Deutschsprachiges Evangelisches Pfarramt an der Costa del Sol - online
Startseite

Grußwort

Gottesdienste

Predigten

Predigtplan

Gottesdienste
passiert...notiert...
und Fotos
Veranstaltungen
Wissenswertes
Kontakt und Anreise

 <>< Predigt
zum Sonntag Estomihi
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 6. Februar 2005,
Sonntag Estomihi

Maria und Marta, Ora et Labora

38 Sie zogen zusammen weiter, und er kam in ein Dorf. Eine Frau namens Marta nahm ihn freundlich auf. 39 Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu. 40 Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen, für ihn zu sorgen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen! 41 Der Herr antwortete: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. 42 Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.

Lukas 10, 38-42

Liebe Gemeinde!

1.1 Wenn das immer so einfach wäre, zwischen Arbeiten und Beten, zwischen Marta und Maria zu wählen.
Das mit dem Beten klappt ja solange gut wie ein anderer für uns die Arbeit macht. Wie gern würde mancher hier sitzen und hören, doch das Lebens ist voller Aufgaben und - sicher oft - selbst gesetzter Pflichten und Verpflichtungen.
Wenn wir eine Marta hätten, die alles für uns tut, es wäre so viel einfacher, Maria zu sein.
Wir kennen das: Ich habe mich gerade zum Shopping verabredet, obwohl ich jetzt in der Stimmung wäre, auch mal auf Gott zu hören. Also geht es wieder nicht.
Unser Dilemma ist: Wir sind Marta und Maria in eins. Wir haben stets beide zu tun. Und für Arbeit und Gebet zusammen reicht es oft nicht. Meistens bleibt das Beten auf der Strecke, das Hören auf Gott.

1.2 Da wir nun mal beides sind trifft uns auch die Not der beiden. Wie kann eine fleißige Marta auch noch eine hörende Maria werden? Wie schafft sie das?
Vielleicht in der Freizeit doch nicht nach der Zeitung greifen, sondern nach der Bibel oder dem Gebetbuch? Doch wer ist schon so ein Heiliger, dass er das tut? Obwohl ja viele sagen - und nicht nur Christen - , dass Beten entspannt.
Und dann die Not des schlechten Gewissens: Ich bin ein schlechter Christ. Ich bete viel zu wenig. Gerade wer aktiv ist ist schon wieder in der Marta-Falle: Das bessere Teil habe ich wohl versäumt. Bin ich nur noch eine Marta?
Und ganz verzwickt wird es, wenn ich mir gerade vornehme, der Stille und dem Hören mehr Zeit und Aufmerksamkeit zu widmen. Es ist vertrackt. Gerade dann fällt alles über uns her und wir selbst stürzen uns in Aktivität. Man will Maria werden und dabei entsteht eine Marta, die nur wirbelt. Was sind wir nur für Menschen.

1.3 Wie gut ist das alles verständlich. Und wie schnell kommt nach dem Verständlichen dann der Vorwurf über unsere Lippen, den auch Marta Jesus machte: Herr, kümmert es dich nicht, dass ich die ganze Arbeit machen muss!
Wie viele engagierte Christen laufen mit dieser Last herum und einem geheimen Groll gegen Gott.


2.1 Marta und Maria verkörpern zwei Pole unseres Glaubens: Beten und Arbeiten. Beten: Der Dienst für Gott in der Welt. Arbeiten: Der Dienst in der Welt für Gott.

2.2 In der Kirchengeschichte ist sehr bald deutlich geworden, dass sich beides nicht leicht verbinden lässt. Die Mönchsbewegung brach aus dem normalen Alltagsleben aus, zog sich zurück in die Wüste und Einsamkeit, um in der Stille auf Gott zu hören.
Seit jener Zeit ist allen klar wie wichtig dieser Beitrag der Stille für unser Leben ist. Wie viele sehnen sich nach einer Verschnaufpause im hektischen Alltag. Den Raum der Stille zu finden wird zum Begehrten Artikel in unserem oft stressigen Leben. Wer viel zu entscheiden und verantworten hat, der weiß wie wichtig es ist, wieder leer zu werden von allen Sorgen und den Lasten. Stille und Hören gehört dann zum besseren Teil.

2.3 Doch wir kennen auch die andere Seite. Luther hat mit der Aufteilung der Welt in Mönche und Laien Schluss gemacht. Gott wollte nicht unseren Auszug aus der Welt. Jesus wurde mitten in der Welt geboren, lebte und wirkte unter Menschen. Der Alltag ist der Gottesdienst, so Luther. Im normalen Leben dienen wir Gott, nicht nur im Kloster als Mönch. Im Alltag will Gott zu uns reden. Dort soll ich IHN hören.

2.4 Wenn also Beten und Arbeiten wichtig und auch richtig sind, kann Lukas uns helfen, das Verhältnis beider Pole unseres Glaubens zu verbinden?


3.1 Zunächst einmal scheint die Antwort unseres Textes einfach. Die Worte Jesu an Marta sind klar: Eines ist Not. Maria hat das bessere Teil erwählt.

3.2 Hören und Beten scheint also wichtiger als Arbeiten und Schaffen.
Wie gerne würde ich das sagen. Alles wäre so einfach. Jesus setzt klare Prioritäten. Und wir hätten eine klare Korrektur mit einem richtigen schlechten Gewissen für unser Leben, dem oft die Stille fehlt.

3.3 Doch leider hätten wir Lukas kräftig missverstanden.
Denn der Zusammenhang unseres Textes ist der vom barmherzigen Samariter. Und in diesem Gleichnis sagt Jesus schlicht das Gegenteil. Arbeiten und Helfen ist besser als Beten. Der Priester geht am Hilfesuchenden vorbei. Warum? Weil er zum Gebet in den Tempel musste. Und weil er das tat, versagte er. Er wurde dem Notleidenden nicht Nächster. Dafür hätte er das Beten aufgeben müssen.

3.4 Wie lässt sich dieser Widerspruch der Botschaft in zwei aufeinander folgenden Geschichten verstehen? Beten - das bessere Teil erwählt. Beten - dem Nächsten nicht Nächster geworden. Wie geht das?


4.1 Der Schlüssel für den Text und unser Verstehen könnte darin liegen.
Marta und der Priester tun etwas ganz normal Religiöses. Sie dienen Gott in ihrem Leben. Die eine mit ihrer Arbeit, der andere mit seinem Gebetsdienst. Sie lieben damit Gott. Mit ihren je eigenen Mitteln bringen sie ihre Liebe Gott entgegen.
Du sollst Gott lieben, so heißt es in dem höchsten Gebot nach Jesu Worten. Sie tun das. Und das ist gut.
Kann es etwas Größeres geben als Gott so zu lieben?

4.2 Ja, sagt Jesus in beiden Geschichten. Gott möchte nicht nur mit meiner Liebe, sondern mit Seiner Liebe geliebt werden. Das ist das Bessere.
Maria empfängt Gottes Liebe im Zuhören von Jesus. Das gibt sie Gott zurück. Dafür steht sie zur Verfügung. Dafür ist sie in der Stille vor dem Herrn und hört.
Der barmherzige Samariter empfängt die Not vor seinen Füßen von Gott. Und er handelt und steht damit zur Verfügung. In seinem Tun antwortet er auf Gottes Anspruch.
Von Gott Empfangenes an IHN zurückgeben. Das ist das Bessere, sei es im Tun, sei es im Hören und Beten.

4.3 Besser nach Lukas ist also nicht Beten. Und besser ist auch nicht Handeln. Sonst würde nicht das eine oder das andere in zwei Geschichten nacheinander gut geheißen.
Besser ist, nach dem zu fragen, was Gott in Seiner Liebe jetzt für mich hat. Wenn ich das mitbekomme, dann ist es manchmal nötig zu beten und manchmal zu arbeiten. Entscheidend ist: Ist es Antwort auf Seine Liebe, dann ist es das Bessere.
Der bessere Teil der Maria ist also ihre Antwort auf Sein Reden. In dem hier beschriebenen Moment hieß das: Zuhören, Stille, nicht Weitermachen. Im anderen Augenblick des Samariters hieß das: nicht zum Beten gehen, anpacken, arbeiten. Nicht Beten oder Arbeiten ist also die Frage, sondern womit ich jetzt dem Herrn in Seiner Liebe antworte.


5.1 Das wirft ein neues Licht auf diese alte Frage. Wir verstehen das alte Wort von Ora et Labora, von Beten und Arbeiten, jetzt viel besser. Beide gehören wie zwei Kabel einer Stromleitung zusammen. Nur durch beide fließt der Strom des Glaubens. Wann das eine dran ist, wann das andere, wechselt ständig. Doch an die Liebe Gottes muss es angeschlossen sein, dann wird es gut.
Und dann weiß ich auch, wann ich die Hände falten muss oder wann ich zupacken soll. Und manchmal ist auch beides nötig.

5.2 Wenn ich so auf Gottes Liebe antworte, dann habe ich das eine ergriffen, was not ist.


Amen.





Zur Startseite      Zum Anfang dieser Seite

Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)