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zum Zweiten Sonntag im Advent
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 5. Dezember 2004,
Zweiter Sonntag im Advent


Wann ist Endzeit?

1 Als Jesus den Tempel verlassen hatte, wandten sich seine Jünger an ihn und wiesen ihn auf die gewaltigen Bauten des Tempels hin. 2 Er sagte zu ihnen: Seht ihr das alles? Amen, das sage ich euch: Kein Stein wird hier auf dem andern bleiben; alles wird niedergerissen werden.
3 Als er auf dem Ölberg saß, wandten sich die Jünger, die mit ihm allein waren, an ihn und fragten: Sag uns, wann wird das geschehen, und was ist das Zeichen für deine Ankunft und das Ende der Welt?
4 Jesus antwortete: Gebt acht, dass euch niemand irreführt! 5 Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin der Messias!, und sie werden viele irreführen. 6 Ihr werdet von Kriegen hören, und Nachrichten über Kriege werden euch beunruhigen. Gebt acht, lasst euch nicht erschrecken! Das muss geschehen. Es ist aber noch nicht das Ende. 7 Denn ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das andere, und an vielen Orten wird es Hungersnöte und Erdbeben geben. 8 Doch das alles ist erst der Anfang der Wehen. 9 Dann wird man euch in große Not bringen und euch töten, und ihr werdet von allen Völkern um meines Namens willen gehasst. 10 Dann werden viele zu Fall kommen und einander hassen und verraten. 11 Viele falsche Propheten werden auftreten, und sie werden viele irreführen. 12 Und weil die Missachtung von Gottes Gesetz überhand nimmt, wird die Liebe bei vielen erkalten. 13 Wer jedoch bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet.
14 Aber dieses Evangelium vom Reich wird auf der ganzen Welt verkündet werden, damit alle Völker es hören; dann erst kommt das Ende.

Matthäus 24, 1-14

Liebe Gemeinde!

1.1 Die Adventssonntage haben alle ihr Thema. Der Erste Advent zündete das Licht an: Achtung!, Aufgepasst!, hieß es. Achte auf das Wesentliche, den Herrn, der gekommen ist. Der Zweite Advent weist auf das zweite Kommen des Herrn.
Was ist mit der Endzeit? Leben wir nicht nur in der Gewissheit, dass ER gekommen ist, sondern in der Erwartung Seines Wiederkommens? Darum geht es heute.

1.2 Nichts ist so gefährlich wie ein Endzeitglaube. Die Schwärmer in Münster haben damit in der Reformationszeit einen Gottesstaat aufzurichten versucht. Die Nazis haben das Wort entlehnt für einen Endsieg, den sie erwarteten. Und viele Christen haben nach 2000 Jahre Warten einfach aufgegeben. Noch nicht einmal frustriert, sondern viel mehr nüchtern legen sie die Endzeiterwartung der ersten Christen als zeitbedingtes Rahmengeschehen der damaligen Welt heute ab. Ein bekannter Theologe formuliert das so: Die junge Gemeinde erwartete den wiederkommenden Herrn, aber was kam war die Kirche.

1.3 Was bedeutet dann aber die Botschaft aus dem Glaubensbekenntnis: ... von dannen ER kommen wird zu richten die Lebenden und die Toten? Wovon spricht die Wiederkunft Jesu? Wie spricht ER selbst davon? Und was bedeutet sie für uns Glaubende? Diesen Fragen wollen wir anhand unseres Textes nachgehen.


2.1 Wann ist eigentlich Endzeit?
In unseren Tagen redet mancher angesichts von weltweiter Bedrohung vom Ende unserer Welt. Gemeint ist damit, dass unsere Möglichkeiten der Entwicklung stets auch Möglichkeiten der Zerstörung sind. Man kann eben mit einem Handy bei einem Unfall um Hilfe rufen. Und man kann mit ihm genauso eine Bombe zünden. Ein Infusionsgerät kann unser Leben retten auf der Intensivstation. Und es kann unser Leben in qualvoller Weise verlängern, so dass das Sterben zur Folter wird. Wir haben Waffen, mit denen wir den Frieden sichern. Und gleichzeitig vernichten wir mit ihnen unseren Frieden und noch viel, viel mehr.
Viele sprechen deshalb von der Endzeit, weil wir heute unserer Welt ein Ende bereiten könnten in Vernichtung. Das konnten wir so noch zu keinem Zeitpunkt der Geschichte. Doch ist das Endzeit?

2.2 Viele meinen, noch nie habe es in so geballter Form Katastrophen gegeben. Seuchen seien noch nie weltweit so fähig gewesen, sich auszubreiten. Erdbeben erschütterten überall unseren Globus. Überschwemmungen seien so häufig, dass wir sie kaum noch zur Kenntnis nähmen. Die Erde schlage zurück für das, was wir ihr angetan haben. Die versenkten Abfälle spülten ihr Gift zurück an die Strände. Die Schadstoffe dichteten unsere Atmosphäre ab und ließen uns im eigenen Mief ersticken. Wir bauten kräftig an unserem Ende. Ist das die Endzeit?

2.3 Noch nie so häufig wie in unserer Zeit wird weltweit Frieden propagiert. Die Weltordnung einer zivilisierten Menschheit mit Wohlstand und Freiheit für alle - darum geht es bei fast jeder Konferenz, bei fast jeder Begründung eines Friedensplanes oder auch eines Krieges. Irreführung noch und noch. Wem kann man glauben? Was dient denn wem wozu? Wer weiß Bescheid? Sind wir nicht alle blind im Angesicht von dem, was wirklich abläuft? Wer ist nicht irregeleitet? Ist das die Endzeit?

2.4 Ich könnte weitermachen. Doch es ist nicht nötig. Sie wissen selbst. Wer so anfängt zu fragen kommt bald an den Punkt, wo er selbst nicht mehr weiter kann. Und dann ist das Ende der Vorstellung da. Doch ist unser Ende unserer Vorstellung auch schon Endzeit?


3.1 So ging es auch den Jüngern damals. Wie oft sagt Jesus hier etwas, was ER wie eine Vision vor Seinem inneren Auge sieht. Der Tempel in Jerusalem. Ein gewaltiges Bauwerk, das Herodes wieder errichten ließ zum Prunk seines Reiches und zur Festigung Seiner Herrschaft. Und Jesus sieht die riesigen Steinquader. Doch sie werden nicht in genialer Weise aufeinander gebaut. Sie liegen wie Ruinen am Boden. Rauch zieht über die Trümmer. Amen, ICH sage euch, kein Stein wird hier auf dem anderen bleiben. So Jesu Worte. Eine Generation später war dieser Zeitpunkt da.

3.2 Für die Jünger war das das Ende ihrer Vorstellung. Deswegen ihre Frage an Jesus: Ist das das Ende? Was kann denn dann noch kommen?


4.1 Und Jesus erklärt. Gebt Acht! Sie erinnern sich: Erster Advent. Worauf? Und dann zählt Er auf, was alles kommen wird.
Sie werden euch irreführen, sie werden dies tun als wären sie der Messias. Es ist aber noch nicht das Ende. Ihr werdet von Kriegen hören. Lasst euch nicht erschrecken. Es ist aber noch nicht das Ende.
An vielen Orten wird es Hungersnöte und Erdbeben geben. Es ist aber noch nicht das Ende.
Man wird euch in große Not bringen und euch töten und um meines Namens willen hassen. Es ist aber noch nicht das Ende.
Die Missachtung von Gottes Gesetz wird überhand nehmen und die Liebe wird in vielen erkalten. Es ist aber noch nicht das Ende.

4.2 Nach Jesus kommt das Ende überhaupt nicht aufgrund von Katastrophen oder schrecklichen Ereignissen. Weil etwas auf unserer Welt zu Ende geht, deswegen ist nicht Endzeit oder das Ende da.
Christen, die Jesus folgen, sind deswegen im Kern keine Apokalyptiker, Menschen also, die auf Katastrophen schauen. Schrecken sind nach Jesus nur Wegbegleiter für etwas anderes, auf das Christen schauen. Und sie tun das so intensiv, dass sogar die Schrecken ihre Schrecken verlieren, meint Jesus.

5.1 Worauf schauen also Christen? Sie schauen nicht auf das Ende der Welt, sondern auf das Kommen des Herrn. Für sie ist nicht Endzeit das erste Thema, sondern die Wiederkunft Jesu. Nicht die Schrecklichkeiten bestimmen über das Ende unser Welt, sondern Sein Kommen wird das Ende setzen.

5.2 Einen Hinweis darauf gibt Jesus in unserem Wort. Den würden Menschen mit Untergangsstimmung nie in diesen Zusammenhang bringen. ER sagt: (14) Und das Evangelium wird auf der ganzen Welt verkündet werden, damit alle Völker es hören. Dann erst kommt das Ende.
Mit anderen Worten: Die Botschaft der Gnade für alle soll allen gebracht sein, für jeden zugänglich, in jedem Herzen eine Chance bekommen haben. Das ist Endzeit. Jeder erhält die Chance zum Glauben an den Herrn. Das ist die Voraussetzung für das Ende. Dann kann ER kommen, um Gottes Herrschaft für alle in Herrlichkeit aufzurichten.

5.3 Was ist das für eine Deutung der Endzeit. Es gibt ein Ende, sagt Jesus. Unbestreitbar.
Doch was ist die Zeit bis dahin, was ist Endzeit? Nicht die Untergangsstimmung versetzt uns dort hinein. Vielmehr die Verkündigung Seines Heils, Seiner Liebe, Seines Siegs über Tod und Sünde am Kreuz. Die machen unsere Zeit zur Endzeit.
Wann ist Endzeit? Wenn Evangelium geschieht.
Wo ist Endzeit? Hier, in der Verkündigung Seines Wortes und Feier Seiner Gegenwart.
Die Endzeituhr Gottes tickt nach den Sekunden des praktizierten Evangeliums, nicht nach den Sekunden der Apokalypse. Das ist Jesu Botschaft.

5.4 Wann also hat die Endzeit begonnen? Zu Ostern. Mit der Verkündigung des Auferstandenen. Und wann endet sie? Wenn ER kommt in Herrlichkeit. Und was ist mit den Untergangserfahrungen? Die werden kommen, sagt Jesus. Doch das ist noch nicht das Ende.

5.5 So lassen sie uns dies heute als innere Unterscheidung für unseren Glauben lernen, nicht auf das Ende zu sehen von manchem, was uns umgibt und wo wir drin stecken. Vielmehr sehen wir als Christen auf den Herrn, der kommt. Und mit jedem Augenblick dieses Glaubens rücken wir Seiner Wiederkunft näher.
Das ist leben im zweiten Advent.


Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)