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zum letzten Sonntag nach Epiphanias
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 16. Januar 2005,
Letzter Sonntag nach Epiphanias

Exodus 3, 1-14

1 Mose weidete die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters von Midian. Eines Tages trieb er das Vieh über die Steppe hinaus und kam zum Gottesberg Horeb. 2 Dort erschien ihm der Engel des Herrn in einer Flamme, die aus einem Dornbusch emporschlug. Er schaute hin: Da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht. 3 Mose sagte: Ich will dorthin gehen und mir die außergewöhnliche Erscheinung ansehen. Warum verbrennt denn der Dornbusch nicht?
4 Als der Herr sah, dass Mose näher kam, um sich das anzusehen, rief Gott ihm aus dem Dornbusch zu: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich. 5 Der Herr sagte: Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden. 6 Dann fuhr er fort: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Da verhüllte Mose sein Gesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen. 7 Der Herr sprach: Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen, und ihre laute Klage über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne ihr Leid.
8 Ich bin herabgestiegen, um sie der Hand der Ägypter zu entreißen und aus jenem Land hinaufzuführen in ein schönes, weites Land, in ein Land, in dem Milch und Honig fließen, in das Gebiet der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter. 9 Jetzt ist die laute Klage der Israeliten zu mir gedrungen, und ich habe auch gesehen, wie die Ägypter sie unterdrücken.
10 Und jetzt geh! Ich sende dich zum Pharao. Führe mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten heraus! 11 Mose antwortete Gott: Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehen und die Israeliten aus Ägypten herausführen könnte? 12 Gott aber sagte: Ich bin mit dir; ich habe dich gesandt, und als Zeichen dafür soll dir dienen: Wenn du das Volk aus Ägypten herausgeführt hast, werdet ihr Gott an diesem Berg verehren. 13 Da sagte Mose zu Gott: Gut, ich werde also zu den Israeliten kommen und ihnen sagen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt. Da werden sie mich fragen: Wie heißt er? Was soll ich ihnen darauf sagen?
14 Da antwortete Gott dem Mose: Ich bin der "Ich-bin-da". Und er fuhr fort: So sollst du zu den Israeliten sagen: Der "Ich-bin-da" hat mich zu euch gesandt.

2. Mose 3, 1-14

Der Engel in dir

Liebe Gemeinde!

1.1 Jede Gottesbegegnung ist ein Geheimnis. Denn die Begegnung mit dem Lebendigen ist jedem Zugriff der Erklärung und Verfügbarkeit entzogen. Kein Mensch kann das machen.

1.2 Wenn ER sich offenbart ist das groß. Jeder, der eine für sich überzeugende Gotteserfahrung gemacht hat verändert sich. Er wird selbst groß oder - besser gesagt - klein. Etwas Unfassbares tritt ins eigene Leben und macht es weiter, großer, unbekümmerter.

1.3 Doch wer so etwas bisher nie erfahren hat ist nicht ärmer dran im Glauben. Schon ehe wir Gott erfahren kennt ER unseren Weg. ER trägt uns mit und ohne besondere Begegnung mit IHM. ER schaut auf unser Vertrauen, das wir zu IHM haben, nicht auf unsere Wissen oder Erleben mit IHM.

1.4 Nun sagen viele: Gerade deshalb hätte ich auch gerne eine Gottesoffenbarung. Mein Glaube würde dadurch wachsen und erstarken. Zeigte ER sich mir glaubte ich an IHN.
Ich dachte auch lange, dass das so wäre. Zwar kannte ich Kierkegaard, der in seinen Philosophischen Brocken nachwies, dass dem nicht so ist. Ein jeder Mensch habe es im Glauben gleich schwer unabhängig von der Nähe, die er zu Gott hat.
Innerlich überzeugt wurde ich von diesen Gedanken jedoch erst durch Erfahrungen in der Seelsorge mit reanimierten Menschen.

1.5 Eines Tages wurde ich ins Krankenhaus gerufen. Ein Gemeindeglied wollte mir seine Erfahrungen in einer schweren OP erzählen, die er keinem anvertrauen könne. Ich verfremde das Gehörte im folgenden. Mir wurde erzählt.
Auf dem OP erlebte ich mich plötzlich in der Narkose wach. Ich schwebte. Ich sah mich von oben auf dem Tisch liegen. Dann zog mich ein Wind durch einen langen Tunnel hinweg einem Licht entgegen. Als ich den Tunnel durchschritten hatte sah ich einen Weg vor mir, der sich lange durch weites Land auf eine Stadt hin schlängelte. Ich ging ihm nach bis ich vor ein riesiges Tor trat. Dort meldete ich mich, indem ich eine Glocke betätigte. Ein Mann schaute heraus, sah mich an und sagte: Du hier. Dann verwehrte er mir den Eintritt mit den Worten: Du kommst hier noch nicht rein. Wo ich denn meine Werkzeugtasche hätte. Damit schickte er mich zurück. Im gleichen Augenblick fand ich mich mit großen Schmerzen auf dem OP Tisch wieder und richtete mich auf. Der Professor schaute mich mit entsetzten Augen an und sagte: Wo kommen Sie denn her. Denn klinisch war ich bereits gestorben. Ich war während der OP gestorben.

1.6 Für mich war klar: Der Mann würde in seinem Glauben nach einer solchen Erfahrung einen tiefen Jesusglauben für sich annehmen. Dem war aber gar nicht so. Ich habe ihn lange begleitet. Jahre später starb er. Er selbst war religiös empfindsamer geworden, sein Glaube an den Herrn aber lange nicht tiefer, größer und inniger.

1.7 Mir hat das und spätere Beispiele gezeigt: Gott lässt uns stets die Freiheit, IHM zu folgen oder nicht. Eine Erfahrung macht noch keinen Glauben. Und große Gotteserfahrungen machen noch keinen großen Glauben. Vielmehr ruht Glaube immer in der eigenen Entscheidung, die Gott uns lässt, mit IHM oder ohne IHN zu leben. ER tritt uns persönlich gegenüber und fordert einen persönlichen Entschluss, den wir in Freiwilligkeit geben oder lassen. Denn das zeichnet uns als Person aus, dass wir dies können. Deshalb sprechen wir auch bei IHM vom persönlichen Gott. Das zeichnet IHN aus. Es unterscheidet IHN vom Schicksal, das uns anonym überfällt.

1.8 Für viele Christen ist diese Begegnung mit IHM sogar die Geburtsstunde der eigenen, neu entdeckten und erlösten Persönlichkeit. Das mag von einer Bekehrungserfahrung oder Lebensübergabe oder Ersten Wahl begleitet sein. Doch wichtig daran ist die Wahl für IHN, die in der Bibel Glauben heißt. Sie ist die Antwort darauf, dass ER mich ebenfalls erwählt hat als Sein geliebtes Kind.


2.1 In unserem Text nun erhalten wir Einblick in eine Offenbarung, eine Gottesbegegnung wie sie Mose erlebte. Auffällig wie ungläubig Mose das Geschehen erlebte. Bei soviel göttlicher Präsenz wäre doch tiefer Glaube angemessenes Ergebnis. Das war aber nicht so. In langer Diskussion wird Gottes Auftrag abgewogen. Sehr typisch. Denn Offenbarung macht noch keinen Glauben wie wir sahen. Zu dem haben wir uns - und auch nicht anders Mose damals - stets persönlich zu entscheiden. Glaube fällt nicht vom Himmel.

2.2 Doch etwas anderes ist bei der Offenbarung wichtig. Sie macht sehr deutlich, wer Gott ist und wer wir sind. Und das wollen wir uns anschauen.


3.1 Der brennende Dornbusch.
Das war ja etwas merkwürdiges, was Mose dort entdeckte. Ein Dornbusch, der hell brannte, und sich doch nicht verzehrte. Gottes Feuer im irdischen Gestrüpp. Das ist das Bild für Gottes Gegenwart in uns. Warum?

3.2 Heilig ist ER. Licht ist ER. Wie kommt es, dass dieses Feuer Seiner Gegenwart nicht alles verzehrt, dass Seine Heiligkeit nicht alles vernichtet wie es sonst von IHM heißt?
Es ist das Wunder Seiner Offenbarung, dass wir in Seinem Feuer nicht verzehrt werden. Seine Offenbarung ist ein Filter vor Seiner Heiligkeit. Sie ist eine Impfung, die uns davor bewahrt zu vergehen, wenn ER sich zeigt. Das ist das Wunder der Offenbarung, dass wir in Seinem Feuer nicht verzehrt werden. Keine Angst davor, wenn ER sich hören lässt. Das ist die erste Botschaft im Bild vom Feuer im Dornbusch.

3.3 Doch wir bleiben Dornen. Das Wunder, dass wir nicht vergehen, wenn wir Gott erfahren, führt aber auch nicht dazu, dass wir plötzlich per se andere Menschen wären, verwandelt, ebenfalls Feuer, von anderer Substanz. Es bleibt der Weg für uns, den Dornen zu vergeben, den Dornen an uns und auch an anderen.
Gottes Wirken ist nicht aus uns, sondern in uns. Das ist die zweite Botschaft dieser Erscheinung. Wer darum weiß bleibt demütig, wird demütiger. Wer mit der Gegenwart von Gott angibt hat sie meist nicht erlebt.

3.4 Die Folge ist so wichtig. Als Unvollkommene tragen wir Vollkommenes in uns. Mal brennend, mal gewiss und mal verzagt. Die Dornen sind es nicht. Das Licht, das Feuer, das in uns brennt, das zeichnet Gotteskinder aus.
Und was ist Gemeindearbeit? Das Feuer Gottes weitergeben. Nur da sein, dass sich andere daran entzünden können.


4.1 Die ausgezogenen Schuhe.
Er muss aus seinen Schuhen raus, der Mose. Was waren das für Schuhe?

4.2 Mose trug die Schuhe eines Sklaven, eines Prinzen, eines Mörders, eines Flüchtlings, eines Fremden, eines Hirten. An seinen Schuhen zeigte sich sein Leben. Nackt muss er vor Gott.

4.3 Gott zieht uns unsere Schuhe aus.
Wer bin ich? Und was für Wege gehe ich? Das wird vor IHM in einer Offenbarung neu geklärt.
Steig aus deinen Fußstapfen! Nimm Meine Heiligkeit für dich. Das musste Mose ganz neu lernen. Das ist der Lernweg eines jeden Christen. Herr, was ist Dein Weg für mich? Ich ziehe meine Schuhe vor Dir aus. Die Bibel nennt dies die Wiedergeburt zu einer lebendigen Hoffnung.
Raus aus den Pantoffeln! Rein in Seine Heiligkeit! So könnte dies in Alltagssprache übersetzt werden. Der Rest meines Lebens darf ein Weg des Herrn sein.


5. ICH bin, der ICH bin. Das ist immer der Beginn der Offenbarung. Und später setzt sich das fort: ICH bin der Befreier, dein Schild, deine Sonne, dein Hirte, der Weinstock. Das Ziel ist: ICH bin ... in dir. Alles in allem.


Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)