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zum Sonntag Estomihi
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 27. Februar 2005,
Sonntag Oculi

Das Opfer der Witwe

41 Als Jesus einmal dem Opferkasten gegenübersaß, sah er zu, wie die Leute Geld in den Kasten warfen. Viele Reiche kamen und gaben viel. 42 Da kam auch eine arme Witwe und warf zwei kleine Münzen hinein. 43 Er rief seine Jünger zu sich und sagte: Amen, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle andern. 44 Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss hergegeben; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles gegeben, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt.

Markus 12, 41-45

Liebe Gemeinde!

1. Die Kirche und das Geld - das ist ein Thema mit vielen Gesichtspunkten.

1.1 So wird oft gefragt:
Ist die Kirche nicht reich genug? Warum wird im Gottesdienst gesammelt? Und dies seit Alters her.
Geht man mit meinem Geld gut um? - Wie oft höre ich: Ich bin ausgetreten wegen des Geldes. Aber denken Sie ja nicht, ich hätte keinen Glauben.
Meist ist man jedoch bei Geldsachen in der Kirche pragmatisch. Man gibt wie beim Tierschutz. Gute Zwecke brauchen gutes Geld. Und bei persönlicher Sympathie gibt es Zuschläge.

1.2 Doch in den Kollektenkorb zu schauen und ausspähen, was jemand hineinlegt, das gilt als unanständig. Man darf zwar selbst jede Menge Witze über Kollekten machen, das wohl. Doch Jesus selbst fordert, die Linke solle nicht wissen, was die Rechte tue. Dann soll erst Recht keiner links oder rechts neben mir wissen, was ich gebe. Wie kommt es, dass Jesus selbst hier Seiner Rede zu widersprechen scheint? Er selbst guckt auf den Opferkasten und registriert, was Leute da hineintun. Ist Jesus unanständig?

1.3 Wir wissen, dass heute in der Öffentlichkeit andere Regeln zählen als im Privaten. Wenn in den Spendenshows für die Opfer der Flut gesammelt wird, dann kommen große Beträge zustande, weil die Namen der Sponsoren genannt werden. Jeder hört und sieht, was Große Großes spenden. Tue Gutes und rede darüber! Das ist hier die Regel. Ist Jesus Vorreiter modernen Fandrisings wenn ER den Opferkasten observiert?

1.4 Wenn wir bei solchen Fragen nach einer Lösung suchen, tun wir gut daran, wenn wir bedenken: Das Leben Jesu ist geprägt vom Reich Gottes. Das ist die Regel Seines Lebens. Und was hat Gottes Reich mit Opfer von Geld zu tun? Und warum führt Jesus das zu diesem Opferkasten? Schauen wir uns das Thema an.


2. Opfer ist da vom Anbeginn der Schöpfung.

2.1 Mit guten Gaben segnet Gott die Welt: Licht, Kosmos, Luft, Wasser, Erde, Pflanzen, Tiere, Menschen. Und stets heißt es: Und siehe, es war sehr gut.
Am letzten Tag, dem Sabbat, ruhte Gott. ER schuf die Pause. Und ER gebot die Pause allen Menschen: Du, lass dein Schaffen los. Das sagt ER, wo Schaffen gut und schön war, keine Mühe. Das war das erste Opfer, nach dem Gott fragt.

2.2 Opfere einen Teil deiner Zeit. So zeigst du: Sie ist dir nur gegeben. Nicht du bist ihr Besitzer.
Opfere einen Teil deines Schaffens. So zeigst du: Du bist nicht alles. Auch dein Schaffen nicht. ER ist es.
Opfere einen Teil deiner Selbstbestimmung. So zeigst du: Der Mensch denkt. Gott lenkt. Ich akzeptiere.

2.3 Jedes Opfer erinnert daran, dass ich nicht alles bin. Ich stehe unter Gott. Ich bin die Nummer zwei. Eins, das ist ER. Ich bin nicht alles. Das ist die wahre Wirklichkeit von mir.

2.4 Tue ich das freiwillig, dann wird das Teil meiner Einsicht und meines Wesens. Solche Menschen, die opfern können, sind wahre Menschen. Um sie herum wird Schöpfung wieder gut. Gott segnet das.

2.5 Und das Schönste: Gott macht uns das sogar vor. ER brauchte nicht zu ruhen. ER schuf das Opfer - hier als Sabbatruhe - uns zum Segen. Gott opfert auch.


3. Der Segen des Opfers

3.1 Es ist klar, dass damit das Opfer aus keinem Gottesdienst mehr wegzudenken ist. Es wird zum festen Teil jeder Begegnung mit Gott. Das Opfer, das ich gebe, erinnert daran:
Ich werde ärmer durch das, was ich gebe - so arm bin ich vor Gott. Es macht mich reicher - jetzt weiß ich, wer ich bin. Auch mein Leben habe ich nicht ohne Gott. Wenn Tiere bei der Opferhandlung starben zeigten sie dies stellvertretend, dass ich vor Gott nicht lebe.
Das Opfer hält das Leben wach, das ich in Wahrheit habe. Es zeigt mir, wer ich vor Gott bin. Wer opfert, der wird Mensch vor Gott.
Deswegen sagt die Bibel: Opfere Gott Dank und erfülle dem Höchsten deine Gelübde. Opfere dem Herrn von allem deinen Einkommen. Opfere Mir dein Herz. Deine Opfertiere mag ich nicht. Halte Recht und hilf dem Armen. Das heißt: Opfere deine unrechten Taten und opfere deine Unbarmherzigkeit. Tust du das wirst du, wofür du Mensch bist.

3.2 Du wirst darin gesegnet. Denn wo du etwas opferst erkennst du
- die Güte Gottes, auf die du angewiesen bist. Sie trägt dich und durch dich auch andere.
- Sein Herz, von dem du abhängig bist. Es schlägt für dich und durch dich auch für andere.
- Seine Barmherzigkeit. Sie gilt dir und durch dich auch anderen.
- du gibst den Zehnten deines Einkommens. ER wird die Scheunen Seines Himmels öffnen über dir.
In dem allem wirst du etwas von dem, was Gott für dich ist: gütig, gebend, barmherzig. Seine Güte ist heilig. Sie ist heilig auch in dir. Stets waren das Opfer und das Heilige nah beieinander.


4. Das reine Opfer

4.1 Jetzt verstehen wir das Scherflein der Witwe und was Jesus darin sieht.
Als Witwe war sie damals mittellos, ohne Versorgung. Wenn sie den letzten Pfennig gab, dann gab sie nicht den Zehnten. Sie gab den zehn mal Zehnten - alles.
So zeigte sie in Reinkultur, was jedes Opfer zeigen will: Du, Herr, bist es - nicht ich. Du, Herr, bist alles - ich habe letztlich nichts.

4.2 Wenn eine Kirche das wahre Opfer bewahren soll: Hier war es. Hier wurde der Tempel zum Tempel. Hier wurde das Schöpfungswort wahr: Und siehe, es war sehr gut.
Ein solches Opferzeichen kann man nur einmal bringen, auch wenn man es im Herzen immer haben soll. Die Witwe brachte dieses Zeichen hier. Es war ein heiliger Moment. Gott war für sie jetzt alles. Das war Gottesdienst.
Wenn wir in unserem Lebens solche Opfer vor Gott bringen, dann werden wir von Menschen meist nicht gesehen. Da sind wir alle wie die Witwe. Doch Jesus sieht. Das können wir hier merken.


5. Christus und der Opferkasten

5.1 Warum ist Jesus so berührt, dass ER Tabus bricht, zuschaut und dann noch darüber redet?
Die Geschichte spielt auf dem Weg Seiner Passion. Was hier geschieht, geschieht auch IHM. ER ist die Witwe.

5.2 Auch ER hat keinen mehr, der IHN versorgt. Auch ER gibt nicht den Zehnten, ER gibt alles, sich. Es bleibt bei Seinem Opfer nur die Botschaft übrig: Du, Vater, kannst allein jetzt helfen.
Der Opferkasten ist das vorgezogene Golgatha des Herrn. Dort gibt ER alles hin.
Mit dieser Witwe geht ER aus Seinem Tempel, völlig unerkannt, im wahren Gottesdienst.


6. Opfer und Kollekte

6.1 Wir sammeln ja Kollekten in der Kirche.
Doch hier sehen wir, wie es im Lichte des Reiches Gottes um Mehr gehen kann: Wie aus Kollekten Opfer werden. In unserer Geschichte sehen wir den geistlichen Grund.
Wir sehen, wenn wir opfern, uns vor Gott. Wir spiegeln wider, was Gott für uns ist. Wir werden Teil von Seinem Segen.

6.2 Und dazu will uns dieses Wort des Herrn aufmuntern: Das wir bei allem, auch beim Geld, ein Opfer geben.


Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)