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zum Sonntag Sexagesimae
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 30. Januar 2005,
Sonntag Sexagesimae

Vom Wachsen im Glauben

Das Gleichnis vom Wachsen der Saat:
26 Er sagte: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät;
27 dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst, und der Mann weiß nicht, wie. 28 Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre. 29 Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da.

Markus 4, 26-29

Liebe Gemeinde!

1.1 Das Opfer von Jesus hat für Christen eine zentrale Bedeutung. Deshalb wird auch das Abendmahl als Sakrament gefeiert, bei dem Jesus selbst daran erinnert. Das Opfer Jesu sagt, dass ER stirbt, damit ich lebe. Das ist die tiefste Wirklichkeit, auf die ich mich vor Gott berufen kann. Um Jesu willen - ich zähle vor Gott.

1.2 Doch bevor Jesus das Opfer Seines Lebens bringt klärt ER den Rahmen dafür durch Sein Reden und Tun. Was wollte Jesus? In welchem Horizont lebte ER?

1.3 Wäre der Rahmen die Nächstenliebe, dann wäre Jesus ein armes Opfer. Selbst lieb, doch am hartnäckigen Gegner gescheitert.
Wäre der Rahmen die soziale Gerechtigkeit in Seinem Volk gewesen, dann wäre Jesus einer von denen, die an dem Unrecht eines beabsichtigen Justizirrtums das Leben ließen.

1.4 Das alles gab es im Leben Jesus auch. Das Vorzeichen Seines Lebens aber war ein anderes. Drei Jahre machte ER es deutlich mit Wort und Tat. Darauf kam es IHM an, im Leben und auch im Sterben: Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium (Markus 1, 15). Das war Sein Rahmen.

1.5 Was das Reich Gottes ist könnte man so zusammenfassen: ER sagt und es geschieht. Es ist eine Wiederholung des Schöpfungswortes. Das Reich Gottes ist das Wort der neuen Schöpfung Gottes.
ER sagt: Sünde geh. Und es geschieht: Sie geht. ER sagt: Krankheit geh. Und es geschieht: Sie geht.
Und das Besondere: Jesus sagt nicht nur, dass es das gibt. ER ist das Reich Gottes. Mit Seiner Person entsteht diese Wirklichkeit. Reich Gottes bricht an mit IHM.


2.1 Wenn das stimmt, dann können wir das gleich an unserem Wort überprüfen. Die vielen Gleichnisse aus dem Leben Jesu fangen oft mit den Worten an, die wir auch hier hören: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie ... . Wenn Jesus gleichsam das Reich Gottes ist, dann muss ja unser Wort auf IHN zutreffen.
Und das tut es auch. Das Gleichnis ist wie eine Biographie von Jesus. Sehen wir.

2.2 Gott legt den Samen Seines neuen Lebens in Maria, so dass Jesus geboren wird.

2.3 Und Jesus wächst heran als ein Kind: Der Halm.

2.4 ER wird Erwachsen: Es entsteht die Ähre.

2.5 Und dann kommt die Frucht: Drei Jahre Wirken in Wort und Tat.

2.6 Dann kommt die Sichel: Sein Tod.

2.7 Und das nennt Jesus selbst die Ernte. Ohne das Opfer Seines Lebens war alles umsonst.
Wir sehen wie Jesus mit dem Gleichnis sich selbst im Bild von der Saat beschreibt, die heranwächst und Frucht bringt.


3.1 Doch das ist nicht die einzige Bedeutung. Das Reich Gottes ist nicht nur Jesus. ER gibt Sein Leben weiter an Seine Kinder. ER sagt: Das Reich Gottes ist mitten unter euch. Wir haben Teil am Reich Gottes. Und deshalb beschreibt dieses Gleichnis auch folgerichtig das neue Leben von Jesus in Christen, die IHM gehören.

3.2 Der Acker, das ist immer der natürliche Grund. Da legt Gott den Samen Seines Wortes in unser Leben hinein. Zum Beispiel: Du bist das Kind Meiner Liebe. Oder: ICH habe dich erwählt. Du bist Mein. Die Taufe macht das grundsätzlich fest: Ich bin Acker für Gott.

3.3 Dann stirbt das Weizenkorn im Boden. Das ist die Umkehr des eigenen Lebens, bei der ich IHM den ersten Platz einräume. Du bist Herr auch über mich. Meine erste Wahl.

3.4 Dann kommt das Wachsen des Halms. Das Leben in Christus bekommt Gestalt. Was macht der Halm? Er wackelt hin und her zwischen Biegen und Brechen. Das ist das Leben von uns Christen. Es ist das Leben aus der ständigen Vergebung. Und die Verheißung heißt: Den glimmenden Docht wird ER nicht verlöschen und den geknickten Halm nicht zerbrechen.
Und der Halm steht immer zwischen Himmel und Erde. Nicht mehr nur Erde, noch nicht Himmel. Das ist auch das Leben von uns Christen. Es ist ein Leben aus den Segenskräften von oben. Immer durchlassen, was ER von oben schenkt.

3.5 Dann kommt die Ähre. Das ist das, was Christen anders macht als andere Gewächse dieser Erde. Was unterscheidet Christen von anderen Menschen?
Es sind die Früchte des Geistes, die durch Jesus in uns entstehen: Liebe als Freude und Friede, Geduld als Freundlichkeit und Gütigkeit, Glaube als Sanftmut und Keuschheit. So beschreibt es der Galaterbrief (Galater 5, 22). Und Jesus gebraucht in der Bergpredigt fast keine anderen Worte, um die Früchte des Reiches Gottes im Leben seiner Jünger zu bezeichnen.

3.6 Und dann kommt der Weizen selbst in die Ähre. Das sind die Gaben des Geistes, wie Paulus sie zum Beispiel im Korintherbrief beschreibt (1. Korinther 12, 8-11): Das Wort der Weisheit als Weissagung und Geisterunterscheidung. Das Wort der Erkenntnis als Zungenrede und Auslegung der Zungenrede. Das Wort des Glaubens als Krankenheilung und Wundertat. Alles das sind Gaben des Heiligen Geistes, neue Samenkörner Gottes der ewigen Welt in uns.

3.7 Und ist das in Christen gewachsen, dann wird der Weizen nicht etwa ausgestellt auf der Bundesgartenschau oder auf der Messe für Ernährung und Landwirtschaft. Es kommt die Sichel. Dem Dienst als Opfer steht nichts mehr im Weg. Das Korn wird geschnitten und eingesetzt für andere. So werden wir für andere zum Brot des Glaubens, wie Jesus es geworden ist für uns. Denn: was reif ist und nicht geschnitten wird, das verdirbt.

3.8 Doch wir brauchen keine Angst vor diesem Schritt zu haben. Der Herr übt ihn bereits den ganzen langen Weg des Wachsens hindurch mit uns. Die Aufgaben der Ähre werden schon in der Zeit des Halms geübt. Stets schenkt ER uns die Liebe und fordert sie erneut. Stets gibt ER uns neues Leben und fragt, ob wir bereit sind, es zu geben.


4.1 Und was tut das Korn, damit es wächst? Nichts. Nur dies: Es entzieht sich nicht.
Was tun wir in unserem Glaubenswachsen? Nichts.
Wir lassen Sein Wort in uns zu. Wir geben IHM den ersten Platz. Wir leben Vergebung. Wir wachsen in den Früchten des Geistes. Wir sehnen uns nach den Gaben des Geistes. In dem allen entziehen wir uns nicht Gott ist es, der Seine Gegenwart in uns ausgesät hat und sie wachsen lässt. Nur wer sich verweigert, der verkümmert. Wer sich öffnet, dem gilt: ER sagt - und es geschieht. Reich Gottes lebt so auch in uns.


4.2 Wir kennen das Bild von der Sichel nur als das Bild vom Tod.
Doch bei Jesus im Reich Gottes ist der Akzent anders. Es ist das Ziel der Frucht unseres Lebens. Vor der Sichel entsteht die Frage: Ist Frucht gewachsen oder steht da nur Stroh? Denn nur die Frucht kommt in die himmlischen Scheunen, das Stroh wird abgebrannt. Und was ich vor Gott bin entscheidet sich längst vor dem Tod. Es ist das Thema meines Lebens heute.
Und darum erzählt Jesus das, was von alleine wächst, doch so genau. Damit wir uns heute ändern und damit Gottes Reich auch in uns wächst.

Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)