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zum Sonntag Judica
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 13. März 2005,
Sonntag Judica

Das Opfer des Isaak

1 Nach diesen Ereignissen stellte Gott Abraham auf die Probe. Er sprach zu ihm: Abraham! Er antwortete: Hier bin ich. 2 Gott sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija, und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne, als Brandopfer dar. 3 Frühmorgens stand Abraham auf, sattelte seinen Esel, holte seine beiden Jungknechte und seinen Sohn Isaak, spaltete Holz zum Opfer und machte sich auf den Weg zu dem Ort, den ihm Gott genannt hatte. 4 Als Abraham am dritten Tag aufblickte, sah er den Ort von weitem. 5 Da sagte Abraham zu seinen Jungknechten: Bleibt mit dem Esel hier! Ich will mit dem Knaben hingehen und anbeten; dann kommen wir zu euch zurück. 6 Abraham nahm das Holz für das Brandopfer und lud es seinem Sohn Isaak auf. Er selbst nahm das Feuer und das Messer in die Hand. So gingen beide miteinander. 7 Nach einer Weile sagte Isaak zu seinem Vater Abraham: Vater! Er antwortete: Ja, mein Sohn! Dann sagte Isaak: Hier ist Feuer und Holz. Wo aber ist das Lamm für das Brandopfer? 8 Abraham entgegnete: Gott wird sich das Opferlamm aussuchen, mein Sohn. Und beide gingen miteinander weiter. 9 Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte, baute Abraham den Altar, schichtete das Holz auf, fesselte seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz. 10 Schon streckte Abraham seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten. 11 Da rief ihm der Engel des Herrn vom Himmel her zu: Abraham, Abraham! Er antwortete: Hier bin ich. 12 Jener sprach: Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus, und tu ihm nichts zuleide!
Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest;
du hast mir deinen einzigen Sohn nicht vorenthalten. 13 Als Abraham aufschaute, sah er: Ein Widder hatte sich hinter ihm mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen. Abraham ging hin, nahm den Widder und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar.

1. Mose 22, 1-13

Liebe Gemeinde!

1.1 In Bethel, der großen diakonischen Einrichtung von Westfalen, steht ein Krankenhaus, das trägt den Namen dieses Berges: Morija. Es ist eine Akut - Psychiatrie.
Was hier in der Geschichte geschieht ist ebenfalls kurz vor dem Wahnsinn, wenn wir heutige Maßstäbe anlegen. Ein Vater soll sein Kind opfern.

1.2 Das wird auch nicht besser, wenn man das Ganze geistlich zu verstehen sucht.
Isaak, der Sohn Abrahams, ist der Verheißungsträger, den Gott Abraham angekündigt hatte. Land, Volk, Segen - diese drei großen Dinge hatte Gott dem Abraham versprochen. Lange blieb der Nachkomme aus. Irrte Gott? Das war die ständige Frage. Doch endlich war er da, der verheißene Erbe, der Sohn.
Und dann das Wort: Opfere Isaak! Das passt nicht ins geistliche Konzept. Das ist kurz vor dem Unglauben. So wird Gottes Werk zerstört. Gott kann doch nicht gegen sich selbst sein.

1.3 Was hat diese rätselhafte Geschichte in die Bibel gebracht? Worin liegt ihr Sinn? Wir wollen unter dieser Frage unseren Text betrachten.


2.1 Dies vorweg: Keiner geht einen Weg der lebendigen Führung durch Gott ohne wie Abraham geprüft zu werden. Es ist merkwürdig: Bei der Prüfung trennen sich normaler Glaube vom lebendigen Glauben.
Ein normaler Glaube, der davon lebt, dies Richtig und jenes für Falsch zu halten, der zerbricht oft wenn Prüfungen beginnen. Was soll es auch für einen Sinn haben, an Verheißungen zu glauben und dann zu erleben, wie sie auf den Kopf gestellt werden. Wofür soll das gut sein, wenn ich an das Gute glaube, und plötzlich werde ich vom Bösen weggerissen. Da gebe ich den Glauben lieber auf und bleibe ein halbwegs anständiger Mensch.
Viele Christen sind durch solche Prüfungen in ihrem Leben gegangen. Im Kern blieb übrig, Gutes zu wollen. Doch alle Unbekümmertheit ist weg. Auch Freude über Gott, sie fehlt. Denn gibt es einen Gott, der für das Gute sorgt? Das ist höchst zweifelhaft. Wenn ja, dann ist ER wohl bei mir vorbeigegangen. Wer alt genug ist und lange genug glaubt kennt diese Gedanken.

2.2 Und jetzt kommt unser Text und führt uns weiter. Wie Abraham auch damals weiter geführt wurde. Und gerade das Unfassbare ist der Schlüssel, was den Weg des Glaubens öffnet.


3.1 Es gilt: Was uns gelingt, darin sind wir verliebt.

3.2 Gelingt es mir, den Kuchen gut zu backen, dann bin ich stolz - hoffentlich - und auch darüber froh. Gelingt es mir die Wohnung schön zu machen, dann bin ich - auch wenn ich dies leugne - ein Mensch großen Geschmacks und gestalterischer Möglichkeiten. Ich bin stolz. Habe ich nette Verwandte - und dafür kann ich nichts - dann bin ich darüber froh und glücklich. Wie stehe ich da.

3.3 Im Glauben ist das gar nicht anders. Erlebe ich Gebetserhörung, wie stehe ich da. Was bin ich für ein Mensch. Und bin ich mutig genug, dann hören das auch die anderen: Hör mal. Bete mal. Ich habe viel Gebetserhörung - und du? Ich bin bekehrt - und du? Ich habe im Glauben das und das und das - und du? Ich bin mit Gott durch diese Krise gekommen. Ich habe mit dem Heiligen Geist so und so - und du?
Der Ton macht die Musik. Das Ungesagte hebt mich über den anderen. Ich bin, ich habe, ich kann - das macht mich größer als den anderen, nicht kleiner. Und das dringt durch, durch noch so fromme Worte.

3.4 Das gilt nicht nur persönlich, das gilt für ganze Kirchen, Konfessionen. Hat eine Kirche mehr Besuch als andere, dann machen sie gleich daraus Programm. Ihr müsst das so und so machen - genau wie wir. Dann wächst die Zahl der Leute. Wenn ihr es macht wie in ... , dann wird es gut. Sonst? Und nirgendwo ist Gottes Reich so da, wie gerade hier, in meiner Stadt, in unserem Gottesdienst. Woanders - was ist das schon. Mein Gottesdienst ist Gottes Reich. Es läuft bei anderen eigentlich nur gut, wenn es so läuft wie hier, bei mir. Und wehe, wenn einer das nicht sieht. Nicht ich, doch mein Gottesdienst, der zählt. Verliebt in eigene Kirchlichkeit.


4.1 Die Frage jedoch ist: Lieben wir noch den Herrn? Oder lieben wir die Weise wie ER uns mal begegnet ist? Genau das trennt aber Glauben vom lebendigen Glauben. Denn Gott ist ständig neu. ER ist nie ein Programm. ER lebt. ER ändert sich. ER fragt nicht, ob wir Programme, Liturgien, Formen des Glaubens, Frömmigkeitsstile, Orte unserer Kirchlichkeit lieben, die alle - hoffentlich - Arten Seiner Anwesenheit sind. ER ist ein eifersüchtiger Gott, wie die Bibel es sagt. ER fragt: Liebst du auch Mich? Liebst Du Mich, den lebendigen Gott? Oder liebst Du ein paar Regeln, die ich aufstellte, denen zu folgen nützlich ist.

4.2 Um dies zu prüfen nimmt der Herr für eine Weile weg, was ER uns gab. Damit wir klar haben, was wir lieben: IHN oder Seine Gaben.


5.1 Abraham war mit Gut und Menschen gesegnet. Das war seine Herkunft, seine Vergangenheit. Liebt er sie? - Ja. Gott nimmt sie weg. Geh weg, sagt ER, aus deines Vaters Haus.
Abraham war mit einem Nachkommen gesegnet. Das war seine Zukunft. Liebte er seinen Sohn? - Ja. Gott nimmt ihn weg. Opfere Isaak.
Gott prüft unsere Liebe zu IHM. Da habe ich nichts mehr in der Hand. Gott selbst wird mir zum Rätsel. Es bleibt nur, an Seiner Liebe festzuhalten, verstehen kann ich nichts. Es bleibt nur ER allein.

5.2 Abraham liebt Gott. Er liebte IHN mehr als sich. Seine Vergangenheit beim Auszug, seine Zukunft bei der Opferung des Isaak. Das ist der Punkt, wohin uns Gott im Glauben führt. Das nennt die Bibel, gehorsam sein zu Gott.

5.3 Als das raus war kriegt Abraham alles zurück. Nach der Bereitschaft seinen Sohn zu lassen, bekommt er ihn wieder geschenkt. Der Weg des Opfers trägt zwei Früchte: Gott wird der Größte, das Leben wird ein Geschenk. Weil Abraham diesen Weg ging, wurde er zum Vater des Glaubens.
Zu Vätern und Müttern im Glauben will Gott jeden machen, Sie, mich.


6.1 Gott sei Dank prüft Gott nicht jeden gleich so hart. Doch verstehen wir IHN? Es kann sein, dass ER manchmal nimmt, damit ich loslasse und IHN allein liebe. Erst danach kann ER uns neu beschenken. ER übt das an den alltäglichsten Dingen des Lebens, an Freundschaft, Verlust von Geld, an Schwierigkeiten. Warum? Damit Vertrauen wächst, Vertrauen zu IHM.

6.2 Gott wollte nicht den Wahnsinn eines Kindesopfers, der damals in der Welt von Kanaan durchaus noch üblich war. ER wollte für Abraham so groß werden, dass nichts den Segensstrom mehr unterbrechen konnte, den ER ausgoss. Nur angeschlossen an IHN, nicht an Regeln, Ideen, Hoffnungen. Das ist lebendiger Glaube.

6.3 So lassen Sie uns diese merkwürdige Erzählung als einen geheimen Schlüssel für die Augenblicke nehmen, wo wir es schwer haben und vielleicht auch fast verzagen. Es könnte sein, dass uns dadurch der Weg des Glaubens neu und hilfreich aufgeht.



Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)