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zum Sonntag Estomihi
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 6. März 2005,
Sonntag Laetare

Der Messias Gottes

55 Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und mein Blut ist wirklich ein Trank. 56 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm.

57 Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben.

58 Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Mit ihm ist es nicht wie mit dem Brot, das die Väter gegessen haben; sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit. 59 Diese Worte sprach Jesus, als er in der Synagoge von Kafarnaum lehrte. 60 Viele seiner Jünger, die ihm zuhörten, sagten: Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören? 61 Jesus erkannte, dass seine Jünger darüber murrten, und fragte sie: Daran nehmt ihr Anstoß? 62 Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn hinaufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war? 63 Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben. 64 Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben. Jesus wusste nämlich von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde. 65 Und er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist.

Johannes 6, 55-65

Liebe Gemeinde!

1.1 Die Worte Jesu haben damals großen Anstoß erregt, nicht nur unter den Zuhörern im Volk, nicht nur unter den Mächtigen der damaligen Religion, sondern auch unter Seinen Jüngern selbst. Wer kann sich das anhören! So sagte man.

1.2 Zweitausend Jahre haben viel geglättet von dem Anstoß Jesu. Zudem, in vielem sind wir hinterher stets schlauer. So wissen wir heute um die Kraft des Sakraments. Es ist gut, Brot und Wein als Zeichen der Erlösung zu haben. Am Ende einer Kulturepoche und auch oft am Ende eines langen Lebens wissen wir plötzlich wieder, wie wichtig das ist, was Substanz hat. Das Sakrament ist die Substanz der Ewigkeit.

1.3 Doch damals: Wer Mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in Mir und Ich in ihm. (56) Wer es nicht als Kannibalismus missverstand, der musste in Erinnerung an das Manna in der Wüste die Worte Jesu für Gotteslästerung halten. Zweitausend Jahre Wirkungsgeschichte sind manchmal auch eine Hilfe. Und viele Menschen spüren es sogar geistlich körperlich, dass ein Kirchraum etwas anderes ist, wo ein Tabernakel mit Brot und Wein des Herrn steht.

1.4 Oder nehmen Sie das andere Wort aus unserem Text. Es ist mittlerweile ein Sprichwort geworden: Der Geist ist es, der lebendig macht. Das Fleisch nützt nichts. (63) Wie wissen wir um die Wahrheit dieses Wortes. In Bewerbungsgesprächen werden für Leitungsaufgaben solche Menschen genommen, die bei gleicher Qualifikation eine bessere Ausstrahlung besitzen. Persönlichkeit ist gefragt, Kompetenz wird vorausgesetzt. Warum? Man weiß, wer nicht das Etwas mitbringt, was lebendig macht, der nutzt nichts auf die Dauer in bestimmten Jobs. Das gilt für Aufgaben in dieser Welt genauso wie für Glaubensdinge.

1.5 Doch in einem ist der Anstoß Jesu nach wie vor geblieben. Es ist der Punkt, dass ER Messias ist, nicht ein Bote Gottes, sondern der Bote Gottes. Oder noch genauer: Jesus ist Gott selbst. Da scheiden sich die Geister.
Das trennt nicht nur Christen von Nichtchristen: Jesus der Herr. Das räumt nicht nur auf in der unsichtbaren und okkulten Welt: Jesus der Herr. Das trennt auch Christen - Juden - Moslems bis zum heutigen Tag. Alle kennen Jesus und Seine Botschaft mehr oder weniger. Doch Jesus, der Messias und mein Herr: Das sagen Christen ganz allein. Der Anstoß bleibt: Jesus, der Messias. Jesus, der Eine Weg zum Vater.

1.6 Um in diesem so anstößigen Punkt des Glaubens vom Alleinvertretungsanspruch der Christen im Hinblick auf Jesus als Messias Klarheit zu bekommen, schauen wir uns den Text noch einmal an.

2. Die Gottesfrage als Hintergrund

2.1 Wie viele Menschen dieser Erde sind darin eins, es gibt IHN, Gott, letzte Instanz, Schöpfer, Erhalter, Erlöser. So sehr die Namen wechseln, Gott ist da.
Und die drei großen Religionen Christen - Juden - Moslems sind darin eins: Es gibt nur einen Gott. Höre Israel, der Herr dein Gott ist einer. So beten Christen Gott, den Vater Jesu an. Und Moslems beten: Es gibt nur einen Gott, Allah.

2.2 Es ist erstaunlich. Warum hat sich die Welt nicht in dem Glauben an Gott, sogar den einen Gott, geeinigt? Das Gegenteil zeigt die Geschichte bis heute: Man spaltet sich unter dem Glauben statt sich eins zu werden. Mein Gott ist nicht dein Gott! Wie viel an Blut ist über diesem Satz geflossen.

2.3 Denken Sie an die frommen Taliban Milizen in Afghanistan, die Buddha Statuen aus dem Weltkulturerbe sprengten. Die schönsten waren für die Zerstörung gerade gut genug.
Denken Sie an die Bilderstürmer in der Zeit der Reformation, wo Protestanten Katholikenkunst vernichteten. Der Glaube machte blind, verdarb die Einheit. Denken Sie an die Verfolgungskriege und die Glaubensinquisition der katholischen Kirche. Um Gottes Willen: Folter, Flammen, Tod.
Gott ist wohl bis heute die blutigste Waffe der Menschen gewesen, die es gab.

2.4 Gott hat das nie gewollt. Wer das denkt kennt IHN nicht.
Man kann eher sagten: Wer im Namen Gottes einen anderen verachtet tut das nicht im Namen Gottes.
Wer Gott kennt hat Respekt vor jedem Glauben, wie anders der auch ist.
Wer Gott kennt, für den ist Frieden von der Religion her kein Problem. In Gott ist nicht Krieg. Wir sind es, die Krieg machen, weil wir Gott gebrauchen und ER nicht uns.

2.5 Die Gottesfrage eint im Tiefsten alle Menschen. Wer glaubt, der ist zu jedem Glaubenden tolerant, der kann sich nicht erheben. Denn der Respekt vor allem Lebenden, den Gott schenkt, den schenken wir einander. Auf dieser Erde sind Religionen Geschwister in dem einen Haus des Glaubens.


3.1 Doch dann ist da noch diese Sache mit dem Alleinvertretungsanspruch. Natürlich leben wir nicht mehr im Mittelalter. Und schon gar nicht mehr vertreten wir die Ansicht von kriegerischer Mission, wie jetzt Teile des Islams den heiligen Krieg ausrufen. Das haben wir zum Glück längst hinter uns. Doch was ist dran an diesem Thema des Glaubens, was unser Toleranzempfinden ständig stört? Was ist damit?

3.2 Dass Gott als Schöpfer, Erhalter und Erlöser wirkt, das teilen alle Religionen. Was sie dagegen trennt ist eine Frage: Wo ist ER denn zu finden?
Der Gott der Schöpfung, der die wunderbaren Sonnenauf- und Untergänge schenkt: Kann ich da Ehrfurcht haben? - Keine Frage, ja. Das teile ich mit allen religiösen Menschen.
Doch höre ich dort, was ER mir sagen will? - Nein. Was ER persönlich will von mir als Seinem Kind, das höre, sehe, fühle ich dort nicht. Es bleibt stets Vorfeld: Ehrfurcht, Staunen, Stille. Sein Reden ist in IHM, Jesus, dem Sohn, Seinem Messias, dem Gesandten.

3.3 Mit diesem Anspruch ist Jesus stets aufgetreten. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder ... durch mich leben. Nicht durch einen anderen, nur durch IHN. Das ist nicht tolerant. Das ist ein exklusiver Weg. Leben vom lebendigen Gott kommt nur durch Mich, sagt ER. ICH bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Neben IHM ist alles andere höchstens Wegweiser. Nur ER ist Sprachrohr für Gottes Liebe und Erlösung aller Menschen, nur ER.

3.4 Hier liegt der Kernunterschied der Christen zu allen Religionen, was immer Christen auch mit allen Religionen eint.
Es ist nicht der Pfad der Tugend der Weg zu Gott, auch wenn Christen Tugend pflegen. Es ist nicht die Versenkung, die Gottes Stimme hörbar macht, auch wenn Christen sehr wohl meditieren. Es ist nicht die soziale Revolution, die eine Menschheit zu Gott bringt, auch wenn Christen Salz der Erde sind.
Es gibt viele Wege zur Ehrfurcht. Aber es gibt nur einen Weg zur Erlösung.
Es gibt viele Türen zur Religion. Aber es gibt nur einen Weg zur Botschaft: Du bist Kind Gottes.
Dies alles ist nur in Jesus, dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn zu finden. Wenn ER uns Sein Wort schenkt, dann hören wir darin die Stimme Gottes für unser Leben. Ein schmaler Weg. Nur ER. Allein aus Gnade durch IHN, so hält es die Reformation fest.

3.5 Toleranz führt uns zu dem Respekt vor allen Religionen und Glaubenswegen: Ich respektiere jede.
Erlösung führt uns zu dem Bekenntnis: Du Jesus allein, mein Herr. In Dir höre ich die Liebe Gottes zu mir. Durch Dich lebe ich vor Gott. Danke.
Alleinvertretungsanspruch der Erlösung? Sicher - Heil zu erlangen, nur in Jesus.
Alleinvertretungsanspruch der Religion? Sicher nicht. - Respekt und Ehrfurcht haben alle Glaubende.


4.1 Mit dieser Unterscheidung lässt sich im schwierigen Feld von Toleranz und Bekenntnis der Weg des Glaubens gehen. Und Jesus geht den vor und mit.



Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)