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zum Letzten Sonntag des Kirchenjahres, Ewigkeitssonntag
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 21. November 2004,
Letzter Sonntag des Kirchenjahres
Ewigkeitssonntag


Das himmlische Jerusalem

1 Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr. 2 Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen; sie war bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat. 3 Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein. 4 Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen. 5 ER, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu. Und er sagte: Schreib es auf, denn diese Worte sind zuverlässig und wahr. 6 Er sagte zu mir: Sie sind in Erfüllung gegangen. Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende. Wer durstig ist, den werde ich umsonst aus der Quelle trinken lassen, aus der das Wasser des Lebens strömt. 7 Wer siegt, wird dies als Anteil erhalten: Ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein.

Offenbarung 21, 1-7

Liebe Gemeinde!

1.1 Unser heutiger Predigttext beschäftigt sich mit der Zukunft der Christen. Dabei geht es nicht nur um das Weiterleben nach dem Tod, sondern vielmehr um die gemeinsame Zukunft aller Toten und uns noch lebenden Menschen.

1.2 Worum es dabei geht wurde in den letzten Tagen an einem Thema deutlich, das sogar die Weltpolitik beschäftigte. Sie erinnern sich, dass es viele Fragen gab, die den Tod und die Beerdigung von Arafat begleiteten. Eine davon war, wo er beerdigt werden würde. Und da gab es gleich wieder Krach. Natürlich in Jerusalem auf dem Tempelberg, sagten die Palästinenser. Um nichts in der Welt dort, sagten die Israelis. Noch im Tod flammte der Streit auf. Israel setzte sich durch. Aber warum eigentlich?

1.3 Hier geht es um einen Punkt, den selbst die Christen verstehen, auch wenn sie vielleicht andere politische Konsequenzen ziehen mögen. Jerusalem, der Tempelberg, manchmal auch der Zion, sind gleichsam geschützte Begriffe. Für die Juden sind sie damit auch geschützte Orte, weil Name und Ort nicht auseinander fallen können. Jerusalem steht nicht nur für eine Vergangenheit, nicht nur für eine augenblickliche Gegenwart. Jerusalem steht für eine Zukunft. Im Judentum wird das in dem Gruß deutlich: Wiedersehen - das nächste Mal in Jerusalem. Und bei Christen klingt diese Zukunft in vielen Liedern an, z.B. in dem Choral: Wachet auf ruft uns die Stimme ... . Von zwölf Perlen sind die Tore, an Deiner Stadt wir stehen im Chore der Engel hoch um Deinen Thron.

1.4 Jerusalem ist irdisches Abbild für die himmlische Zukunft. Wie im Sakrament der Christen ein Vorgeschmack auf das himmlische Festmahl gefeiert wird, so ist Jerusalem ein Vorgeschmack auf die neue Schöpfung, die uns erwartet.
Deswegen gibt es so viele Freudenlieder über Jerusalem, der Stadt, wo schon so viel Blut floss. Was einmal in der Zukunft von Gott her sein wird mit unserer Welt, das ist als ein Vorabdruck festgehalten, als vorläufiges Abbild. Für dieses Abbild steht Jerusalem. Dieses Abbild ist unzerstörbar.
Gott wohnte dort. Man glaubt, dass ER heute dort wohnt. Aber am wichtigsten: Es ist ein Zeichen für die zukünftige Wohnung Gottes unter Menschen. Deshalb darf keiner das Bild von Jerusalem für etwas anderes nutzen. Das wären fremde Opfer auf dem Altar des Glaubens. Die Gefäße des Sakraments dürfen schließlich auch nicht für andere Dinge genutzt werden. Genauso muss Jerusalem geschützt bleiben. Das ist wie ein Gottesdienst.
Wir sehen welche Probleme und Überzeugungen hinter politischen Auseinandersetzungen stehen.

1.5 Doch wir wollen heute fragen, was für Christen mit diesem Bild gemeint ist. Wofür steht Jerusalem für Christen? Was bedeutet es, wenn in den Zukunftsvisionen des Johannes dieses Bild aus dem Judentum aufgenommen wird? Was ist das himmlische Jerusalem?

2.1 Eine Vision ist eine Mitteilung von Gott in besonderer Gestalt. Sie unterliegt in der Regel nicht den Raum-Zeit Koordinaten. Sehr wohl aber unterliegt sie der Herrschaft des Geistes, der auf einen besonderen Punkt hinweisen will. Sie ist das Zeugnis des Geistes Jesu. So ist es auch hier.

2.2 Es kommt eine Zeit, so wird gesagt, da wird das himmlische Jerusalem auf die Erde kommen. Dann werden der gegenwärtige Himmel und die augenblickliche Schöpfung ihr Ende gefunden haben. Warum? Weil Gottes Gegenwart dann anders da ist als jetzt. Nicht mehr gebrochen. Nicht mehr unter Tränen, Tod und Trauer. Sondern neu und direkt wird Gott unter Seinem Volk wohnen. Was im Tempel von Jerusalem im Allerheiligsten lebte, Seine unmittelbare Gegenwart, das wird dann im Alltag dieser neuen Schöpfung passieren. Gott wohnt nebenan.

2.3 Und einige Dinge sind in dieser neuen Schöpfung nicht mehr da: Diese drei großen Themen unserer Schöpfung: T - T - T. Tränen, Tod, Trauer. Sie sind abgelöst. Tränen, Tod und Trauer haben Hausverbot: Zutritt verboten. Einmal korrigiert Gott die Vergänglichkeit der Schöpfung. Dann ist die Vergänglichkeit selbst vergangen.

2.4 Wir verstehen, warum Christen am Ewigkeitssonntag sich dieser Worte besinnen. Was für eine Hoffnung tut sich da auf! Was für eine Zukunft!
Am Ende unseres Lebens sind wir zwar umgeben von der Finsternis des Todes. Doch das wird nicht unsere ewige Heimat sein. Wer zu dem Herrn gehört, der wird auch mit IHM leben. Wie? Vor IHM. Wo? Im himmlischen Jerusalem. Wo wird das sein? Einmal selbst hier auf Erden. Am Ende dieser Schöpfung, wenn Himmel und Erde vergehen, werden ein neuer Himmel und eine neue Erde entstehen. Und der Kern dieser neuen Schöpfung ist das himmlische Jerusalem, der Ort wo Gott wohnt. Der wird die alte Schöpfung und den alten Himmel ablösen. Ein gewaltiges neues Zuhause wird für uns da sein. Keine Tränen, kein Tod, keine Trauer.

2.5 Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie fest bleiben, die Stadt Gottes. Solche und ähnliche Verheißungen über die Stadt Gottes haben alle ihre Vollendung noch vor sich. Ihre Verheißung ist erst geweckt, aber noch nicht erfüllt. Das himmlische Jerusalem ist noch nicht da. Solange das der Fall ist, muss das irdische Vorbild geschützt werden. Das Beste aber steht noch aus. Wir werden es erfahren, wenn wir hier gehen. Deswegen heißt der Totensonntag bei Christen Ewigkeitssonntag: Das Beste steht noch aus, das himmlische Jerusalem.

2.6 Es ist übrigens interessant, dass die Nähe Gottes am Anfang der Bibel, das Paradies, mit einem Garten beschrieben wird. Der Anfang der neuen Schöpfung und der Nähe Gottes bei den Menschen aber ist kein Garten, sondern die Stadt. Und diese Stadt umschließt den Garten mit wunderbaren Bäumen, dem Wasser und Lebens, und hat doch viele Wohnungen. Was für ein Fortschritt.
Und was könnten wir für unsere Städte daraus lernen.

3.1 Und heute geben wir unsere Toten noch einmal Raum in unseren Herzen. Was sie waren und was sie nicht waren, woran wir hängen und was an uns hängt - das alles lebt in uns. Wie finden wir darüber Frieden? Wie finden sie, die Toten, Frieden?

3.2 Der Abschied will gelebt sein. Und oft hat er sein eigenes Gesicht. Nur wer selber trauerte kennt diese Wege, die das Herz durchlebt, um sich zu lösen und am Ende das zu bewahren, was gut war und was bleibt.

3.3 Doch ganz entscheidend ist, in welchem Horizont der Abschied stattfindet, was unsere Hoffnung ist für uns und auch die Toten.

3.4 Wir haben heute dieses Zeichen für uns gewählt: Ein schwarzes Tuch des Todes. Darinnen leuchtet hell das gelbe Kreuz, Erlösung unseres Herrn. Sein Tod durchbrach die dunkle Macht des Todes. Und mittendrin steht dieses Kerzenlicht. Sein Leuchten sagt: Und dieser Herr, ER lebt. ER sagt: Auch heute gilt euch Mein Sieg.

3.5 Wo wir die Namen unserer Toten IHM hinlegen, da steht ER ein, da ist ER da, da liegen sie in Seiner Hand. Da hat Sein Frieden Raum.
Und das ist doch der schönste Horizont, den wir als Christen kennen: Wenn unsere Toten bei IHM aufbewahrt sind, wenn wir sie IHM ganz überlassen.

4.1 Denn dieser Jesus ist der Herr auch in der zukünftigen Welt. Von IHM heißt es in unserem Text:
5 Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ICH mache alles neu. ER ist der Herr des himmlischen Jerusalem. ER ist der Erste dieser neuen Schöpfung. Mit IHM sind wir und unsere Toten auch dabei, wenn Seine neue Welt anfängt. Mit IHM kommt diese Zukunft.

4.2 Deswegen halten Christen sich ganz nah an diesen Herrn, für jetzt, doch genauso für die Zukunft. Was sie erwarten kommt mit IHM.
Mit diesem Zeichen haben wir es bekräftigt: Unsere Toten mögen in IHM ruhen.

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)