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zum 19. Sonntag nach Trinitatis von
Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 17. Oktober 2004, 19. Sonntag nach Trinitatis


Die neue Kollektion

22 Legt den alten Menschen ab, der in Verblendung und Begierde zugrunde geht, ändert euer früheres Leben, 23 und erneuert euren Geist und Sinn! 24 Zieht den neuen Menschen an, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.
25 Legt deshalb die Lüge ab, und redet untereinander die Wahrheit; denn wir sind als Glieder miteinander verbunden. 26 Lasst euch durch den Zorn nicht zur Sünde hinreißen! Die Sonne soll über eurem Zorn nicht untergehen. 27 Gebt dem Teufel keinen Raum! 28 Der Dieb soll nicht mehr stehlen, sondern arbeiten und sich mit seinen Händen etwas verdienen, damit er den Notleidenden davon geben kann. 29 Über eure Lippen komme kein böses Wort, sondern nur ein gutes, das den, der es braucht, stärkt, und dem, der es hört, Nutzen bringt. 30 Beleidigt nicht den Heiligen Geist Gottes, dessen Siegel ihr tragt für den Tag der Erlösung.
31 Jede Art von Bitterkeit, Wut, Zorn, Geschrei und Lästerung und alles Böse verbannt aus eurer Mitte! 32 Seid gütig zueinander, seid barmherzig, vergebt einander, weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat.

Epheser 4, 22-32

Liebe Gemeinde!

1.1 Wer kennt nicht die wunderbare Erfahrung am Morgen. Raus aus der Dusche, Tür vom Kleiderschrank auf. Und dann. Also heute nehme ich die Hose, und dazu passt dieses Hemd. Aber eigentlich ist es dafür doch ein wenig zu kalt. Also nehme ich doch lieber die etwas dickere, die wärmt gut. Doch dazu passt wieder nicht die Farbe der Hose. Ich habe doch immer gewusst, dass der Farbton nicht ganz glücklich war, schon im Geschäft. Aber ... . Also dann nehme ich doch eher den Pullover und dazu würde als Unterteil doch - wo ist nur diese weite Hose geblieben, die ich so gerne dazu anziehe. Wo ist sie nur. Sollte sie immer noch in der Reinigung sein. Natürlich, ich habe sie ganz vergessen abzuholen.
Das kann schon dauern. Denn wer die Wahl hat, der hat auch die Qual.

1.2 Es ist schön, dass wir die Wahl haben, oft jedenfalls. Bei unserem Kleiderschrank halten wir das für normal und notwendig. Und wir sorgen dafür, dass es so bleibt.
Aber bei unseren inneren Kleiderschrank für unserer Seele achten wir nicht annähernd so sorgfältig darauf. Wir nehmen noch zur Kenntnis: Heute bin ich mürrisch oder zornig oder daneben. Und dann hat es sich. Wir gehen nahezu unbekleidet mit unserer Seele in das Tagesgeschehen. Irgendwie werden wir schon abladen, was uns beschmutzt. Trost werden wir so wie so nicht bekommen bis auf die Trösterchen, die wir uns selbst gönnen. Und wenn uns einer quer kommt haben wir unsere wohl trainierte harte Seite, mit der wir uns durchsetzen. Für den Rest reicht die normale Seelenkosmetik, mit der wir professionell durchkommen, weil nichts von uns selbst sichtbar wird. Also los.
Welche Kleider trägt unsere Seele?

1.3 Wir vermeiden in der Regel alles, was uns innerlich ausziehen könnte. Zu schnell würden wir unsere Fassung verlieren. Trauer, Tod, Krankheit, Unrecht, Missgunst - das bringt uns so schnell durcheinander. Könnte es sein, dass wir uns zu wenig unseren inneren Kleiderschrank angeschaut haben? Könnte es sein, dass dort gar nichts oder nur sehr wenig drin hängt? Könnte es sein, dass wir seit Jahren aus den Kinderkleidern unserer Seele rausgewachsen sind und jetzt unsere alten Muster auf die neuen Fragen unseres Lebens einfach nicht mehr passen, abgesehen von den Standardsituationen des Alltags?

1.4 Unser Bibelwort spricht von dem Kleiderschrank des Glaubens. Er steht Christen jeden Tag für ihre Seele zur Verfügung. In unserem Text aber haben wir gleichsam einen Laufsteg vor uns, eine Demonstration der Kollektion des Glaubens.
Es heißt Aufgepasst! Umgezogen, Angezogen - so könnte alles überschrieben sein.

2. Zunächst das Umziehen.

2.1 (22) Legt den alten Menschen ab.
Wie gerne würden wir das tun, den alten Menschen ablegen. Verblendung und Begierde, so nennt unser Bibelwort einige der typischen Eigenschaften. Es sind alles Dinge, von denen wir selber vor dem Spiegel in der Regel sagen würden: Oh! Besser nicht. Und doch waren wir wieder so.
Wir selbst sind dadurch schuldig geworden und andere wurden unser Opfer. Oftmals wollten wir das gar nicht. Doch allzu oft wollten wir es sogar. Unsere vordergründige Erklärung: Wir sind eben Menschen mit Fehlern. Das ist zwar richtig. Aber oft auch nicht hilfreich.

2.2 Es wäre schön, wenn wir unseren alten Menschen mit gutem Willen ablegen könnten. Doch so wichtig unser Wille ist. Der alte Mensch in uns sitzt oft sehr fest im Sattel, so fest, dass er sogar unseren Willen lenkt, so dass wir gar nicht mehr wollen, was wir wollen.

2.3 Und so kommt zu dem weit verbreiteten Zustand, dass wir christlichen Tugenden anziehen ohne das alte Zeug vorher ausgezogen zu haben. Unter unserer Nächstenliebe lugt dann penetranter Egoismus hervor, durch unsere christliche Frömmigkeit blickt Bitterkeit, Streit und Herrschsucht.
Viele Nichtchristen sagen dazu: Die sind doch auch nicht besser! Dann lieber nicht glauben und nicht in die Kirche gehen. Das ist ehrlicher.

2.4 Es scheint mir wichtig darauf zu achten, was das Bibelwort hier sagt. Der alte Mensch wird nicht durch guten Willen ausgezogen, sondern durch Erneuerung des Geistes (23). Kein Mensch auf dieser Welt hat je seinen Geist selbst erneuert. Erneuerung des Geistes kommt von außen.
Und Christen glauben, dass dies unter dem Kreuz von Jesus geschieht. Dort ist die einzige Umkleidekabine der Welt zum Ablegen des alten Menschen. Dort wird der Geist erneuert.

2.5 Konkret geschieht dies so, dass ich mit meinem alten Menschen vor den gekreuzigten Herrn Jesus trete und sage: Bitte Herr, so bin ich. Und bitte, Herr, nimm meinen alten Menschen heute noch einmal auf Dich. Du bist dafür an Deinem Kreuz gestorben. Lass meine alten Sachen mit Dir sterben.
Was meinen Sie, wie häufig zum Beispiel Hader und Groll vor dem Kreuz Jesu abgelegt werden muss? Als Faustregel gilt: Was tief sitzt muss oft weg. Und wenn es sein muss mehrfach am Tag.
Wir finden es selbstverständlich, uns täglich zu duschen. Aber wir finden es völlig ausreichend, einmal in der Woche - wenn überhaupt - für unseren alten Menschen um Vergebung zu beten. Und das noch allgemein. Was sitzt wohl tiefer, der Tagesschmutz oder der alte Mensch?

2.6 Man könnte auch sagen: Wir müssen den Wettlauf gewinnen. Zeigt sich der alte Mensch in uns und wir kriegen es mit, dann kommt die Botschaft in unser Gewissen: Oh! Und vielleicht stellt sich noch ein Schuldgefühl ein. Der Widersacher verklagt uns vor uns selbst und vor Gott.
Der Glaube aber beginnt einen Wettlauf mit dem Widersacher. Wer ist schneller vor Gott? Der Glaube oder der Widersacher. Der Glaube wartet nicht eine Woche. Er stürmt los und sagt im gleichen Moment: Herr, hier bin ich. Verzeih um Jesu willen. Wieder war es mein alte Mensch. Hier bin ich. Reinige mich jetzt. Erneuere mich. Ich gehöre Dir.

2.7 Und er nimmt vom Kreuz Jesu ein reines Herz mit in sein alltägliches Leben.
Und dann sagt der Wille: Das halte ich fest. Doch beim nächsten Stolpern hilft nicht der Wille, sondern nur der Glaube, der wieder den Weg zum Kreuz geht. So wird der alte Mensch abgelegt. Ohne die tägliche Umkehr am Kreuz geschieht gar nichts. Sind wir fit für diesen Weg, für das tägliche Umkleiden?

3. Und jetzt das Anziehen. (24) Zieht den neuen Menschen an.

3.1 Jetzt würden wir am liebsten die Ärmel hochkrempeln und die lange Reihe unserer christlichen Tugenden fordern, die unsere Welt heute wieder braucht. Wo ist das alles geblieben, was einmal das christliche Abendland ausgezeichnet hat? Wir sehen und erleben genug Sodom und Gomorrha, wie mir letzte Woche jemand im Gespräch noch erläuterte. Und es stimmt ja auch. Und meist stimmt auch, dass wir es gerne von anderen fordern, was wir selber gerne sehen würden.

3.2 Es ist interessant zu sehen, welche sechs Tugenden hier genannt werden und noch interessanter, wie damit umgegangen wird, damit wir sie auch anziehen. Die sechs Tugenden hier heißen:
1. Lege die Lüge ab. 2. Lass dich nicht zum Zorn hinreißen. 3. Gib dem Teufel keinen Raum. 4. Stiehl nicht, sondern arbeite selbst. 5. Über deine Lippen komme kein böses Wort. 6. Beleidige nicht den Heiligen Geist.
Was für ein Kleiderschrank. Welche Kollektion. So leben können. Wie kriegen wir das angezogen?

3.3 Und wieder: Unser Wille allein würde nicht reichen. Schon nach kurzer Zeit hätten wir einen dicken Fettfleck auf unserer schönen Tugend. Und weil das Bibelwort das weiß heißt es vorweg:
(24) Zieht den neuen Menschen an ... , der geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.
Nicht geschaffen im eigenen Lebensstil. Ja wo denn geschaffen? Nach dem Bilde Gottes in Seiner Gerechtigkeit und Heiligkeit. So etwas kommt nur aus Gottes Produktion, nicht aus unserer.

3.4 Deshalb nicht nur beim Ausziehen, sondern auch beim Anziehen gilt: Bitte, Herr, gibt mir heute Dein neues Leben in mein Leben. Gib mir Deine Gerechtigkeit und Deine Heiligkeit. Komm, erfülle mich.
Nur durch dieses Gebet haben wir eine Chance. So werden wir verwandelt in Sein Bild.

3.5 Und dann kann Sein Bild, Seine Kollektion, bei uns Gestalt gewinnen:
Keine Lüge, kein Zorn, kein Raum für den Teufel, kein Diebstahl, kein böses Wort, kein Ablehnen des Heiligen Geistes - von Dir und mit Dir, Herr.

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)