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zum Karfreitag
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Gottesdienst am 25. März 2005,
Karfreitag

Die Kreuzigung
Natter, Pieta
Kreuzesbild Jesu,
Lore Natter, Österreich,
(Öl auf Leinwand)

33 Sie kamen zur Schädelhöhe; dort kreuzigten sie ihn und die Verbrecher, den einen rechts von ihm, den andern links. 34 Jesus aber betete: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Dann warfen sie das Los und verteilten seine Kleider unter sich. 35 Die Leute standen dabei und schauten zu; auch die führenden Männer des Volkes verlachten ihn und sagten: Anderen hat er geholfen, nun soll er sich selbst helfen, wenn er der erwählte Messias Gottes ist. 36 Auch die Soldaten verspotteten ihn; sie traten vor ihn hin, reichten ihm Essig 37 und sagten: Wenn du der König der Juden bist, dann hilf dir selbst! 38 Über ihm war eine Tafel angebracht; auf ihr stand: Das ist der König der Juden. 39 Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: Bist du denn nicht der Messias? Dann hilf dir selbst und auch uns! 40 Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen. 41 Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. 42 Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst. 43 Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.
44 Es war etwa um die sechste Stunde, als eine Finsternis über das ganze Land hereinbrach. Sie dauerte bis zur neunten Stunde. 45 Die Sonne verdunkelte sich. Der Vorhang im Tempel riss mitten entzwei,
46 und Jesus rief laut: Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist. Nach diesen Worten hauchte er den Geist aus. 47 Als der Hauptmann sah, was geschehen war, pries er Gott und sagte: Das war wirklich ein gerechter Mensch. 48 Und alle, die zu diesem Schauspiel herbeigeströmt waren und sahen, was sich ereignet hatte, schlugen sich an die Brust und gingen betroffen weg. 49 Alle seine Bekannten aber standen in einiger Entfernung (vom Kreuz), auch die Frauen, die ihm seit der Zeit in Galiläa nachgefolgt waren und die alles mit ansahen.

Lukas 23, 33-49

Liebe Gemeinde!

1.1 Erneut haben wir heute ein Kreuzesbild vor uns, das jemand aus unserer Mitte malte. Frau Lore Natter war oft mit ihrem Mann bei uns im Gottesdienst zu Gast. Im letzten Jahr musste sie dann mit ihm aus gesundheitlichen Gründen zurück nach Österreich.

1.2 In einem der letzten Treffen im Gesprächskreis von Estepona erläuterte sie uns Ihre Gedanken bei der Entstehung dieses ihres letzten Bildes. Sie sagte:
Ich war in einer Phase bedrückter Stimmung in meinem Leben. Ein mir bekannter Professor, selbst Künstler, gab mir einige Bildbände. In ihnen sprachen mich Christusbilder an. Dann habe ich meinen Christus gemalt.
Es ist mir schwer gefallen die drei unterschiedlichen Dimensionen von Christus, Seine Göttlichkeit, Seine Menschlichkeit und was ER für mich ist zusammenzubringen. Es wollte nicht gelingen. Ich bin nachts aufgestanden und habe es erneut versucht. Ich war geistig, seelisch ungeheuer engagiert. Schließlich betete ich: Wenn DU willst, dass es etwas wird, dann musst DU mir helfen.
"Es ist vollbracht!" sollte aus dem Bild strahlen ohne dass es lieb wirkt oder gar kitschig. Dann ist es fertig geworden. Es ist in so viel Liebe entstanden, dass etwas von Glaube, Liebe und Hoffnung auch zu anderen kommt, so hoffe ich. Göttliches Licht sollte von IHM ausgehen, obwohl ER dort am Kreuz hängt und tot ist. Es ist mir so lieb. Ich kann es nie verkaufen.

1.3 Lassen Sie uns noch ein wenig bei diesen Eindrücken verweilen. So einmalig wie sie sind, sie reden auch einmalig in unser Leben und erläutern unser Bibelwort.
Schauen wir noch einmal hin. Drei Dinge fallen mir dabei sofort ins Auge.


2.1 Die Haare. Lang fallen sie herab, bedecken ganz die rechte Hälfte des Gesichts. Ein Vorhang, der von der Dornenkrone abwärts alles verdeckt. Da ist nichts mehr zu sehen von dieser Hälfte Seines Gesichts, da kann ER selbst nichts mehr sehen.

2.2 Nichts mehr sehen können ist ja das Thema von Karfreitag.
Die Frommen konnten die eine Hälfte von Jesus nicht sehen, dass ER Gottes Sohn ist. Dieses Gesicht war ihnen verborgen. Deshalb brachten sie Ihn an das Kreuz.
Die Peiniger, die als Schergen dieses Werk ausführten, und ebenso die frommen Betrachter konnten Jesu Hilfsbereitschaft gegen alle Menschen nicht erkennen. Den Teil sahen sie nicht. So spotten sie, wenn Du König bist, hilf Dir selbst.

2.3 Doch Jesus selbst war auch auf einer Seite blind. Für Ihn hat sich das Licht der Gegenwart des Vaters hier verdunkelt. Mein Gott, Mein Gott, warum hast Du Mich verlassen. Der eine Teil von Ihm war weg. Sein Auge sah nicht mehr in Gottes Herrlichkeit, was ER stets tat. Die Prophetie erlosch. Von Gott verlassen war Gott für Ihn unsichtbar.

2.4 Die Künstlerin hat hier für uns das Wunder der Erlösung festgehalten. Jesus wurde Einer von uns und ER tat es für uns.
Wo sich die Dunkelheit tief um uns ausbreitet, wo wir nur noch menschliches Elend erkennen und göttlicher Lichtblick fehlt, wo der hoffnungsvolle Blick verdunkelt ist - Jesus kennt das, Jesus weiß darum.
Und noch mehr. ER weiß es nicht nur, weil ER es selbst erlitt. ER trug das auch für uns. Hier erfüllt sich das rätselhafte Prophetenwort des Jesaja: Die Strafe liegt auf Ihm, auf dass wir Frieden hätten. Leg deine Dunkelheit auf Ihn. ER trägt sie mit und für dich. In Seinem Tod stirbt, was uns tötet. Leg ab.

2.5 Der erste, der das damals tat, war ein Mitleidender, der Schächer neben ihm am Kreuz. Und er erfährt als erster die Hoffnung der Erlösung: Heute noch wirst du mit Mir im Paradiese sein.


3.1 Das zweite Auffällige ist die Dornenkrone.
Sie läuft als Ring über die Stirn und endet dann - ja wo? Im Licht. Es scheint als würde sie hinter dem Kopf in einem Lichtfeld aufgehen. Was für ein Hinweis.

3.2 Die Dornen sind ja Zeichen für unsere irdisches Leben. Disteln und Dornen soll der Boden tragen, heißt es für Adam. Und Dornen trägt nicht nur der Boden, wir tragen sie ja auch. Ist deshalb nicht die Rose unser Zeichen für die Liebe, weil wir die Liebe nie ohne unsere Stacheln hinbekommen.

3.3 Jetzt trägt der Herr am Kreuz die Dornen. ER trägt sie alle, unsere stacheligen Seiten, unsere Pikser und unsere Dolche. ER trägt uns als die Täter. Und ER trägt auch die Wunden, die Opferseite. Man hat Ihm dies im Spott als Zeichen Seiner Königswürde aufgesetzt. Man sah nicht, dass ER darin wirklich König ist, der Träger aller Dornen.

3.4 Gibt es im Leben einen Tag ohne diese Realität der Dornen und ihrer Schmerzen? Herr, nimm auch meine. Und nimm auch meine Wunden. ER tut es.

3.5 Und diese Dornenkrone ist nicht das Letzte. Sie endet im Licht. Einmal sind alle Tränen abgewischt. Dafür ist Jesus unsere Hoffnung.


4.1 Das dritte, was auffällt: was ist eigentlich mit dem Kreuz?
Da sind die Balken links und rechts zu sehen. Doch hinter Jesu Kopf, da fehlt das Holz. Da ist nur Licht. Der senkrechte Kreuzesbalken ist gar nicht zu sehen. Was ist das?

4.2 Es scheint als ob ein Heiligenschein von hinten Jesu Haupt umgibt. Doch was ist ein Heiligenschein? Er ist nichts anderes, als dass Gott hinter einem steht und Sein Licht durchstrahlt. So hier durch Jesus.

4.3 Es ist als ob Gott die Balken des Todes am Kreuz durchbricht und Sein Leben sich durchsetzt. Hinter Jesus leuchtet das schon auf.
Der Balken der Sünde, die Horizontale, ist durchbrochen. Der Balken der Gottesferne, die Senkrechte, ist nicht mehr in Kraft. Gott selbst hat Jesu Opfer angenommen. Sein Licht leuchtet durch Ihn, gerade am Kreuz. Die Auferstehung wird siegen. Es ist vollbracht.

4.4 Für Jesus selbst ist diese Hoffnung auf die Auferstehung nicht zu sehen. ER stirbt als Gottes Lamm. Doch wir erkennen schon das göttliche Werk. Sein Licht ist da. ER schenkt uns in Jesus die Erlösung.
Göttliches Licht sollte von Ihm ausgehen, obwohl ER dort am Kreuz hängt und tot ist. So sagte die Künstlerin. Wir können es jetzt sehen.


5.1 Wir haben jetzt in diesem Bild betrachtet, was uns das Bibelwort erzählt. Betrachten ist der Weg des offenen Herzens.

5.2 Lassen Sie uns darin fortfahren. Dann können wir die Dunkelheiten vielleicht noch anders aushalten. Denn können wir die Dornen unseres Lebens auf Ihn legen. Dann können wir den Sieg Gottes über Sünde und Gottesferne für uns sehen und nehmen. Dann können Glaube, Liebe, Hoffnung wachsen, wie es die Künstlerin sich wünscht.



Amen.





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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)