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zum Reformationstag,
21. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 31. Oktober 2004, Reformationstag,
21. Sonntag nach Trinitatis


Die neue Gerechtigkeit

21 Jetzt aber ist unabhängig vom Gesetz die Gerechtigkeit Gottes offenbart worden, bezeugt vom Gesetz und von den Propheten: 22 die Gerechtigkeit Gottes aus dem Glauben an Jesus Christus, offenbart für alle, die glauben. Denn es gibt keinen Unterschied: 23 Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren. 24 Ohne es verdient zu haben, werden sie gerecht, dank seiner Gnade, durch die Erlösung in Christus Jesus. 25 Ihn hat Gott dazu bestimmt, Sühne zu leisten mit seinem Blut, Sühne, wirksam durch Glauben. So erweist Gott seine Gerechtigkeit durch die Vergebung der Sünden, die früher, in der Zeit seiner Geduld, begangen wurden; 26 er erweist seine Gerechtigkeit in der gegenwärtigen Zeit, um zu zeigen, dass er gerecht ist und den gerecht macht, der an Jesus glaubt.
27 Kann man sich da noch rühmen? Das ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das der Werke? Nein, durch das Gesetz des Glaubens. 28 Denn wir sind der Überzeugung, dass der Mensch gerecht wird durch Glauben, unabhängig von Werken des Gesetzes.

Römer 3, 21-28

Liebe Gemeinde!

1.1 Aus einer Kindergartengruppe der Deutschen Schule Malaga habe ich mir folgendes erzählen lassen. Ein jedes Kind hatte die Möglichkeit, seine Träume für die Zukunft vorzustellen und auszumalen. Ein kleines jüdisches Mädchen wollte natürlich nach Jerusalem. Und was willst Du dort, wurde es gefragt. Dort stehe ich an der Klagemauer, sagte das Mädchen. Und wenn ich dort stehe nehme ich einen Zettel und schreibe etwas darauf und stecke es als meinen Wunsch in die Mauer. Und was schreibst Du auf Deinen Zettel, wurde weiter gefragt. Ich schreibe auf meinen Wunschzettel: Adonai, das heißt, Herr! Bitte lass mich ein guter Mensch werden.

1.2 Dieses Mädchen spricht mit großer Klarheit und Reinheit aus, was unsere Wurzeln sind. Diese tiefe moralische Sehnsucht hat das jüdische Volk und das christliche Abendland geprägt: Lass mich ein guter Mensch werden! Wenn das unseren Kindern eingepflanzt wird, dann wachsen Maßstäbe, die Richtung weisen. Dann hält die Moral auch in Krisen stand. Dann können wir etwas erreichen, denn wir wollen es auch. Lass mich ein guter Mensch werden - wir könnten das von dem jüdischen Kind lernen.

1.3 Amen wäre als Antwort jetzt richtig. Doch wir hätten nicht begriffen, was unsere ureigensten christlichen Wurzeln bei diesem Wunsch sind. Die Reformation hat uns ja zu diesem Thema in ebenso großer Klarheit und Eindeutigkeit eine Botschaft hinterlassen. Den Wunsch hielt sie fest: Ich will ein guter Mensch werden. Doch es folgte sofort eine Frage: Und wie werde ich das?

1.4 Mit dieser Frage hat sich Martin Luther gequält. Wie werde ich ein guter Mensch? Reicht, was ich tue? Reicht, was ich bin? Reicht dafür, was - wie damals üblich - an Ablässen zur Minderung der Ewigkeitsstrafe zu bezahlen war? Reicht es? Wenn ja: Ab wann ist es genug? Ab wann bin ich ein guter Mensch?

1.5 Merken Sie, wie viele diese Frage schon lange ad acta gelegt haben. Ich, ein guter Mensch? Nein Danke! Ich nicht. Selbst wenn ich manches gut mache. Dazu darf sich eine ehrliche Haut auf dieser Erde nicht zählen.
Stimmt das? Darf ich das nicht. Haben wir unsere Moral schon so weit abgelegt, dass wir uns heute nicht mehr erlauben, nach ihrer Erfüllung zu fragen?

1.6 Wir werden sehen, welche verblüffende und heilsame Antwort für Luther neu lebendig wurde. Wer sie versteht bleibt ehrlich und doch voller Hoffnung. Es gibt einen Weg, der Heiliges und Normales eint.
Lassen Sie uns dazu in den Text schauen, den auch Luther als Quelle seiner Entdeckung nutzte.

2.1 Der Text stammt von Paulus, der darin die Kernpunkte des christlichen Glaubens den Christen in Rom vorstellt. Von seinen jüdischen Wurzeln war für Paulus ein guter Mensch, wer den Bundesvertrag mit Gott einhielt, den Gott am Sinai schloss. Der Vertrag besagte: Als Mensch halte ich alle göttlichen Gebote. Und Gott hält mich im Gegenzug für einen guten Menschen, den ER segnet.
So etwas kann ein Leben ausfüllen und bis zum letzten Augenblick Sinn stiften. Die Frage: Reicht es? bleibt zwar bis zum letzten Moment offen. Doch die Anforderung hält das Leben wach und geht mit.
Paulus gehörte zu einer Gruppe, den Pharisäern, die mit besonderer Anstrengung daran arbeiteten, dass es reicht. Kein Tag ohne die Forderung an die Erfüllung des göttlichen Gesetzes. Ein moralischer Mensch? Natürlich! Für ihn war klar: Wäre ich es nicht würde Gottes Segen stoppen.

2.2 Und dann kam diese Wende in sein Leben. Jesus, der Auferstandene, erschien ihm und brachte die Wertsysteme durcheinander. Erst berief Jesus Paulus, dann wurde Paulus mit dem Heiligen Geist erfüllt, dann wurde er getauft. Das ist eine Reihenfolge, die bei Menschen in der Regel genau anders herum passiert wenn sie so etwas erleben. Doch bei Gott gibt es keine Reihenfolge. ER handelt wie ER will. Die Gegenwart Gottes im Leben des Paulus hat auch sein Denken umgekrempelt.

2.3 Das ist übrigens bis heute so. Veränderung geschieht in der Regel auch bei uns nicht durch einen guten oder neuen Gedanken - eine ordentliche Predigt - , sondern viel Gegenwart Gottes in uns verändert unser Denken. Paulus formulierte das so: Nun lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir. Das ist der Weg zur Umgestaltung unseres Lebens.

2.4 In der Regel fängt der Herr bei den wichtigsten Säulen unseres Ichs an. Die will ER entmachten und durch Seine Kraft neu installieren. Für Paulus war die wichtigste Säule, ein guter Mensch zu sein. Nur so konnte Gott Seinen Segen im Gegenzug schenken. So lehrte es der Bund.

2.5 Und jetzt erkannte Paulus in der lebendigen Gegenwart des Auferstandenen in seinem Leben etwas Neues: Gott hat sich verändert.
Jesu Opfer am Kreuz hat die Welt verändert. Gott wartet mit Seinem Segen nicht mehr auf uns gute Menschen. ER hat in Jesus die Schuld beglichen, die Sünde vergeben, uns gerecht gesprochen bevor wir unsere guten Werke tuen. Jesus erfüllte sie. Gott sieht uns wie Jesus an, wenn wir uns ihm versprechen. Jesus steht vor Gott für uns, wir stehen vor Gott wie ER.
Der Bund vom Sinai, die alte Gerechtigkeit, die bis zum letzten Augenblick offen blieb, ist abgelöst durch eine neue Gerechtigkeit vor Gott, die in Jesus. Sie ist nicht mehr offen. Sie ist erfüllt. Um Jesu willen bin ich gut vor Gott. Die guten Werke von IHM zählen auch für mich, wenn ich IHM gehöre. Ich kann meine getrost hinzufügen. Der Segen fließt schon vorher, um Jesu willen. Nicht was ich tue macht den Vertrag mit Gott gültig, was Jesus tat genügt. Und Segen fließt um Jesu willen dann auch durch unser gutes Tun. Das ist der neue Bund. 21 Jetzt aber ist unabhängig vom Gesetz die Gerechtigkeit Gottes offenbart worden. 28 Denn wir sind der Überzeugung, dass der Mensch gerecht wird durch Glauben, unabhängig von Werken des Gesetzes.

2.6 Was für eine Entlastung für die Frage: Reicht es? Ja, was Jesus tat genügt für mich. 22 Gerechtigkeit Gottes aus dem Glauben an Jesus Christus.
Was für eine Entmachtung für meinen Stolz auf meine guten Taten! Nicht mehr mein Tun lässt Gottes Segen fließen. Jesus macht den Himmel auf, nicht ich. 27 Kann man sich da noch rühmen? Das ist ausgeschlossen.
Was für eine Gewissheit der Erlösung für mein Leben! 24 Ohne es verdient zu haben, werden wir gerecht, dank seiner Gnade, durch die Erlösung in Christus Jesus. Und die gilt, unabhängig von mir für mich.
Was für eine einmalige Bedeutung hat Jesus für mich! 25 Ihn hat Gott dazu bestimmt, Sühne zu leisten mit seinem Blut, Sühne, wirksam durch Glauben. Sein Wort zählt mehr als mein Gewissen.

3.1 Und jetzt sind wir bei dem, was für Luther zählte. Er entdeckte diese Botschaft des neuen Bundes in diesen Worten des Römerbriefes für sein Leben. Gerechtfertigt aus Glauben zu guten Werken, nicht aus guten Werken. Leben aus Gnade und nicht mehr, um einmal Gnade zu erlangen. Glauben aus Gewissheit der Erlösung und nicht mehr mit der offenen Frage, ob es wohl reicht. Um Jesu willen - es reicht, ER reicht.

3.2 An jeder Stelle hat Luther dieses Geheimnis des Glaubens entdeckt und betont. Er hat die wunderbare moralische Bitte: Gott, lass mich ein guter Mensch werden! auf die christlichen Füße gestellt: Herr, ich danke Dir, dass ich um Jesu willen ein guter Mensch vor Dir bin. Ich will es mit meinen guten Taten zeigen.
Er hat die Frage: Und wie werde ich das? beantwortet mit den Worten der Schrift: 23 Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren. 24 Ohne es verdient zu haben, werden wir gerecht, dank seiner Gnade, durch die Erlösung in Christus Jesus. Aus mir heraus werde ich überhaupt kein guter Mensch. Aber Jesus ist es und mit IHM gelte ich vor Gott auch so. Ich bin gleichzeitig sündig und gerecht, simul iustus et pecator.

3.3 Die alten Säulen unseres Lebens werden abgelöst durch die neuen: Allein durch die Gnade, allein durch den Glauben, allein durch das Wort. Sola gratia, sola fidei, sola scriptura.

4.1 Das ist die Botschaft der Reformation. Und diese Botschaft des Evangeliums ist bis heute wichtig, um unseren Glauben zu reformieren, auf die rechten Füße zu stellen.

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)