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zum Drittletzten Sonntag des Kirchenjahres
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 7. November 2004,
Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres


Vom Sinn des Lebens: Leben wir so leben wir dem Herrn

7 Keiner von uns lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber: 8 Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn. 9 Denn Christus ist gestorben und lebendig geworden, um Herr zu sein über Tote und Lebende.

Römer 14, 7-9

Liebe Gemeinde!

1.1 Wir begegnen in unserem Text der alten Frage, wofür wir leben. Und wie so oft bei zentralen Dingen sind wir es nicht gewohnt, darüber zu reden, obwohl unsere Einstellung an vielen Stellen im Leben aus uns herauslugt.

1.2 Ach, wofür soll ich heute leben? - sagt unser Spanischlehrer würden ihm viele Leute bei den wenigen trüben Tagen hier an der Costa del Sol sagen. Und so denken auch viele Menschen, wenn etwas nicht so kommt wie es für sie recht ist. Er aber fährt fort: Dabei meine ich: Leben kommt von oben. Das gibt und nimmt der Herr. So findet er es und mit ihm viele andere.
Selbst beim Wetter und meiner Reaktion darauf kann durchblicken wofür ich lebe.

1.3 Aber nicht nur unser Alltag ist im geheimen von der Sinnfrage geprägt. Auch unsere Kultur ist das.
Was muss man für ein Mensch sein, um ein Bauwerk wie den Kölner Dom oder den Dom zu Sevilla zu entwerfen, den man zu seiner eigenen Lebenszeit nie vollenden kann? Das kann man nur mit der Idee im Herzen, zu etwas Höherem geboren zu sein.
Folgen Sie einmal mit Ihren Augen den Säulen eines gotischen Bauwerks. Sie spüren von welcher Art ihre Baumeister waren. Ihr Blick geht nach oben.
Ist unsere heutige Kultur noch von diesem Sinn geprägt? Sicher nicht.

1.4 Der Einbruch wird oft mit dem schicksalhaften Einsturz der Brücke von San Luis Re und dem Erdbeben von Lissabon im November des Jahre 1755 in Verbindung gebracht. Plötzlich tauchte die Frage auf: Ist unser Leben vielleicht doch ohne Führung von oben? Sterben wir zufällig? Sind unsere Blicke nach oben vielleicht ins Leere gerichtet? Gibt es keinen Sinn? Wie könnte Gott sonst solches Leid zulassen?

1.5 Und diese Frage begleitet bis heute das Lebensgefühl fast aller Zeitgenossen. Seit Auschwitz haben wir gezeigt, dass ein Staat organisieren können, den Menschen an das Böse zu verkaufen. Wenn das heute an jedem Platz der Welt jetzt sein kann, dann bleibt für uns als Rest nur übrig, uns dem Genuss zu verkaufen. Just for fun - Genuss sofort, selbst wenn es sinnlos ist. Das ist für viele die Maxime. Dass es nicht genug für alle gibt wissen wir schon. Doch froh kann sein, wer möglichst viel von dem bekommt, was zu haben ist. Dafür rennen wir. Das macht uns stolz.

1.6 Doch leider sind unsere Nachfahren in ihren Herzen von unserem Stolz nicht satt geworden. Nicht unser Stolz, wir selber sind schon wichtig. Denn wer als Kind nicht seinen Brei für Mama und für Papa isst, der weiß nicht, wofür er da ist: Ich für dich. Und du für mich. Wenn uns das nicht mehr erfüllt, was soll denn unsere Nachfahren erfüllen? Wenn wir zu Egoisten wurden, warum sollen sie es nicht auch werden? Wenn wir im Inneren nichts mehr fühlen, wo sollen es denn die nach uns suchen? Wenn ich die Frage, wofür ich da bin, nur mit Zerstreuung und "man gönnt sich ja sonst nichts" beantworte, wie sollen denn die nach uns lernen, wofür es sich zu leben lohnt? Was geben wir eigentlich als ältere Generation unserer nachfolgenden weiter?

1.7 Die tiefe Sorge: Ich bin völlig überflüssig! lässt sich zwar mit Spaß vergessen. Doch es ist auch klar, dass angesichts dieser Sinnlosigkeit jeder nimmt, was er kriegt, egal wie weh es dem anderen tut. Unsere Kinder tun es dann noch besser als wir. Ohne Sinn verdirbt die Kultur.
Wie lange halten wir das aus, die äußere Form zu wahren und mit dem Rücken an der Wand zu stehen und nicht zu wissen, wofür wir leben?

2.1 Wie heute lebten auch die Christen zur Zeit des Paulus in einer Welt persönlicher und kultureller Sinnesleere. Man betete zwar den Kaiser an, doch lieber betrank man sich mit Wein, wenn man es sich leisten konnte. Wofür lohnt sich zu leben? Ist das wichtig? Mach es solange du kannst bevor dich ein Messer erwischt. Genieße. Frage nicht wofür.

2.2 In der Gemeinde war das nicht anders. Man glaubte an Gott und an den Erlöser Jesus Christus. Doch man lebte in einer völlig heidnischen Welt mit einem völlig heidnischen Alltag.
Was wir gewohnt sind halten wir in der Regel auch für richtig. Und was wir für richtig halten, halten wir oft auch noch für christlich. So auch damals.
Man hielt es für völlig normal, richtig und christlich, der Genussgesellschaft zu folgen. Man lebte in geheimer Verachtung für die weniger Vermögenden und neidete umgekehrt den Besser gestellten um ihre Freiheiten. Lesen Sie das in Römer 14 nach.

3.1 Haben Sie eine Weiche vor Augen? Eine Mechanik legt ein Stück Eisen um. Ein ganzer Zug kriegt dadurch eine andere Richtung.
Eine solche Weiche ist unser Wort. Paulus legt sie um. Unser Lebenssinn soll erfüllt werden. Der Zug unseres Lebens bekommt dadurch eine andere Richtung. Eine ganze Kultur ist so geprägt worden.
Wie das?

3.2 7 Keiner von uns lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber: 8 Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn.

3.3 Das ist der neue Lebenssinn der Christen: Sie sprechen in ihrem Herzen: Herr, ich bin Dein und gehöre Dir. Dein neues Leben ist in mir. Mein altes Leben ist an Deinem Kreuz gestorben.
Wer so spricht und lebt, der hat die Taufe in seinem Herzen angenommen. Er lebt dem Herrn und nicht für sich selbst. Sogar die Todeskultur - auch mich kann es jeden Augenblick erwischen - kann das nicht außer Kraft setzen. Sterbe ich, so ist das kein Zufall, sondern ich gehe zum Herrn und sterbe für Ihn. Immer bin ich Sein. Nicht durch Zufall steh ich hier. Gott hat mich gemacht. 8 Ob wir leben oder sterben, wir gehören dem Herrn.

3.4 Füllt sich damit das Herz, dann ist das ein Anfang. In mir bleibt nicht die Leere als letzte Bedrohung und als mein Schicksal. In mir lebt die Quelle des lebendigen Herrn. ER hat mich erlöst, gewollt, gemocht. Ich bin nicht etwas, weil ich verlange, weil ich will. Ich bin, weil ER nach mir verlangt, weil ER mich will. Das ist der Sinn meines Lebens. ER ist der Sinn meines Lebens. 9 Denn Christus ist gestorben und lebendig geworden, um Herr zu sein über Tote und Lebende. Auch über mich.

4.1 Wer mit dem Herrn so für sich den Sinn seines Lebens bestimmt, der wird neben dem tiefen Frieden bald auch tiefen neuen Unfrieden spüren. Die Stolpersteine liegen auf jedem Weg, auch auf dem des neuen Lebens.

4.2 Sie sitzen im Gottesdienst, tief berührt von dem neuen Sinn Ihres Lebens. Und schon fällt Ihr Blick auf eine bestimmte Person. Auch Sie ist jemand, in der der Herr lebt. Unmöglich, denken Sie. Unmöglich wie sie sich Dir gegenüber benommen hat. Solche Verachtung und dieser Neid. Das kann doch nicht Recht sein. Und darin habe ich Recht!
Und ER? Es ist als wenn ER sagte: Recht hast du. Aber was ist dein Sinn? Heißt es für dich etwa: Leben wir, so leben wir dem Recht. Sterben wir so sterben wir dem Recht. Darum, ob wir leben oder sterben, wir gehören dem Recht?

4.3 Aber Herr. DU bist doch nicht gesehen worden bei dieser Person. Das ist doch nicht gerecht, wenn DU mich wie diesen Menschen behandelst!
Und ER: Mein Kind. Weißt du was einem anderen gerecht wird? Heißt es für dich etwa: Leben wir, so leben wir der Gerechtigkeit, sterben wir so sterben wir der Gerechtigkeit. Darum, ob wir leben oder sterben, wir gehören der Gerechtigkeit?

4.4 Aber Herr. Wo bleibt denn der Kampf? Es ist doch herzlos, das Falsche so stehen zu lassen.
Und ER: Weißt du, was für den anderen falsch ist? Kennst du seine Umkehr? Heißt es für dich: Leben wir, so leben wir dem Kampf. Sterben wir so sterben wir dem Kampf. Darum, ob wir leben oder sterben, wir gehören dem Kampf?
O Herr, mein erstes Thema! Wo ist es nur geblieben. Leben wir so leben wir dem Herrn. Du bist mein Sinn. Ich will Dir folgen. Und dann flutet es wie ein Hochwasser.
Zu Petrus sagt der Herr über diesen Weg: Ich will dich gürten und führen wohin du nicht willst.

4.5 Paulus meint, dass diese wichtigen Themen in uns wie Recht, Gerechtigkeit und Kampf und als letztes sogar der Tod nur besiegt werden unter der Führung des Herrn, wenn ER der Erste in uns ist. Und das will geübt sein. Und das übt ER auch.

4.6 Christen gehen darin einen einsamen Weg. Aber einen mit dem Herrn. ER ist und bleibt der Sinn.

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)