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zum Palmsonntag
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 20. März 2005,
Palmsonntag

Die andere Königssalbung

3 Als Jesus in Betanien im Haus Simons des Aussätzigen bei Tisch war, kam eine Frau mit einem Alabastergefäß voll echtem, kostbarem Nardenöl, zerbrach es und goss das Öl über sein Haar. 4 Einige aber wurden unwillig und sagten zueinander: Wozu diese Verschwendung? 5 Man hätte das Öl um mehr als dreihundert Denare verkaufen und das Geld den Armen geben können. Und sie machten der Frau heftige Vorwürfe. 6 Jesus aber sagte: Hört auf! Warum lasst ihr sie nicht in Ruhe? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7 Denn die Armen habt ihr immer bei euch, und ihr könnt ihnen Gutes tun, so oft ihr wollt; mich aber habt ihr nicht immer. 8 Sie hat getan, was sie konnte. Sie hat im voraus meinen Leib für das Begräbnis gesalbt. 9 Amen, ich sage euch: Überall auf der Welt, wo das Evangelium verkündet wird, wird man sich an sie erinnern und erzählen, was sie getan hat.

Markus 14, 3-9

Liebe Gemeinde!

1.1 Der Palmsonntag eröffnet die Semana Santa, die Heilige Woche, mit den großen Themen von Abendmahl, Kreuzigung und Auferstehung. Er ist gleichsam die Ouvertüre. Und wie in einer Ouvertüre alle Themen des folgenden Stückes anklingen, so auch hier.

1.2 Jesus hatte die Herrschaft Gottes angekündigt. Gottes neue Schöpfung bricht an: ER sagt und es geschieht. Das hatten die Menschen mit Staunen und Entsetzen über die großen Tagen erfahren.

1.3 Dann war deutlich geworden: Die Herrschaft Gottes ist nicht ein Thema, sondern eine Person. Jesus selbst ist das Weizenkorn im Gleichnis. Jesus selbst ist die Sturmstillung. Jesus selbst ist auch die arme Witwe und das Zeichen des Jona. ICH und der Vater sind eins, heißt es nach Johannes. Wer die Herrschaft Gottes will, der kommt an Jesus nicht vorbei.

1.4 Und jetzt drängt alles nach vorne, was bisher noch im Verborgenen geschah. Jesu Botschaft, Jesu Person wurde mit dem Einzug in Jerusalem zu Palmsonntag endgültig öffentliches Thema. Palmsonntag war die Eröffnung der Messiaswahl: War ER nun der König Gottes oder nicht? Zeigt Gott mit Seiner neuen Herrschaft sich jetzt in Jesus als König oder nicht? Aufregend lief diese Frage durch das Volk und durch die Regierungskreise. Es ging um die Entscheidung: Ja oder Nein. So zog Jesus in Jerusalem ein.

1.5 Wie so oft bei großen Entscheidungen, die die Öffentlichkeit bestimmen, stehen manchmal ganz andere Dinge im Hintergrund. Oft sind es Kleinigkeiten, die die Öffentlichkeit gar nicht sieht. Manchmal sind es bekümmerte Herzen und Irrtümer oder auch kalte Machtentscheidungen mit bösen Worten, die keiner hört. Wir sollten uns von dem allen nicht betören lassen. Viele Leute singen schnell Hosianna! und ebenso schnell Kreuzige! - und merken oft nicht mal, dass nur drei Tage dazwischen liegen. Es zählt nur die Erregung. So war es auch bei Jesus.

1.6 Aus unserem persönlichen Leben wissen wir dagegen, wie wichtig Glaubwürdigkeit ist. Die tönt nie laut auf unseren Straßen. Sie lässt sich nicht betören. Glaubwürdigkeit ist nie schwarz - weiß als Lebensmuster. Wirkliches Leben kennt immer viele Töne, die die Farbe hat. Glaubwürdigkeit, sie trägt im Leben und lässt dann auch manch anderes ertragen.


1.7 Jesus war hier ganz klar. Er steckte mitten drin in allen diesen Themen. Ging es um die Messiaswahl? - Ja, sicher. Doch anders als man glaubte. ER ließ sich nicht bedrängen.
Ging es um Seine Königsherrschaft? - Ja, sicher. Doch anders als man dachte. ER ließ sich nicht betören.
Ging es um Erlösung für das Volk? - Ja, sicher. Doch wieder anders als jeder erwartete. ER blieb sich treu.
ER blieb in allem glaubwürdig bei dem, was ER selbst war: Ganz abhängig von Seinem Vater. Dem folgte ER, nicht der Messiaswahl, nicht einer Königswürde, nicht den Erlösungshoffnungen. ER war nicht korrumpierbar noch erpressbar. ER blieb auf Gottes Seite. Wie gut. So wurde Er unser Erlöser.

1.8 Wie das konkret aussieht entfaltet uns die heutige Geschichte. An ihr wird diese Haltung Jesu deutlich offenbar. Wir können davon lernen.


2.1 Bei einem Aussätzigen war Jesus zu Gast. Was für ein Ort. ER hatte ihn geheilt. Wahrscheinlich war der Mann nicht reich, wohl aber glücklich über jeden Tag geschenkten Lebens. Bei ihm war Jesus jetzt im Haus.
Dann kommt eine Frau herein. Türen gibt es ja nicht oder sie waren stets offen. An anderer Stelle der Bibel wird diese Frau als große Sünderin bezeichnet. Man kann schon ahnen, in welchem Gewerbe sie arbeitete.
Und diese Frau bringt köstliches Parfüm. Sie öffnet eine Flasche über Jesu Haar und salbt Ihn. Das Öl läuft duftend an Ihm herab. Und Jesus lässt das zu.

2.2 Glaubwürdig reagieren, was ist denn das in einem solchen Augenblick?
- Da ist zunächst die ganze Seite der Erotik. Was läuft da eigentlich zwischen der Frau und dem Mann Jesus in aller Öffentlichkeit ab? Wenn schon, wenn überhaupt, dann bitte in der Kammer! Tür zu.
- Da ist die Seite mit dem Anstand. Eine solche Frau! Wer König ist, der weiß sich gegen Niedrigkeit zu wehren. Hinweg! Jünger! Hinaus mit ihr. Oder mit etwas menschlicheren Zügen: Entschuldigung, Sie irren, jetzt aber weg. Schluss, nicht auf mein Haar. Sie packen mich nicht an!
- Da ist die Seite mit dem Glauben. Wer als Prophet gilt, der sieht, wo diese Frau herkommt. Der lässt sich nicht betören noch überfallen. Die Sünde lässt er nicht zu. Ein solches Geschehen hätte ein Messias unterbunden. Das war dann auch der Vorwurf der Frommen, der Pharisäer.
- Da ist dann noch die Sache armer Leute. So teures Parfüm. Und das nur für den Kopf, für einen Augenblick. Augenblick mal. Das geht doch nicht nach Gottes Wort. Das ist Verschwendung. Reichtum gehört verteilt, zur Hilfe armer Leute. Wer ein Messias, Hilfe der Armen, Erlösung der Gefangenen ist, verschwendet nicht Reichtum für sich als Luxus. So war der Vorwurf hier in der Geschichte.

2.3 Warum lässt Jesus zu, was doch so missverständlich ist? Ist ER denn nicht ein König? Sieht ER denn nicht, wer diese Frau ist? Will ER denn nicht den Armen helfen?
Warum lässt ER das zu? Wie kann Er als Messias noch glaubwürdig sein?


3.1 Jesus folgt nie den zugetragenen Gedanken anderer Leute. ER folgt dem, was Sein Vater sagt. An anderer Stelle heißt es: Dein Wort, Vater, ist Meine Speise. ER macht sich nicht abhängig von dem, was Leute sagen. Gerade weil ER der Messias ist, lässt ER zu, was die Frau hier macht. Wieso?

3.2 Als König zieht ER in Jerusalem ein. Doch anders als die Menschen denken. Nicht als irdischer Herrscher. ER wird als König über Tod und Sünde siegen. Das ist Sein Kampf, der Ihm bevorsteht. Erst wird ER sein Königreich über unsichtbare Mächte aufrichten. Erst werden die Pforten der Hölle besiegt. Die Römer an den Toren von Jerusalem sind nicht Sein Gegner. Erst muss das Böse sterben in der Welt. Dann können Menschen frei sein. Der Tod muss sterben, dafür geht ER in den Tod.
Als dieser andere König wurde ER geboren in einem Stall. Als dieser andere König zieht ER ein und kommt geritten auf einem Esel.

3.3 Und wo ist Seine Einsetzung als König? Wo ist die Königssalbung?
Jetzt sehen wir was Jesus sieht. Den Liebeserweis einer zweifelhaften Frau sieht ER als Seine Königssalbung.

3.4 Weil kein Prophet da ist, der dies vollzieht. Weil keine Politiker und keine Kirchenleute da sind, die es machen. Weil kein Mensch aus dem Volk das merkt. Weil nicht mal einer, der Ihm dankbar seien müsste, ein Geheilter, erkennt worum es geht. Weil nicht mal Seine Jünger es verstehen. Darum nimmt Jesus das Zeichen dieser Frau an: Sie salbt Ihn zum Messias.

3.5 ER ist der völlig andere König, mit einem völlig anderen Einzug in Jerusalem, mit einer völlig anderen Königssalbung. Fernab in einem Haus von armen Leuten. Fernab von allen Mächtigen. Fernab von jeder normalen Situation durch eine zweifelhafte Frau.
Und missverstanden von den armen Leuten - warum so viel Geld für so was?
Und missverstanden von den frommen Leuten - wie kann einer das zulassen?
Und missverstanden von den mächtigen Leuten - was ist denn das schon?
Doch eins mit Seinem himmlischen Vater.

3.6 Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Sie hat im voraus meinen Leib für das Begräbnis gesalbt.
Denn Sein Begräbnis war die Aufrichtung der Herrschaft Gottes über Tod und Totenreich. Die Königskrönung für die Welt, aus der wir kommen, in die wir gehen.
Wie einsam war der Herr in Seinem Weg. Allein mit Seinem Vater. Doch glaubwürdig, bezogen auf IHN.


4.1 Es ist erstaunlich, was Jesus noch anfügt. ER sagt, was hält. Was hat Bestand?
Amen, ich sage euch: Überall auf der Welt, wo das Evangelium verkündet wird, wird man sich an sie erinnern und erzählen, was sie getan hat (9). Was wir im Namen dieses Herrn tuen, zur Ehre Seines Namens, das hat Bestand. Davon redet vielleicht jetzt keiner. Doch dieser Schatz wird in der Ewigkeit bewahrt. Und diese dauert bekanntlich länger als menschliches Bemühen.
So lasst uns IHN erkennen und glaubwürdig vor Gott leben wie Jesus es auch tat.



Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)