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zum dritten Sonntag nach Weihnachten
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 9. Januar 2005,
3. Sonntag nach Weihnachten

Jahreslosung 2005

Jesus Christus spricht:
ICH habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre.

Lukas 22, 32

Der Engel in dir

Der Engel in dir
freut sich über dein Licht
weint über deine Finsternis
aus seinen Flügeln rauschen
Liebesworte
Gedichte
Liebkosungen
Er bewacht deinen Weg
Lenk deinen Schritt
engelwärts

Rosa Ausländer

Liebe Gemeinde!

1.1 Noch einmal wollen wir uns heute die Jahreslosung vornehmen. Beim letzten Mal hatten wir uns dem Text anhand des Bildes von Andreas Felger genähert. Die Weg des Glaubens ist immer auch ein Weg der Anfechtung, so hatten wir uns klar gemacht. Doch Jesus, der Engel des Lichtes, steht für uns ein. ER ist in der Mitte. ER hält die zerdrückenden Felsbrocken weg und hält Seine Flügel über uns.

1.2 Heute wollen wir das Wort anhand eines Gedichtes von Rosa Ausländer betrachten. Und wir blicken mit ihren Zeilen weniger in die bisher betrachteten Hintergründe unseres Wortes als auf seine Auswirkungen für uns.
Sie schreibt in dem Gedicht Der Engel in dir:
Der Engel in dir freut sich über dein Licht
weint über deine Finsternis
Aus seinen Flügeln rauschen
Liebesworte
Gedichte
Liebkosungen
Er bewacht deinen Weg
Lenk deinen Schritt
engelwärts


2.1 Wie selbstverständlich redet dieses Gedicht über unseren Engel. Haben wir einen? Stimmt die Sache mit dem Schutzengel für Kinder, für uns selbst?

2.2 Unser Wirklichkeitsverständnis hat in den letzten Jahren eine große Wende genommen. War es vor zehn Jahren noch nicht möglich, öffentlich von Engeln zu reden, ohne belächelt zu werden, so lässt sich heute kein Auto mehr verkaufen, ohne dass irgendein guter Engel seine Flügel mit im Spiel hat. Das Jenseits wurde zu lange ausgeschlossen. Jetzt drängt es mit Macht nach vorne, sogar in die Welt des Geschäftes und des Marktes. Aber nicht nur dort. Auch In Beslan werden zu Weihnachten zerschnittene Engelsbilder für die erschossenen Kinder ausgelegt. Engel sind mitten unter uns.
Bist du schon deinem Engel begegnet? Diese Frage bringt uns heute nicht mehr verwunderte Blicke ein, sondern beschäftigt sogar Therapierichtungen zur Heilung von seelischen und körperlichen Krankheiten. Der innere Engel wird als Heiland entdeckt.


3.1 Doch nicht von diesem Trend lebt Rosa Ausländers Gedicht. Sie gibt dem Heil in uns einen Namen: Der Engel in dir.

3.2 Er lässt uns zu einem Gegenüber für eine höhere Welt werden: Der Engel in dir freut sich oder weint. Wir sind im Zentrum unsere Lebens nicht allein. Was in mir ist ist nicht ohne Echo. Mein Licht wird gesehen, meine Finsternis wahrgenommen.
Doch nicht nur diese tiefste Einsamkeit in uns wird überwunden. Es geschieht noch mehr. Das Rauschen seiner Flügel sind Liebesworte, Poesie, Liebkosungen, Bewahrungen. Was Gutes aus uns kommt, was wir an Liebe leben, was uns bewahrt, das kommt vom Engel in dir. Er lässt es dich erleben, was du erlebst. Ein großer Input. Ein Einfluss aus der höheren Welt.
Und das Gedicht sagt dann: Lenk deinen Schritt engelwärts. Mach nichts ohne ihn. Wähle als Richtung deines Lebens seine Richtung. Engelwärts.


3.3 Eine große Ermutigung fließt aus diesen Zeilen. Unser Licht wird nicht verlöschen, weil ein höheres Licht in uns leuchtet. Unsere Liebesfähigkeit wird nicht erlahmen, weil eine höhere Liebe in uns einströmt. Wir brauchen nicht in die Irre gehen. Es gibt stets einen Ausweg: engelwärts.

3.4 Ein wunderbares Gedicht. Doch ist es mehr als ein Gedicht? Ist es eine Wirklichkeit, die auch außerhalb der Zeilen der Poesie lebt? Trägt das, was Rosa Ausländer sagt, auch im Leben? Was sagt der Glaube dazu?


4.1 Für die Bibel ist klar, dass wir Engel zur Begleitung bei uns haben. Sie gehören gleichsam zum Hofstaat Gottes als himmlische Wesen. Aber sie haben auch Aufträge in der Heilsgeschichte Gottes. Und dann sind sie hier als Boten Gottes, die den Weg Seiner Kinder begleiten. Das sind die himmlischen Engel.
Aber es gibt auch irdische Engel. Das sind Menschen, die zur Leitung der Gemeinde gehören. An den Engel der Gemeinde von Philadelphia schreibe ... , heißt es in den Sendschreiben der Offenbarung. Das sind Berufene Gottes hier auf Erden.

4.2 Über den Auftrag von Engeln in der Heilsgeschichte wissen wir einiges. So verkündet der Engel Maria die Empfängnis Jesu. Und den Hirten wird die Geburt Jesu mitgeteilt.

4.3 Über den schöpfungsmäßigen Auftrag von Engeln wissen wir weniger. Es kann sein, dass sie beteiligt sind, wenn Medikamente wirken oder wenn in Katastrophen Menschen Glück haben und gerettet werden. Doch die Bibel sagt nicht viel dazu. Sie überlässt dieses Wissen einer zukünftigen Zeit, wenn die Herrschaft Gottes mit Jesu Wiederkunft offen angebrochen ist und wir Gottes Wirklichkeit von Angesicht zu Angesicht sehen. Zur Zeit ist dies nicht so. Es bleibt uns nur die Ahnung.


5.1 In unserer Jahreslosung ist erstaunlich, dass in dem Wort eine ganz ähnlich Ermutigung ausgesprochen wird wie im Gedicht vom Engel in dir. Dein Glaube soll nicht enden, heißt es in unserem Wort.

5.2 Was umgibt dich alles an Fragen und Zweifeln - dein Glaube soll nicht enden. Was kannst du alles nicht fassen - dein Glaube soll nicht enden. Was hast du schon alles verbockt - dein Glaube soll nicht enden. Was kommt noch alles auf dich zu - dein Glaube soll nicht enden. Da fließt Hoffnung ein. Da gibt es Zukunft.

5.3 Wenn etwas nicht aufhört, dann gibt es stets einen neuen Anfang. Wie gut, dass es diesen Neuanfang für uns alle immer wieder gibt. Das sollten wir persönlich mitnehmen in die Tage dieses Jahres und uns daran erinnern. Auch heute ist wieder ein Tag des Neuanfangs. Mein Glaube wird nicht enden. Und es macht uns Mut angesichts der unfassbaren Katastrophen dieser Tage. Es gibt einen Neuanfang. Unser Glaube soll nicht enden.


6.1 Wenn uns an dieser Stelle das Gedicht die Augen und das Herz für die Ermutigung des Wortes öffnet, so scheinen sich doch im Folgenden die Wege zu trennen. Ermutigung kommt hier vom Engel in dir und dort vom Herrn, der sagt, dass ER für Petrus betet.
Für Nichtchristen mögen sich hier die Wege scheiden, für Christen ist das nicht so.

6.2 Für Christen ist Jesus nach Seiner Auferstehung und Himmelfahrt der Engel des neuen Bundes, der Engel des Lichtes, gleichsam der Chef aller Engelsmächte, die es gibt. Denn alles hat IHM Gott zu Füßen gelegt auf dass alle Zungen bekennen, dass Jesus Christus der Herr sei zur Ehre Gottes des Vaters.
Und dieser Engel Lichtes nimmt Wohnung in uns, Seinen Kindern. Bleibet in mir und ICH in euch, dann bringt ihr viel Frucht. Der Engel des Lichts in uns. ICH bin bei euch alle Tage bis an das Ende dieser Welt, das wird jedem Getauften verheißen.

6.3 Wenn Nichtchristen fragen mögen: Engel in mir? Was mag das sein? Wer mag das sein? Dann können Christen getrost für sich sagen: Es ist der Herr. ER lebt in mir. ER hat Wohnung in mir genommen. ICH bin sein. ER ist in mir. Ich bin getauft auf Seinen Namen. ER ist in mir als der wahre Engel des Lichtes.

6.4 Dann hat Ermutigung einen Grund, eine Quelle, einen Ausgangspunkt. Sie wird zu einer Verheißung, die trägt, weil ER da ist, der mich trägt. Der Engel in mir, Jesus mein Herr, steht für mich ein.
Ich bin angeschlossen an die stärkste Quelle der Kraft im Himmel und auf Erden, an Jesus den Herrn.


7.1 So können Christen diese Zeilen des Gedichtes mit einer besonderen Innigkeit verstehen und für sich nehmen. Es macht ihnen deutlich, was Jesus damals Petrus als Ermutigung mitgab, wenn ER sagte: ICH habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhört.
Wir staunen darüber, dass der Höchste selbst für uns Geringen eintritt. Und wir freuen uns, dass wir das auch in den Worten unserer Tage wieder finden, wenn wir den Herrn darin erkennen:
Der Engel in dir freut sich über dein Licht
weint über deine Finsternis
Aus Seinen Flügeln rauschen
Liebesworte
Gedichte
Liebkosungen
ER bewacht deinen Weg
Lenk deine Schritte
engelwärts


Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)