Deutschsprachiges Evangelisches Pfarramt an der Costa del Sol - online
Startseite

Grußwort

Gottesdienste

Predigten

Predigtplan

Gottesdienste
passiert...notiert...
und Fotos
Veranstaltungen
Wissenswertes
Kontakt und Anreise

 <>< Predigt
zum Vierten Sonntag im Advent
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 19. Dezember 2004,
Vierter Sonntag im Advent


Maria - Martha des Glaubens

26 Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret 27 zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. 28 Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. 29 Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. 30 Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. 31 Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. 32 Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. 33 Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.
(34 Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? 35 Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. 36 Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. 37 Denn für Gott ist nichts unmöglich.)
38 Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.

Lukas 1,26-33.(34-37).38

Liebe Gemeinde!

1.1 Der vierte Advent gehört ganz der Maria.

1.2 Wie viele Menschen tragen besonders hier in Spanien ihren Namen oder Namen, die mit Maria zu tun haben: Unbefleckte Empfängnis, Rosenkranz, Schmerzensreiche. Menschen werden nach Orten benannt, an denen Maria Menschen erschienen ist. Maria steht als Statue in allen Kirchen, vielen Bars, häufig in Geschäften. Man findet sie in Häusernischen. Fast immer ist sie reich mit Blumen geschmückt.
Jedes Dorf feiert seine Maria. Meist dauert das eine Woche. Und dann steht alles still. Schulen sind geschlossen und auch Geschäfte. Alles ist auf den Beinen, wenn die öffentliche Messe für Maria zelebriert wird. Dieses Land ist durchzogen von Traditionen, die Maria gewidmet sind. Während der Karwoche wird sie kostbar gekleidet mit echtem Schmuck versehen und auf großen Silberthronen durch die Straßen getragen. Es ist eine Ehre, als Mitglied einer Bruderschaft daran beteiligt zu sein. In Malaga kostet ein Tribünenplatz am Straßenrand mehr als Karten für ein Fußballländerspiel. Die Menge liebt, Maria zu feiern. Viva! tönt der Ruf laut zu der Himmelskönigin. Heil! Leben!
Was bewegt Menschen, ob jung oder alt, sich diesen Bräuchen hinzugeben? Was macht Maria für sie aus?
Wir hören: Maria schützt. Maria betet stellvertretend für uns Menschen. Maria versteht Kummer, Trauer. Sie gibt Hoffnung. Maria ist die gute Mutter. Sie ist da. Für diese Treue wird sie hoch verehrt.

1.3 Und was finden wir von dem allen in der Bibel wieder?
Unser heutiger Text gibt uns Einblick in ihr Leben, in ihren Glauben. Es sind die berühmten Verse des Rosenkranzgebetes, des Rosario. Nahezu jedes spanisches Kind, das mit katholischen Glauben zu tun hat, lernt diese Worte als erstes auswendig. Was sagen sie von ihr für uns?

2.1 Maria hatte wohl die schwierigste Glaubensarbeit in der ganzen Weihnachtserzählung. Sie trug das größte Risiko. Wieso? Sie sollte den Sohn Gottes leibhaftig als Baby zur Welt bringen. So lautete die Botschaft des Engels. Das ist zwar großartig, so etwas zu hören. Aber was ist, wenn der Engel wieder weg ist? Wie spricht dann das eigene Herz?

2.2 Ich kann mir vorstellen, dass es in ihr nur so getobt hat. Und der erste klare Gedanke mag gewesen sein: Du spinnst. Du kannst gar nicht schwanger sein. Du hast mit keinem geschlafen. Oder: Wenn du jetzt schwanger bist, wer hat dich denn geschwängert? Ist vielleicht doch etwas passiert als du beim letzten Mal mit Josef zusammen warst? Und der nächste Gedanke: Nein. Gott ist kein normales Baby. Das kann nicht sein, dass Gottes Sohn als Mensch geboren wird. Und: Das in mir. Unmöglich. Und die nächste Frage: Habe ich mich im Engel vielleicht getäuscht? Mit Sicherheit. Wieso sollte ein Engel gerade zu mir kommen. Und danach: Woran kann ich sehen, dass das stimmt? Eigentlich hätte Maria eine Martha des Glaubens heißen müssen. Soviel hatte sie an Fragen und Zweifeln zu tragen. Sie tat es. Und wir sehen an ihr, was Glauben ist.

2.3 Stets geht es um die Schritte: Gottes Botschaft zu vertrauen. Und dann beißt sich diese mit Erfahrungen unserer Wirklichkeit - da war Maria Weltmeisterin, so etwas zu erleben: schwanger von Gott. Und der Glaube lässt los, nicht Gott und Seine Verheißung, sondern sich und Vorstellungen der eigenen Wirklichkeit. Und dann beginnt der Absturz: Habe ich es vielleicht doch falsch gemacht? Bricht jetzt alles zusammen? Stürze ich jetzt ins Bodenlose? Glauben ist schrecklich. Ich habe nichts in der Hand. Und dann folgt das Empfangen. Das Wort des Herrn ist wahrhaftig. Was ER zusagt, das hält ER gewiss. Ich bin gehalten.
Stets sind das Glaubensschritte. Gott geht sie mit uns, damit unser Herz sich löst von uns und fest wird im Vertrauen auf IHN. Doch mittendrin ist das nicht klar. Zweifel ist der ständige Begleiter Glaubender. Maria kann davon ein Lied singen. Sie wurde am meisten erprobt. Sie hatte die schwerste Glaubensarbeit aller Christen. Sie musste als erstes lernen zu glauben, dass Gottes Sohn in ihr ist. Und dies sogar noch leiblich.


3.1 Seit Maria folgen Christen ihr in dieser Glaubensarbeit. Denn wenn in der Regel auch keinem ein Engel erscheint oder eine Jungfrauengeburt ansteht, so ist doch jedem Christen in der Taufe gleiches zugesagt. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Der Sohn Gottes wohnt in dir. Deshalb bist Du auch ein Kind Gottes.


3.2 Und dann geht es los. In mir ist der Herr? Vielleicht Sein Wort, vielleicht Sein Anspruch, vielleicht ein Fünkchen Glauben an IHN. Doch ER selbst? In mir? Bitte, lassen wir die Kirche im Dorf. Kann das überhaupt sein. Wie sollte der große Gott in mir elenden armen Sünder auftauchen. Und wenn es so wäre, woran sollte ich sehen, dass das stimmt? Haben sich nicht vielleicht alle getäuscht, die so etwas ernsthaft annehmen.
Merken wir, das sind Mariafragen. Wer anfängt, neues Leben von Gott in sich zu glauben und es vom Herrn anzunehmen, bei dem wird diese Glaubensarbeit einsetzen. Maria Arbeit.

4.1 Nun ist es gut zu wissen, wie Maria damit umgeht. Denn das Besondere an Maria ist, dass sie damit fertig wird. Sie wird es, weil sie Ja sagt. (38) Mir geschehe wie du gesagt hast, war ihre Antwort. Weil sie Ja sagte wurde sie zur Himmelskönigin.

4.2 Das war kein Ausrutscher, sondern schon Teil ihres Glaubens.
Sie sagte ja zur Schwangerschaft von Gott: Meine Seele erhebt den Herrn.
Sie sagte ja bei der Geburt des Herrn: ... und Maria behielt alle diese Worte in ihrem Herzen.
Sie sagte ja bei der Darstellung im Tempel: ... ein Schwert wird durch deine Seele gehen. Maria staunte.
Sie sagte ja beim Verlust des 12-jährigen Jesus im Tempel: ... seine Mutter bewahrte alles.
Sie sagte ja bei der Abfuhr beim Weinwunder in Kana: Es ist noch nicht die rechte Zeit. Maria: Tut alles.
Sie sagte ja beim Tod von Jesus am Kreuz: Maria aber stand dabei.
4.3 Das Ja zu Gottes Wegen ist die Glaubenshaltung der Maria. Und mit diesem Ja kann Gott sie gebrauchen. Stets muss sie loslassen. Und stets setzt sich Gott damit durch. Stets erfüllt sich so Seine Verheißung. Maria steht nicht im Weg. Maria ist ein Weg für Gott.

5.1 Vielleicht haben Menschen sie deshalb auch zur Himmelskönigin gemacht, weil sie eine über sich haben wollen, die Königin im Dienen ist, die Gott zustimmt und Ja sagt, wo andere weglaufen. Die im Zweifel nicht stecken bleibt, sondern deren Glaube so groß ist, um Gottes willen alles immer wieder los zu lassen. In ihrer Armut ist sie so reich gewesen. Wenn so jemand Königin wird - wer wollte das nicht.

5.2 Doch Gott hat sie nicht zur Königin eingesetzt, sondern zum Abbild der Kirche werden lassen, zum Beispiel für jeden Christen, der den Weg des Glaubens geht. Wenn das jemand zur Königin macht, dann sind wir es alle.
In jedem Christen lebt die Verheißung von Jesu Gegenwart seit seiner Taufe. Wie sieht mein Ja dazu heute aus? - In jedem Christen geht um des Glaubens willen ein Schwert durch die Seele. Wie trage ich es? Staune ich über Gottes Führung? - In jedem Christen gibt es Zeiten, wo wir auf Gottes Handeln warten. Sagen wir in Demut: Es ist noch nicht die rechte Zeit. Tut alles, was ER sagt. - Und jeder Christ steht unter Jesu Kreuz. Kennen wir die Tränen des Glaubens, wo unser Herr gekreuzigt wird? - Das sind Glaubensdinge, die wir mit Maria teilen. Die betet sie nicht für uns, aber ganz bestimmt mit uns. Die bringt sie nicht für uns vor Gott, aber ganz bestimmt mit uns. Maria und jeder Christ - ein Leben im Ja Gottes.

6. Mit diesem Beispiel der Maria schließen wir unsere Vorbereitung auf Weihnachten im Advent.


Amen.





Zur Startseite      Zum Anfang dieser Seite

Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)