.
Nicht die Position, sondern der Streit darüber ist die Gefahr.

3.4 In Rom schien das so gewesen zu sein. Anders ist es nicht erklärlich, dass Paulus darauf in seinem Brief zu sprechen kommt, wo er selbst noch gar nicht da gewesen war. Aber Sie wissen, auch damals hörte man sehr viel. Auch damals war die Welt schon klein.

4.1 Und Paulus? Was macht er mit den so selbständigen Streithähnen? Gibt er dem einen Recht?
Ja, das tut er. Fleisch verzehren das vom Opfer kommt ist keine Sünde. Alle Dinge sind rein (20). Sünde ist ... was nicht aus Glauben geschieht (23).
Und die anderen? Denen gibt er auch Recht. Wenn dein Gewissen es dir verbietet, dann tue es nicht. Wer aber Zweifel hat, wenn er etwas isst, der ist gerichtet, weil er nicht aus der Überzeugung des Glaubens handelt (23).

4.2 Und dann kommt er zu Sache.
10 Wie kannst also du deinen Bruder richten? Und du, wie kannst du deinen Bruder verachten? Wir werden doch alle vor dem Richterstuhl Gottes stehen. 12 Also wird jeder von uns vor Gott Rechenschaft über sich selbst ablegen. 13 Daher wollen wir uns nicht mehr gegenseitig richten. Keine Diät oder nicht Diät ist Sünde. Aber das Richten eines anderen Menschen darüber. Ohne Respekt vor der Entscheidung des anderen leben, das zerstört. Und Selbständige könne viel zerstören.

4.3 Nicht die Position, sondern wie ich sie vertrete macht Paulus zum Thema. Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken (17), sagt er. Das wäre die Frage der Position. Vielmehr zählt bei einem Streitthema, ob Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist (17) durch mich entstehen. Das ist die Frage wie ich etwas vertrete. Paulus gibt damit den Selbständigen, oder den Starken wie er sie nennt, eine Sonderaufgabe.

5.1 In seinem Leben hat Paulus einen langen Weg gemacht, um zu dieser Position zu gelangen. Seien wir also nicht enttäuscht, wenn uns dieses Ziel noch sehr weit entfernt vorkommt, selbst dann wenn wir schon viel erreicht haben. Was hatte Paulus zu seiner Haltung gebracht?

5.2 Er, der selbst ein Streithahn ohne Ende war, der sogar die Verfolgung der Christen für gut hieß, wurde einer höheren Autorität unterstellt Und damit fängt alles an.
- Sein Ich wurde gerecht gesprochen durch Gottes Position: In Jesus bist du gerechtfertigt. ER tauscht mit dir. Du hast die Stellung des Sohnes Gottes vor Gott. Deine Schuld zählt nicht, wenn sie auf Jesus liegt.
- Sein Ich fand Frieden ohne Grenzen in Gottes Versöhnung mit uns. In Jesus bin ich anerkannt. Und der andere auch. Diesen Frieden kann keine Differenz zerstören. ER lebt, so lebt auch Sein Friede.
- Sein Ich wurde in Freude getaucht. Freude ist genug haben. Selbständige haben meist viel. Freude ist mehr. Freude hat nicht viel, sie hat genug. In Jesus hat er erfahren, genug zu haben.
Das alles macht der Heilige Geist. Was für ein Weg durch Versuch und Irrtum und Lernen und Gewinnen mit Jesus.

6.1 Sonderaufgabe für Selbständige: Bring nicht deine Stärke, sondern bring die Stärke des Reiches Gottes. Gerechtigkeit, Friede, Freude im Heiligen Geist.
Oder in seinen Worten: 19 Lasst uns also nach dem streben, was zum Frieden und zum Aufbau (der Gemeinde) beiträgt. 20 Reiß nicht wegen einer Speise das Werk Gottes nieder!

6.2 Gehören wir zu den Selbständigen oder Starken wie Paulus sagt?
Überlegen wir es uns sehr genau. Wer jetzt Ja sagt, der hat sein Thema und seine Sonderaufgabe:
Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist.


Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)