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zum Drittletzten Sonntag des Kirchenjahres
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 14. November 2004,
Vorletzter Sonntag des Kirchenjahres
Volkstrauertag


Wartest du auch?

18 Ich bin überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll. 19 Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes. 20 Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat; aber zugleich gab er ihr Hoffnung: 21 Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. 22 Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt. 23 Aber auch wir, obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben, seufzen in unserem Herzen und warten darauf, dass wir mit der Erlösung unseres Leibes als Söhne offenbar werden. 24 Denn wir sind gerettet, doch in der Hoffnung. Hoffnung aber, die man schon erfüllt sieht, ist keine Hoffnung. Wie kann man auf etwas hoffen, das man sieht? 25 Hoffen wir aber auf das, was wir nicht sehen, dann harren wir aus in Geduld.

Römer 8, 18-23.(24-25)

Liebe Gemeinde!

1.1 Wie immer kam er in den Gottesdienst in Rom. Doch diesmal wankte er. Der wohlhabende Patrizier, in dessen Salon sich die Christen regelmäßig trafen, hatte nie Probleme gehabt, diesen so liebenswürdigen Sklaven seines Nachbarn zu begrüßen. Schließlich hatten sie doch einen Herrn im Himmel, auch wenn sie auf Erden unterschiedlichen Herren dienten. Der eine war frei und reich, politisch hoch angesehen als Ratsmitglied, der andere war Sklave und mittellos.Welten trennten sie, obwohl sie nebeneinander lebten. Im Gottesdienst war eine neue gemeinsame Welt entstanden.
Doch was er jetzt sah ließ ihn die Hand zur Begrüßung fast zurückziehen. Das Gesicht war verschwollen, der Rücken ließ unter dem sauberen Tuch Narben und Wunden erkennen. Wie war er zugerichtet. Man hatte ihn verprügelt, vielleicht gefoltert. Sein Nachbar war für Willkür bekannt, die er alle spüren ließ, die mit ihm zu tun hatten. Noch neulich hatte er selbst eine Attacke von ihm erlebt. Doch er wusste sich zu wehren. Schließlich war er im Senat. Doch dieser arme Kerl.
Kann ich ihm die Hand geben? Wie stehe ich da? Er leidet, ich nicht. Können wir zusammen singen? Kann so einer in mein Haus? Was hat das für Folgen im Senat, wenn mein Nachbar das erfährt?
Doch gerade heute war ein Schreiben von Paulus angekommen, dem Apostel. Wir wollten Worte aus seinem Brief verlesen. Muss dieser arme Kerl das nicht hören? Wann gibt es eine Lösung für diese Not?

1.2 Das Kyrie war gesungen. Man saß auf schönen Stühlen mit Blick auf Palmen. Der Geschundene stand, wie konnte er hier sitzen? Sein Atem ging laut. Er seufzte. Dann wurden die Worte des Apostels verlesen.
18 Ich bin überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll. 20 Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen ... aber zugleich gab Er ihr Hoffnung: 21 Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. 22 Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt. 19 Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes.

1.3 An diesem Tag ging einer besonders getröstet zurück in sein trauriges zu Hause. Er wusste nicht, was ihn im Haus seines Herrn erwartet. Doch er wusste etwas anderes: Es gibt noch einen Herrn, der mit einem guten Zuhause auf mich wartet. Ob heute, ob morgen, einmal werde ich bei diesem Herrn, bei IHM eintreten. Dann wird offenbar was ich wirklich bin: ein Sohn Gottes. So hatte es der Apostel gesagt. Und noch eins wussten alle. Als der Geschundene den kleinen Vogelkäfig nach draußen nahm, der zur Zierde in der Ecke stand, da hatte er etwas zu dem Tier gesagt. Es klang so etwa wie: Wartest du auch? Und plötzlich hatte es jeder verstanden, was das bedeutete. Alle hatten geschwiegen, sogar der Vogel war verstummt. Wartest du auch? Warten auch Sie?

2.1 Wir erinnern uns an diesem Wochenende des Volkstrauertages an die Gefallenen aller Kriege dieser Zeit und der vergangenen Zeiten. Die Zeiten der Ehrengedenktafeln in den Kirchen sind längst vorbei. Man könnte auch die Anzahl der Gefallenen gar nicht mehr an den Wänden unterbringen, wenn wir nur an die Opfer des zweiten Weltkrieges denken. Und noch immer geben Menschen ihr Leben in Kriegen, auch in unseren Tagen. Wie viele Kriegsopfer haben keine Hoffnung mehr auf ein Zuhause in dieser Welt. Vergänglichkeit, wie es der Apostel nennt, ist auch noch ein Markenprodukt unserer Tage.
Es ist ein Segen, wo Menschen noch natürliche Vergänglichkeit beschert ist. An wie vielen Stellen haben wir aber in unserer Kultur die Vergänglichkeit selbst in die Hand genommen. Und dies oft nicht zum Besten, selbst nicht mal für uns, geschweige denn für die Opfer.
Wer blickt noch hoffnungsvoll nach vorne, wenn er seufzt? Wer hat denn angesichts von Leiden Mut? Wer kann bei dem, was wir der Schöpfung antun, hoffen?

2.2 Ich - sagt Paulus. Er wusste um die Sklavenmärkte. Er wusste um die Römerkriege aus seiner eigenen Heimat. Er wusste, dass die Schöpfung seufzt. Und dennoch sagt er: Ich bin überzeugt. Lassen Sie uns auf die Überzeugung des Paulus schauen um zu sehen, was ihn trägt.

3.1 Zunächst: Sein Trost ist keine Vertröstung. Er sagt nicht: Ach, nicht so schlimm. Er sagt auch nicht: Wird alles schon wieder gut. Die Zukunftsperspektive der Christen ist kein Jenseits - Schwindel wie so oft vorgeworfen und behauptet: Hier schlecht - dafür dort gut. Paulus sagt das nicht.

3.2 Vielmehr nennt Paulus einen konkreten Ort, der auf uns wartet, wo Leid und Not verschwinden und Tränen trocknen. Genauer gesagt ist es eine Stellung, die Christen haben.
Durch Jesus, den Sohn Gottes, sind sie selber Söhne Gottes. Durch Sein Leben in ihnen, werden sie auch Sein Leben äußerlich haben, das Auferstehungsleben. Durch Seine Stellung vor Gott werden auch sie vor Gott stehen. Weil ER im Licht lebt werden sie es auch. Durch IHN sind sie Erstlinge einer neuen Schöpfung, die in Jesus begann.

3.3 Wer diesen Herrn zum Herrn hat, dem ist diese Zukunft jetzt schon zuteil geworden. Die jenseitige Welt sieht das schon. Durch Krankheit, Leid und Not hindurch leuchtet dies Licht der Ewigkeit in ihnen: Einmal wirst du getröstet sein. Durch Unrecht, Krieg und alles Seufzen hindurch klingt in ihnen dieses Lied: Ehre dem Lamm! Und damit gilt das allen, die IHM gehören. Was für eine Stellung!

3.4 Paulus weist bei dieser Hoffnung auf einen interessanten Punkt hin. Der Heilige Geist weckt in uns die Sehnsucht, die nicht nur sie, sondern die ganze Schöpfung auch durchzieht: Wann ist es? Wann wird die Herrlichkeit, die in uns als Kindern Gottes steckt, an unseren Körpern offenbar?
Doch interessant ist: Die unsichtbare Welt sieht zu. Die Schöpfung sieht in jedem Blatt, in jedem Wassertropfen, in jedem Sonnenstrahl auf diesen Punkt: Wann werden endlich Gottes Kinder offenbar? Wann wird die Decke der Vergänglichkeit, die Todesdecke, bei ihnen weggezogen? Warum? Wenn das geschieht, dann ist mit allen Kindern Gottes auch die Schöpfung frei von der Vergänglichkeit. Die Neuschöpfung der Welt beginnt mit der der Kinder Gottes. Christen geben den Startschuss.
19 Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes.
Was für eine Hoffnung!

4.1 Es wäre jetzt fatal, wenn wir daraus die Konsequenz zögen, den Aufgaben unseres Lebens hier zu entfliehen. Wir gehen nie unserer Zeit voraus, auch wenn wir die Ewigkeit und ihre Hoffnung in uns tragen. Doch wir gehen anders mit dem um, was uns vor Füßen liegt.
Wir können die Toten nicht vergessen. Wir werden Sie dem Herrn befehlen.
Wir können die Not nicht übersehen. Wir werden sie im Licht des Herrn vermeiden, lindern und beklagen.
Wir können nicht die Tränen ignorieren. Wir werden trösten wo wir können, weil wir getröstet werden.
Volkstrauertag ist wahrnehmen der Trostlosigkeit der Welt, die uns umgibt. Aber als Christen ist unser Herz nicht stumm. Im Angesicht der vielen ungelösten Fragen klingt eine deutlich hervor: Wartest du auch?

4.2 Natürlich, sagt unser Herz, ich warte. Ich warte mit jeder Kreatur auf dieser Welt. Ich warte auf das Offenbarwerden der Kinder Gottes. Was für ein Fest vor uns.

4.3 Wartest du auch?

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)