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zum Ersten Sonntag im Advent
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 28. November 2004,
Erster Sonntag im Advent


Pastorenschelte

5 Seht, es kommen Tage - Spruch des Herrn -, da werde ich für David einen gerechten Spross erwecken. Er wird als König herrschen und weise handeln, für Recht und Gerechtigkeit wird er sorgen im Land. 6 In seinen Tagen wird Juda gerettet werden, Israel kann in Sicherheit wohnen. Man wird ihm den Namen geben: Der Herr ist unsere Gerechtigkeit. 7 Darum seht, es werden Tage kommen - Spruch des Herrn -, da sagt man nicht mehr: So wahr der Herr lebt, der die Söhne Israels aus Ägypten heraufgeführt hat!, 8 sondern: So wahr der Herr lebt, der das Geschlecht des Hauses Israel aus dem Nordland und aus allen Ländern, in die er sie verstoßen hatte, heraufgeführt und zurückgebracht hat. Dann werden sie wieder in ihrem Heimatland wohnen.

Jeremia 23, 5-8

Liebe Gemeinde!

1.1 Der Advent ist geprägt vom Entzünden der Lichter auf dem Adventskranz. Wenn es vier sind vor Weihnachten, dann ist seit jeher ein Zeichen für die verschiedenen Wege zur Vorbereitung auf die Erwartung des Herrn. Der Erste Advent, der erste Wegweiser, trägt die Aufschrift: Sieh! Pass auf was kommt! Achtung!
Unser öffentliches Leben ist von solchen Aufrufen durchzogen. Jede Werbung versucht im Wettkampf der Konkurrenz die Aufmerksamkeit zu gewinnen. Dagegen lässt sich das Adventslicht eher schlicht und klein an.
Pass auf! Heißt es. Worauf sollen wir achten?

1.2 Die größte Aufmerksamkeit wird in unserer Zeit dadurch erreicht, dass berühmte Leute in die Kritik gebracht und öffentlich Fehler aufgedeckt werden. Die Wirksamkeit ist so groß, dass man manchmal denkt, dieses Instrument wird bewusst eingesetzt, um für eine Partei, eine Firma Werbung zu machen. Eine öffentliche Hinrichtung macht was her. Man ist wieder im Gespräch. Das Opfer zählt nichts im Vergleich zum Nutzen.

1.3 Auch wenn dies bei unserem Bibelwort bestimmt nicht gemeint ist, so verwundert es doch, dass hier auch öffentlich Kritik gemacht wird. In einer Zeit etwa 600 Jahre vor Christi Geburt, wo das Volk Israel vor seiner Deportation in babylonischer Gefangenschaft stand - dem heutigen Irak - , da trat der Prophet Jeremia auf und sparte nicht mit Worten öffentlicher Kritik. Er legte es nicht auf Publicity an, vielmehr riskierte er Kopf und Kragen mit seinen Worten.

1.4 Was er tat war damals außerordentlich ungewöhnlich. Er übte Pastorenschelte. Nicht von der Kanzel herab wurde den Leuten die Leviten gelesen. Vielmehr sprach der Prophet in umgekehrte Richtung vom Volk zum Priester - und das noch öffentlich.

1.5 Sie können sich vorstellen, was da damals los war. Die einen waren entsetzt: So was geht doch nicht! Die anderen schmunzelten und dachten: Na endlich! Jetzt wird auch mal denen da oben gesagt, was dran ist. Und die da oben? -
Vielleicht machen wir das ja auch mal, dass wir die Verhältnisse hier umdrehen. Die Kanzel steht bei Ihnen und ich höre zu.
Doch heute machen wir das noch nicht. Heute habe ich noch Schonfrist. Ich will mir vielmehr mit Ihnen zusammen erst einmal anhören, was die Pastorenschelte damals ausmachte. Nebenbei kann ich so sehen, was für mich dabei noch übrig bleibt und was das alles mit Advent zu tun hat.

1.6 Wir schauen also auf unseren Text mit der Frage: Pastorenschelte zu Advent. Was läuft denn schief?

2.1 1 Weh den Hirten, die die Schafe meiner Weide zugrunde richten und zerstreuen - Spruch des Herrn.
2 Darum - so spricht der Herr, der Gott Israels, über die Hirten, die mein Volk weiden: Ihr habt meine Schafe zerstreut und versprengt und habt euch nicht um sie gekümmert. Jetzt ziehe ich euch zur Rechenschaft wegen eurer bösen Taten - Spruch des Herrn.

Das sind die Worte des Propheten. Die Kritik ist vernichtend. Was ist der Vorwurf? Hirten sind keine Hirten. Die, die weiden sollen, zerstreuen. Die, deren Aufgabe die Betreuung ist, kümmern sich um nichts. Heute sagte man: Kernaufgabe verpasst.

2.2 Das ist keine schöne Rede. Denn es geht nicht um Missstände, die es zu überwinden gilt. Es geht um ein paar Fehler, die zu korrigieren wären. Es geht nicht um Charakterfehler, die dem eigentlichen Wirken im Weg stehen. Es geht vielmehr darum: Pastoren sind keine Pastoren mehr. Der Kern der Kirche ist verdorben. Die zentrale Linie hat sich verloren und bewirkt das Gegenteil.
Und um noch eins hinzuzugeben: Auch Gott sieht dies nicht anders. ER selbst wird strafend eingreifen und von den Leitenden Rechenschaft fordern für den Schaden an Seinem Volk.

2.3 Es lässt sich leicht ahnen, dass dies keine fröhlichen Echos hervorrief. Wer so zentral angreift muss schon wissen, was er tut.
Und Jeremia wusste es. Den Worten folgt auch die Begründung. Was haben denn die Leitenden versäumt? Was taten sie denn nicht, was fehlte? Aus dem was folgt wird deutlich, worum es geht. Gott selber gibt die Antwort:
4 ICH werde für sie Hirten bestellen, die sie weiden, und sie werden sich nicht mehr fürchten und ängstigen und nicht mehr verloren gehen - Spruch des Herrn.
Mit anderen Worten: Pastoren waren nicht mehr Pastoren für den Herrn. Die Arbeit, die sie machten, geschah nicht mehr für IHN. Was sie bestellten, was sie bewegte, was sie sonst planten, das alles war für sie und nicht mehr für den eigentlichen Herrn des Volkes Gottes.

2.4 So nahmen sie sich nur noch ihrer selber an, nicht mehr dem, dem sie eigentlich dienen. Sie leiteten das Volk des Herrn für sich und nicht für IHN. Umkehrung aller Werte: Pastoren auf eigener Weide. Wer dient hier wem? Der Diener lässt sich bedienen.

3.1 Ist das so fremd? Verstehen wir das?
Ich brauche hier nicht lange auf ein Echo warten. Ein jeder kennt das. Und wenn das auch nicht nur die Kirche trifft, weil überall Kontrolle über Leitende misslingt und mancher Führende als erstes sich bedient, so ist es in der Kirche doch besonders schlimm.

3.2 Der Glaube ist für diesen Missbrauch ganz besonders anfällig. Denn fließt kein Segen mehr, dann trifft dies auf so vieles, dann geht so viel im Leben schief, wird arm, verdirbt. Ein Fünkchen Segen wirkt in alles, von den Beziehungen bis hin zum Konto und dem Garten. Nichts wird vom Segen ausgeschlossen. Nichts schadet allerdings auch so, wie wenn die grünen Auen fehlen, auf die der Herr uns leitet. Wenn Pastoren sich nur selbst bedienen, wenn Segen stoppt, was soll dann werden?

4.1 Doch hier breche ich ab. Es ist erstaunlich, dass das Wort des Herrn dies auch tut.
Wir würden ja so gerne weiter schimpfen. Doch hier wird nur lakonisch festgestellt, dass dieser Schaden den Pastoren vom Herrn selbst angerechnet wird. Wir können unsere Rachegedanken, die wir alle so gerne haben, also getrost einpacken. Der Herr selbst bleibt der Richter. Kein anderer hat dazu Recht. Es ist Sein Volk.

4.2 Es ist erstaunlich, dass der Text nun eine andere Wende nimmt. Und da unterscheidet er sich von den Enthüllungsstrategien der Gegenwart. Es wird nicht weiter lamentiert. Der Herr steht auf und macht es besser. ER selbst nimmt diese Sache in die Hand. ER sagt: Ich will Mich Meiner Herde selber annehmen.

4.3 Und dann folgt Punkt auf Punkt, wo ER es tut:
4 ICH werde für sie Hirten bestellen, die sie weiden, und sie werden sich nicht mehr fürchten und ängstigen und nicht mehr verloren gehen - Spruch des Herrn. -
ER spricht Berufungen aus, die wirken und zum Guten leiten.
5 Seht, es kommen Tage - Spruch des Herrn -, da werde ich für David einen gerechten Spross erwecken. Er wird als König herrschen und weise handeln, für Recht und Gerechtigkeit wird er sorgen im Land. -
ER wird einen Erlöser schenken, der ein gerechter Spross ist, keine faule Wurzel, kein fauler Stamm.
6 Man wird ihm den Namen geben: Der Herr ist unsere Gerechtigkeit. -
ER wird auf den Herrn hinweisen und nicht den Glauben auf die eigenen Sachen lenken. Die Gerechtigkeit des Herrn wird so erhöht.

5.1 Jetzt sind wir plötzlich an einer anderen Stelle. Wir merken, dass der anfängliche Aufhänger der Pastorenschelte überging in eine ganz andere Frage. Der Herr hat etwas getan: ER hat einen Weg bereitet. Ohne unser Dazutun hat ER gehandelt. Wir alle sind Empfänger, ob Kanzelredner oder Hörer. Wir sitzen alle vor IHM im gleichen Boot.

5.2 Der Herr hat selbst in Jesus ein Licht angezündet. Kein Mensch kann mehr verhindern, dass ER sich damit Seines Volkes selber angenommen hat.
Die Berufung ist schon ausgesprochen: Erlöser Meines Volkes.
Der gerechte Spross ist längst gewachsen. ER als Baum des Lebens trägt Früchte des Lebens.
Die Gerechtigkeit des Herrn hat Jesus groß gemacht. Ein jeder kann Vergebung finden.
Kein Pastor steht hier mehr im Weg. Auch wenn ER helfen kann. Jesus ist Pastor, der gute Hirte.
Kein Hörer steht abseits. Auch wenn viel im Weg stehen mag. Kommt her zu Mir, sagt dieser Herr.

5.3 Aufgepasst! Worauf? Der Weg ist frei. Bei aller Schelte, die es geben mag. Der Herr hat es gemacht. Das ist Erster Advent.


Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)